Caro Maurer MW – Die Persephone der Weinwelt
Du stimmst mir zu. Es gibt Weingrößen, die man verehrt. Dann gibt es Weinexpertinnen, bei denen man regelrecht erblasst. Und dann gibt es jene seltene dritte Kategorie, bei der man beides gleichzeitig tut – und dabei noch dankbar ist für jeden Moment, in dem diese das eigene Weinleben begleiten. Caro Maurer MW bespielt diese dritte Ebene, schier konkurrenzlos und so unfassbar einzigartig. Leader in unserer Weinwelt werden nicht gewählt. Sie entstehen. Wenige Menschen vermögen es, eine oft so verkopfte und künstlich verkomplizierte Sache, wie den Wein, wie ein Wollknäuel aufzudröseln und greifbar zu machen, wie Caro. Und ja, deshalb ist Caro Maurer vielleicht Persephone mit Weinglas und Notizblock. Dass sie in Bayern geboren wurde, wird nicht der Grund für ihre tiefe Bodenständigkeit oder ihren unkorrigierbaren Ehrgeiz sein, aber es half vielleicht. Sie studierte Kommunikationswissenschaft, ging nach New York und Los Angeles, schrieb für Forbes und Die Welt – also zunächst einmal all das, was eine bemerkenswerte Karriere so macht, bevor sie bemerkenswert wird. Und dann kam der Wein. Oder vielleicht kam Caro zum Wein. Bei einer Begegnung dieser Größenordnung ist die Frage nach dem Wer-zuerst-wen ohnehin eher für Historiker interessant. Und wir klären es in dieser Episode. Was wir schon wissen: Es blieb nicht beim Interesse. Aus Neugier wurde Können, aus Können Autorität und aus Autorität schließlich etwas, das in der Weinwelt ungefähr den Rang eines göttlichen Titels besitzt: Master of Wine. 2011 bestand Caro Maurer die Prüfung und wurde damit zur ersten Frau aus einem deutschsprachigen Land, die diesen Titel trug.
Man könnte jetzt sagen: eine bemerkenswerte Karriereleistung. Man könnte auch sagen: eine kleine historische Verschiebung der tektonischen Platten. Denn die Weinwelt war lange ein erstaunlich männlicher Tempel. Frauen durften dort vieles sein – Gastgeberin, Muse, Kennerin, Begleitung. Nur die Hohepriesterin des Geschmacks war man lieber unter sich.
Caro Maurer hat diesen Tempel nicht gestürmt. Sie hat ihn einfach betreten, die Weine verkostet, die richtigen Antworten gegeben und irgendwann den Schlüssel bekommen.
Sie musste nie erklären, warum sie dort hingehört. Sie hat es einfach bewiesen. Und apropos erklären: Niemand erklärt Wein so wunderbar bodenständig, authentisch, wissend und unaufgeregt wie Caro Maurer MW. Vielleicht kann sie das, weil sie Wein genauso sieht. Aber das hörst Du ja gleich selbst.