Die interessantesten Weinkellner unserer Zeit
00:00:00: Herzlich willkommen zu Sommelier, die interessantesten Weinkenner unserer Zeit.
00:00:04: Ich trinke Wein, weil mich das dahinter fasziniert.
00:00:07: Wer den Wein gemacht hat, was der Wein über sich selber erzählt,
00:00:11: das klingt immer total kitschig, aber das ist ja das, warum ich Wein als Beruf mache,
00:00:16: warum Wein mein Beruf ist und ja, es ist einfach eine tolle, faszinierende Angelegenheit.
00:00:25: Unsere heutige Gästin ist eine der einflussreichsten Weinpersönlichkeiten unserer Republik.
00:00:30: Ich bin ja sehr früh in die Weinbranche gerutscht. Ich war 16, da habe ich angefangen, mich für Wein zu interessieren.
00:00:36: Also relativ früh bin ich auch in einem Haushalt groß geworden, wo Wein und Essen immer im zentrale Mittelpunkt war.
00:00:41: Ich bin in einer Gastronomie aufgewachsen und zwischen Pass und Getränkebuffet.
00:00:48: Und Wein hat mich wirklich direkt zu Beginn total fasziniert, weil ich immer einen Beruf ausüben wollte, bei dem ich reisen kann.
00:00:58: Und dann überlegt man halt, was fällt und wie das Raster reisen, kulinarig, mit Menschen, Geselligkeit.
00:01:06: Und ich habe mich dann für Wein entschieden.
00:01:09: Und dann habe ich eine Zeit lang im Export gearbeitet und auch schon bei der Arbeit beim Gast,
00:01:14: die ich auch in der Gastronomie gearbeitet habe, hat mir dieses Erklären immer extrem viel Spaß gemacht, dieses Leute an die Hand nehmen
00:01:21: und eben nicht irgendwie snobbisch da herreden, sondern halt Leute für das Thema begeistern.
00:01:28: Das ist mir wichtig. Und dass es auch keine Tabus gibt.
00:01:32: Also wenn man halt mal irgendwie was nicht mag oder sowas und so, dann soll man das sagen und gerade aussprechen.
00:01:37: Und dass man so ein bisschen die ganze Thematik einfach auflockert.
00:01:42: Und das, was mir auch Spaß gemacht hat, ein Verbraucher*innen, das halt einfach zu erklären,
00:01:47: weil es auch eine ganz andere Dankbarkeit ist, als wenn man jetzt nur so nördig irgendwie redet.
00:01:52: Oder mit Leuten, die halt auch voll im Fach sind.
00:01:55: Und ja, und dann kam so eins zum anderen. Und das Steine fing an zu rollen.
00:02:01: Und dann habe ich halt geguckt, ich wollte immer schreiben.
00:02:03: Und dann, die sozialen Medien haben ja auch einfach so eine neue, haben dieses ganze Thema Wein demokratisiert.
00:02:11: Und ich freue mich sehr über das intensive, emotionale, fachkompetente und tiefsinnige Gespräch
00:02:16: mit Luisa Maria Schmidt, aka Lu.
00:02:19: Der eine Seite liebe ich, ist mit Menschen zusammenzusetzen und gemeinsam den Wein zu verkosten,
00:02:24: weil ich mich auch darüber austauschen möchte.
00:02:26: Und auf der anderen Seite ist es natürlich so, dass an wilden Abenden dann ganz viele Flaschen aufgerissen wird
00:02:31: und werden und man kommt überhaupt gar nicht mehr hinterher.
00:02:34: Und das ist dann, was ich dann manchmal tatsächlich schade finde, dass man gar nicht hinterher kommt.
00:02:39: Aber für mich ist Wein in jeder Situation, jeder Gelegenheit einfach immer super schön.
00:02:45: Also ich glaube, ich war einfach zu jung.
00:02:47: Ich glaube, ich war zu jung, ich wollte aber sehr viel.
00:02:50: Und war irgendwann auch total frustriert, weil ich halt keine Stelle im Export gefunden habe.
00:02:56: Und dann hatte ich glaube ich mal eine Stelle, da war die Bezahlung so krottenschlecht.
00:03:00: Und das kommt ja auch noch hinzu in der Weinbranche.
00:03:02: Ich meine, das, was du liebst, das musst du ja erstmal monetarisiert bekommen.
00:03:06: Bei aller Liebe und dann irgendwie für eins, vier, netto, dann da irgendwie, also nee, danke.
00:03:10: Also das war halt auch, es ist schon, die Welt des Weins ist toll und ich liebe alles daran.
00:03:17: Aber wir bewegen uns halt leider, Gott ist immer noch im landwirtschaftlichen Sektor und also gehälter.
00:03:23: So ist halt echt ein riesiges Thema und ist super schwierig.
00:03:27: Dann hast du das Zeug aus Plastik-Cups verkostest.
00:03:29: Und dann denkst du dir halt hier so in Europa oder Deutschland, ja, es ist jetzt nicht deren Ernst.
00:03:33: Also ich hätte jetzt schon ganz gerne eine zweite Universität.
00:03:35: Nein, nein, nein, Plastik-Cup und dann in Müll und dann sagt er so, ja, pass mal auf, da oben habe ich nur eine kleine Ecke im Shell frei.
00:03:42: Den Platz kannst du haben, eine Woche, wenn das sich bis Ende der Woche nicht verkauft hat, dann schmeißen wir dich wieder raus.
00:03:47: Und du bist so, ja, okay, danke, danke, danke, danke.
00:03:49: Also das ist das System da und das ist harte Arbeit, das ist Arbeit da und da geht es jetzt nicht darum.
00:03:54: Ja, ich habe ein bisschen jetzt mal richtig böse gesprochen, das meine ich aber nicht so, ein bisschen grüne Apfel in der Nase und keine Ahnung was.
00:04:00: Und da geht es wirklich ums Verkaufen.
00:04:02: Also ich glaube auch, dass die Gastronomie irgendwannerweise auch verpasst hat,
00:04:06: vielleicht nach Corona auch irgendwie andere Spielregeln auch mal gelten zu machen,
00:04:10: dass es angenehmer wird für die Mitarbeitenden und auch vielleicht mal, dass es klare Grenzen oder wie auch immer man das nennen möchte, auch für die Gäste gibt.
00:04:20: Also ich habe ja ewig in der Gastronomie gearbeitet.
00:04:23: Natürlich nur im elterlichen Betrieb und natürlich, wenn man das einmal gelernt hat, das Handwerk, weißte selber,
00:04:29: das wirst du natürlich auch überall mit Kusshand genommen, im Sinne von Borda ist eine, die kann kloppen und kann Teller tragen und eindecken und was weiß ich.
00:04:37: Und ich habe natürlich auch mir mein ganzes Studium damit finanziert.
00:04:39: Ich habe 3, ich habe in Parallel in 3 gastronomischen Betrieben gearbeitet.
00:04:44: Und ich glaube bei dem einen Betrieb, da war ich die komplett 3 Jahre.
00:04:49: Also das war schon echt dann auch traurig als gegangen, weil es ist so Team und Gastronomie, das ist so ein Vibe,
00:04:56: der der unbeschreiblich ist und dem man
00:05:01: Ich glaube, ich kann nur ganz schwer klären gegenüber Menschen,
00:05:03: die noch nie in der Gastronomie gearbeitet haben
00:05:05: und das mit Leidenschaft tun.
00:05:07: Und nein, Gastronomie war immer mein Baby.
00:05:10: Und ich würde auch nicht ausschließen,
00:05:12: dass ich irgendwann vielleicht wieder zurückgehe in die Gastronomie
00:05:16: mit irgendeinem Konzept, das mir für mich stimmig ist.
00:05:19: Für mich ist es wichtig,
00:05:21: natürlich, wenn wir in Essen gehen, wir gehen viel essen,
00:05:24: andere kaufen sich mit Teure Klamotten,
00:05:26: wir gehen halt essen und Wein trinken.
00:05:30: Und wenn wir ausgehen,
00:05:32: dann achten wir natürlich schon darauf, ob die Handgriffe sitzen.
00:05:35: Ganz klar, die Basics sind einfach Stimmen, sag ich jetzt mal.
00:05:39: Aber wenn es nicht stimmt,
00:05:41: das ist mir auch im Grunde genommen egal,
00:05:43: da ist jemand dabei, der irgendwie Bock hat, was er da gerade tut.
00:05:47: Worauf ach, was wäre mir wichtig, wenn ich als編ier arbeiten würde,
00:05:51: dass ich mich selber nicht so ernst nehme
00:05:54: und dass ich halt aktiv mich auf den Kunden einlasse
00:05:57: und zuhöre und nicht nur rede, sondern zuhöre
00:06:01: und mich nicht selber verwirklichen möchte,
00:06:04: sondern ich möchte den Gast zufriedenstellen.
00:06:06: Und das ist mir halt wichtig.
00:06:08: Das wäre mir wichtig, war mir immer wichtig,
00:06:11: als ich in der Gastronomie gearbeitet habe.
00:06:13: Ohne irgendwelche Dogmen oder so,
00:06:16: sondern mein Gegenüber ernst nehmen zuhören
00:06:18: und versuchen, den Gast glücklich zu machen,
00:06:21: ihn zu verstehen in seinen Kulinarischen Bedürfnissen.
00:06:24: (Durchsage)
00:06:25: Oft ist es schon so, dass dir ein Wein aufgeschwatzt wird,
00:06:29: obwohl du halt gesagt hast,
00:06:31: ja, du hättest eigentlich gerne so was in die Richtung,
00:06:34: aber dann hat er halt gerade irgendwie, weiß ich nicht,
00:06:37: 20 Katons davon eingekauft und findet das selber so geil.
00:06:40: Da muss ich dir das beweisen, dass das einfach toll ist.
00:06:43: Aber ich wollte was anderes,
00:06:45: ich bin dann auch immer so jemand, der schlechten Nein sagen kann.
00:06:48: Dann hab ich den Wein da vorne stehen
00:06:50: und will nicht verdrehen, weil wir denken,
00:06:53: er ist glücklich, er ist glücklich, er hat uns den Wein ausgeschenkt.
00:06:56: Hauptsache, er hat einen guten Tag.
00:06:58: Ja, ich verkaufe eine Flasche, hat man schon oft.
00:07:01: Aber für mich ist es irgendwie schön zu sehen,
00:07:04: ob da jemand arbeitet, der sein Handwerk verstanden hat,
00:07:08: der die Komposition der Gerichte verstanden hat,
00:07:10: ob der eine Ahnung hat von der Kombination von Wein und Speisen,
00:07:14: ob das sich kontrastriert, ob das sich ergänzt,
00:07:19: ob das Sinn macht.
00:07:21: Diese aktive Kombination von Wein und Speisen
00:07:24: finde ich unglaublich faszinierend.
00:07:26: Das ist etwas, was mir selber auch sehr viel Spaß macht.
00:07:29: Wenn du natürlich in ein gutes Restaurant fährst
00:07:31: und die sind bekannt für eine gute Weinkarte
00:07:34: und für die Arbeit, die sie dort leisten,
00:07:37: dann wähle ich im Grunde genommen immer die Weinbegleitung.
00:07:41: Nicht nur, weil ich sehen möchte, ob das passt.
00:07:44: Ich nehm ja keine Prüfung ab, das meine ich nicht.
00:07:47: Aber du lernst ja auch immer wieder dazu.
00:07:50: Du lernst ja immer wieder neue Jahrgänge kennen,
00:07:52: neue Produzenten kennen, neue Rebsorten kennen.
00:07:55: Selbst wenn ein Wein mal nicht zu dem jeweiligen Gang passt,
00:07:59: geht ja bei mir direkt das Türchen auf.
00:08:01: Warum passt denn der Wein nicht dazu?
00:08:03: Und das komplette Gespräch findet ihr ab morgen bei Sommelier,
00:08:07: die interessantesten Weinkenner unserer Zeit,
00:08:09: auf dieser Plattform oder überall, wo es Podcast gibt.
00:08:12: Und das heißt, egal, ob das jetzt spektakulär war,
00:08:16: die Weinbegleitung oder semi-spektakulär,
00:08:19: ich lern ja immer dazu.
00:08:21: Das ist das Schöne daran.
00:08:23: Deswegen wählen wir immer eine Weinbegleitung.
00:08:26: Wie die macht das mittlerweile auch total viel Spaß.
00:08:29: Wir fragen dann immer, ob es möglich wäre,
00:08:32: dass wir eine Weinbegleitung, wir brauchen nur so ein Schlückchen,
00:08:36: wir wollen halt nur was kennenlernen, was neu ist.
00:08:39: Und dann bestellen wir uns halt immer so ein Zwischenfläschchen dazu.
00:08:43: Und trinken die halt auch in der Zeit.
00:08:45: Also das, wo wir sagen, Mensch, das kriegen wir sonst nicht.
00:08:48: Aber hier ist was Neues aus der Region,
00:08:50: das wollen wir unbedingt mal ausprobieren.
00:08:52: Ich könnte jetzt nicht nur Weinbegleitung machen,
00:08:55: also komplett abgeben, kann ich das doch nicht.
00:08:57: Aber diese Mischung macht es dann für mich.
00:09:00: Diese Folge wird begleitend unterstützt von der Schlumpegergruppe
00:09:04: und den Weingütern, Freier von Gleichenstein,
00:09:06: Giuseppe Giusti und Rat Moon Sparkling.
00:09:09: Vielen lieben Dank dafür.
00:09:11: Und wenn du so ein Service ...
00:09:13: Da haben wir dann so, kennst du selber einen Leerlaufhaar,
00:09:16: ein kleiner Kreislauf-Anheber, was auch immer, wie man das nennen will.
00:09:20: Und weil du alles aus dem FF konntest,
00:09:22: das war jetzt nicht so, dass ich so ein Gläschensekt
00:09:25: oder ein halbes Gläschensekt irgendwie aus dem Konzept gebracht hätte.
00:09:29: Und ...
00:09:31: dann musste ich in die Küche oder bin in die Küche gegangen.
00:09:35: Und ich kannte zwar jeden Handgriff meines Fahrt,
00:09:38: ich wusste, wie was angerichtet wird und alles drum und dran.
00:09:41: Das ist aber eine andere Form der Konzentration.
00:09:44: Töpfelgeklapper, die Service ...
00:09:46: gelabert dich voll, kaudiert ein Ohr ab,
00:09:49: die Bongleiste hängt voll und so.
00:09:51: Ich weiß nicht, ob meine Mutter mir ein kleines Pilzmer hingestellt,
00:09:54: und hab einen genippt von und sagt mir,
00:09:56: kannst du grade wieder abräumen?