SOMMELIER

SOMMELIER

Die interessantesten Weinkellner unserer Zeit

Transkript

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00:00:00: Einen wunderschönen. Mein Name ist Willi Schlögel. Ich bin Wirt in der Freundschaft in der

00:00:18: Mittelstrasse 1 und bin der Host von "Terroir und Adiletten". Und ich freue mich heute sehr

00:00:27: sehr, über Sascha Speicher ein paar lustige Sachen zu erzählen. Ich hoffe, er freut sich auch

00:00:32: darüber, wenn wir dann sehen nach der Folge. Auf jeden Fall haben wir ein bisschen was aufgeschrieben,

00:00:36: weil es ja doch viel, was man über diesen tollen Menschen erzählen kann und er erzählen muss.

00:00:42: Und weil so viel ist, wie gesagt, keinem was aufgeschrieben. Deshalb klingt das jetzt ein bisschen

00:00:48: runter gelesen, ist es auch. Aber ja, ich glaube, bei Menschen wie er verdienen Sortiertheit.

00:00:54: Den Drittelsaal in der Drittelpfälzer und am liebsten Drittel Österreicher habe ich das erste Mal so richtig

00:01:01: bei einer fulminanten Grillrunde im Reiterpfad mit Ritschigrosche kennengelernt. Dabei ist mir zum

00:01:08: ersten Mal bewusst geworden, wie präzise und analytisch man Premiumweine verkosten und auch

00:01:14: noch besser drüberschreiben kann. Kurz darauf hatte mich mehrfach bei Meinigas eingeladen und dort

00:01:21: stelle ich schnell fest, dass er als wirklich unbestechlicher und unparteiischer Journalist nicht

00:01:26: um mit großen Premiumweinen zu tun hat, sondern auch mit großer Akribie und Fairness, die weniger

00:01:32: hochgehandelten Weinen mit Passion verkostet, was meinen Respekt gegenüber ihnen noch mehr wachsen

00:01:37: ließ. Sozeug trinkt man ja nicht immer gerne, also kann man sich vorstellen, worum. Als leidenschaftlicher

00:01:43: Sprudel beziehungsweise Champagner-Affisionado lerne ich jedes Mal Neues, wenn ich mit ihm einer der

00:01:49: sogenannten Flasche öffne. Er ist der beste Beweis dafür, dass man in der wunderbaren Welt des

00:01:54: Weins niemals auslernt. Mit seinen zahlreichen Initiativen wie dem Champagner-Magazin, den

00:02:00: Meinigas-Sommeliers-Sammet und den Meinigas-Finess 100 hat er sich nicht nur in die Herzen aller

00:02:07: Sommelieren, Sommeliers und hedonistischen Weinliebhabern gekämpft, sondern eigentlich hat er

00:02:13: seinen eigenen Stern am Walk of Wine-Fame in Neustadt an der Weinstraße verdient. Er

00:02:18: bereichert die deutsche Weinwelt nicht nur "Nein", ohne ihn wäre sie nicht das, was sie heute ist.

00:02:24: Ich bin froh und mehr als glücklich, in seit langer Zeit meinen Freunden einen zu dürfen und freue

00:02:29: mich auf jede weitere Flasche Wein, die ich mit ihm aufmache und noch mehr freue ich mich auf

00:02:35: Rheinrad runden mit ihm. Nur das mit Schalke, das verstehe ich nicht, aber vielleicht bespreche

00:02:40: das heute in der Folge. Viel Spaß, liebe Grüße aus Berlin und bis bald.

00:02:46: [Musik]

00:03:08: Einen ganz herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Sommelier, die interessantesten Weinkenner unserer Zeit.

00:03:15: Beziehungsweise gehen wir ja eigentlich in dieser Woche fremd mit unserer Rubrik, mit unserem Format

00:03:20: "Sommelier & Friends", also Menschen, die Sommeliers sehr beeinflussen, die eine eigene Betrachtungsweise

00:03:25: auf Sommeliers haben, die Sommeliers irgendwie begleiten und eine kraftvolle Stimme in der Branche haben.

00:03:31: Und das hat er. Er hat unglaublich viel bewirkt, er hat unglaublich viel begleitet, nicht nur mit dem

00:03:36: Summit, den er ins Leben gerufen hat, der im Frühjahr und im Herbst stattfindet, nicht nur mit dem

00:03:41: feines 100, nicht nur mit dem Sommelier-Magazin, nicht nur mit seiner, man kann eigentlich fast sagen,

00:03:47: stetigen Unterstützung, Lobholtigung dieser Branche. Er ist ein ganz ganz wichtiger Faktor in dieser Branche

00:03:53: und er ist großartig und ich freue mich sehr auf Sascha Speicher. Und bevor wir ins Gespräch einsteigen,

00:03:59: möchte ich mich nicht minder herzlich bei unserem Partner, der Schlumbergergruppe.

00:04:03: Mit den Handelshäusern segnet Schlumberger Konziowini und dem Privatkundenportal Bremer Weinkolleg

00:04:09: aufs allerherzlichste, nicht nur für die wirtschaftliche Unterstützung, dass ihr auch was zu essen habt,

00:04:13: sondern auch für die händische Begleitung. Ganz ganz herzlich bedanken. Und dank Ihnen,

00:04:18: ist er heute hier. Herzlich willkommen lieber Sascha Speicher!

00:04:22: Es gibt so ganz viele Sachen, die mich bei dir wahnsinnig interessieren, weil du ja gerade für

00:04:29: Sommelys so allumfänglich bist und trotzdem so ein bisschen im Untergrund. Ich würde dich total gerne richtig

00:04:34: hart daran nehmen. Also viele kenn dich vielleicht nicht und die einfach gerne Wein trinken, aber

00:04:41: in der Szene bist du natürlich, was soll man sagen, der Vater der Sommelys, eigentlich der Guru der Sommelys,

00:04:46: der alles zusammenhält, der alles organisiert hat, der Struktur und diese ganze Szene reingebracht hat.

00:04:51: Und dann frage ich mich manchmal zum einen, woher hast du die Inspiration, woher hast du die Ideen?

00:04:56: Also allein für den Summit, wer es nicht weiß, das ist, oder magst du es erzählen, was der Summit ist?

00:05:03: Der Summit ist im Prinzip entstanden, als ich das Magazin, also mein Enger Sommelier, neu aufgesetzt habe.

00:05:11: Mir war klar, dass das nur funktionieren kann, wenn alle Sommeliers da wirklich mitziehen, wie du es ja beschrieben hast.

00:05:17: Und deswegen dachte ich, wir müssen bevor wir die erste Ausgabe produzieren, eine Veranstaltung kreieren,

00:05:25: wo wir einfach die Sommeliers zusammenbringen, um da eine Art Community zu schaffen.

00:05:29: Und so ist der erste Summit entstanden und ich habe da am Anfang natürlich die Sommeliers auch mit an Bord genommen, ein Stück weit,

00:05:36: die ich gut kannte, also Billy Wagner zum Beispiel, war von Tag 1 an da sehr engagiert,

00:05:42: kam sogar an Tag Früh, hat mir die Weine aufgemacht und so war es dann gleich auch ein sehr familiäres Ding irgendwie für die Sommeliers-Szene

00:05:51: und hat sich deswegen auch so gut entwickelt.

00:05:53: Und es ist ja mittlerweile so eine der Institutionen in der Sommelierszene schlechthin, es gibt glaube ich zwei,

00:06:00: ich glaube es gibt zwei, ein im Frühjahr, ein im Herbst, wann war der erste, war das 2015 oder 2015?

00:06:06: 2013 im November fing das Ganze an und der Spring Summit ist eigentlich durch die Pandemie entstanden.

00:06:13: Wir haben 2020 dann eben im Herbst das nicht machen können und haben dann Nachholtermin im Mai 2021 gemacht,

00:06:24: natürlich mit Abständen und so weiter und so fort und eben bei uns im Haus, weil ja in die Gastronomie konnte man ja nicht gehen in der Zeit.

00:06:31: Und das war aber dann irgendwie ganz cool, weil es nochmal intimer war, der Sommeliers Summit war ja schon sehr gewachsen,

00:06:37: es waren dann in der Spitzenzeit mal über 80 Sommeliers, wir haben es wieder reduziert auf 65,

00:06:42: weil wir gemerkt haben, es geht da was verloren, wenn es zu groß wird.

00:06:46: Und der Spring Summit bei uns im Haus ist aufgrund der Platzverhältnisse in unserem Verkostungsraum im Meininger Verlag hier auf 40 limitiert.

00:06:56: Und das war dann einfach in 2021, waren es natürlich keine 40, sondern dann war 30 mit den Lücken dazwischen.

00:07:04: Und das war so eine tolle Atmosphäre natürlich, weil auch jeder sich gefreut hat, sich endlich mal wieder zu treffen,

00:07:08: nach den Monaten in der Isolation und dann haben wir gesagt, okay, warum machen wir es nicht zweimal im Jahr?

00:07:16: Es gibt uns auch die Möglichkeit, ein bisschen mehr zu wechseln, denn noch ist es ja Gott sei Dank so, dass die Szene ein bisschen wächst gefühlt.

00:07:24: Es gibt die Etablierten, die machen dann ein neues Projekt, dann rückt ein Sommelier an die Stelle nach und so wird eigentlich die Community langsam, aber doch nochmal größer.

00:07:37: Was ich von Anfang an so unfassbar beeindruckend fand, es gibt der andere Sommelierzusammenkünfte, wo man sich trifft, dann trinkt man drei Gläserwein, lacht ein bisschen, redet ein bisschen, Netzwerk natürlich ein wenig,

00:07:47: aber die war es immer mehr wert. Also es waren unglaublich tiefsinnige, unglaublich akribisch ausgearbeitete Seminare für uns, die uns ein Mehrwert gebracht hat,

00:07:56: die uns die Chance gegeben haben, Weine zu probieren, die man vorher nie, niemals probieren konnte, durfte.

00:08:02: Teilweise eben auch Champagner Seminare, wo man über Farben geredet hat bei Roséwein, wo man über den Lichteffekt geredet hat, den viele gar nicht auf den Schirm haben und so weiter.

00:08:14: Also für uns ganz, ganz viele neue Dinge und zwei Tage vollgepackt mit einfach Informationen. Warum?

00:08:20: Das hängt sicher mit dem Respekt zusammen, den ich vor dem Sommelierjob habe.

00:08:25: Ich sehe die Sommelier und Sommeliers in Deutschland eben als die echten Weinexperten an und da muss man natürlich auch entsprechend auf Expertenniveau diese Seminare organisieren,

00:08:35: ansonsten ist es eine, wie gesagt, eine Spaßveranstaltung und ich weiß, dass natürlich kein Sommelier sich mit allen Weinen dieser Welt gleichermaßen gut auskennt, ich ja auch nicht.

00:08:46: Aber die Seminare müssen natürlich auf höchstem Niveau angesetzt sein und alle sind so weit Profis, dass sie dann schnell sich da reinfuchsen können.

00:08:55: Also wenn sie die Weine probieren, begreifen sie sehr schnell um was es geht. Auch wenn das jetzt ein Thema ist, was man auf seiner Weinkarte in seinem Restaurant vielleicht nicht so stark spielt.

00:09:04: Warum wolltest du das Sommelier mal ganz neu aufsetzen? Es war ja, es war ein Bestandteil, es gehört zur Sommelierunion so im weitesten Sinne.

00:09:11: Aber allein das Cover, also alles die Aufmachung, die Wertigkeit des Papiers, die Wertigkeit der Geschichten, es war ja alles komplett neu mit einmal und eigentlich ja auch schade, dass es im freien Markt gar nicht so präsent ist oder gar nicht so bekommen ist.

00:09:25: Na ja, man kann es abonnieren und das funktioniert auch super. Also wir haben mich klopft auf Holz seit Tag 1 pro Jahr leisteigende Abozahlen.

00:09:34: Bis heute, also es geht jedes Jahr ein Stückchen weiter rauf. Wir haben uns bewusst gegen den Kioskverkauf entschieden. Wir hatten es mal ganz kurz gemacht, aber es ist im Endeffekt eine Papierverschwendung.

00:09:46: Man verkauft dann zwar mehr, aber es gibt natürlich trotzdem Rückläufer und man drückt dann mehr, als nachher wirklich verkauft werden.

00:09:53: Wir wissen ja alle, Papier ist teuer und ist ja auch ein Rohstoff. Also haben wir gesagt, okay, wir produzieren genauso viele, wie wir wirklich brauchen und setzen halt wirklich auf Abo.

00:10:04: Und vertrauen einfach darauf, dass diese innere Szene sich so gut kennt, dass die Leute, die sich jetzt für dieses Feindinning für Wein war, für die Gastronomie interessieren, früh oder später drüber steubern und dann, wenn es ihnen gefällt, auch abonnieren.

00:10:17: Das ist im Prinzip die Idee. Und das Magazin zu machen, geht darauf zurück.

00:10:26: Wein ist die Leidenschaft Nummer 1 bei mir, Gastronomie die Leidenschaft Nummer 2. Und das ist das Magazin, wo ich beides zusammenbringen kann.

00:10:34: Und ich habe ja früher Weinwirtschaft gemacht, das ist ein Business Magazin, da geht es um Weinhandel, um Zahlen und das ist ein extrem wichtiger Bestandteil, aber es ist nicht ganz meine Weinwelt.

00:10:48: Mir geht es um die handwerklichen Weinen, die Herkunft ausdrücken und die erfolgreich zu machen, also zu helfen, sie erfolgreich zu machen.

00:10:57: Das ist ja nur ein kleiner Beitrag, den wir leisten können. Und meiner Meinung nach geht es nur über die Sommerges.

00:11:05: Das sind die einzigen Mittler im Markt, die in der Lage sind, diese handwerklichen, nicht so leicht verständlichen, manchmal etwas sperrigen, alles andere als charmanten, nämlich nicht mainstreamigen Weine zu vermitteln.

00:11:18: Da braucht es auch manchmal Essen dazu, um den Leuten zu zeigen, pass auf, probieren wir den Wein so, wird der vielleicht hier und da ein bisschen zu anspruchsvoll sein oder irgendwas stören, Gerbststoff beispielsweise.

00:11:30: Und dann probierst du es zum Essen und du wirst sehen, das passt perfekt.

00:11:34: Mehr als Händler? Also sind Sommys mehr meinungsprägend oder marktbegleitend innovativer als Händler? Also ein Kleinhändler an der Ecke, nicht die Großen, die ja nochmal andere Ansätze haben?

00:11:49: Ja, ich denke, es ist eine Symbiose. Die wirklich sehr, sehr guten Weinhändler arbeiten ja oft auch mit Sommeliers zusammen in meinen Augen.

00:11:57: Also ein Weinhändler, der jetzt einen Winzer aus Italien oder aus Frankreich importiert, der sehr handwerkliche, sehr handschriftliche Weine produziert.

00:12:12: Diese Weine dann auf dem Markt zu vertreiben, ohne die Hilfe der Gastronomie, wird immer in einem kleinen Rahmen bleiben.

00:12:22: Das heißt, selbst wenn es ein engagierter Händler ist, ne, mal mal ein Beispiel, wie du es auch gemacht hast, du hattest natürlich auch Gastronomie dabei, aber du hast auch Wein verkauft, du wirst das regional abdecken können, du wirst eine Menge verkaufen können, die als regionaler Händler top ist,

00:12:38: aber du wirst den Winzer nicht jetzt bundesweit vertreten können. Das geht nur, indem du auch dann die Gastronomie an Bord nimmst und den Wein auch in die Gastronomie verkaufst.

00:12:48: Und die Gastronomie meine ich in dem Fall natürlich die Sommelier Gastronomie. Es gibt ja auch die Gastronomie, die 20 Positionen auf der Weinkarte hat, möglichst unverfängliche Weine, die von möglichst vielen Menschen bestellt werden.

00:13:02: Das ist ja nicht die Weinwelt, über die wir jetzt reden.

00:13:04: Hast du eine Vorstellung vom guten Sommelier, noch nicht mal perfekten Sommelier und ich würde dir jetzt dieses kann zuhören, kann reden, kann sich austauschen, kommunizieren, kann den Gast sehen, also das rein zykologische würde ich vielleicht mal ausblenden.

00:13:16: Also welche Grundanforderungen hast du an einen Sommelier, wenn du den Event einladen würdest zum Summit oder wenn du über die eine Story machen würdest, das wäre vielleicht ein bisschen unverfänglicher.

00:13:26: Du hast natürlich schon jetzt einen ganz, ganz wichtigen Bereich ausgeklagt. Das sind die in Anführung seistent Soft Skills, die aber natürlich fast entscheidend sind.

00:13:38: Aber ein Top Sommelier bietet für mich eine sehr abwechslungsreiche Weinkarte an, die nicht nur zum Beispiel natural ist, aber auch nicht nur klassisch. Also ich bin der Meinung, es sollte da schon ein breites Spektrum auf der Weinkarte abgebildet werden.

00:13:54: Sie sollte sich auch bemühen, Dinge zu finden, aufzustöbern, die nicht jeder kennt, die aber förderungswürdig sind. Und das ganze dann natürlich auch dem Gast, das sind wir wieder bei den Soft Skills gut vermitteln.

00:14:14: Das ist natürlich noch ein ganz wichtigen Bereich, das ist dieses Food und Wein Pairing. Also dieses Gefühl für die Kombination von Speisen, Aromen, Texturen mit bestimmten Weinen.

00:14:24: Das ist natürlich was, was man tatsächlich nicht lernen kann, sondern das hast du oder hast du nicht. Das kannst du verbessern, aber du kannst es nicht lernen, wenn du es nicht in dir hast.

00:14:34: Das ist nicht so, dass es nämlich passiert. Also dass man sagt, okay, ich habe jetzt die Elemente, sei es Säure, sei es Süße, sei es Salzigkeit, sei es was auch immer und habe das im Gegenstück beim Wein und könnte das rein aus der Theorie irgendwie abgleichen, dass es irgendwie eine Symbiose ergibt und ineinander gleitet.

00:14:54: Ein Stück weit ja, das wäre so der Satzkasten, das Grundgerüst, aber wenn du es dann wirklich in den Top-Bereich bringen willst, dann geht es schon drüber hinaus.

00:15:06: Also für die letzte Titelgeschichte Ausgabe 1, die jetzt nächste Woche, sprich Anfang März erscheint, haben wir die Pairing-Geschichte gemacht mit Marco Franzusien und Magdalena Rambichler im Sonora.

00:15:18: Und Marco servierte zu einem Hummer aus San Marlo mit einer Vadovain-Sauce und so einer pürzigen XO-Sauce nochmal auf den Top.

00:15:30: Ein Trousseau von Arno Roberts aus Kalifornien. Extrem überraschend. Erstens die Rebsorte vermutet man überhaupt nicht in Kalifornien, ich wusste persönlich gar nicht, dass es überhaupt ein Winzer in Kalifornien gibt, der Trousseau anbaut.

00:15:45: Und dann auch ein Rotwein mit 12 Volumen prozent leicht gekühlt serviert zu diesem Hummer, das war ein Traum.

00:15:52: Ich glaube nicht, dass man auf dieses Pairing kommt, wenn man nur über diese Kombinationen salzig süß, bitter, umami nachdenkt. Also das ist dann schon was Intuitives.

00:16:03: Und es war aber in Kombination mit diesem Hummer so perfekt, weil es war ein Rotwein, aber ein sehr leichter frischer Rotwein, der in dem Moment einfach den Hummer, den Hummer die Bühne gelassen hat, aber trotzdem intensiv genug war, diese bützigen Komponenten abzupuffern und gleichermaßen den Gaumen frisch gemacht hat für den nächsten Gang.

00:16:26: Und wenn man da jetzt zum Beispiel mit einem sehr, bei dem Gericht, wenn ich es so lese, würde ich einen sehr üppigen Weißwein denken, so rohne Style weiß.

00:16:36: Der macht natürlich den Gaumen müde. Und das war schon der fünfte Gang im Menü.

00:16:41: Dann hat man natürlich einen gegenteiligen Effekt und Marco bringt einen ganz leichten, frischen Rotwein, der aber trotzdem aufgrund des Klimas dort so geschmeidig war, dass er nicht zu kantig war, was ja auch nicht funktioniert hatte, weil der Hummer hat eine Süße, die Soße hat eine gewisse Süße.

00:16:57: Also das war so ein Tanz auf der Rasierklinge und das war perfekt.

00:17:01: Glaubst du, es kann jeder Gast greifen oder braucht man da so diese Priekigkeit, diese Erfahrung, diese manchmal auch Weinverliebtheit, wie du sie zum Beispiel hast und da kannst Marco machen?

00:17:10: Ich glaube, dass das eine Kombination war, um bei dem Beispiel zu bleiben, die jeder versteht, weil das war kein freakiger Wein.

00:17:19: Der Wein war leicht, der war zart, er hatte eine moderates Reue, aber er hatte trotzdem eine gute Frische, weil er auch schön gekühlt serviert wurde.

00:17:30: Also das war keine herausfordernde Pairing-Konstellation, wie man es zum Beispiel manchmal macht, wenn man es ja gerbstoffreiche Weißweine serviert.

00:17:39: Da gehe ich mit dir, dann braucht man natürlich ein gewisses Weinverständnis.

00:17:43: In dem Moment, wo Bitternis ins Spiel kommt beispielsweise, ist ja ein Aroma, dass wir uns alle abtrainiert haben, leider, dafür haben wir uns alle Süße antrainiert, ging leider in die falsche Richtung in meinen Augen.

00:17:54: Da wird es natürlich anspruchsvoll, da brauchst du ein gewisses Training auch von deinem Gaumen her.

00:18:00: Aber das war so eine Wohlfühlkombi.

00:18:03: Vermisst du manchmal Klassiker im Restaurant?

00:18:05: Wenn ich in die Opa gehe und ich gucke mir einen Nussknacker an, dann bin ich halt jemand, der dieses klassische Bühnenbild sehen möchte und diese üppigen Kostüme.

00:18:13: Und ich möchte dann niemanden nach über die Bühne tanzen sehen, wenn ich da irgendwie kurz in weihnachtlicher Stimmung bin.

00:18:17: Und so geht es mir manchmal im Restaurant auch.

00:18:19: Wenn ich ins Restaurant gehe und ich habe von mir so ein Wein, dann möchte ich auch teilweise Klassiker trinken und nicht nur von einem schrägen Wein in den nächsten gejagt werden.

00:18:26: Aber das vermisse ich manchmal.

00:18:28: Die guten Sammeljähren und Sammeldies machen ja genau das.

00:18:31: Bleibe ich noch mal bei diesem gleichen Beispiel.

00:18:34: Zum ersten Gang, das war im Prinzip ein Gericht mit Vorkraff.

00:18:39: Gabs in 2002 ja Saumagenauslässe R von Köln-Aubrecht.

00:18:44: Also viel klassischer kann ich so an die Sache nicht rangehen.

00:18:47: Oder ein anderes Beispiel letztes Jahr in der Skabe 2 mit dem Lukas Gerges.

00:18:52: Der sagt, er baut in jedes Menü einen Wein von Terlan ein.

00:18:57: Weil es ist in Südtirol, in Proneg.

00:18:59: Terlan ist ein Big Player international aufgestellt.

00:19:02: Macht keine freaky Klinge, sondern extrem klassische.

00:19:07: Im positiven Sinne klassische Weine.

00:19:09: Und er baut in jedes Menü einen Wein ein.

00:19:12: Umgekehrt stellt er aber dann auch nachher zwei Pinos aus Südtirol auf den Tisch, von denen ich in meinem Leben noch nie was gehört habe.

00:19:20: Also das macht das Spiel aus.

00:19:22: Ich bin der Meinung, nur Klassiker fünf Stück in der Reihe ist vielleicht auch zu langweilig.

00:19:28: Ich will aber auch nicht aus dem Restaurant rausgehen.

00:19:32: Selbst ich und sagen, jetzt habe ich nur Weine getrunken, die von denen ich in meinem Leben noch nichts gehört habe.

00:19:37: Das ist eine Dramaturgie, die man da aufbauen muss.

00:19:41: Und die das beherrschen, dieses Spiel auch jung und alt.

00:19:44: Also junge, jahre Gänge, alte, jahre Gänge, das macht es einfach aus.

00:19:48: Nimmst du immer Weinmenü, wenn du in ein Restaurant gehst oder gibst bei dir auch Situationen, wo du sagst,

00:19:52: ich brauche die Ruhe, ich brauche den Flaschen, ich möchte die Flasche entdecken und möchte mich auf den Wein einlassen

00:19:57: und nicht immer nur von einem Wein zum nächsten springen.

00:20:00: Das ist ja eine schwierige Situation für mich, weil wenn ich in ein Restaurant gehe, wo mich die Sommelierer oder der Sommelier kennt,

00:20:07: dann gebe ich ihnen eigentlich immer gerne die Chance zu zeigen, was sie machen.

00:20:12: Wenn ich jetzt irgendwo in meinem Urlaub essen gehe auf eine Skihütte oder im Sommerurlaub irgendwo bin

00:20:21: und dann bestelle ich mir die Weine von der Karte, wie ich einfach Lust darauf habe in der Regel.

00:20:27: Das kommt auf die Situation an.

00:20:32: Aber ich fahre persönlich meistens gut damit, die Sommelierer oder den Sommelier ihren Job machen zu lassen.

00:20:39: Natürlich habe ich auch das Glück, dass ich vielleicht hier und da auch mal einen anderen Wein serviert kriege,

00:20:45: als er in einer normalen Begleitung drin wäre, will ich er nicht verhehlen.

00:20:49: Und den du wahrscheinlich dann auch selber als Überraschung empfindest in dem Augenblick.

00:20:53: Also daher will dich natürlich auch mit einer Erfahrung der eine oder andere auch gerne begeistern möchte oder faszinieren möchte.

00:20:58: Und ich sehe es auch für mich immer als Weiterbildung an.

00:21:02: Man bestellt ja ansonsten von der Karte Dinge, die man gern trinkt.

00:21:06: Das ist ja auch voll okay. Aber das sind ja auch Dinge, die man kennt in der Regel.

00:21:10: Und wenn man so eine Weinbegleitung wählt, wenn man weiß, dass die oder der dort an der Arbeit ist,

00:21:18: ihr Handwerk versteht, dann ist man da gut aufgehoben.

00:21:22: Also ich lasse mich da gern drauf ein.

00:21:24: Ich finde es immer schwer, wenn man entweder ein Kollegen im Restaurant hat oder selber als Kollege im Restaurant ist,

00:21:29: dass die Flasche halt hingehalten wird und mehr oder weniger gesagt wird,

00:21:33: du weißt ja, was es ist, eingeschränkt und so diese eigentlichen Inszenierung dann dabei fehlt.

00:21:38: Oder ist es bei dir anders, dass dann doch schon die Geschichte kommt

00:21:43: und vielleicht als zweite Frage, wie viel Geschichte möchtest du hören?

00:21:46: Was findest du beim Sony angemessen, dass da ein Beiwerk, ein Wortbeiwerk kommt?

00:21:52: Also ich nehme gerne die ganze Show.

00:21:55: Also jeder soll zeigen, was er kann.

00:21:59: Und das ist ja auch ein Teil des Restauranterlebnis, der Service am Gast.

00:22:07: Das macht, denke ich, am Ende genauso viel aus für einen gelungenen Abend, wie das, was aus der Küche geschickt wird.

00:22:14: Beides muss halt passen.

00:22:16: Also das beste Essen mit einem bescheidenen Service und nicht guten Weinen ergibt keinen schönen Abend.

00:22:23: Und umgekehrt natürlich auch nicht.

00:22:25: Die schönsten Weine können über ein schlechtes Essen auch nicht hinweg trösten.

00:22:28: Also beides muss halt Hand in Hand gehen.

00:22:31: Wie lange darf so eine Moderation sein für ein Wein?

00:22:34: Also ist das so ein, zwei Sätze?

00:22:36: Darf das gerne etwas aus...

00:22:38: Es ist natürlich immer punktuell und auf den Gast und auf die Situation, wenn ich mit meiner Frau da bin,

00:22:41: dann möchte ich da weniger unterhalten werden, als wenn ich da irgendwie alleine bin.

00:22:44: Aber gruselt sich, was wäre so eine angemessene Moderation, wo man sagt,

00:22:47: damit kann ich auf dem Wein einstimmen, den Wein probieren lassen?

00:22:50: Es kommt ja immer darauf an, wie groß ist das Restaurant und wie voll ist es.

00:22:54: Also wenn das jetzt ein Mittwochabend ist, wo drei Tische besetzt sind,

00:22:59: und dann kann das ja gerne ein Plausch sein, dann kriegt die Sommelierer oder der Sommelier sein Job auch noch gemacht.

00:23:08: Aber wenn es natürlich ein Freitagabend ist und die Hütte ist voll bis auf den letzten Platz,

00:23:12: dann ist es ja nicht professionell da drei Minuten zu stehen und über den Wein zu reden,

00:23:17: dann muss es natürlich ein bisschen zackiger gehen.

00:23:19: Also ich glaube, das kann man nicht porchal beantworten.

00:23:22: In den vielen Wiener muss man auch ein bisschen ausführlicher erklären.

00:23:26: Ich war letztes Wochenende in Berlin und Michael Stiel im Matthias hat meinen tschechischen Wein aus Moravia,

00:23:33: einen früheren Meeren serviert, eine wirklich wilde Küwe.

00:23:38: Da war von Neuburger bis Riesling und Müller-Turgo alles mit drin, ein toller Wein.

00:23:44: Und das muss er natürlich ein bisschen erklären, weil da sitze ich da und habe überhaupt keinen Plan.

00:23:50: Was, ein Schaumwein an Stilwank? Die haben ja auch Stilwank.

00:23:53: Ich hatte mal Schaumwein, da war ich sehr angetan, sehr begeistert.

00:23:56: Wir hatten mal eine Serie vor zwei, drei Jahren, die Peter Müller damals für uns geschrieben hat,

00:24:01: über die Weinländer Tschechien, Sowa Kai, Ungarn, Soveinien.

00:24:07: Und da wurde ich schon echt neugierig auf Tschechien als Weinland.

00:24:13: Und mit dem früheren Meeren, was ja mit dem Weinviertel mehr oder weniger verwachsen war bis zum Zweiten Weltkrieg,

00:24:23: ist ja da auch viel Weintradition vorhanden.

00:24:25: Also insofern hat es halt leider geschlummert für viele Jahre.

00:24:29: Und es ist spannend zu sehen, was da so passiert.

00:24:31: Ich glaube, da schwenke ich jetzt kurz mal ab.

00:24:33: Ich komme aber nachher zu dem Restaurant-Erlebnis mit dem Zombie noch mal zurück.

00:24:37: Ist es nicht schade, dass so osteuropäische Länder eigentlich kaum ne Präsenz in Deutschland auf deutschen Weinkarten haben,

00:24:45: also sei es Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Polen, dass dort einiges passiert,

00:24:50: aber wieder von überhaupt nichts dazu mitbekommen,

00:24:52: bzw. ganz, ganz vieles homästisch einfach nicht trauen, diese Weine zu präsentieren

00:24:55: oder eben auch dann manchmal den wirtschaftlichen Mehrwert aufzuwenden, diese Weine zu servieren.

00:25:00: Es ist ganz witzig zu beobachten, weil ja diese Länder zum Beispiel in der Wiener

00:25:06: Szene schon extrem präsent sind.

00:25:09: Also ich glaube, kaum ein guter Wiener-Somelier geht da ganz dran vorbei an dem Thema.

00:25:15: Die haben alle zumindest mal so wenigen Ungarn auf der Karte und ganz viele auch,

00:25:19: natürlich war es total nah, ist die Slovakai, da ist Tschechien vielleicht noch der größte Exot in dem Reigen.

00:25:27: Also da ist es allgegenwärtig und ganz normal.

00:25:30: Da ist ein spanischer Weiß, wann ihr der Exot.

00:25:33: Das ist halt bei uns natürlich ein bisschen anders.

00:25:37: Da ist die Vernetzung nach Osten weniger stark ausgeprägt.

00:25:41: Aber ich bin mir relativ sicher, dass das gerade in Berlin schon ein bisschen im Kommen ist.

00:25:46: Hat auch Michael im Gespräch bestätigt, dass gerade, das war ja Brenzlauerberg,

00:25:53: boom, das Viertel von Berlin, dass da auch diese osteuropäischen Weine inzwischen stärker präsent sind.

00:26:00: Liegt sowas an Zombies oder an Händlern, wenn die Weine nicht in der Bestands sind?

00:26:05: Ist ein Zusammenspiel.

00:26:07: Besagten Weinen hat er, wenn ich mich recht erinner, hat er zu mir gesagt,

00:26:11: dass er diesen Weinen von einem Händler um die Ecke bezieht.

00:26:15: Wird ja manchmal für Zombies schwer, eine Palette zu beziehen oder dann Einzelflaschen mit Logistikosten zu belasten und das dann noch zu kalkulieren.

00:26:23: Daher ist das ja, wie du sagst, wahrscheinlich ein Hand-Handspiel.

00:26:27: Billy ist ja auch so ein Beispiel, wie die Wagner, der immer schon diesen missionarischen Alpha hatte,

00:26:33: Dinge aus dem Umland nicht nur zu finden und aufzustöbern, sondern wenn er gemerkt hat,

00:26:38: dass es auch noch nicht vorhanden ist, auch selber zu entwickeln mit denen zusammen.

00:26:42: Und das ist natürlich dann ein Schritt, der vielleicht wie Physis-Homiliäus zu weit geht.

00:26:46: Da muss man eben so gestrickt sein, wie es Billy ist.

00:26:50: Aber zumindest mal sich auf die Suche begeben und wenn man was Gutes findet,

00:26:54: sich dann auch ein bisschen die Mühe zu machen, es ins Restaurant zu bringen,

00:26:59: das kann man schon erwarten.

00:27:01: Ich erinnere mich noch gut an den ersten Zombies, damals war Peter Müller noch im Lehrbach

00:27:05: und der ist extra nach Paris gefahren, um einen Eiswein aus Kanada in Paris abzuholen,

00:27:13: weil die erste Lieferung mit der Post zu Bruch ging.

00:27:17: Stimmt mich, ich erinnere mich, da hat er das Paket noch mitgebracht und hat es auf den Boden geworfen von Walter Wutter letztlich.

00:27:22: Ja, und das ist das, was ich meine, das ist natürlich so dieses Feuer,

00:27:27: was jemand aus unserer Somiliewelt auszeichnet, wenn er.

00:27:32: Braucht man dafür Publikum, weil du jetzt zwei Zombies aus Berlin genannt hast

00:27:36: und Berlin ist ja ohnehin anders als viele andere Städte,

00:27:40: oder kann man sowas, wenn man die eigene Oriden damit lebt überall platzieren,

00:27:45: also auch keine Ahnung, in München oder in Hamburg oder in Brandenburg?

00:27:50: Also ich glaube schon, dass zum Beispiel eine Marie-Christine Baunach in der Überfahrt

00:27:54: am Tegernsee sich schwerer tun würde, solche Weine an ihr Münchner Publikum zu bringen.

00:27:59: Also, ja, das wäre schon eine ziemliche Hypothek.

00:28:05: Da tut man sich natürlich in Berlin, oder ich glaube auch jetzt bei euch in Dresden oder Leipzig,

00:28:13: müsste es leichter sein, weil einfach da viel mehr Verständnis ist

00:28:17: und viel weniger Skepsis, was auch das Qualitätspotenzial angeht.

00:28:24: Siehst du da einen Zukunft-Trend, also glaubst du, das osteuropäische,

00:28:28: ich will das jetzt nicht im Mund legen, nur einfach so als Frage,

00:28:31: deswegen an Wendel zur Gestieffrage, dass die in den nächsten Jahren richtig krass umkommen sind

00:28:36: oder kann man das überhaupt gar nicht prognostizieren

00:28:39: oder kann man Wein-Trends gar nicht prognostizieren?

00:28:41: Also, man kann sagen auf jeden Fall, dass die Voraussetzungen eher besser werden.

00:28:51: Hängt natürlich auch mit der Klimaveränderung zusammen,

00:28:54: die es jetzt im wirklich mediterranen Raum immer schwerer macht,

00:28:58: gewisse Weinprofile zu erzeugen.

00:29:00: Da sind natürlich weiter nördlich und weiter kontinental gelegene Anbaugebiete klar im Vorteil.

00:29:07: Jetzt gibt es dann noch so ein paar strukturelle Schwierigkeiten natürlich.

00:29:11: Einerseits das Rebmaterial, was da gepflanzt wurde,

00:29:14: bis in die 80er, 90er Jahre war halt nicht auf Qualität ausgerichtet.

00:29:19: Das heißt entweder hast du neu angelegt, weil du gleich gesagt hast,

00:29:23: mit diesen Reben kann ich das nicht erreichen, was ich tun will,

00:29:26: dann hast du jetzt noch junge Anlagen oder du arbeitest mit den alten Reben.

00:29:31: Das ist dann natürlich ein Stück weit irgendwo schon in der Qualität nach oben gedeckelt,

00:29:36: weil einfach das nicht das Top-Rebmaterial ist, was damals da gepflanzt wurde.

00:29:40: Also da sind noch so ein paar Hürden, aber gerade bei dem Thema Furment beispielsweise,

00:29:48: ist eine Rebsorte, die voll im Kommen ist.

00:29:50: Und da sind natürlich solche Anbaugebiete auch gut aufgestellt,

00:29:54: weil die Sorte einfach da noch vorhanden war.

00:29:56: [Musik]

00:30:12: Irgendwie interessant, wenn man bei einem Wein sagen kann,

00:30:15: dass der macht, was er will.

00:30:16: Und aus dem Bereich gibt es sehr viele Natural Weine,

00:30:19: der dabei noch fast übereude schmeckt.

00:30:22: Wahrscheinlich ist es wegen der Rebsorte.

00:30:24: Shannon Blanc, der Rebsorte irgendwie alles kann,

00:30:28: die nicht selten als das Arbeitstier der Weinwelt bezeichnet wird,

00:30:31: aber die, den Winzern, nicht selten noch ihre Fehler nicht verzeiten.

00:30:35: Das ist genau in dieser Natural Weinwelt das große Problem.

00:30:38: Wenn man dann einen Wein hat, wo man das Grundgefühl hat,

00:30:41: das der so verdammt gut ist,

00:30:43: dass der das Labor oder die künstliche Kontrolle nicht vermisst,

00:30:46: wie der 2023er Shannon Blanc Wild Fermented von Delheim aus Stellenbosch,

00:30:52: der einfach so losgerde, so wie die Natur es wollte,

00:30:55: keine gezähmt Neven, kein High-Tech-Schnick-Schnack,

00:30:58: der wild ist, der roh ist, der unberechenbar ist.

00:31:01: Und dann doch, so viel Geschmack hat, so viel Tiefe,

00:31:05: so viel sich selbst, dass selbst die traditionellsten Loa-Trinker ins Grübel kommen.

00:31:09: Und wer glaubt, Südafrika könnte mit den großen Weißweinen

00:31:12: dieser Welt nicht mithalten,

00:31:14: wird wahrscheinlich noch nicht den Wild Fermented probiert haben.

00:31:17: Dieser Shannon Blanc, der aus einem 3,5 Hektar großen Weinberg

00:31:23: mit 38 Jahre alten Reben stammt,

00:31:26: die auf verwitterten Granitböden wachsen,

00:31:28: zeugt von der Kunst des kontrollierten Nichtstunns.

00:31:31: Was ja eigentlich diese Weinart ausmacht, also man möchte ja eigentlich nicht eingreifen,

00:31:36: man möchte nicht für, nicht leiten,

00:31:38: man möchte den Wein sich selber entwickeln lassen,

00:31:40: was hier richtig gut gelungen ist.

00:31:42: Klar, die spontane Gärung der Wilden Hefe ist die Grundvoraussetzung.

00:31:45: Die Trauben wurden nach der Ernte drab, sanft gepresst

00:31:48: und der Saft durfte 2 Tage ruhen,

00:31:50: um, super, na es klingt, wieder zu sich selber zu finden,

00:31:53: weil so ein Pressvorgang ist richtig Stress.

00:31:55: Die Gärung erfolgt, wie bereits erwähnt, ohne Zugabe kommerzieller Hefen,

00:32:00: was dem Wein eine sehr komplexe, aromatischen, ganz eigentive Verleid.

00:32:05: Das hat natürlich immer das Risiko, dass die Weine während der Gärung

00:32:08: sehr schwer kontrollierbar sind,

00:32:10: führt jedoch auch zu einem sehr authentischen Ausdruck,

00:32:13: nicht nur des Tyroas, sondern auch der Rebsortenkultur.

00:32:16: Es ist wahrscheinlich die Kombination aus granitalten Reben,

00:32:20: Cheninblanc und wahrscheinlich den richtigen natürlichen Hefen,

00:32:24: die genau in dem Zeitpunkt die richtige Ansprache hatten.

00:32:27: Also, der Cheninblanc Wild Ferment ist ein wild vergoerner Weißwein

00:32:31: aus dem Hause Delheim, der seine eigene Geschichte erzählt,

00:32:34: dass Tyroas bestmöglich widerspiegeln soll

00:32:36: und durch die wilden Hefen dem Ausbau in Holzfässern betoneneiern

00:32:40: sowie einem feinen Hilfekontakt von neun Monaten

00:32:43: dieses faszinierende Arumbild präsentieren darf.

00:32:47: Und das aus dem Hause Delheim.

00:32:49: Delheim eingebettet in die malerischen Hänge des Simons Berges in Stelmbosch,

00:32:54: hat eine Geschichte, die bis ins Jahr 1699 zurückreicht.

00:32:59: Als der Cup-Govner Simon van der Stil das Land

00:33:03: an den deutschen Soldaten Lawrence Kampfvergab,

00:33:05: der eigentlich neuzeitliche, der heutige,

00:33:08: bewusste Teil des Weingutes, der moderne Abschnitt, begann 1939,

00:33:12: als Hans Hoheisen die Farm erwarten.

00:33:15: Und zusammen mit seiner Frau Deli bewirtschaftete.

00:33:17: Der Name Delheim bedeutet "Heim von Del"

00:33:20: und er z.B. Deli Hoheisen.

00:33:22: Ein schöner Gehste.

00:33:23: In den 1950er Jahren trat Michael Hans Sperling genannt Spatz

00:33:28: ein Neffe von Del in das Unternehmen ein

00:33:31: und entwickelte mit seinem unermüdlichen Engagement

00:33:34: und seiner Vision Delheim zu einem der führenden Weingüter Südafrikas.

00:33:39: Spatz, wie er von ein genannt wurde, war maßgeblich

00:33:42: eine Gründung der Stelmbosch Wine Rout beteiligt.

00:33:45: Die heute als ein der renommiertesten Weinrouten der Welt gilt,

00:33:48: das Bestreben Qualität und Innovation zu vereinen,

00:33:51: legte den Grundstein für Delheims Ruf als Pionier im südafrikanischen Weinbau.

00:33:57: Heute wird das Weingut von der Sperlingfamilien dritter Generation geführt.

00:34:02: Die Verbindung zwischen Tradition und Moderne und dieser Wein ist ein Zeugnis dafür.

00:34:05: Man versucht alte Traditionen eine neue Welt aber mit sehr viel Bewusstsein zu transportieren.

00:34:09: zeigt sich in nachhaltiger Weinproduktion und den respektvollen Umgang mit dem Terroir.

00:34:15: Und so gelingt es so eine Wein selbst in einem Jahr wie 2023 zu erzeugen.

00:34:19: Ein unberechenbares Jahr, nicht nur während der Lese.

00:34:22: Anhaltende Regenfälle bis März.

00:34:24: Ich meine, der Sommer begann mit optimalem Bedingung, milden Temperaturen, kühlen Nächten.

00:34:28: Perfekt für Trauben.

00:34:29: Doch trotz der starken Regenfälle,

00:34:31: entschied man sich auf Delheim bewusst gegen eine überhastete Lese,

00:34:35: der alte Shenenblanc Weinberg,

00:34:37: dessen Wurzeln tief in die Granitböden von Stellenbost greifen,

00:34:41: zeigte seine Widerstandsfähigkeit.

00:34:43: Während andere Produzenten ihre Traumbrutzeitig einholten,

00:34:46: vertraute das Delheim-Team auf die natürliche Anpassungsfähigkeit der Reben.

00:34:51: Und das zahlte sich aus.

00:34:53: Denn die moderaten Temperaturen während des Regens bewahrten die Frische,

00:34:57: sorgen für die perfekte Ballon zwischen Zucker und Säure.

00:35:00: Und nachdem die Trauben behutsam geerntet wurden,

00:35:02: begann das nächste große Abenteuer, die spontane Vergierung mit wilden Hefen.

00:35:07: Und jeder, der damit schon einmal gearbeitet hat,

00:35:10: oder das ausprobiert hat, weiß, wie unberechenbar das ist.

00:35:14: Aber vielleicht vermittelt genau dieser Wein deshalb das Gefühl,

00:35:18: nicht gezähmt worden zu sein,

00:35:20: sondern seinen eigenen Weg zu finden und einfach frei zu sein.

00:35:23: Vielen Dank für dieses geschmackvolle Wein-Erlebnis.

00:35:26: Dem Hause Delheim, dem deutschen Importeur, dem Handelshaus Schlumberger.

00:35:31: Ist es nicht erstaunlich, also gerade weil du vorhin sagst,

00:35:44: dass ein Rebsort ist, die vor fünf Jahren kaum irgendeine Präsenz hatte,

00:35:47: als ich in Wien das letzte Mal war,

00:35:49: gab es überall Raufen runterfummen.

00:35:51: Und in Deutschland schwappt das jetzt auch so langsam über,

00:35:54: dass mit einmal da so ein fast ein Hype dafür entsteht.

00:35:57: Der Formint habe ich das Gefühl,

00:35:59: ein Channel Blanc mehr oder weniger abgelöst,

00:36:01: in seiner Präsenzwahrnehmung, in seiner ...

00:36:04: Und auch ähnliche Charakterzüge hat,

00:36:06: beziehungsweise ähnliche Möglichkeiten, sich zu präsentieren.

00:36:09: Er kann ja auch alles, er kann reif jung, kann süß, kann trocken, kann expressiv,

00:36:13: kann geradell nicht frisch und strukturiert.

00:36:15: Also daher eine Rebsort, die ganz, ganz viel Potenzial hat.

00:36:19: Klar, die natürlich kapriziös war, um sie gesund zu ernten,

00:36:23: weil sie eben extrem zur Portraitisbildung neigt.

00:36:26: Auch da sind wir wieder bei dem Thema Klimaveränderung.

00:36:29: Man sieht ja in Burgenland, das gibt immer weniger Jahre mit Portritis.

00:36:33: Das ist ein Problem für die Süßweinproduktion.

00:36:37: Aber natürlich spielt das dann der Erzeugung trockener Vormins in die Hände.

00:36:41: Was bis in die 90er Jahre nur in drei von zehn Jahren möglich war,

00:36:45: einen top trockenen Vormins zu erzeugen,

00:36:47: weil man einfach viel zu früh Portraitis gekommen hat.

00:36:50: Das heißt, Klimaveränderung hat da eben auch mal ne positive Seite.

00:36:56: Und vormint gilt nicht umsonst als so in Anführungszeichen Erießing des Ostens.

00:37:01: Da ist schon was dran, weil er eben diese Frische hat

00:37:04: und ne Strafe-Struktur hat.

00:37:06: Umgekehrt aber auf den vulkanischen Böden in Tokai auch so ganz geschmeidige,

00:37:12: fast balsamische Weine hervorbringen kann.

00:37:14: Also ne Sorte, die auch sehr vielseitig ist.

00:37:17: Gibt es noch unentdeckte Regionen, die eine ganz eigene Zukunft haben?

00:37:21: Also ist es vielleicht irgendwie kein Englisch-Norwegen, Nürnwegen, Uckermark, Sylt,

00:37:25: was auch immer wieder irgendwie nebenbei in Belgien,

00:37:27: die eben mit der Klimaveränderung jetzt vielleicht irgendeine Präsenz bekommen,

00:37:30: ist es England?

00:37:31: Ist es vielleicht dann doch irgendwie Indien-Tailand?

00:37:34: Oder was interessiert dich da?

00:37:36: Das auf keinen Fall.

00:37:37: Also diese fernen Länder, glaube ich, sind ungeeignet, was einfach ein tropisches Klima ist.

00:37:42: Aber es ist ja, ich brauche ja nur, ich fahre ja oft genug in die Champagne von hier aus.

00:37:47: Wenn man über die Grenze fährt und fährt von Lodringen Richtung Mahn,

00:37:53: da fährt man ja, man sieht das ja sehr schön,

00:37:55: an den langen der Autobahnen, was für tolle kaltreiche Böden da vorhanden werden.

00:37:58: Da gibt es ja kein Weinbau, da ist bisher nur Wald.

00:38:01: Also wahrscheinlich werden sich die europäischen Weinregionen in 60, 70 Jahren ganz anders darstellen

00:38:09: als heute, weil einfach ein paar etablierte Weinregionen auch im Zusammenhang mit den Rebsorten,

00:38:14: die da angebaut werden, als weniger erfolgsversprechender Weisen,

00:38:18: und andere werden natürlich gewinnen.

00:38:20: Und im Norden Deutschlands gibt es sicher ein paar sehr, sehr spannende Ecken.

00:38:25: Man muss halt gucken, passen die Böden, passen das Mikroklima

00:38:28: und dann hat natürlich den Norden Deutschlands irgendwann auch tolle Perspektiven.

00:38:34: Also wenn es in Schweden irgendwann ein erfolgreiches Weinbau gibt,

00:38:36: dann gibt es auch in Norddeutschland erfolgreiches Weinbau.

00:38:39: Ist das was du jetzt losgelöst von der Klimasituation mit Neugierde

00:38:44: oder eher mit Wehmut betrachtest, dass du sagst, es ist ja schade,

00:38:47: weil meistens wenn eins kommt, dann geht ein anderes?

00:38:50: Ja, das macht es sehr spannend.

00:38:52: Also unsere Geschichte ist nie auserzählt.

00:38:54: Deswegen mache ich mir dann für unser Magazin auch keine Sorgen,

00:38:57: weil es ja wirklich immer neue Themen gibt.

00:38:59: Du sagst es, wer hat vor zehn Jahren über Fulment gesprochen?

00:39:03: Gab es in Österreich keine zwei Hektar mehr?

00:39:06: Das ändert sich alles und das gibt immer neue Stories.

00:39:10: Und natürlich schaut man sich, wir hatten vor zwei Jahren

00:39:13: eine große Verkostung, Saint-Réloire, also Pouffimé und Saint-Sère

00:39:18: und waren ziemlich enttäuscht von den Souvenirs,

00:39:21: weil einfach in warmen Jahren das zerfließt.

00:39:24: Also der feste Kern fehlt, um wirklich ganz groß,

00:39:28: als Wein da zu stehen.

00:39:30: Sicher ein Verlierer in der Klimaveränderung.

00:39:33: Also Souvenir Loire auf Weltklasse Niveau geht heute nur noch

00:39:37: in drei von zehn Jahren.

00:39:39: Und dann stand auf dem Nachbattisch fast ein bisschen stiefmütterlich.

00:39:43: Wir hatten 60 Souvenirs da stehen und dann vielleicht ein Dutzend Pinos.

00:39:48: Diese Pinos haben sich in der Qualität präsentiert,

00:39:51: wie es im Begund heute kaum noch findet,

00:39:53: weil nämlich da wird es für Pino zu warm.

00:39:55: Also die Zukunft Saint-Réloire wird vielleicht der Spätbegründer sein

00:39:59: und dann wird es ein Weltklasse Anbaugebiet werden für Pino Noir.

00:40:04: Verändert sich halt immer alles, aber das ist okay so.

00:40:08: Ist es für dich manchmal schwierig,

00:40:11: nur 2% der gesamten Weinwelt zu betrachten,

00:40:14: die mehr oder weniger auf dieses feinwein- oder handwerkliche

00:40:18: Weinmaking hinausläuft und die 98 eigentlich Industriemasse

00:40:22: entweder außen vorzulassen, manchmal auch vielleicht mit

00:40:26: nicht so lobenden Auge zu betrachten oder dich da

00:40:29: einseitig durch die Weinwelt zu bewegen?

00:40:31: Naja, da ich 20 Jahre Weinwirtschaft gemacht habe,

00:40:33: habe ich mich ja lang genug mit diesem Gesamtmarkt befasst

00:40:38: und dann kenne den auch dann zumindest mal in den Ländern,

00:40:41: die ich betreut habe, ganz gut.

00:40:44: Ich glaube, es ist wichtig für uns in unserer Bubble,

00:40:50: in der wir jetzt sind, zu wissen, dass es nur 2%, 3%,

00:40:53: das Weinmarkt ist über die wir hier reden,

00:40:56: dass da halt noch ganz viel anderes mit dabei ist.

00:40:59: Und wenn man, wie ich jetzt hier in der Falsse lebt

00:41:01: und sieht den Alltag mit den Weinfesten und so,

00:41:04: da sieht man ganz klar die Weinrealität der Leute,

00:41:07: die sich jetzt nicht ernsthaft für Wein interessieren,

00:41:10: sondern halt nur gerne am Wochenende auf den Weinfest gehen

00:41:13: und mit ihren Kumpels da shoppen trinken, ist eine andere.

00:41:16: Das muss man einfach wissen.

00:41:18: Und wie da Winzer hat eben die Wahl, wo er sich orientiert,

00:41:22: das ist klar.

00:41:24: Und gelegentlich ist es auch übergreifend,

00:41:26: dass auch im Winzer der anständigen Qualitäten produziert,

00:41:29: halt im einfachen oder maschinen gelesenen Segment

00:41:32: Trinkweine produziert und versucht da aber trotzdem

00:41:35: eine gewisse Handwerklichkeit im weitesten Sinne

00:41:37: oder eine Individualität mit einem Tag zu legen.

00:41:39: Wobei die wirklich erfolgreichen Weingüter sich früh oder später

00:41:45: für einen Weg entscheiden.

00:41:46: Entweder ich mache ganz clever und smart sehr gute Marken,

00:41:50: ich gehe mal in die Fals, Beispiel Schneider oder Hamel

00:41:55: oder solche Leute, die machen das Top und erreichen damit

00:41:59: ein relativ breites Publikum,

00:42:01: machen die Leute glücklich am Wochenende,

00:42:03: wenn die ihren BBQ anschmeißen.

00:42:05: Und dann gibt es andere Weingüter, die gehen klar

00:42:07: in die handwerkliche Richtung.

00:42:09: Und dann ist aber irgendwann auch der Punkt erreicht,

00:42:11: wo auch der Gutswein ein gewisses Niveau hat,

00:42:14: weil einfach die Leute nicht zwei Seelen in ihrer Brust haben.

00:42:20: Also entweder ist man, committet man sich zu dieser

00:42:24: handwerklichen Ausbauweise und Arbeitsweise auch im Weinberg,

00:42:28: dann hat man aber für alle Weine niedrige Erträge

00:42:31: und muss für alle Weine auch entsprechend mehr Geld verlangen.

00:42:34: Also jemand, der Gutswein beim Vollernte erntet

00:42:37: und die Lagen biodynamisch macht,

00:42:40: das ist nicht glaubwürdig für mich.

00:42:42: Das ist wie, es war ja gerade ein Paris und Bordeaux

00:42:46: hat ja echt zu kämpfen als Weinbauregion.

00:42:49: Da hat sich eine Gruppe junger Winzer auf einem Boot,

00:42:56: auf der Säen präsentiert.

00:42:58: Und das sind oft wirklich tolle, junge, engagierte Betriebe

00:43:03: aus wenig prestigreichen Teilen von Bordeaux.

00:43:08: Und das macht wirklich Spaß.

00:43:10: Es ist erfrischend, die Weine zu probieren,

00:43:12: aber dann sind da ein paar Leute dabei,

00:43:14: die machen einen ganz klassischen Bordeaux

00:43:17: und einen in Anführungszeichen naturalen,

00:43:20: indem sie ihn ohne Schwefel ausbauen.

00:43:22: Das macht für mich keinen Sinn.

00:43:24: Und man merkt dann den Wein anordnet,

00:43:26: dass es nicht perfekt ist, weder das eine noch das andere.

00:43:28: Also entweder ich gehe in die Richtung oder ich gehe in die Richtung.

00:43:32: Auch nicht, wenn man es experimentell in irgendeiner Form probiert

00:43:35: und das dann irgendwie präsentiert,

00:43:37: sondern das ist dann irgendwie nur halbfisch, halbfleisch.

00:43:40: Also meine Erfahrung, um bei diesem Beispiel zu bleiben,

00:43:46: bei diesem Abend, die Gutenweihe ohne Schwefel waren,

00:43:50: die insgesamt in die Richtung gingen.

00:43:53: Ist das für dich manchmal eine Gratwanderung,

00:43:56: dass du über eine Sache reden, diese präsentieren möchtest

00:43:59: und dann aber dein Verantwortungsbewusstsein,

00:44:03: dass man nicht irgendwie, also es ist ja manchmal im Doral Zommi,

00:44:06: dass man, nehmen wir ein Thema, Piwis zum Beispiel,

00:44:09: da vielleicht selber begeistert sind ein, zwei Beispiele haben

00:44:12: oder probieren durften.

00:44:14: Und dann aber vielleicht drüber nachdenken,

00:44:16: soll ich das jetzt wirklich so hochloben,

00:44:18: kann ich das wirklich so prognostizieren,

00:44:20: kann ich die Leute auch damit schon fokussieren, manipulieren,

00:44:22: dirigieren oder was auch immer.

00:44:25: Oder soll ich da meine Euphorie vielleicht ein bisschen eingrenzen,

00:44:28: was ihr dann wahrscheinlich als Schreiben ist,

00:44:30: und das ist ja auch so, wenn ihr es hoch schreibt,

00:44:32: dann kann es ganz schnell ein Trend werden.

00:44:35: Da bin ich relativ pragmatisch.

00:44:37: Sobald ich den ersten Piwi probiere, den ich als Weltklasse war

00:44:40: und ein Empfinde, werde ich den feiern.

00:44:43: Solange das nicht der Fall ist, werde ich das mit Interesse beobachten,

00:44:47: aber es eben beobachten.

00:44:49: Das Thema Piwi wird kommen,

00:44:52: aber noch nicht mit den Rebsorten, die es bis heute gibt.

00:44:55: Auch im Feinweinbereich?

00:44:57: Ich traue den Wissenschaftlern zu, Rebsorten zu entwickeln, die das können.

00:45:02: Das sind noch nicht die Rebsorten, die jetzt im Moment angebaut werden.

00:45:06: Die wurden entwickelt, ich sag mal, in den 90er-Nulerjahren,

00:45:11: die Rebsüchtung bis das zugelassen ist und so weiter,

00:45:13: das dauert ja ewige Zeiten, die wurden noch mit einer ganz anderen Idee entwickelt,

00:45:18: aromareiche, intensive, stoffige Rebsorten zu züchten.

00:45:23: Das ist ja gar nicht das, was wir heute brauchen.

00:45:25: Wir brauchen keinen superaromatischen Piwiwein.

00:45:28: Ich rede ja von unserer Bubble, ich rede das nicht vom einfachen Markt,

00:45:32: sondern wir brauchen ja eigentlich Weinen, die das Terror transportieren,

00:45:36: die sich eher aromatisch ein bisschen zurücknehmen,

00:45:39: wenn man jetzt zeitgemäße Weine machen will.

00:45:42: Und diese Piwi-Sorten sind noch nicht am Markt, aber die kommen,

00:45:45: ich bin sicher, die sind schon in der Erprobung.

00:45:47: Und ich warte darauf.

00:45:49: Und wenn ich einen finde, der großartig ist, dann wird er entsprechend auch gefeiert.

00:45:52: Wenn man die Tiefse nicht oder fachlich kann, kann man so was bearbeiten.

00:45:55: Also jetzt auch im Zombie-Magazin, wie du das richtig ...

00:45:57: Das ist so schön. Bei uns kannst du eigentlich so tief gehen, wie du willst.

00:46:00: Also ich traue unserer Zombie Bubble zu, dass sie das schon verfolgt und versteht.

00:46:06: Also ganz klar. Das sind ja auch viele dabei, die regelmäßig bei Weingütern mitarbeiten.

00:46:12: Man hat es ja bei der Pandemie sehr schön gesehen, wie viele Someliers

00:46:15: auf einmal auf irgendwelchen Weingütern reden geschnitten haben.

00:46:18: Die wollten die gar nicht mehr.

00:46:20: Das ist zu viel.

00:46:22: Ja, das ist super. Also das gehört dazu.

00:46:24: Aber deswegen ist da schon ein gewisses Know-how vorhanden.

00:46:27: Wir können uns da voll aus tomen. Also das volle Nerdprogramm.

00:46:33: Wenn du da um den Bogen zurück zur spannenden Restaurant bist,

00:46:35: was brauchst du an Service? Was für dich eine Grundvoraussetzung?

00:46:38: Du bist ja ja nochmal ganz anders erfahren, wer ihr auch Wettbewerbe durchführt

00:46:42: und du ja nochmal einen anderen Fokus und einen Blick darauf hast.

00:46:44: Einfach um die Grundlagen des Handwerks auch weist.

00:46:48: Also ich erwarte mir jetzt da keinen perfekten Service im Sinne eines Somelierwettbewerbs,

00:46:54: weil das schon eher eine formelle Geschichte ist.

00:46:57: Ich erwarte mir einen sympathischen, lockeren, freundschaftlichen Service.

00:47:02: Jetzt nicht eine falsche Kumpagnei oder so, aber das soll entspannt,

00:47:09: einfach vonstatten gehen, kompetent und entspannt.

00:47:12: Aber ich erwarte mal natürlich ein schönes Glas, also ein schönes Glas im Sinn

00:47:16: von ein gutes, funktionelles Glas, das auch eventuell dann möglichst zu dem Wein passt

00:47:21: und dass die Weine in einer guten Temperatur serviert werden.

00:47:26: Das sind ja alles Dinge, die sollten selbstverständlich sein.

00:47:29: Was ist eine gute Temperatur?

00:47:30: Ist es die Temperatur, die der Somelie aussucht?

00:47:33: Oder ist es die Temperatur, die dem allgemeinen Trinkverhalten

00:47:36: oder dem Trinkwunsch des Gastes entspricht?

00:47:38: Na ja, das Somelie muss ja eine Idee haben, wenn er jetzt ein gewissen Wein serviert.

00:47:43: Und dieses Beispiel von eben mit dem Trousseau, der wurde natürlich in der Temperatur serviert,

00:47:52: wie ein weißer Burgunder, also sprich 12 Grad, 13 Grad.

00:47:57: Das muss natürlich das Somelie dann auch so umsetzen.

00:48:01: Wenn dann jetzt der Gast sagt, ja, ich trink Rotwein gerne bei 18 Grad,

00:48:05: dann muss er eben halt erklären, dass dieser Wein gekühlt serviert gehört.

00:48:12: Oder leicht gekühlt serviert gehört, aus dem und dem Grund,

00:48:17: damit er seine Vorzüge zur Geltung bringen kann.

00:48:20: Das umgekehrt bei gewissen Weisweinen, wenn wir jetzt strukturreiche Weisweine

00:48:25: mitten auf einen Gabsstoffstruktur beispielsweise haben,

00:48:29: dann können die natürlich nicht bei 6 Grad serviert werden,

00:48:32: weil dann schmeckt der Wein natürlich noch nichts.

00:48:35: Also da ist natürlich dann der Somelier oder die Somliere gefordert,

00:48:40: um am Gast zu erklären, warum das so ist.

00:48:43: Und das ist ja dann auch was, was ein Aufnahmebereiter Gast mit nach Hause nimmt.

00:48:49: Der denkt dann vielleicht im ersten Moment, sagt er, na, ich hätte aber trotzdem gern warm oder kalt gehabt.

00:48:54: Aber wenn er dann zu Hause ist, wird er vielleicht mal drüber nachdenken

00:48:58: und vielleicht zu Hause auch mal ein bisschen rumprobieren.

00:49:01: Ich bin sicher jemand, der Rotwein gerne tendenziell deutlich kühler trinkt,

00:49:06: als wenn man so eine Malerweise so kriegt.

00:49:09: Findest du es gut, wenn man den Gast mit in die Verantwortung nimmt

00:49:12: und das mit ihm abstimmt, also sprich, wenn man fragt,

00:49:14: sollen wir den Wein so oder so, also kalt oder warm servieren,

00:49:17: sollen wir einen großen oder kleinen Glas nehmen,

00:49:19: sollen wir den Wein dekantieren oder nicht, oder Lüften oder nicht lüften,

00:49:22: oder bin ich der Fachmann, entscheide und my way or highway?

00:49:27: Also wenn der Gast einen Wein von der Weinkarte bestellt,

00:49:31: dann würde ich ihn nachfragen, wie er ihn haben will.

00:49:34: Wenn ich ein Wein in der Weinbegleitung habe,

00:49:38: dann muss ich ihn so servieren, wie ich das versinnvoll halt,

00:49:40: weil dann das Pairing soll ja funktionieren.

00:49:43: Also in dem Moment muss er so serviert werden, wie es der Sommelier sich gedacht hat.

00:49:47: Aber wenn ich jetzt als Gast ein Wein von der Karte bestelle,

00:49:50: dann kann ich natürlich fragen, ja, wollen sie den Wein gern dekantiert

00:49:53: oder bla bla bla, gern noch mit einer Empfehlung nach dem Motto,

00:49:57: also ich würde das so und so machen, aber wir können,

00:50:00: dass sie möchten großes Glas oder Karaffe oder das wäre natürlich perfekt.

00:50:05: Bist du Glas-Eikel? Also dass du sagst, ich habe diesen Grundanspruch

00:50:09: an Gläser, Mundgeblasen, nicht Mundgeblasen, die soll's ein Brand sein, kein Brand,

00:50:13: soll's immer das richtige Glas sein, oder lässt du dich darauf ein,

00:50:15: nimmst du zwei, drei Gläser für einen Wein oder ist dir das zu viel Überbruch?

00:50:19: Glas ist ein Höllenthema, weil das so entscheidenden Einfluss hat.

00:50:25: Also das kann man gar nicht wichtig genug einschätzen.

00:50:31: Ich habe fürs Champagner-Magazin vor ein paar Jahren mal eine Story gemacht,

00:50:35: als auf einmal alle möglichen Glasfütten neue Champagner-Glas-Serien auf den Markt brachten.

00:50:39: Zufälligerweise oder auch nicht, keine Ahnung, brachten fast alle auf einmal

00:50:43: neue Champagner-Gläser raus. Dann hatte ich zehn verschiedene Champagner-Gläser

00:50:48: vor mir stehen und habe dann, ich probiere fürs Champagner-Magazin auch immer

00:50:52: alle möglichen neuen Champagner, die erstmals oder mit einem neuen Jahrgang auf den Markt kommen.

00:50:57: Ich habe dann angefangen, diese Champagner aus diesen verschiedenen Gläser zu probieren.

00:51:01: Ich wusste irgendwann ziemlich genau, welches Champagner-Glas für welchen

00:51:05: Champagner-Typ funktioniert und auch was mir persönlich, es ist ja auch immer

00:51:09: eine persönliche Geschmackssache, dann gefällt oder nicht gefällt, aber ich wusste nicht mehr,

00:51:13: wie ich den Wein bewerten soll, weil der in dem einen Glas top war

00:51:16: und im anderen Glas katastrophal, oder ist das ein bisschen übertrieben formuliert,

00:51:20: sagen wir durchschnittlich. Und habe mich dann wieder besseren Wissens irgendwann entschieden,

00:51:26: aus vorbei zum Verkosten nehme ich jetzt diese zwei Gläser und es war es.

00:51:31: Mit dem Wissen, dass bestimmte Champagner vielleicht mit einem anderen Glas

00:51:35: noch besser zur Geltung gekommen wären. Aber dann müsste ich ja bei jedem Wein,

00:51:39: den ich vorstelle, dazuschreiben, verkostet aus diesem Glas.

00:51:42: Das wäre eigentlich die Konsequenz aus dem Ganzen.

00:51:45: Wird wahrscheinlich unsere Leser irgendwann ein bisschen nerven und wird uns auch etwas

00:51:49: Platzkosten im Magazin, aber ja, im Endeffekt läuft es doch auf hinaus.

00:51:54: Wäre eigentlich fast optimal, aber dann glaube ich oftmals auch nicht nachvollziehbar

00:51:58: beziehungsweise für euch ja auch nicht realisierbar. Wie viel Wein probierst du

00:52:01: um ja ungefähr? 4.000.

00:52:03: Ungefähr, wow, mal so überschlagen ja.

00:52:06: Und wie viel wären für dich pro Tag machbar, wenn du es unterbrichst?

00:52:11: Du bist ja schon extrem professionell verantragt.

00:52:14: Ja, aber ich bin ja auch schon ein bisschen älter inzwischen.

00:52:17: Also, ich habe, glaube ich, vor zehn Jahren hätte ich mehr zugetraut,

00:52:24: 150 Weine am Tag richtig seriös zu verkosten.

00:52:30: Und heute würde ich sagen, das sind 100 gute Hundert, die ich noch schaffe.

00:52:35: Was ja auch viel ist.

00:52:37: Ja, mit Training geht es dann schon, aber es wird tendenziell natürlich weniger.

00:52:41: Also, würde es weniger, wenn man weniger verarbeiten kann,

00:52:44: oder wenn man selber akribischer ist oder vielleicht ein wenig mehr

00:52:47: Augenmerk auf den Wein legen muss, wenn man vielleicht auch eine andere Verantwortung

00:52:51: mittlerweile hat, also, weil das dein Wort ein anderes ist, als vielleicht vor zehn

00:52:54: Jahren, wo du den Wein bewährt hast.

00:52:57: Es ist beides. Einerseits hat man viel im Hintergrund abspielen,

00:53:02: wenn man Wein probiert, weil man vielleicht weiß, was sich der Winzer dabei gedacht

00:53:09: haben könnte und hat ein paar vergangenen Jahre, die dann ins Gedächtnis kommen

00:53:17: und man denkt drüber nach, was man vor ein paar Jahren über ein Wein geschrieben hat

00:53:20: und wie er sich dann wirklich entwickelt hat.

00:53:22: Man lernt die da auch immer dazu.

00:53:24: Wir verkosten die Weine ja oft jung und dann probiert man sie vielleicht fünf

00:53:26: Jahre später wieder und sagt, yes, alles richtig gemacht.

00:53:29: Oder man sagt, oh, hätte ich das gekommen sehen, hätte ich den Wein anders bewertet.

00:53:33: Also, und das spielt sich natürlich auch im Hintergrund ab, wenn ich jetzt ein Wein

00:53:37: probiere und sage, wow, das erinnert mich an den und den Jahrgang.

00:53:40: Den haben wir damals vielleicht zu schwach bewertet und im Nachhinein stehen die

00:53:44: Weine sehr guter oder umgekehrt.

00:53:46: Weine, die man gefeiert hat und gemerkt hat, der Jahrgang ist nicht gut gereift.

00:53:50: Also, das klar, man denkt mehr nach, das macht es etwas langsamer,

00:53:55: aber ich glaube einfach auch, dass die Sensorik schon irgendwann etwas nachlässt.

00:54:02: Man wird nicht feiner in der Sensorik, sondern man wird abgestuft durch die.

00:54:05: Man wird ja auch empfindlicher.

00:54:07: Also, ich habe immer gelächelt über Menschen, die gesagt haben, Säure.

00:54:11: Ich dachte, Säure kann gar nicht zu viel sein.

00:54:13: Säure ist großartig.

00:54:15: Inzwischen ist es auch.

00:54:16: Eine Lieblingtag.

00:54:17: Okay, man muss da schon mit Bedacht an die Sache rangehen.

00:54:20: Also, Jahrgang 21, da haben einfach viele Winzer in Deutschland das mit der Säure

00:54:25: übertrieben.

00:54:26: Nach Jahren mit wenig Säure haben es alle gefeiert und gesagt,

00:54:29: yes, endlich kann ich mal wieder aus den Vollen schöpfen

00:54:32: und haben Staubtrockenerieslinge mit neun Volumen pro Zenseure erzeugt.

00:54:36: Das ist beeindruckend, das zu probieren.

00:54:39: Aber es ist nicht schön, eine ganze Flasche davon zu trinken.

00:54:42: Oder eben 100 Beine durchzupfen.

00:54:45: Also, die Schmerzen kann man nicht in Worte kleiden.

00:54:47: Blind oder offen?

00:54:49: Das ist ja so eine Kretchenfrage mehr oder weniger.

00:54:52: Ich bin ein ganz klarer Verfechter von offen.

00:54:55: Ja, inzwischen.

00:55:01: Früher blind.

00:55:03: Das ist jetzt vielleicht ein Stück überheblich, mir anzumaßen, neutral zu sein.

00:55:10: Natürlich kenne ich viele Winzer seit Jahren.

00:55:13: Aber ich finde es auch immer spannend zu sehen Hoppler.

00:55:18: Das hat man nie geschmeckt und das ist auf einmal gut.

00:55:21: Ich bin dann, glaube ich, jetzt niemand, der sagt,

00:55:24: der kann jetzt keine 95 Punkte kriegen, weil der war nie gut.

00:55:27: Also, das würde ich mir schon zusprechen, dass ich da offen genug bin.

00:55:33: Und da umgekehrt ein Winzer, den ich jahrelang großartig fand,

00:55:37: dann bin ich auch in der Lage zu sagen, die Kollektion passt in dem Jahr nicht.

00:55:40: Und ja, also insofern mit dieser Voraussetzung ist offenverkosten besser,

00:55:48: weil man einfach zum Beispiel die Lage sieht und dann einfach auch abschätzen kann,

00:55:56: ob das zu der Lage jetzt passt, ob das in Wein drückt ja oft,

00:56:01: eine gewisse Kalkigkeit zum Beispiel aus oder eben den Schieferboden.

00:56:05: Und dann ist es schon gut zu wissen, von welcher Lage der Wein stammt.

00:56:10: Bin ich ganz über bei dir?

00:56:11: Also ich liebe Blindverkostungen, ich liebe auch diese Blindverkostungen,

00:56:14: die du immer gemacht hast beim Summit, die teilweise ganz, ganz überraschen waren.

00:56:19: Und wo der vorhin genannte Marco Franzlin für mich einer der größten Weinerkennah war.

00:56:25: Also der reingerochen hat und den Wein einfach genagelt hat aus dem Nichts heraus,

00:56:28: wo ich mir dachte, woher weiß der das?

00:56:30: Und Blindverkostung ist für mich einfach immer so ein Self-Proof,

00:56:34: das ist immer so ein, wo man sich selber so ein bisschen einordert

00:56:37: und guckt, worauf achtet man wirklich.

00:56:39: Es geht auch gar nicht so darum, den Wein wirklich zu nageln,

00:56:42: einfach die einzelnen Gegebenheiten des Weines zu greifen,

00:56:45: wenn man Wein aber wirklich bewertet.

00:56:47: Dann würden bei einer Blindverkostung, finde ich, immer nur diese vordergründigen Dinge.

00:56:51: Irgendwo gewinnen, weil ich habe drei Minuten, wenn es hoch kommt fünf Minuten,

00:56:56: wenn ich mir ganz viel Zeit nehme, zehn Minuten für ein Wein.

00:56:58: Aber wenn ich um die Machart des Hauses weiß oder des Winzers,

00:57:02: die Lage, die Rebsorte nochmal ganz anders, dann kann ich weiterführend betrachten,

00:57:07: wie der Wein sich vielleicht in der Stunde entwickelt

00:57:09: und kann ihn ganz anders benoten und fairer benoten in dem Sinne.

00:57:13: Ich denke, das wichtige Unterscheidungskriterium ist Wettbewerb.

00:57:18: Das muss blind sein.

00:57:20: Da führt kein Weg dran vorbei.

00:57:22: In dem Moment, wo es sich um einen Wettbewerb handelt,

00:57:24: ist es eine Blindverkostung.

00:57:26: Oder um eine redaktionelle Geschichte, eine rein redaktionelle,

00:57:29: wo ich ja auch drüber schreiben will, wie sich die Winzer-Handschrift verändert.

00:57:34: Das kann ich ja nicht, wenn ich die Weine blind probiert habe,

00:57:36: weil dann kann ich mich nachher nicht mehr erinnern,

00:57:39: wenn ich 200 Rieslinge in Wiesbaden probiert habe.

00:57:41: Erst nachher sehe, von wem war der,

00:57:44: krieg ich das nicht mehr zusammen sortiert,

00:57:46: weil die Weine kommen ja auch nicht am Block,

00:57:48: sondern da kommt ja die eine Lage mit denen, wenn die Lage an der Reihe ist,

00:57:53: und dann kommt eine andere Lage, vielleicht drei oder vier,

00:57:55: vielleicht später vom gleichen Winzer.

00:57:57: Ich kann dieses Bild nicht mehr zusammenfügen.

00:58:00: Also, um dann sinnvolle Dinge zu schreiben,

00:58:03: nach dem Motto also, es ist aufgefallen,

00:58:06: dass es Weingut XY jetzt ein feinere Handschrift hat

00:58:11: oder ein bisschen mehr mit Gerbstoff arbeitet

00:58:13: oder offensichtlich mit Säureabbau beispielsweise agiert

00:58:18: oder Holzfässer einsetzt, was es vorher nicht getan hat.

00:58:20: Das kann ich ja nur, wenn ich es auch offen verkoste.

00:58:23: Ich beispielsweise liebe es privat, immer blind zu verkosten.

00:58:28: Bei uns zu Hause ist abends immer die Frage,

00:58:30: wer geht in den Keller, du oder ich, also meine Frau oder ich,

00:58:34: und der andere verkostet selbstverständlich den Wein blind.

00:58:37: Oder auch wenn wir Gäste haben,

00:58:39: die kommen ja meistens irgendwie aus der Winzer- oder Sammelierwelt,

00:58:42: es ist eigentlich auch immer blind,

00:58:44: weil man dann auch viel dabei lernt,

00:58:46: aber das ist ja auch kein Bewerten, es ist dann für mich ein Lernen.

00:58:49: Also, dann verkostet ich total gern blind.

00:58:51: Aber wenn ich drüber schreiben soll,

00:58:53: es ist wichtig, mit allen Informationen ausgestattet zu sein.

00:58:56: [Musik]

00:59:12: Er hat bei Bresco großgemacht.

00:59:14: Er hat den italienischen Weinbau revolutioniert

00:59:17: und seit einigen Jahren zeigt er

00:59:19: der gesamten Welt,

00:59:20: dass die Marrema der neue Hotspot für Spitzenweine ist.

00:59:23: Ich glaube jeder von euch weiß, um wen es geht.

00:59:26: Mit seinem Promise 2022

00:59:28: füllte er keinen gewöhnlichen Hoskarnerwein,

00:59:31: er füllte einen Statement in die Flasche.

00:59:34: Kraftvoll, elegant und so verdammt gut,

00:59:37: das nahezu jeder Weinfreak ausrastet.

00:59:39: Und wer dachte, dass Supertaskens schon durchgespielt sind,

00:59:43: hat diesem Wein auch nicht probiert.

00:59:45: Um das Haus Gaia zu verstehen, hilft die Geschichte.

00:59:48: Denn diese zwei ein gutes Gaia beginnt bereits im Jahr 1859,

00:59:51: als Giovanni Gaia im Barbarresco

00:59:53: den Grundstein des Fundament für dieses Weingut legte.

00:59:56: Mit nur zwei Hektarätfläche begann er,

00:59:59: Weine zu produzieren, die in der eigenen Taverne ausgeschenkt wurden.

01:00:03: Diese bescheidenen Anfänge waren der Startschuss

01:00:06: für einen der bedeutendsten Wein-Dynastien Italians.

01:00:10: In der zweiten Generation setzten Angelo Gaia

01:00:13: der Großvater des heutigen Eigentümers

01:00:16: und seine Ehefrau Clotilda Re,

01:00:19: wichtige Impulse für die Qualitätsphilosophie des Hauses.

01:00:23: Vor allem letztere Drang darauf, die Firmpolitik so auszurichten,

01:00:27: dass eine hohe Qualität und ein hohes Preisniveau erreicht werden,

01:00:31: um die gewünschte Kundschaft an das Haus zu binden

01:00:34: und das Prestige des Produkts zu festigen.

01:00:37: Der Enkel des Filmengründers Giovanni Gaia

01:00:40: setzte diese Tradition fort und erweiterte das Weingut

01:00:43: durch den Zughauf erklasslicher Lagen im Barbarresco-Gebiet.

01:00:47: Sein Sohn Angelo Gaia trat 1961 in die Fußstapfen seiner Vorfahren

01:00:54: und führte das Weingut mit einer Vision in die Moderne.

01:00:58: Er wollte die Qualität der piemontäzischen Weine

01:01:01: auf ein neues Niveau heben und sie international etablieren.

01:01:06: Angelo Gaia führte zahlreiche Innovationen ein,

01:01:09: die den italienischen Weinbau und der Gänze revolutionierten.

01:01:13: Er experimentierte mit internationalen Rebsorten,

01:01:16: Ausbau in Barriks ein und legte Wert auf niedrige Erträge

01:01:20: zur Steigerung der Traubenqualität.

01:01:22: Seine Entscheidung, insbesondere die Pflanze von Carpanese

01:01:25: auf Neon in traditionellen Nebiolo-Lagen,

01:01:28: wurde zunächst kontrovers diskutiert bis zu Abscheut.

01:01:31: Er wiesen sich jedoch als Wegweisend für die Modernisierung

01:01:35: des italienischen Weinbaus.

01:01:37: In den 1990er Jahren wagte Angelo Gaia den Schritt

01:01:40: über die Grenzen des Piemonts hinaus

01:01:43: und er war Weingüter der Toskana, darunter das Weingut Kamakanda

01:01:47: in der Marrema.

01:01:49: Hier setzte er seine Philosophie vor Tradition und Innovation

01:01:52: zu verbinden und schuf Weine,

01:01:54: die die Einzigartigkeit des Toskanischen Terroirs widerspiegeln.

01:01:58: Als er 2010 die Leitung der Weingüter an seine Töchter Gaia

01:02:02: und Rosana übergibt, hat der nahezu alle Ehrungen

01:02:06: der Weinwelt erhalten, die es so gibt.

01:02:08: Der Promise 2022.

01:02:11: Es ist eine meisterhafte Küwe aus Merlot, Zyra und Sanctevese.

01:02:15: Jede dieser Rebsorten bringt ihre eigene Charakteristik

01:02:19: an den Wein ein.

01:02:20: Der Merlot verleiht den Wein Fülle,

01:02:22: Weichheiten erhoben, die an Reife und rote Früchte erinnern.

01:02:26: Der Zyra bringt Würze, Tiefe und Noten von dunklen Bären

01:02:31: sowie eine robuste Struktur des Sancteveses

01:02:35: als traditionelle Toskanische Rebsorte,

01:02:38: bringt frische Lebendigkeit und die zarte Kirschnote hinzu.

01:02:42: Der Promise 2022 unterscheidet sich

01:02:44: von anderen Toskanischen Wein durch mehrere Faktoren.

01:02:47: Zum einen das Tiroir der Marremma,

01:02:50: die Nihil zum tyränischen Meer

01:02:52: und die mineralreichen Böden

01:02:54: verleihen dem Wein eine besondere Frische und Tiefe.

01:02:58: Die Kombination aus präziser Weinbereitung,

01:03:00: zum Beispiel dem Vergärren in Edelstalltanks,

01:03:03: der separat der Ausbau der einzelnen Rebsorten,

01:03:06: der 12 Monate Gebarik ausbau

01:03:08: und die moderne Interpretation

01:03:10: im Gegensatz zu klassischen Supertaskens,

01:03:13: die oft auf Kabanis aufmion basieren,

01:03:15: die oft monströs imposant ausladen sind

01:03:18: und nicht selten einseitig orientiert Finesse vermissen lassen,

01:03:21: schafft es dieser Wein eine ganz eigene Identität darzustellen,

01:03:25: eine Identität, die trotz allen sinnbildlich für die Toskana

01:03:29: und für die Rebsorten Zanctevese,

01:03:32: Zyra und Merlot stehen.

01:03:34: Der Schritt in die Marama, der Schritt in die Toskana war definitiv ein großes Wagnis.

01:03:38: Ist nicht das Klima, sind nicht die Böden so gänzlich anders

01:03:41: als im vertrauten und gewohnten Piedmont.

01:03:44: Doch es zahlte sich aus.

01:03:46: Und letztlich wird die Aussage eines berühmten Journalisten bestätigt,

01:03:50: Angel LoGayer spielt nicht, er herrscht.

01:03:53: Während anderen noch über Traditionen reden, schreibt er längs Geschichte.

01:03:57: Barbaresco revolutioniert.

01:03:59: Supertasken neu definiert.

01:04:01: Und jetzt gehört die Marama ihm.

01:04:04: Und der Promis 2022 ist der Wein, der das der gesamten Welt beweist.

01:04:09: Wer diesen Tropfen probiert, versteht sofort, das ist nicht einfach ein Wein, das ist Gayer.

01:04:14: Vielen lieben Dank dafür.

01:04:16: Noch ein großes Dankeschön, dem deutschen Importeur, dem Handelthaus Segnetz.

01:04:30: Wiesbaden ist ja ein ganz großen Event letztlich im Jahr

01:04:33: und in Deutschland für den deutschen Wein.

01:04:36: Du oder ihr habt ein weiteres ins Leben gerufen, Finest, ein 100,

01:04:41: das jetzt seit 708 Jahren gibt.

01:04:44: Eigentlich schon die Prestige-Wein-Messe in Deutschland schlechthin.

01:04:48: Beziehungsweise natürlich auch euer Champagner-Event in München,

01:04:51: was es seit 3 oder 4 Jahren gibt.

01:04:54: Hattest du jemals ein Vorbild für all diese innovativen Gedanken,

01:04:59: die du eigentlich in der deutschen Wein-Szene etabliert hast

01:05:02: und eigentlich für diese "Fine Wine World"?

01:05:06: Das ist durch die Erfahrungen, die man über die Jahre sammelt, eigentlich entstanden.

01:05:11: Also, das Finest 100, wie der Name schon sagt,

01:05:15: versuchen wir ja dann 100 der besten Weltweingüter zusammenzubringen,

01:05:20: ist eigentlich aus den Sommeliers heraus entstanden.

01:05:23: Wir haben den Sommeliers-Sammit ja immer am Tag davor

01:05:25: und ich habe beobachtet, nach ein paar Jahren haben die Sommeliers

01:05:29: ja immer die gleichen Wein-Güter in der Falz besucht, naheliegenderweise

01:05:32: und vielleicht noch im Angrenzenden Rhein-Hessen.

01:05:34: Und irgendwann fing es dann an, dass alle irgendwie Touren gestrickt haben.

01:05:37: Die einen sind auf dem Hinweg über die Mose gefahren,

01:05:39: die anderen auf dem Rückweg über Baden und so weiter.

01:05:42: Manche sind noch ins Begrund gefahren.

01:05:44: Und dann habe ich gedacht, okay, wenn das jetzt so anfängt,

01:05:47: dann lass uns doch einfach die Winzer herbringen,

01:05:49: dann müssen jetzt nicht alle in alle Welt fahren,

01:05:52: lass uns am Tag nach dem Sommeliers-Sammiten-Event machen,

01:05:56: wo wir einfach es nutzen, dass die besten Sommeliers

01:05:59: aus dem deutsch-barigen Raum, also aus Deutschland,

01:06:01: der Schweiz, Österreich hier sind, und die Winzer stellen ihre Weine vor

01:06:05: und wir machen einfach so einen Networking-Tag auf höchstem Niveau,

01:06:10: dass man sich einfach austauschen kann, deswegen auch die limitierte Besucheranzahl

01:06:14: von maximal 400.

01:06:17: Und so ist Feindes 100 entstanden.

01:06:20: Und die Champagner-Geschichte in München ist dann wiederum

01:06:24: aus Feindes 100 hervorgegangen, weil es doch irgendwann immer mehr

01:06:29: Champagnerbetriebe wurden.

01:06:31: Wir waren dann irgendwann bei 12 oder 13 von 100.

01:06:34: Und es war dann auch zu viel, weil es dann dazu geführt hat,

01:06:37: dass alle Leute drei Stunden lang erstmal Champagner probiert haben,

01:06:40: bevor sie sich um die restliche Weinwelt gekümmert haben.

01:06:42: Und dann haben wir gesagt, okay, wir trennen das,

01:06:44: wir machen einen Event für Champagner, eben 100 Prozent Champagner.

01:06:47: Und sind bewusst auch in den Süden der Republik, weil einfach da

01:06:51: auch mit dem Angrenzen Österreich und der Schweiz, die Champagner-Konsum

01:06:55: Hochburgen sind, also nichts gegen Sylt und Berlin, aber

01:06:59: und trennen das ein bisschen von Feindes 100.

01:07:04: Und jetzt machen wir in diesem Jahr einen ganz großen Schritt

01:07:07: und versuchen das erste Mal wirklich so High-End-Masterclasses anzubieten

01:07:12: neben den normalen Tischen, wo man eben das normale Sortiment

01:07:17: von den Weingütern und Champagnerproduzenten probieren kann.

01:07:20: Gibt es jetzt eben so kleine Masterclasses limitiert auf zwei Leute,

01:07:25: wo Vertikalen von besonderen raren Champagniern verkostet werden.

01:07:30: Oder wenn ein Winzer wie Jackson beispielsweise Einzellagen anbietet,

01:07:35: dann könnte man auch eine Horizontale machen von verschiedenen

01:07:38: Einzellagen, Dinge, die man so nebeneinander einfach selten probieren kann.

01:07:41: Das ist jetzt die nächste Entwicklungstufe.

01:07:45: Du bist mit den Aufgaben dort reingewachsen, also Champagner bist du ja mehr

01:07:49: oder weniger der Experte in Deutschland, also neben dir, dass du ja

01:07:52: der Sommie-Experte bist, auch der Champagnierexperte durch

01:07:55: Champagnier-Magazin seinerzeit, was du ja viele, viele Jahre begleitet hast

01:07:58: und oder war das ein Wunsch, dass du gesagt hast, ich möchte gerne

01:08:03: oder wie bist du zudem geworden?

01:08:06: Es wäre ein Wunsch gewesen, war aber Zufall.

01:08:10: Also ich war Mountainbiken mit Kumpels Ende der 90er Jahre in der Champagne,

01:08:16: einfach weil mich das Gebiet interessiert hat, nicht noch nie da war.

01:08:19: Warst du da schon in der Branche oder warst du noch BWL-Student?

01:08:22: Da war ich noch Student. Und es war ein Jahr bevor ich bei Meininger anfing.

01:08:26: Und kaum war ich bei Meininger, kam die Idee, ein Champagnier-Magazin zu kreieren.

01:08:31: Damals initiiert vom Champagnierverband, weil in Deutschland damals

01:08:36: 20 Millionen Flaschen Champagnier verkauft wurden, heute 13.

01:08:39: Aber zu einem Durchschnittspreis von, ich glaube, 17 Mark, also heute 8,50 Euro.

01:08:45: Wie war die Gesamtproduktion damals? Heute sind es ja bei, glaube ich, 370 Millionen?

01:08:49: Nein, die Gesamtproduktion sind so im Schnitt 300 Millionen Flaschen heute

01:08:54: und damals waren es vielleicht 280. Also nicht viel weniger, weil die Fläche

01:08:59: ist ja fast gleich geblieben. Nur sind die Ernten heute etwas stabiler als früher.

01:09:05: Also insofern ist der Schnitt leicht gestiegen.

01:09:09: Jedenfalls war das Image einfach nicht gut genug.

01:09:11: Und Champagnier war zu billig. Und dann hieß es, wir brauchen ein Magazin,

01:09:14: um den Leuten diese Sonderstellung des Champagniers bekannt zu machen.

01:09:19: Und dann habe ich natürlich angefangen, mit meinem Halbwissen, mit den einfachsten Dingen.

01:09:24: Also ich habe erst mal erklärt, dass es hauptsächlich 3 Rebsorten gibt.

01:09:28: Chardonnay, Menyet, Pinot Noir und eben Winzer und Häuser und Genossenschaften

01:09:33: und eben die großen Anbargebiete, Valais de Laman, Montagnes de Rence, Cote Blanc.

01:09:39: Und so ging es dann step by step. Dann begann der Roseboom in der Champagne.

01:09:43: Dann haben wir darüber geschrieben. Dann fing das mit den Winzer-Champagnan-Stärken an.

01:09:47: Dann haben wir das mal beleuchtet und so weiter. Also das Magazin ist mit den Jahren

01:09:52: natürlich dann professioneller geworden. Und heute ist es nach wie vor ein Highlight im Jahresverlauf.

01:09:58: Also macht auch immer noch ein Video.

01:10:00: Spaß. Es ist unfassbar, wie viele neue Champagner in Top-Qualität jedes Jahr neu auf den Markt

01:10:06: kommen. Wir haben da irgendwann mal angefangen, ich glaube vor sechs oder sieben Jahren, so eine

01:10:11: Rubrik neu auf dem Markt, wo wir geguckt haben, okay, welche Emporteur hat was neuem Sortiment?

01:10:16: Man war das am Ende zehn neue Erzeuger bei drei bis vier einschlägigen Champagner-Emporteuren.

01:10:22: Heute sind es, glaube ich, 30 bis 40 neue Erzeuger, die pro Jahr auf den deutschen Markt kommen, die

01:10:30: natürlich alle nur kleine Mengen produzieren, sodass die Importmengen auch oft nur 60 bis

01:10:35: vielleicht 240 Flaschen sind von diesem Erzeuger. Das heißt, es taucht in den offiziellen

01:10:42: Statistiken gar nicht mal auf, weil das unter der Schwelle ist, die vom Zoll erfasst wird,

01:10:45: aber das pusht natürlich die Vielfalt auf dem Markt enorm. Nur ist es im Moment noch so

01:10:51: ein Insta-Phänomen, dass die Leute noch auf der Trophäenjagd sind. Also ich beobachte es so,

01:11:00: es werden neue Labels gepusht von Meinungsführern oder Influencern, wenn man es so nennen will.

01:11:10: Und dann gibt es eine große Champagner-Fangemeinde, die auf der Jagd ist, diese Lücken in der

01:11:15: Kollektion zu fühlen. Die Kollektion wird damit gefühlt, dass man Foto von der Flasche gemacht

01:11:19: hat und sie einmal getrunken hat. Diese Menschen bleiben aber dann nicht bei einem Champagner,

01:11:24: der ihnen geschmeckt hat. Die suchen nicht danach, wow, das ist genau mein Profil,

01:11:28: haken und ich kaufe mir 12 Flaschen. Nein, man sucht dann gleich der nächste Label,

01:11:34: das noch fehlt auf der Liste. Und bin gespannt, ob das irgendwann umschlägt und dann auch

01:11:39: ein Winzer ernsthaft mal dauerhaft profitiert, nämlich indem es Stammkunden gibt, die dann

01:11:43: vielleicht jedes Jahr 12 Flaschen kaufen von diesem Champagner.

01:11:47: Wie meinten meine Frage, ob es so was kontraproduktiv oder förderlich ist, also förderlich für

01:11:52: die Vielfalten, für die Wahrnehmung, für die Ausmahnnehmung oder kontraproduktiv,

01:11:55: wenn man halt mehr oder weniger nur einen Staffellauf absolviert, aber niemals diese

01:11:58: ganze Strecke läuft.

01:11:59: Das ist genau der Punkt. Also ich glaube für die Gastronomie ist es im Moment förderlich,

01:12:03: weil die Weinkarten durch die Champagnerauswahl explodiert ist.

01:12:08: Das ist faszinierend. Also auch für mich, du guckst auf die Champagnerauswahl in vielen

01:12:14: Restaurants und denkst so, okay, den und die und den haben sich alle noch nicht getrunken.

01:12:19: Das kratzt dann schon ein bisschen an der Ehre, aber ist auch ein Ansporn sich nicht zurück

01:12:25: zu lehnen. Also einfach neugierig bleiben. In dem Moment, wo es einem zu mühsam wird,

01:12:30: man denkt so, oh no, schon wieder ein neues Gesicht. Ich glaube, dann sollten wir aufhören

01:12:34: damit.

01:12:35: Geht der Trend da vielleicht? Also nicht in Pivisen, der erlaubt, aber nicht in Richtung

01:12:39: Pivis, sondern vielleicht auch in Richtung der vier vergessenen Rebsorten, die jetzt

01:12:46: vielleicht auch wieder eine andere Präsenz bekommen, aufgrund der Strafheit der Säurelastigkeit

01:12:50: ja doch dann vergessen wurden oder jetzt nicht unbedingt Pino Gris, Pino Blanc, die

01:12:55: ja dann doch schon auch da eher kontroproduktiv werden oder wohl in geht der Trend. Geht der

01:13:00: Richtung vielleicht Therois, was ja, finde ich, nachdem so ab 90 bis 2005, 2010 oder

01:13:07: ab 80, dass das Winemaking ja eigentlich perfektioniert wurde und wo es eigentlich nicht mehr weiter

01:13:13: ging, diese Individualität mehr in Richtung Lagentypizität oder eben auch das verschiedene

01:13:18: Regionen einzelne herausgearbeitet werden, nicht nur diese drei großen Benchmarkplayer

01:13:23: gehen oder was, was kann man bei der Champagne erwarten betrachten, was magst du daran?

01:13:27: Also Chardonnay, Pino Noir, Menier werden die drei Hauptrebsorten bleiben natürlich in

01:13:36: der Champagne und da hat man ja auch, es gibt ja dieses Versuchsbeingut, Blümekoch, Inchouilly,

01:13:43: wo der Champagnerverband auch noch ganz viele Klonen zum Beispiel von Pino Noir anpflanzt,

01:13:49: die bisher gar nicht zugelassen sind, also die in den 70er Jahren irgendwann mal ausgeschlossen

01:13:53: wurden, weil man gesagt hat, das bringt zu wenig Alkohol und zu viel Säure, aber die

01:13:59: Rebsorten wurden konserviert, die stehen immer in so Plöcken von sechs Rebsorten, also sechs

01:14:04: Stöcke in zwei Reihen, also drei, drei und werden da eben immer weiter gepflegt und die können

01:14:11: natürlich eines Tages zugelassen werden, wenn man merkt mit den jetzigen Pino Noir Stöcken,

01:14:15: kommt man nicht mehr weiter, weil es zum Beispiel zu früh reif wird. Also da hat die Champagne

01:14:20: sehr, sehr, sehr gut vorgesorgt. Jetzt kommt ja eine neue Rebsorte, ist zugelassen, Chardonnay

01:14:25: Rose, also eine quasi Mutation vom weißen Chardonnay, der halt so ein bisschen rote Traubenhaut hat und

01:14:34: vielleicht da auch ein bisschen mehr Schutz bietet in gewissen Jahren, wird man beobachten. Die

01:14:40: Grundweine, die ich da probieren durfte, haben sehr gut geschmeckt und die anderen angesprochenen

01:14:46: Rebsorten sind ja Weißburgunder, Grauburgunder, also Pino Vray und Fromontot und die anderen zwei

01:14:51: werden dann Abonne und Petit Mellier. Diese vier zusammen bilden einen Block von aktuell weniger

01:14:58: als ein Prozent nach wie vor, obwohl die immer präsent auf dem Markt sind, weil viele Winzer eben

01:15:04: in kleinen Mengen gewesen davon produzieren. Weißburgunder kommt sicher am stärksten,

01:15:09: weil er so eine Art Frostschutz ist. Also er wird oft in Parzellen am Ende der Zeilen unten,

01:15:16: am Hangfuß gepflanzt, um einfach in Spätfrostjahren, wo der Chardonnay Schaden nehmen würde,

01:15:23: ein Weißburgunder zu haben, der einen anderen Austrieb hat und damit eben einen gewissen

01:15:27: Schutz bietet, dass man nie eine ganze Parzelle verliert. Kein Winzer in der Champagne würde aber

01:15:32: sagen, dass der Weißburgunder bessere Ergebnisse bringt als der Chardonnay. Also es ist eher so

01:15:36: eine Risikomischung. Graubagunder spielen im Moment, erstaunlich viele mit rum. Mellier und Abonnen

01:15:44: können spannend werden, weil sie einfach Säure in die Kühe mit reinbringen können, was in

01:15:50: manchen Jahren ein Vorteil ist. Also sind nach wie vor heikle im Anbau beide, aber kommt immer öfter

01:15:58: vor auch so gemischter Satz. So nachdem ist es ja so ein Konzept der Resistenz des Weinbergs. Also

01:16:05: Widerstandsfähigkeit, indem man eine größere Mischung an einerseits genetik, andererseits

01:16:10: Rebsorten hat, dass es dann nicht so krankheitsanfällig ist. Also das Thema gemischter Satz in der

01:16:16: Champagne ist sicher sehr spannend. Also ja, da bewegt sich auch vieles. Was ist ein angemessener

01:16:23: Preis für ein handwerklich erzeugten Champagner? In einem Verbraucherbereich. Also wenn ich da jetzt

01:16:28: die ganzen Prestigekram oder wir haben da irgendwas, was auch die Berücksichtigung der

01:16:33: kleinen Produzenten, die natürlich einen gleichen Kostenaufwand in der Produktion haben wie jemand,

01:16:37: der das Sehenfahrer produziert. Aber so im Schnitt, was sollte man für Champagne ausgeben,

01:16:43: damit man ein ekiges Bewusstsein dafür hat? Das Problem ist, dass handwerklich gemachte

01:16:52: Champagner unter 40 Euro heute eigentlich in Nährungszukriegen sind. Also immer wenn ich

01:16:57: nach Champagne bin, um irgendwas zu recherchieren, bitten mich normalerweise gute Freunde, bring

01:17:04: mir doch was mit, wenn du was entdeckst. Das war bis vor zehn Jahren überhaupt kein Problem. Da habe

01:17:08: ich gesagt, klar, ich kenne deinen Geschmack. Wenn ich einen Winzer treffe, der was im Programm

01:17:15: hat, was dir schmeckt, kaufe ich das. Das kann ich in der Form heute gar nicht mehr machen, weil ich

01:17:20: immer abfragen muss, was ist das Budget? Das war früher kein Thema. Da war dieser Mittelbau

01:17:24: lag so um die 40 Euro. Der Einstieg war bei 30 oder knapp drunter. Die Top-Sachen waren eben dann

01:17:30: drüber. Aber diesen Mittelbau konnte man dann so in dieser Preisklasse bis zu knapp 40 Euro

01:17:36: oder knapp drüber kaufen. Dieser Mittelbau bei dem Weihengut kostet halt 60 und der Einstieg

01:17:42: 40. Und dann muss der Einstieg natürlich schon richtig gut sein, damit 40 Euro gerechtfertigt

01:17:47: sein, weil das ist natürlich echt ein stolzer Preis. Da muss die Champagne schon natürlich

01:17:54: ein Stück weit aufpassen. Andererseits ist die weltweite Nachfrage für diese 34.000 Hektar,

01:17:58: die es gibt, so groß, dass sich das nach wie vor ausgeht. Und es eröffnet eben dann die Chancen

01:18:05: in dieser Preisklasse um die 20, 25 Euro für gut gemachte Winzersekte. So, what? Tut der Champagne

01:18:12: nicht weh und fördert die Vielfalt. Aber ist es eine Entwicklung, wie teilweise in der Gastronomie,

01:18:17: dass man sagt, der Mittelbau bricht perspektivisch komplett weg, dass es halt eine sehr einfache

01:18:23: Produktion auf der einen Seite geben wird und auf der anderen Seite der Prestige oder individuelle

01:18:27: Rahmen oder die Mittelbau immer gibt? In der Champagne funktioniert das nicht, weil die Traubenpreise

01:18:32: so hoch sind. Dadurch, dass der Traubenpreis über 7 Euro teilweise ja über 8 Euro liegt,

01:18:38: gibt es diese einfache Produktion nicht. Weil das Produkt selbst, wenn man es einfachst produziert,

01:18:46: dann 25 Euro kostet oder mindestens 20 Euro. Und die Leute, die einen ganz einfach gestricktes

01:18:52: Produkt kaufen wollen, wollen keine 20 Euro ausgeben. Also der Markt funktioniert in der

01:18:58: Champagne so nicht. Champagne geht nur über Exzellenz. Ganz klar. Also zumindest mal über

01:19:04: gutes handwerkliches Niveau bis Exzellenz. Gibt es für dich Grenzen nach oben oder unten beim Wein?

01:19:10: Also gar nicht beim Champagne, sondern beim Wein im Allgemeinen, wo du sagst, darunter würde ich

01:19:14: nicht unterstützen, würde ich nicht anfassen, beziehungsweise darüber ist es für mich nichts,

01:19:19: was ich unterstützen würde, weil es eine reine, was auch immer ist. Also ich glaube nicht, dass man

01:19:25: Wein unter 8 Euro produzieren kann, bei dem niemand drauf zahlt. Und wenn es nicht der Traubenproduzent

01:19:33: und nicht die Kellerei ist, die drauf zahlt, dann zahlt die Ressourcen Natur drauf, indem

01:19:38: nämlich Raubbau am Boden betrieben wird mit großem maschinellen Einsatz, mit dauerhaften

01:19:42: Düngereinsatz. Das sind dann Kosten, die im ersten Moment niemandem auffallen, aber die sind

01:19:50: vorhanden und die zahlt irgendwann natürlich, die zahlen wir alle. Also Stichwortverbrauch von

01:19:56: Humus, das Böden einfach nach 60, 70 Jahren zu nichts mehr zu gebrauchen sind. Insofern, wenn man

01:20:05: Wein trinken will, man sollte sich so an diese 10 Euro Schwelle orientieren, denke ich knapp

01:20:11: drunter. Da gibt es dann schon gut gemachte Produkte, 8 Euro, 9 Euro, 10 Euro. Handwerklich wird

01:20:18: es sicher dann ab 10 Euro erst. Und nach oben hin, es ist natürlich eine Budgetfrage. Also jeder muss

01:20:26: ja wissen, was er verdient und was ihm das wert ist. Das ist das Gleiche bei Lebensmitteln. Also

01:20:32: ich verteufel niemanden, der sich ein extrem teures Lebensmittel kauft, wenn ihm das Lebensmittel

01:20:38: das wert ist. So what? Aber jeder muss ja in seinem Budget wissen, was ihm eben dieses Segment

01:20:47: essen und trinken wird. Es ist bei mir sicher ein sehr hoher Anteil meines Einkommens. Da wird

01:20:52: manche den Kopf schütteln. Generell neigen wir Deutschen ja nicht dazu, zu viel Geld für Essen

01:20:59: und Trinken auszugeben. Aber du lässt auch leben oder sagst, dass es halt einfach Marksituationen

01:21:07: oder was auch immer, wenn es ein vier, fünfstelligen Bereich für eine Flasche Wein dann irgendwo ergibt?

01:21:12: Das ist natürlich komplett absurd. Brauchen wir nicht drüber nachzudenken. Aber du hieß es nicht,

01:21:17: wenn du darüber schreibst, oder so, dass es halt einfach so wie es teure Autos gibt,

01:21:21: wie es teure Uhren gibt, teure Gemälde gibt, gibt es halt auch teuren Wein. So wie ich

01:21:26: mir eine Kelli-Bag für 7000 Euro kaufen kann, wo ich denke, okay, es ist eine Handtasche.

01:21:31: Das kann ich natürlich auch mit einer ganz teuren Flasche aus Burgund machen. Dass das sinnfrei

01:21:40: ist, brauchen wir jetzt hier nicht zu diskutieren. Umgekehrt entdecke ich schon immer, ich habe ja

01:21:45: das wirklich große Glück, Weine probieren zu dürfen, jetzt in einem dreistelligen Preisbereich,

01:21:50: die ich mir jetzt persönlich ja so auch nicht leisten würde und muss aber dann oft

01:21:55: einer kennen, dass die schon qualitativ dann auch besser sind. Also es braucht man nie

01:21:59: man zu erzählen, ein Top Wein im Lagenbereich im Burgund oder ein Top Bordeaux-Qui-Vee oder

01:22:08: ein Top Brunello von der Spannung einzusagen, der eben dann im dreistelligen Bereich ist,

01:22:15: wäre nicht besser als ein anderer Einfacher. Es ist besser. Es ist nur die Frage, ob man diesen

01:22:21: Mehrpreis zahlen kann und zahlen will. Ob man der Lage ist, dieses bessere zu schmecken.

01:22:26: Genau, das ist natürlich auch einzuordnen und die Individualität, die vielleicht der Winzer hat,

01:22:31: das auch wieder zu erkennen oder eben als besonders irgendwie darzustellen. Aber im Endeffekt,

01:22:36: es ist natürlich Markt und ich könnte den Winzern ihre Preise, die sie erzielen. Sie müssen halt

01:22:44: auch mit den Konsequenzen leben. Also die Rieslinge zum Beispiel haben vielleicht ein bisschen,

01:22:52: das jetzt überreizt die letzten Jahre, die kontinuierlichen Preissteigerungen und im Moment

01:22:58: merken, dass ja die Weingüter, also ich glaube, jetzt wird auch eine reistabile Phase eintreten,

01:23:03: wo sich das Ganze wieder konsolidiert. Also das ist ja immer, da funktioniert Nachfrage und

01:23:12: Angebot in diesem Bereich schon. Ist das aber nicht im Augenblick weltweit so? Also auch im

01:23:17: Piemont, im Bordeaux, in Spanien, dass es eigentlich eine Regulierung des Preismarktes gibt. Also ich

01:23:25: wollte gar nicht auf die Rieslinge runterbrechen, der ja dafür ist einer der Weltweine ist,

01:23:28: immer noch relativ günstig ist. Naja, war nur ein Beispiel. Aber man hat es halt vielleicht schon

01:23:33: ein bisschen unterschätzt. So ein Weltwein ist es dann offensichtlich nicht. Also es hat halt nicht

01:23:38: die weltweite Nachfrage wie jetzt in Merceau oder in Chassanie Montrachet, an denen man sicher dann

01:23:46: immer orientiert hat, so nach dem Motto, wenn die so viel Geld verlangen können und unsere

01:23:50: Qualität ist gleich gut, dann können wir so viel verlangen. Die Qualität ist gleich gut,

01:23:54: aber es ist halt nicht die gleiche weltweite Nachfrage da. Und einige Weingüter können das

01:23:59: durchaus? Einige ja, aber nicht die breite Masse. Mein Steckenpferd ist ja nach wie vor der

01:24:06: Plaufränkig und der ist extrem preiswert nach wie vor. Also ich kann mir die Welt besten

01:24:13: Plaufränkig für 60 bis 70 Euro kaufen. Das kann ich bei keiner anderen Rebsäuter der Welt. Auf

01:24:20: dem Niveau. Ja, halt ich auch völlig unterschätzt. Und umgekehrt natürlich, wenn die Winzer sagen,

01:24:26: ja das ist dann zu wenig, weil sie sich international vergleichen, muss ich natürlich umgekehrt

01:24:30: sagen, ne es ist nicht zu wenig, 60 bis 70 Euro ist ein toller Preis, der sehr wohl auskömmlich

01:24:36: ist. Also man muss ja nicht immer alles dreistellig irgendwie einpeilen. Und warum wird Plaufränkig

01:24:43: in der Breite noch nicht so wahrgenommen? Weil rein marketingtechnisch ist Österreich

01:24:47: ja wahnsinnig fortschrittlich bis großartig oder einzigartig in der Welt. Die Weine geben das

01:24:52: her und jeder Weinexperte-Sommie, der sie probiert, auch im Vergleich probiert, hatten einsehen dabei.

01:24:59: Aber in der Breite, auch in der Publikumsbreite kommen sie nicht so an. Ist das weil die einfachen

01:25:06: Weine für die Masse fehlen beim Plaufränkig? Ich habe in der aktuellen Ausgabe die Überschrift

01:25:11: gewählt, zu gut für diese Welt. Ja, sehr gut. Ich glaube, das trifft es ein Stück weit. Also es hat

01:25:18: einfach ein anspruchsvolles, ein guter Plaufränkig ist anspruchsvoll. Und man muss schon ein bisschen

01:25:26: fortgeschrittener Weintrinker sein, um das zu lieben. Es ist nichts, was jemanden mitnimmt,

01:25:32: der jetzt so deine ersten Schritte im Rotweintrinken macht. Es hat Kerbstoff, es hat Frische, also eine

01:25:37: gute markante Säure, es hat eine ausgeprägte Würze, es ist nicht überfruchtig, es ist

01:25:44: nicht geschmeidig, aber es hat halt eine unglaubliche Tiefe, Finesse, Langlebigkeit,

01:25:48: einfach Faszination pur. Aber es ist sehr anspruchsvoll. Und dann muss man ja nur mal gucken,

01:25:54: wie viel verkauft sich dann von anderen anspruchsvollen Weinen in der Welt. Auch von Barolo

01:26:00: verkaufen sich jetzt ne 100.000.000 Flaschen. Gibt es ja nicht. Also ist ja auch limitiert

01:26:04: von der Menge. Diese Kategorie von Weinen hat natürlich nur ein sehr eingeschränktes Absatzfeld.

01:26:13: Plaufränkig eher jung oder reif? Beides. Aber was ist mit ihr reif? Also das ist jetzt problematisiert,

01:26:21: weil natürlich auch die Geschichte des Plaufränkischen, dieser neuzeitlichen Art und Weise sehr,

01:26:25: vielleicht 20 Jahre alt. Genau. Also es ist ja bei allen Weinen so schadone, jung oder reif.

01:26:33: Also ich schadone trinke tatsächlich gerne relativ jung, einfach auch, weil es immer noch

01:26:37: das große Risiko im Burg und gibt, reift es oder reift es nicht und keiner kann es vorhersehen.

01:26:42: Bei Riesling bin ich inzwischen jemand, der jung zwar, Riesling jung ist super sexy, ist vielleicht

01:26:50: das sexieste, was es im Weißweinbereich jung gibt. Es ist aber auch fordernd. Also wenn man zu viel

01:26:57: jungen Riesling am Abend getrunken hat, spürt man das. Also Riesling zum Essen speziell lieber

01:27:04: gereift. Und beim Plaufränkig ist es so natürlich, ein blutjunger Rotwein vom Gärbstoff her ist schon

01:27:10: fordernd. Ist dann im Einsatzbereich beim Essen dann natürlich ein bisschen schwieriger,

01:27:18: wenn das mal fünf bis zehn Jahre alt ist, ist es glaube ich in einem wunderbaren Trinkfenster.

01:27:24: Dann hat es immer noch keine reife Aromatik, aber es ist alles ein bisschen abgeschliffen,

01:27:30: ein bisschen geschmeidiger.

01:27:32: Ich finde es gibt so Klassiker in der Weinwelt, die muss man irgendwie kennen. Also zumindest wenn

01:27:52: man so ein bisschen tiefer in dem Weintema drin ist, ja, als Zombie sowieso. Und eines davon

01:27:57: ist für mich Schadodepes. Und wenn ich so eine Behauptung aufstelle, stellt sich natürlich

01:28:05: auch mal die Frage, warum. Also warum soll man Schadodepes kennen? Klar könnte man sagen,

01:28:10: weil es eines der ältesten Weingüter im Saantepes ist. Der gründet 1452. Vielleicht aber auch,

01:28:16: weil es in den Ursprüngen sehr eng mit der extrem renommierten Protaktafamilie verbunden war,

01:28:20: zu der auch Opreon gehörte, die die Weinberge im ursprünglichen Sinne angelegt hat und die

01:28:25: Grundausrichtung des Weingutes maßgeblich mit beeinflusst hat. Und natürlich wechselten in

01:28:30: fast sechs Jahrhunderten die Besitzer. Während der französischen Revolution wurde

01:28:34: sogar als Staatseigentu verkauft und durch lief verschiedene Hände. Aber die eigentliche Ruhe hat

01:28:39: dieses Weingut vor 30 Jahren, die Jahre 1995 gefunden, als Champagnerfamilie von Louis Röderer

01:28:45: das Weingut erworben hat. Ja, die Übernahme war ein Wendepunkt der Geschichte des Weingutes,

01:28:50: denn unter der Leitung von Jean-Claude Rousseau, dem damaligen Chefsführer von Louis Röderer,

01:28:54: wurden erhebliche Investitionen getätigt, die durchaus nötig waren, um die Weinberge und

01:29:00: Kelleranlagen zu modernisieren. Diese Sybjose, ja man hört es oft Tradition und Innovation,

01:29:05: aber aus Tradition und Innovation hat Chateau de Pest zu einem der leuchtenen Beispiele für

01:29:09: die Verbindung von historischem Erbe, wie gesagt 600 Jahre und modernster Weinbereitung gemacht.

01:29:15: Natürlich beruft man sich auch beim Jahrgang 2020, den ich hiermit ganz besonders vorstellen

01:29:20: möchte, auf die traditionellen Gegebenheiten, den hohen Anteil an Cabernet Sauvignon. 51%

01:29:26: Cabernet Sauvignon. Sie geben dem Wein Struktur tiefe und ein bemerkenswertes Lagerpotential,

01:29:33: was wir einfach vom Sans zelf erwarten. Das Besondere beim Chateau de Pest ist, und das macht

01:29:38: es und wahrscheinlich auch die Weine so außergewöhnlich, ein sehr hoher Merlot-Anteil. 43%

01:29:43: Merlot finden wir in der 2020er QW. Sie geben dem Wein Fülle Weichheit, die fruchtige Aromatik und

01:29:50: noch ein wenig Platz für 4% Cabernet Franc. Die man durchaus frage ist,

01:29:54: immer kann man 4% wirklich schmecken? Kann man diese 4% wirklich greifen? Aber es ist manchmal

01:29:58: wie die Würze, wie das Salz in der Suppe. Ohne genau das wäre es charakterlos und diese 4%

01:30:04: bringen unglaublich viel Tiefe in den Wein und geben ihnen eine zusätzliche aromatische

01:30:08: Komplexität und ja, das kann man schmecken. Und für alle unter uns, die gerade mitgezählt

01:30:12: und mitgerechnet haben, da 4% noch 2% und die werden mit Petit Verdot aufgefüllt. Und der Petit

01:30:16: Verdot hat die nicht unwichtige Aufgabe, dass Tannin gerüst, die Tanninstruktur, die Tannin-Tiefe

01:30:21: des Cabernets-Avillances zu stützen, zu strukturieren, zu fundamentieren und dem Wein damit zu seiner

01:30:26: legendären Reife zu verhelfen. Kurz noch die Fakten zu dem Wein. Die Gärung erfolgt in Temperatur

01:30:32: kontrollierten Holzpottchen, einfach um die aromen Tanninen im Bestmögliche zu extrahieren und

01:30:36: anschließend 12 Monate in französischer Ache und hierbei natürlich vor allem nicht Paris,

01:30:41: wobei und das ist eigentlich erst seit 10, 12 Jahren 9, 0, 35% der Fässer überhaupt neu sind. Der

01:30:49: Rest ist zweit, ganz selten drittbelegung und damit erreicht man eine Balance zwischen den

01:30:53: Holznot, den Fruchtaromen und den Tanninkulturen in dem Wein. Und das merkt man, wenn diese 2020er

01:30:59: Chateau de Pessig meint, das sind erst 4 Jahre, aber der ist schon so präsent, so herrlich präsent,

01:31:04: so aromenvoll, wenn der sich im Glas präsentiert, zum einen diese Farbe. Tief, Rubinrot. Man möchte

01:31:10: sich eigentlich schon visuell verlieben in dem Wein. Das Bouquet Johannesbärre. Natürlich Johannesbärre,

01:31:15: 50% Carbonis Sauvignon, aber auch die Kürsche durch den Merlot, ergänzt das Ganze, leichte

01:31:19: Feichenaromen und im Untergrund dieses typische Cedernholt und der Grafitton, an dem viele

01:31:24: Sanctes de Vercken. Das Spannende finde ich ist der Gaum. Viele Jahre waren viele Weine aus dem

01:31:30: Bordeaux einfach zu glatt gebügelt. So, Steffi, er selten, Chateau de Pess, nah zu gar nicht und das

01:31:36: spüren wir. Man kann hier mit Tannin arbeiten, man hat geschliffene aber feste Tannine, man hat

01:31:41: eine lebendige Säure und eine herrliche Länge. Der Abgangs, ein beeindruckendes Geschmacksmonument

01:31:47: und lässt auf die Reife hoffen und sich darauf freuen. Denn natürlich werden die Tannine seidig,

01:31:53: aber man wird merken, dass der Wein auch noch in 10, 20, 30 Jahren Struktur hat. Ja, wie erwähnt,

01:31:57: man kann Sanctes de Vercken nicht nur am Gaumpül, man kann es auch riechen und schmecken. Die nördlichste

01:32:02: der vier renommierten Kommunalaplation im Medoc. Im 19. Jahrhundert als eine derer etabliert.

01:32:08: Liegt es im Medoc, wie erwähnt, dem nördlichen Teil des linken Ufers der Gironde, etwa 60 km

01:32:15: nordwestlich vom Bordeaux? Immerhin 1230 Hektar Weinberge. Gab es dort? Natürlich schon in der

01:32:21: Römerzeitweinbau. Aber holländische Ingenieure waren im 17. Jahrhundert für die Entwässerung des

01:32:27: Medocs verantwortlich und sorgten dafür, dass die sumpfigen Böden trocken gelegt wurden und

01:32:31: validativ hochwertige, sehr eigenständige Anbauflächen entstanden. Ja, und so entstanden auch die Legende

01:32:37: in Sanctes de Vmountains. Ich würde nicht direkt von Steilagen reden, aber auf einer Anhöhe von 25

01:32:42: Meter über dem Meeresspiegel liegen. Kleines Augensfinkern, aber genau diese ermöglichen

01:32:46: eine außergewöhnlich gute Drennage, was dort in Meeresnähe gar nicht unwichtig ist. Füße im

01:32:51: Wasser, Makai da von uns. Zumindest dauerhaft. Der Boden im Sanctes de Vmountains sehr speziell. Der Boden

01:32:56: bei Chateau de Pest ist sehr speziell. Hoher Lebenanteil. Gut für die Wasserspeicherung gerade in

01:33:00: trockenen Jahren. In Kombination mit den typisch für Sanctes de Vmountains bekannten kieshaltigen

01:33:05: Böden lässt die Weine kraftvoll und maskulierend werden. Also eigentlich perfekte Weine für

01:33:10: Liebhaber. Im Vergleich zum benachbarten Poyac haben die Weine mehr Charakter, weniger Volumen,

01:33:14: mehr Struktur und das gerade in jungen Jahren. Es sind Weine, die ihresgleichen suchen. Um mit

01:33:20: verantwortlich dafür ist ohne Frage Chateau de Pest. Vielen lieben Dank dafür. Und noch ein ganz

01:33:26: großes Dankeschön dem deutschen Importeur, dem Handelshaus Schlumberger.

01:33:30: Kannst du noch Wein trinken ohne dabei nachzudenken oder zu analysieren?

01:33:43: Nein, dafür ich liebe Wein, aber ich weiß auch, dass zu viel Wein trinken jetzt nicht gesund ist.

01:33:49: Und ich trinke nur Wein, wenn er mich fasziniert, wenn er mich anregt, wenn ich ihn wirklich großartig

01:33:56: finde. Ich würde nie einfach so Wein trinken ohne nachzudenken. Also Thema Alltagsweine wäre

01:34:02: für dich auch absolut ... - Nur, dass du sagst, ich habe mal ... - Ich liebe es abends eine Flasche

01:34:06: Wein aufzumachen mit meiner Frau. Aber die muss uns faszinieren. Also wenn wir den Wein aufmachen,

01:34:11: probieren und sagen "ehnett", dann heißt "ehnett", der wird auf die Seite gestellt und am nächsten

01:34:16: Tag verkocht. Ich trinke es wirklich nur auch dann mit gutem Gewissen, wenn er mich fasziniert.

01:34:24: Magst du den Wein eher als Wein, als solches selber oder immer eine Speise dazu? Also wie findest du,

01:34:29: kommt ein Wein auch in Höchstform zum Tragen, wenn er das Fundament der Speise hat oder die

01:34:34: Herausforderung oder wenn er sich selber ganz alleine darstellen und prälieren kann?

01:34:38: Also wir probieren ihn immer vorm Essen und genießen ihn zum Essen. Und wenn es essen endet,

01:34:44: endet bei mir auch das Trinken. - Das ist ja interessant. Ich finde, das Nachsehen manchmal

01:34:51: interessant, wenn man sich den Wein einlässt und dann so richtig mit dem Wein ... - Manchmal hat man

01:34:54: noch ein Glas Rest sozusagen. Also es ist noch was im Glas, wenn das Essen endet ist. Das trinken

01:35:00: wir natürlich dann aus. Aber ich würde dann nie noch mal eine Flasche Wein aufmachen. Außer man sitzt

01:35:05: jetzt abends mit fünf, sechs Leuten zusammen und dann ist es klar, dann probiert man auch noch was.

01:35:12: Dann ist es eine andere Konstellation, dann ist es so ein Diskutieren über Wein und so eine Verkostung

01:35:18: Situation im privaten eben. - Ist das Kombinieren mit Wein lediglich speisend vorbehalten oder

01:35:25: kann man zum Beispiel Wein auch mit Musik, mit Farben, mit Uhren, mit Handtaschen oder was auch

01:35:33: immer kombinieren? Also gerade Musik finde ich ja teilweise sehr fordernd, sehr spannend,

01:35:37: sehr interessant. Findest du sowas oder ist das dann ... - Ich finde Wein extrem wetterabhängig.

01:35:42: Also ich kombiniere Wein mit Stimmungen. Stimmungen abhängig vom Wetter, also ein strahlender Frühlingstag.

01:35:49: Ich glaube, es gibt genau eine Jahreszeit, wo ich Spaß an duftigen Weinen, zum Beispiel einem

01:35:54: frischen knackigen Muskateller habe oder jugendlichen Souvenirs, die jetzt über die Prämiaromate

01:36:00: kommen. Das ist genau an solchen Frühlingstagen, wo wahnsinnig viel Duft in der Luft ist und alles

01:36:08: plüht oder einer der ersten schöneren Sommerabende. Das sind so Momente, wo ich Lust auf so aromatische

01:36:16: Weine habe. Ungekehrt sehr gereifte 30 Jahre alte Weisweine. Das würde ich jetzt nie an

01:36:22: einem heißen Sommertag trinken, sondern das ist was in der Phase des Rückzugs, wenn vielleicht

01:36:27: ein Kaminfeuer an ist oder mal gemütlich zu Hause sitzt. Also ich finde, der Einfluss der

01:36:35: Umgebung ist ganz markant. Richtig gravierend. Was ich total spannend fand ist, dass der Luftdruck

01:36:41: zum Beispiel auch einen wahnsinnigen Einfluss hat, ist so was bei euch ein Thema, das du

01:36:45: darüber immer gedacht hast, so was bei Verkostung, wo die Weine bewertet werden, ein Thema oder

01:36:49: das ist logistisch überhaupt nicht machbar und... Das ist halt leider nicht machbar. Wir wissen es.

01:36:53: Also natürlich gibt es Tage, da haben wir eine große Verkostung, du stehst auf und es regnet

01:36:58: nonstop und es ist super Tiefdruck und es ist 80 Prozent Luftfeuchtigkeit und du weißt genau,

01:37:04: okay, das wird heute kein Spaß. Es macht was aus, oder? Ja, natürlich, das ist total schwierig. Also es

01:37:09: dumpft alles ab. Also die Aromen, die Struktur, die Haptik von dem Wein, alles ist halt irgendwie so

01:37:19: ein bisschen gedämpft. Umgekehrt, wenn es natürlich so ein super strahlender Tag ist und dann profitieren

01:37:27: halt auch die Weine. Insofern, das ist dann manchmal auch ein bisschen Glück und Pech. Muss man so was

01:37:31: einrechnen als Verkoster? Das kannst du nicht. Das ist immer so idealistisch, wenn man sagt,

01:37:37: ich schau mal raus und gucke den Wetterbericht an. Man kann natürlich versuchen zu sagen,

01:37:42: pass auf, jetzt haben wir hier die besten, bleiben wir beim Beispiel blaufränkisch,

01:37:46: auf dem Tisch stehen, dann müssen die besten Weine eigentlich 95, 96, vielleicht sogar 97

01:37:52: Punkte, wenn der Jagdgang passt, bekommen. An dem kann man sich orientieren und wenn man merkt,

01:37:57: man tut sich schwer, innerlich dahin zu kommen, dann kann man sagen, pass auf, das liegt jetzt

01:38:04: an äußeren Faktoren, gibt dir einen Ruck. Aber das ist total schwer. Hast du einen festen Peilwein?

01:38:09: Nein, das ist jetzt dann wirklich über die Jahre. Der ist eingebaut inzwischen, innerlich. Also man

01:38:18: hat seine Parameter. Was ich jetzt erwarte von einem Wein, wir sind ja jetzt sehr streng mit Punkten.

01:38:25: Also ich habe jetzt gerade das Beispiel genannt, 97 Punkte ist schon wirklich, wirklich, wirklich

01:38:30: hoch für uns. Also wir haben jetzt ein einziges Mal 100 Punkte für einen trockenen Wein gevergeben.

01:38:35: Das passiert wirklich sehr, sehr selten. Kirchenstückbüchling war das klingt ja. Ja, genau. Weil da

01:38:41: einfach alles zusammengepasst hat. Auch die Botschaft, die der Wein ausgesendet hat. Also die Art,

01:38:46: wie er gemacht wurde, eben weg von den Extremen, hin zu Balance, das war so für mich einfach ein

01:38:52: Riesling, der das verkörpert, als Rollenmodell für die nächsten zehn Jahre. So, dann kann man das

01:38:58: mal machen. Ansonsten ist bei uns echt bei 96, 97, dann irgendwie vielleicht mal ganz extrem

01:39:04: 80 Punkte feieramt. Höher kommt mal selten. Genau, so wenn es dann wirklich mal einen 40, 50

01:39:11: Jahre gereifter Wein ist. Es war jetzt gerade 100 Jahre Glossenthünverkostung im Elsass. Und wenn

01:39:18: du dann so Weine aus den 70ern probierst, dann weißt du auch, warum du dem neuen Szenar, dem

01:39:24: aktuellen Jahrgang, 69 Punkte gibst. Weil wenn du dann den Wein probierst, der noch 40 Jahre älter

01:39:30: ist und auf einmal noch eine Spur zugelegt hat, brauchst du ja auch noch zwei Punkte, die du rauskitzeln

01:39:35: kannst. Wenn du beim Jungen schon bei 100 bist, was machst du dann? Sollte man Bewertungen nochmal

01:39:41: korrigieren nach Jahren? Muss man. Man hat keine Chance. Ich hatte früher immer ein Problem damit,

01:39:50: wenn ich einen Wein bewertet habe, beispielsweise Wiesbaden, total jung und kriege den Wein ein

01:39:54: Jahr später auf den Tisch. Erstens mal, für viele Rieslinge ist ein Jahr später keine besonders

01:39:59: gute Zeit, um den Wein zu verkosten. Aber selbst abgesehen davon, das dir dann nicht zu doof

01:40:07: sein, deinen Urteil zu revidieren. Das ist eine Momentaufnahme. Und keiner von uns ist ein Hälseher

01:40:12: und kann wirklich fix vorhersagen, wie entwickelt sich der Wein? Thema Reduktion. Zeitlang waren

01:40:21: die Weine sehr stark geprägt von Reduktionen, teilweise bewusst herbeigeführt. Du weißt nicht,

01:40:28: was hinterher kommt. Du kannst es erahnen. Mit der Erfahrung, die wir jetzt in den letzten fünf,

01:40:32: sechs Jahren gemacht haben, kannst du erahnen, was hinter bestimmten Reduktionen steckt. Aber

01:40:36: wissen, kannst es nie. Sollen wir zwischendurch einen Schlückchen Champagner probieren? Ja,

01:40:44: ja, flaschen mitgebracht. Erfreulicherweise. Möchtest du, soll ich? Ich mach gern.

01:40:48: Diese Koffer geschüttelt worden, daher habe ich damit nichts. Du wolltest mich testen,

01:40:54: ob ich das für ein Sommel die nachwuchs. Also, man kann es ja jetzt nicht sehen,

01:41:02: immer schön den Daumen obendrauf lassen, dass der Korken nicht wegschießen kann. Und dann immer

01:41:08: die Flasche und nicht den Korken drehen und dann funktioniert das auch mitschütteln.

01:41:13: Ja, du hast die Kollektion 245 von Röderer mitgebracht.

01:41:22: Die du damals ja auch mit innoviert hast beim Summit, als die, glaube ich, das erste Mal überhaupt

01:41:29: auf dem Markt kam und damals den Prübprimer abgelöst haben. Und auch die Erklärung fand

01:41:33: ich interessant, dass man da anhand der, der Nummer hier ersehen kann, wie viel eigentlich

01:41:40: Kollektion bzw. Jahrgangskombinationen abgefüllt wurden. Ja, erst damit ist jetzt auch eine

01:41:48: Somelläre oder ein Somellier in der Lage, eben mehrere Tiragen auf der Karte abzubilden,

01:41:54: eben beispielsweise 243, 44, 45 und das ist natürlich für die Gäste, wenn sie die Möglichkeit

01:42:03: haben, das Jung- oder Gereif dann zu trinken, eine ganz tolle Möglichkeit. Das funktioniert

01:42:10: ja erst, indem man die unterschiedlichen Tiragen kenntlich macht. Und das ist der eine

01:42:15: Aspekt, der andere Aspekt ist einfach, dass der Jean-Baptiste de Cayon, der Kellermeister

01:42:21: inzwischen eben so handwerklich arbeitet, dass es gar nicht mehr möglich ist, den

01:42:25: Prübprimer jedes Jahr gleich zu machen, weil der Jahrgang viel präsenter ist. Also je

01:42:30: ausdrücksvoller man die Grundweine ausbaut, umso schwerer wird es, jedes Jahr das Gleiche

01:42:34: zu machen, auch im Basissegment eines Hauses. Und da ist er halt ein Top-Beispiel und er

01:42:41: weiß das und lässt es bewusst zu, dass eben die Kollektion 245 anders schmeckt als die

01:42:46: 244. Und das ist halt schon ein entscheidender Schritt. Und wenn man jetzt dann mitrechnet,

01:42:54: weiß man 245 ist auf Basis, erntet 20. 221 war der erste, das habe ich mir so gemerkt,

01:43:01: dass Jesus Brücke, ich wusste die Nummer 242 ist die erste und die war das schwierigste

01:43:05: Jahr ausgerechnet, nämlich 217, was das Schlechteste in der Dekade war. Das war ja dann doch auch

01:43:11: ein Statement ausgerechnet mit diesem Jahr zu starten. Und so kann man ja dann fortlaufend

01:43:16: rechnen. Also 2020 und dann ist es eben geprägt vom Charakter von 2020. Und das finde ich

01:43:23: großartig auch in dem Bereich. 70 Prozent sind 220 drin enthalten. Diese Transparenz,

01:43:30: die dort mittlerweile gepflegt wird, also dass man zum einen mit dem QR-Code das extremst

01:43:36: tiefste nicht nachverfolgen kann, also dass man die Rebsorten Kombinationen ersehen kann,

01:43:41: dass man die Herkunft ersehen kann, dass man die Jahrgangskombinationen ersehen kann.

01:43:44: Also dass die Zeichen der Zeit einfach erkannt wurden und dort genutzt werden, finde ich,

01:43:50: sehr sehr außergewöhnlich. Man hat als Haus in der Champagne auch gar keine andere Wahl.

01:43:55: Um in der Gastronomie, in der weinafinen Gastronomie, in der von sommelier und sommelier geprägten

01:44:03: Gastronomie mitspielen zu können, muss man diese Informationen liefern. Viele schreiben

01:44:11: inzwischen das Datum des Digrogements oder die Dosage mit auf die Weinkarte oder die

01:44:17: Tiraage. Also sie geben einfach Zusatzinfos. Und wenn du da nicht lieferst, bist du von

01:44:21: der Weinkarte unten. Also ja, das ist eine extrem positive Entwicklung, weil es wirklich

01:44:28: nämlich auch die Qualität vom Champagner mehr zeigt und ihr mehr gerecht wird.

01:44:34: Auch die Individualität der Einzelnen, dann eben auch in der vom Edit- und Edition- bzw.

01:44:38: Warn-Diese, die gelegiatriert wurden, wenn man sowas auf der Karte mit aufnimmt, finde

01:44:43: ich das eben auch sehr sorgfältig. Auch den Produkt gegenüber und dann auch der Wertigkeit,

01:44:46: die man mit dem Produkt dann letztlich irgendwo verbindet.

01:44:48: Also das Thema Champagne macht bisher bis heute in der Entwicklung schon noch sehr, sehr

01:44:55: viel Spaß. Also ist sicher eine der Regionen, die von der Klimaveränderung bis heute eher

01:45:00: profitiert hat. Allerdings merkt man jetzt zum Beispiel Ernte 22, wieder ein warmes Jahr,

01:45:09: das erste Mal stoßen jetzt auch einige Winzer an die Alkoholgrenzen nach oben. Also wo man

01:45:15: dann schon auch reagieren muss und gegensteuern muss. Das war in der Champagne bisher nicht

01:45:19: der Fall. Man hat die Grundweine, man hat sich gefreut über mehr Reife im Wein. Man hat

01:45:25: ja bis vor ein paar Jahre in der Champagne ein Großteil schabtalisiert, um eben auf die

01:45:31: Reife zu kommen. Das ist jetzt vorbei. Aber jetzt gibt es natürlich schon warme Jahre,

01:45:36: wo das Gegenteil erreicht ist, wo man sagen muss, okay, mehr Reife ist ein Problem.

01:45:41: Wo wäre eine Obergrenze und wie könnte man es regulieren? Also auf Kohllesen?

01:45:44: Die Obergrenze ist ja staatlich definiert. Also mehr als 13 ist nicht erlaubt. Dann hat

01:45:49: man diese 0,5 Toleranz, die bei jedem Wein vorhanden ist. Und dann durch die Flaschengärung,

01:45:54: die ja ein Stück weit auch unkalkulierbar ist, nochmal 0,3. Heißt im Endeffekt die absolute,

01:46:00: absolute, absolute Obergrenze für Champagne sind 13,8 Volumenprozent. Und die werden ja

01:46:06: alle analysiert. Also wenn ein Winzer eine Charge mit 13,9 Volumenprozent zur Kontrolle

01:46:12: einreicht, dann kann er die entsorgen, die wir dann nicht mehr auf den Markt bringen dürfen.

01:46:17: Also das ist das Limit. Und da muss sich jeder orientieren.

01:46:20: Und da hat sich Champagne extrem ein Finger drauf und ein Auge drauf.

01:46:24: Ja, da gibt es keinen Ausnahmen. Also da wird streng kontrolliert.

01:46:29: Wann ist in deinem Sinne ein Champagne am besten oder am ehesten am schönsten zu genießen,

01:46:35: nach dem Digagement, direkt danach, ein Jahr danach, fünf Jahre danach? Also es ist immer

01:46:40: schwierig, so für allgemein. Dann wird es natürlich auch mal...

01:46:42: Also direkt danach ist natürlich nicht gut. Was in der Champagne in den letzten Jahren,

01:46:47: wenn man jetzt so geguckt hat, wer baut, was gebaut wurde, waren alles Lagermöglichkeiten,

01:46:53: um die Champagne nach dem Digagement reifen zu lassen, bevor sie verkauft werden. Das

01:46:59: war ja im Prinzip das große Problem, dass viele keinen Platz dafür hatten, wohin mit den

01:47:03: Flaschen nach dem Digagement. Das war die größte Investition der letzten Jahre, dass

01:47:07: ganz viele investiert haben, um dahin zu kommen, dass sie ihren Champagne erst nach einem

01:47:11: ideal Fall einem Jahr in Verkauf bringen, nach dem Digagement. Ab dann reift das Weinwein

01:47:17: und dann ist es Geschmackssache. Ich mag das auch sehr jung dann, also wenn es frisch

01:47:25: auf den Markt kommt, weil es zeigt dann im Prinzip ja auch ein bisschen, was sich der

01:47:30: Winzer oder die Winzerin dabei gedacht hat. Also mehr Handschrift, die dann über die Reife

01:47:37: in der Flasche natürlich etwas abnimmt und oft wird dann mit der Reife natürlich auch

01:47:44: die Röstaromatik von der Heferautolyse nochmal verstärkt, die ja schon eben da ist durch

01:47:49: die Heferautolyse, aber die verstärkt sich durch die Flaschenreifung dann eben aus der

01:47:53: anderen Richtung nochmal. Dann wird es halt oft schon etwas barocker, sind wir wieder

01:47:58: bei dem Thema Jahreszeit. Dann eher Winter, also lange nach dem Digagement gereifte Champagne

01:48:03: eher Winter und eher die Sachen, die frisch auf dem Markt sind, eher Sommer.

01:48:08: Ist das jetzt für dich mehr ein Handwerkswein, also wo man den Stil des Hauses Röder heraus

01:48:14: schmecken kann oder ist es ein Ideenwein, wo man versucht eben die Idee der Kollektion

01:48:20: herauern, also rein von der Gustaturik, von der Aromatik, vielleicht auch von der Wertigkeit,

01:48:25: von der Ausrichtung? Ich glaube er sitzt ziemlich genau in der Mitte. Also es ist sicher unter

01:48:35: den Marken eher die handwerklichste Macher Art, aber wenn man es jetzt daneben in einem

01:48:40: Winzerchampagne verkursst, ist es schon auch wieder anders. Also es ist so ein Stück

01:48:45: weiter dazwischen. Man merkt die Komplexität schon sehr gut, also die arbeiten ja jetzt

01:48:50: mit allen möglichen Gergebinden, große Holzfässer, kleine Holzfässer, Stahltanks. Es gibt

01:48:54: am vorhin alles Mögliche, weil er einfach versucht die verschiedenen Terroirs unterschiedlich

01:49:00: dann eben auszudrücken. Und das schmeckt man halt hier. Es ist sicher nicht sehr vordergründig,

01:49:08: sondern eher würzig gehalten von der Aromatik her. Diese Hefeautolysenoten sind nicht vordergründig.

01:49:18: Es ist für mich so ein sehr gut balanciertes Champagner, der im Prinzip keine extreme

01:49:28: Richtung einsteckt. Dein Schwerpunkt, also neben Österreich ja auch, dein Schwerpunkt

01:49:33: auch neben Ristling braucht man als sowohl Journalist als auch als Sommie ein Schwerpunkt

01:49:37: oder sollte man sich immer breitgefächert und möglichst neutral aufstellen?

01:49:42: Man sollte schon zwei, drei Schwerpunkte auf der Weinkarte haben. Diese zwei, drei Schwerpunkte

01:49:54: sollten möglichst ein bisschen abwechslungsreich sein. Also ich sage jetzt mal, wenn ich als

01:50:00: Moment halt jeder bogunt als Schwerpunkt auf seiner Weinkarte, wenn daneben bogunt mein

01:50:05: zweiter Schwerpunkt sonst die geschadene und Pinos dieser Welt sind, ist es vielleicht

01:50:10: ein bisschen suboptimal. Dann werde ich vielleicht versuchen, was anzubieten, was die geschmackliche

01:50:15: Bandbreite der Weinwelt fördert. Aber Schwerpunkte setzen ist natürlich absolut wichtig,

01:50:22: weil man, wenn man alles gleichermaßen verteilen würde, würde die Weinkarte sehr breit und

01:50:27: wenig tief werden. Das macht ja auch keinen Sinn. Also ich denke schon, dass man nach

01:50:35: rechts und links schauen sollte. Ich finde immer ganz gut, sich zu kommitten. Also man muss

01:50:43: jetzt nicht versuchen, die gesamte Weinwelt abzudecken. Was bringt es dann, einen Kalifornier,

01:50:48: einen Australier und einen Neuseeländer auf der Karte zu haben? Dann nehme ich halt drei

01:50:53: Kalifornier oder drei Südafrikaner. Aber einer hier, einer hier, einer hier, einer hier,

01:51:00: nur dass ich das abhaken kann, weiß ich jetzt nicht, ob das so zielführend ist. Und das

01:51:06: ist natürlich auch vollkommen legitim zu sagen, ich ziehe jetzt einen Kreis um den Ort, wo

01:51:12: ich bin, gerade wenn ich jetzt ein bisschen regionaler koche und meine Zutaten, ich sag

01:51:17: mal jetzt, ich bin im Alpenraum, bezieh meine Zutaten aus dem Alpenraum und sag dann, ich

01:51:23: verkaufe Weine, die rund um die Alpen angebaut werden. Da fange ich dann in Ungarn angehübe

01:51:28: Norditalien, über Savoyen begund nach Deutschland und Österreich, dann ist es schon irgendwo

01:51:36: glaubwürdig und ist auch eine Botschaft. Also das finde ich schon immer ganz reizvoll.

01:51:43: Bewertet ihr auch Weinkarten? Gab es mal eine Weinkarte, entweder die du bewertet hast

01:51:47: oder allgemein die du auf Reisen kennengelernt hast, die dich unfassbar beeindruckt hat?

01:51:51: Ja, ständig natürlich, das ist ja die ewige Suche nach dem fast schon, kann man sagen,

01:51:55: das ist ja das goldene Graal. Also wir machen ja mit dem VDP das ausgezeichnete Weinkonzept,

01:52:01: was wir dann bei uns auf der Website ja auch vorstellen. Also das sind ja dann allerdings

01:52:05: die besten Deutschlandweinkarten. Das ist ja das Konzept dieser ausgezeichneten Weinkonzepte.

01:52:13: Aber wir schauen uns die Weinkarte natürlich dann auch an, was hat die insgesamt zu bieten.

01:52:18: Also ich jetzt für mich journalistisch und wir stellen ja im Magazin auch immer Topweinkarten

01:52:22: vor. Weinkarte bewerten in Punkten ist natürlich schwierig, ganz klar. Für den Wettbewerb,

01:52:29: also für das ausgezeichnete Weinkonzept müssen wir uns dann entscheiden, das sind eben dann

01:52:32: die vier oder fünf, die wir ehren jedes Jahr, aber da gibt es keine Punktzahl sozusagen,

01:52:37: sondern jeder, der da in der Jury ist, überlegt sich was sind seine Favoriten, dann wird das

01:52:42: diskutiert. Und dann ist es wie in der Politik, man versucht einen Konsens zu finden, weil

01:52:50: natürlich die Bewertung einer Weinkarte hängt auch von deinem persönlichen Weingeschmack

01:52:53: ein Stück weit ab. Hast du einen Weinladen, der dich mal maßgeblich beeindruckt hat, wo

01:52:58: du sagst, oh, in welchem Fachgeschäft oder eine Weinbar, wo du am liebsten einziehen

01:53:04: würdest? Da gibt es auch sehr, sehr viele gute. Also einen da jetzt rauszupicken ist sicher

01:53:16: nicht ganz einfach. Also ich bewundere natürlich schon, wenn jemand wie jetzt Sogenberg ist

01:53:21: jetzt kein Weinladen, in dem Sinn ist ja ein Onlinehändler so unfassbar viele Dinge

01:53:25: anbieten kann. Andererseits finde ich natürlich auch Fachhandlungen ganz toll, die, eine Fachhandlung

01:53:34: kann das ja nicht, also eine Fachhandlung muss ja einen Schwerpunkt setzen. Also die

01:53:37: muss ich einfach auf bestimmte Dinge konzentrieren. Und da finde ich es schon gut, wenn sie sehr

01:53:42: in die Tiefe geht und eine Region dann auch mal wirklich einen Fokus rückt.

01:53:46: Aber es gab nicht so den Einladen, wo du einen Einzelnen rauszupicken.

01:53:55: Ein Trinkchen vergossen hast, wie es ist. Es muss auch nicht umfangreich sein, dass

01:53:59: man manchmal sehen darf dieses kleine der taskanische Weinladen in der Ecke, wo obwohl man dort

01:54:07: die Weine im Milchgrug abgeholt hat, aber mit so viel Liebe gelebt wurde, dass du dich

01:54:13: einfach heimisch gefühlt hast. Also muss nicht sein. Das sind nur manchmal so, wo man

01:54:17: nur noch die ...

01:54:18: Nee, nee, da würde ich jetzt wirklich, könnte ich jetzt keinen rauspicken, den ich da über

01:54:22: alle anderen setzen würde. Es ist natürlich immer ganz toll, wenn man irgendwo ist. Zum

01:54:26: Beispiel war ich letztes Jahr mal in Massala, um die Masterclass für den Samulier-Sahmet

01:54:30: vorzubereiten. Und da war eine neue Weinbar, so seitlich von der Altstadt an so einer Kirche,

01:54:39: die einfach auch die Insel Sizilien sehr handwerklich abgebildet hat. Das hat voll Spaß gemacht.

01:54:47: Aber das war jetzt für mich in dem Moment vor Ort genau der richtige Platz. Aber es ist

01:54:51: für mich jetzt nicht die beste Weinhandlung aller Zeiten, weil es eben nur eher handwerkliche

01:54:55: Sizianische Weine gab. In dem Moment perfekt, aber wäre jetzt nichts, was ich dann als

01:55:01: meine perfekte Weinhandlung herausstellen würde.

01:55:04: Ist wahrscheinlich die gleich unsinnige Frage, wie nach dem perfekten Wein oder nach dem

01:55:07: Lieblingswein oder sonstigen, dass man das oftmals und gerade bei der Fülle der auch

01:55:13: Weinkarten oder Weinleden, die du siehst, eigentlich gar nicht beantworten kann, ohne

01:55:17: irgendwie ungerecht zu werden oder eben das Momentum überzubewerten, dann gar nicht mehr

01:55:22: objektiv zu sein. Wie kam das bei dir? Wer hat dich eigentlich vom Wein überzeugt?

01:55:26: War das zu Hause Familie?

01:55:28: Ja, das war einfach, ich habe einfach gemerkt, so während des Studiums, dass das ein Thema

01:55:36: ist, was mich total fasziniert. Korn und Wein. Und habe da angefangen, mich zu befassen

01:55:43: mit dem Thema und habe dann schon während des Studiums beschlossen. Ich würde eigentlich

01:55:46: gerne damals natürlich noch eher aus der Marketing-Handelsperspektive irgendwo im

01:55:51: Weinhandel arbeiten. Total blau-örgig natürlich, weil ich natürlich überhaupt keinen Überblick

01:55:57: hatte, wie bunt und groß die Weinwelt ist. Mein Master war damals noch Gita-Shed Frankreich.

01:56:03: Ich bin ja Saarländer gebürtig und da war Frankreich eigentlich in den 90er Jahren

01:56:10: noch das einzige Weinland, das real existierende sozusagen. Außer Italien in der Pizzerie.

01:56:17: Das war dann so, okay, das ist die andere Welt, das ist Italien, aber es gab nur

01:56:20: Frankreich in Italien, es gab kein deutschen Wein. Es war nicht existent. Das kam erst

01:56:24: Ende der 90er Jahre. Warst du ganz begeistert, dass auf einmal die ersten hochwertigen Felser

01:56:29: Rieslinge auftauchten auf Weinkarten im Saarland. Aber ansonsten hatte dafür jeder, jeder,

01:56:35: jeder Saarländer, seinen älse sich ein Winzer, wo er einmal im Jahr hingefahren ist. Und viele

01:56:40: sind auch ins Bekund gefahren regelmäßig. Also Frankreich war da einfach allgegenwärtig.

01:56:45: Im letzten Sommelier-Sammet hatten wir ja Piksalou. Und ich habe dann zu den Sommeliers

01:56:49: gesagt, hey, das hatte in der Brücke gefühlt, jede Kneipe auf der Karte offen. Und das war

01:56:54: es, es war Pondant, Pik-Pool. Und alle haben sehr unglaublich mit dem Kopf geschüttelt.

01:57:00: Aber das war damals so. Also das sind so Kategorien, die waren da einfach gängig. Also ich bin

01:57:06: mit Französischem Wein sozialisiert. Und da natürlich, weil die italienische Gastronomie

01:57:11: so stark war und ist Italien so immer interessiert beobachtet, aber natürlich war man da nicht

01:57:19: so tief drin. Gab es mal einen anderen Berufswunsch? Seitdem du in der Weinbranche bist, hast

01:57:26: du das gefunden, was dein Herz auch erfüllt? Also nicht nur deinen Aufgabe oder eben,

01:57:30: dass du viel bewegst, viel begleitest? Nein, ich wäre natürlich gern Profisportler geworden,

01:57:35: wenn ich das Zeug dazu gehabt hätte. Dann wäre ich jetzt aber schon seit 20 Jahren nicht

01:57:41: mehr aktiv oder als Radfahrer 10. Die können ja relativ lange auf hohem Niveau fahren. In

01:57:49: sofern ganz gut, dass das nichts geworden ist. Macht mir großen Spaß. Also ich wollte nie

01:57:54: Journalist werden. Das war der Zufall im Endeffekt. Ich wollte irgendwas mit Wein machen. Das war

01:58:03: die erste Perspektive. Und als ich dann hier beim Verlag war, war es eben die Chance,

01:58:06: indem ich Journalistisch arbeite, diese Weinwelt eben ganz tief kennenzulernen. Und mit der

01:58:13: Erfahrung nach ein paar Jahren war es einfach der größte Wunsch, heute ist einfach dafür zu sorgen,

01:58:18: dass gut gemachte, herkunftsgeprägte handwerkliche Weine eine Plattform haben und einen Platz finden

01:58:26: im Markt. Eben gerne über die Families oder über gute Fachhändler. Das ist so die Mission,

01:58:33: die ich habe und die macht mir am meisten Spaß. Also ich sehe mich da so als Mittler. Deswegen

01:58:40: auch diese Veranstaltungen wie Finest 100 oder die 100-Prozent-Champagne oder eben unser

01:58:45: Family Summit. Einfach der Mittler zu sein, gute Weine zu den Leuten zu bringen, die das dann

01:58:52: wiederum zum Endverbraucher bringen können. Das ist eigentlich der spannende. Aber wirklich den

01:58:58: Schritt in die andere Welt, sei es, weil ihr ja so viel siehst, so viel weist Richtung Gastronomie oder

01:59:05: Winzer, komplett war nie ein Thema oder ist ein Thema oder mal schauen oder... Man muss ja wissen,

01:59:14: was man kann und was man nicht kann. Und ich bin ja doch eher so ein krimiger Typ. Also ich wäre

01:59:20: nicht der perfekte Gastgeber. Ich könnte mich nicht genug auf alle Gäste einstellen, alle mitnehmen.

01:59:25: Da bewunder ich, gute familiär oder gute familiär ist, wie die das machen. Wenn sie es nicht jeder

01:59:32: kann das, ja, es gibt ja da auch ein paar Fälle, die nur mit bestimmten Gästen gut umgehen können.

01:59:37: Das sind dann halt das gleiche Problem haben wie ich. Aber wer das kann, das ist natürlich... Also

01:59:43: ein Gastgeber, der dieses Talent hat, das beneide ich sehr. Und so liebend gar nicht koche, so gut

01:59:52: weiß ich, wie hart der Job in der Küche ist. Also es ist ja ein Unterschied, für sechs liebe

01:59:58: Gäste drei Gänge zu kochen oder jeden Abend für 30 diese Gerichte zuzubereiten. Das wird dann

02:00:05: auch kein Spaß mehr, jeden Tag das Gleiche zu machen. Wenn ich jetzt alle zwei Monate das

02:00:10: Menü wechsel, was ja dann schon sehr schnell wäre, mache ich trotzdem zwei Monate lang jeden Tag

02:00:15: genau das Gleiche. Also da geht dann dieses lustvoll spielerische vom Kochen natürlich verloren.

02:00:22: Welche ein, zwei, drei Personen haben den letzten 30, 40 Jahren am meisten für die

02:00:27: deutsche Weinwelt getan? Was eine Frage. Ja, ich weiß, es ist auch ungerecht, weil die Liste

02:00:32: leben natürlich immer von denen, die nicht genannt werden. Aber gibt es da jemand, der dich

02:00:36: nachhaltig beeindruckt hat, wo du sagst, das Werk, was dort? Ich kann jetzt mal aus verschiedenen

02:00:42: Bereichen vielleicht wehren rauspicken. Also ich bin ja gut befreundet mit der Marie-Lene Krebs

02:00:47: Sammelier im Schloss Elma. Die hat schon seit ewigen Zeiten die Lanze für deutschen Wein gebrochen.

02:00:52: Es gibt heute sicher Restaurants, die noch eine größere Auswahl an deutschen Wein bieten und

02:00:57: vielleicht noch eine innovative Auswahl an deutschen Wein. Aber sie macht das seit eben Jahrzehnten

02:01:03: und bietet auch eine wahnsinns Jahrgangstiefe an und ist da echt eine irre Botschafterin, die

02:01:10: wäre so eine, die ich da sicher beim deutschen Wein nennen könnte. Bei den Winzern kannst du ja

02:01:15: schwer eine oder einen rauspicken, weil da sind in jedem Anbaugebiet hast du deine Logomotiven,

02:01:21: die einfach da Vorreiter sind und die gewisse Stile oder Rebsorten nach vorne bringen. Da wäre

02:01:29: es jetzt absolut unfair ein Weingut zu nennen, das wäre vermessen. Ja auch wenn man solche Personen

02:01:35: auslugt wie zum Beispiel Bernhard Breuer ist es ja meistens dann eine Bewegung von verschiedenen

02:01:41: Winzern. Also er wird gerne genannt, aber es war ja damals dann ja verschiedene Winzer,

02:01:46: die ihn auch begleitet haben, die ihn eben auch bestärkt haben, manchmal in Frage gestellt haben,

02:01:50: woher raus dann letztlich auch diese Bewegung dann irgendwo. Genau, also ihn würde ich oder

02:01:54: dann jetzt eben seine Tochter, die könnte man da in den Namendlichen nennen, was Bezucker zum

02:02:01: Reihen gau. Aber dann haben wir natürlich genauso Leute auch Mosesaruba. Also dann haben wir in der

02:02:09: Falselokomotiven, die vieles verändert haben, die stillistisch Meilensteine gesetzt haben,

02:02:15: dann haben wir einen Julian Huber, der Baden auf ein anderes Niveau gehoben hat. Das Gleiche

02:02:23: passiert in Württemberg, da schneit man einen Unkeller, schneit man und alldinger beispielsweise,

02:02:30: die da Tüfteln und Tunen machen. Da gibt es ihre viele Namen zu nennen, das wäre wirklich schwierig.

02:02:38: Grad hier in der Fals ist die Breite sicher am allergrößten. Doch an der Mose, die ganzen

02:02:46: vielen Kleingeister, die diese so viel bewegt haben und so viel eigentlich die Beständigkeit

02:02:52: dann auch und auch durch ihre Unbixtamkeit dann irgendwo. Dann ist das nur Wein oder gibt es

02:02:58: ein Getränk, was dem sehr nahe kommt oder was eine ähnliche tiefe Komplexität,

02:03:02: Entwicklungsfähigkeit, Wertigkeit, Wahrnehmung hat oder ist da Wein einzigartig? So langweilig wie

02:03:09: das ist. Wein ist einzigartig. Also es ist ja jetzt ganz klar, in der heutigen Zeit muss man es

02:03:14: somaliere oder somaliere eine top alkoholfreie Begleitung anbieten. Die Alternative muss einfach

02:03:20: her, das gehört heute dazu und da gibt es natürlich eine Fülle von guten Getränken bis sehr

02:03:28: guten Getränken. Vieles davon ist auf T-Basis fermentiert oder auf Kombucherbasis. Also ich

02:03:33: finde irgendeine Form von Fermentation muss einfach her. Saft funktioniert nicht, weil Saft ist einfach

02:03:38: zu süß. Als Begleitung, also für einen Gang Ja, für einen Menü Nein. Reine T-S,

02:03:47: verfehlt die Haptik, deswegen braucht man einfach diese Fermentation und gerne dann mit Kräuter

02:03:52: auszügen. Ich sehe das Ganze noch nicht bei entalkoholisiertem Wein, weil ich ein entalkoholisiertem

02:03:59: Wein immer am Wein mess und entalkoholisierter Wein ist nie so gut wie der echte Wein in

02:04:03: Anführungszeichen. Also da würde ich dann eher in Richtung eben fermentierte Getränke auf T-Basis

02:04:09: mit Kräuter auszügen gehen. Und da gibt es inzwischen ganz tolle Sachen, aber es ist nie die

02:04:16: bessere Begleitung als eine wirklich gelungene Weinbegleitung. Ja, das stimmt. Es ist eine

02:04:22: Alternative und eine Alternative ist eben nicht das. Und es ist wichtig, dass es gibt, nämlich wenn

02:04:28: man drei Leute im Jahr bekehrt, keine Coca Cola dazu zu trinken oder keine Limu, dann ist damit

02:04:33: schon viel gewonnen, weil man vielleicht dann Leute dazu bringt, über die Sensorik mehr nachzudenken

02:04:38: und bewusst zu essen und zu trinken. Also da braucht man, nicht jeder trinkt ja Alkohol,

02:04:44: heute immer mehr Leute, die das nicht tun, gerade die jüngste Generationen und die brauchen

02:04:49: einfach diese Getränke, um trotzdem in eine sensorische Welt einzutauchen. Und ich glaube durch

02:04:54: diese Offenheit für diese Getränke, teilweise auch für den alkoholfreien Wein, treibt man ja auch

02:04:59: eine Bewegung voran und eine Entwicklung dann letztlich, dass sie halt besser werden, dass sie

02:05:02: kreativer werden, dass sie tiefsinniger werden. Und es ist natürlich auch spannend, weil man kann

02:05:08: ja dann auch eine Gemichtebegleitung anbieten. Also wenn ich jetzt sechs Getränke anbiete und da

02:05:12: sind dann drei Weine dabei und die wirklich knallen und dann drei andere sehr gute Getränke,

02:05:17: dann ist das natürlich auch von der Menge an Alkohol, die man konsumiert, absolut verträglich,

02:05:21: nimmt allen Kritikern den Wind aus den Segeln und ist keine große Einbuße beim Genuss. Also in

02:05:30: sofern ist das dann eine echt positive Entwicklung. Dann kommt dem Wein noch eine andere Wertigkeit

02:05:34: ein. Es hilft dem Wein einfach, aus diesem Alkoholbashing herauszukommen. Das ist schon

02:05:40: eine sehr wichtige Geschichte, denn Alkohol ist problematisch in dem Moment, wo es in Richtung

02:05:46: Sucht geht. Umgekehrt ist Wein ein kulturprodukt, kulturelles Getränk. Und so lange ich es genieße

02:05:56: in eine Maße, wo es in keiner Abhängigkeit geht, wo man wirklich hier und da einen guten Wein trinkt,

02:06:02: ist es was, was zu einem kultivierten Lebenstil einfach dazugehören muss oder sollte. Also ich

02:06:09: verstehe Menschen nicht, die sich dem dann komplett entsagen. Wie gesagt, Sucht, Riesenthema,

02:06:14: großes Problem, mein gerade, die Someliebranche, da gibt es sicher auch negative Beispiele,

02:06:21: die da gesundheitlich auch mitzukämpfen haben. Aber ein vernünftiger Umgang mit Wein ist für

02:06:30: mich etwas, was zu einem kultivierten Lebenstil absolut dazugehört. Und diese alten Studien,

02:06:37: die ja besagt haben, zwei Einheiten, sprich ein Vetteliter Wein am Tag, längere Lebensdauer,

02:06:44: natürlich ist belegt, dass der kausale Zusammenhang nicht besteht. Man lebt nicht länger, weil man

02:06:49: Wein trinkt. Aber man lebt länger, obwohl man Wein trinkt. Weil der Fakt ist ja da und den

02:06:56: belegen ja auch wirkliche Studien, die sind zwar nicht mehr ganz neu und deswegen nicht mehr so

02:07:00: gern zitiert, aber sie sind da. Natürlich hat das mit vielen Dingen zu tun, dass Leute, die höhere

02:07:05: Bildung, höheres Einkommen haben, mehr Geld in ihre Gesundheit investieren können. Deswegen sich

02:07:11: auch an anfühlungszeichen Weinkonsum leisten können. Aber das ist ja im Endeffekt egal. Also

02:07:16: Fakt ist, Leute, die in Maßen Wein trinken, leben genussvoll und leben nicht kürzer als Menschen,

02:07:24: die keinen Wein trinken. Punkt. Und um zu, was du vorhin erwähnt hast, diese ganzen kulturellen

02:07:30: Begleiterscheinungen, das Fundament dabei, die Kulturlandschaft, die da durch entsteht,

02:07:36: das Kulturelle beisammensein, darf man einfach nicht vergessen, es ist so einfach gegen etwas zu

02:07:41: sein und nicht das große Ganze dabei zu sehen. Und das alles nur über den Alkohol oder beziehungsweise

02:07:45: manchmal auch über die Negativbeispiele oder eben auch die Industrialisierung dabei, die ja

02:07:51: letztlich leidlich auch am Image dann irgendwo kratzt, das eben noch einfach nur mit in die,

02:07:57: diese große Schalle mit reinzuwerfen. Naja. Also Wein ist natürlich ein Produkt,

02:08:08: das auch die Stimmung verändert. Also es ist ein Rauschmittel im weitesten Sinn. Aber es gibt

02:08:14: nichts vergleichbar angedämmt, die Stimmung verändert in kleinen Dosen wie Wein. Also

02:08:20: ein Glas Wein genossen mit einer Runde von netten Menschen, regt die Gespräche an und macht

02:08:27: einfach eine tolle Atmosphäre am Tisch. Das fängt mit einem schönen Glas an, in dem der Wein ist.

02:08:33: Es ist auch ein Stil voller Genuss. Und ja, es gibt ja inzwischen auch eine Gegenbewegung

02:08:41: gegen dieses Alkoholbashing, die auch auf diesen soziokulturellen Aspekt eben beruht oder drauf

02:08:48: hinweist und sagt, hey, passt auf, das macht auch was mit den Menschen. Also es hat auch was Soziales.

02:08:53: Es fördert die Interaktion, es bringt die Menschen zusammen, stichwort die Kneipe an der Ecke,

02:08:58: wo man sich früher getroffen hat, Freitagsabend vielleicht oder danach ist das zum Stammtisch

02:09:04: und zusammengekommen ist und natürlich wurde da Bier oder Wein getrunken. Aber es hat halt auch

02:09:10: ganz viel Zwischenmenschliches bewirkt und das fällt halt weg. Und man muss sich da nichts

02:09:17: vormachen, das wird nicht stattfinden, indem jeder in Mineralwasser trinkt.

02:09:20: Ja, auch den Moment der Ruhe, den man sich dann zu Hause nimmt oder wenn man sich hinsetzt und

02:09:24: in wer miteinander redet oder kocht oder sonstiges, da hilft Wein bei, also diesen Moment zu unterstützen

02:09:30: und sich selber diese Ruhe zu gönnen, wer Wein ein Getränk ist, was man selten in der Hass trinkt,

02:09:36: sondern meistens sich eine gewisse Ruhe dann nimmt. Kann man Wein in ein Wort pressen? Wein ist?

02:09:43: Ja, Kultur, würde ich sagen. Schön. Und das ist so allumfassend.

02:09:49: Ja, eben, es ist ansonsten schwer das so auszudrücken. Genuss, ja, aber Kultur trifft es eigentlich ganz gut,

02:09:56: finde ich. Das hat sowas Rituelles natürlich mit dabei. Es hat eben den Aspekt Genuss, es hat

02:10:03: Tradition mit dabei, es transportiert auch dieses, was du angesprochen hast, die Landschaften. Also,

02:10:09: das Schöne an diesem Job ist ja, man reist in alle möglichen Weinlandschaften und fast jede

02:10:14: Weinlandschaft dieser Welt ist schön. Fast jede Weinlandschaft der Welt hat nette Menschen,

02:10:21: fast jede Weinlandschaft der Welt hat tolle Restaurants und schöne Hotels und eine interessante

02:10:27: Landschaft von ein paar wenigen abgesehen, wo es wirklich flach ist. Und es gibt auch ein paar

02:10:34: schöne Landschaften ohne Wein, das darf man auch nicht vergessen, ich fahre ja gerne in die Berge.

02:10:37: Aber trotzdem, also, das ist einfach was Schützens und Erhaltenswertes.

02:10:44: Welcher Wein wärst du? Wenn du ein Wein wärst?

02:10:50: Ein blaufränkig.

02:10:52: Natürlich.

02:10:53: Ich wär gerne in Champagner, aber ich fürchte, das gibt es nicht her. Mein kulturelles, ich

02:10:59: ist leider eher ein blaufränkig. Aber Champagner wär ich gern.

02:11:02: Vielleicht sage ich das als vorletzte Frage. Gibt es für dich ein nennenswertes Schönstes

02:11:11: und ein vielleicht amüsantes Sommeliererlebnis?

02:11:14: Also, es gibt immer sehr schöne Begebenheiten, so diesen, ich sag mal, belustigt sein oder

02:11:26: gar fremdschählmoment, hab ich noch selten erlebt, also dieser abgehobene Sommeliertypus,

02:11:33: von dem manchmal gesprochen wird, so das Hochnäsige und so, ich glaub, das ist ausgestorben.

02:11:39: Also zumindest mal in der Welten, der Ich-Verkehr treffe ich solche Typen. Kaum.

02:11:44: Das war wahrscheinlich 90er Jahre Frankreich, oder?

02:11:46: Ja, das ist genau.

02:11:47: Das war das, das 2010 Frankreich, wo man das...

02:11:49: Da gab es das noch.

02:11:50: Oh, erwartet hat vielleicht sogar.

02:11:52: Ich hatte so ein lustiges Erlebnis in der Champagne, das ist vielleicht so eine Anekdote.

02:11:57: Ich hab Francis Igui besucht, war schon mal schwierig, selbst für mich in Termin zu kriegen

02:12:04: bei ihm, geht nämlich nur über die Mutter, oder bis damals ging es über die Mutter,

02:12:08: dreimal hin und her und anrufen und ja, jetzt, also mein Sohn hat dann und dann Zeit, ich

02:12:12: musste um die Uhrzeit kommen, aber da kommen auch ein paar Pariser-Sommeliers mit dazu,

02:12:17: weil damit sich das auch für ihn lohnt, sich die Zeit zu nehmen. Ganz klar.

02:12:20: Wir waren natürlich zuerst da, Francis sitzt da, plättert in diesem Champagner-Magazin,

02:12:24: hat zwar kein Wort Deutsch gekonnt, aber hat das einfach mal durchgeplättert, um sich

02:12:28: einen Eindruck zu verschaffen.

02:12:30: Übrigens ein lustiger Verkostungsraum damals, Bierzelt-Garnituren und Plastikblumen.

02:12:35: Oh, bei Francis Igui und er sitzt selber an einer seiner Bierzelt-Garnituren und plättert

02:12:40: da, dann kommen die Pariser-Sommeliers.

02:12:42: Wie man sie sich vorstellt, alle komplett schwarz gekleidet, alle spitze schwarze Schuhe

02:12:47: an, mit natürlich im entsprechenden plassierten Gesichtsausdruck reinmarschiert.

02:12:52: Ja, und dann hat Francis uns eine Stunde einen Vortrag über seinen ganzen Stolz gehalten,

02:13:02: das war seine neue Ferrari-Rote-Cocac-Presse und hat uns, glaube ich, jedes mögliche

02:13:06: Pressprogramm erklärt und was er damit alles Tolles machen kann.

02:13:10: Und die vier Typen sind fast eingeschlafen, also die werden am nächsten wieder nach Hause

02:13:15: gefahren.

02:13:16: Und dann hat er uns alle auch nochmal Demut gelernt im Keller, als er dann gesagt hat,

02:13:21: ja, jetzt dürfte sogar Champagner probieren und das ist nur, weil gestern mein, ich glaube,

02:13:26: kanadischer Importeur da war und ich deswegen alle Champagner aufhab und deswegen dürfte

02:13:29: ihr die jetzt hier alle probieren.

02:13:31: Und die Sommeliers waren aber von Ritz und von, ich glaube, Tour de Jean und also wirklich

02:13:37: Paris erste Garde und die haben alle den Gesicht gezogen und ich habe mich fast totgelacht.

02:13:42: Also im ersten Moment war ich auch kurz pickiert und dann dachte ich so, das ist echt großartig.

02:13:47: Ja.

02:13:48: Und der andere Seite ist ja schön, wenn der Winzer genau diese Presse erklärt, seine

02:13:51: Gedanken aber seine Emotionen damit halten, dass ja das maßgeblich letztlich ihm ist,

02:13:56: weil eine Lobholigung der einzelnen Champagner, das wäre dann eher ...

02:14:01: Na ja, und das hilft die Persönlichkeit einzustufen.

02:14:05: Ja, das stimmt.

02:14:06: Gibt es für dich noch Ziele und Wünsche, die du, du hast jetzt so wahnsinnig viel Bewegt

02:14:11: erreicht, was wir jetzt so in den letzten zwei Stunden jetzt schon dargelegt haben, aber

02:14:15: hast du irgendwas ...

02:14:16: Es gibt immer neue Etappen.

02:14:18: Also lange war es das Thema Champagner.

02:14:20: Ich habe immer davon geträumt, dass es auf den deutschen Weinkarten mehr ist, nur diese

02:14:26: übliche Auswahl gibt.

02:14:28: Also eine Partnermarke des Restaurants und dann noch zwei andere Namen dazu und dann war

02:14:35: es, dass es waren dann sechs, sieben Positionen.

02:14:37: Heute sind es sechs bis sieben Seiten.

02:14:39: Also dieser Wunsch hat sich erfüllt.

02:14:41: Es ist sicher jetzt so eine Mission mit dem Blaufränkisch, wo ich sage,

02:14:46: "Heldi Rebsor", da hat es echt verdient, in die oberste Liga aufzusteigen in der Wahrnehmung.

02:14:51: Und das ist jetzt noch so ein Projekt.

02:14:52: Mal gucken, ob ich das noch hinkriege.

02:14:54: Auch international, also blaufränkisch aus Kalifornien, blaufränkisch aus Südamerika

02:14:58: oder ...

02:14:59: Ich habe ...

02:15:00: Arbeiten wir erst mal an Deutschland und Österreich.

02:15:02: Na ja, also es ist ja eigentlich die Sorte des Donauraums.

02:15:05: Also das heißt, wir schließen ja auch gleich Slowakei, Ungarn.

02:15:10: Mit ein Deutschland natürlich, Österreich.

02:15:14: Das würde schon reichen, wenn die Sorte aus diesen Ländern dann diese Anerkennung erfahren

02:15:21: würde.

02:15:22: Und in dem Moment, wo das der Fall ist, würde es sowieso überall anders angebaut.

02:15:27: Das ist wie Schöne Implant.

02:15:28: In dem Moment, wo die Rebsorte international es geschafft hat, wahrgenommen zu werden,

02:15:34: versucht jeder, ob es zufälligerweise bei sich zu Hause auch passt.

02:15:37: Das ist bei Nebiolo der Fall, das ist bei allen möglichen Rebsorten der Fall.

02:15:41: Also das ist ja dann immer so der Ritterschlag.

02:15:44: Was dann letztlich auch die Grenzen dann aufweist und zum Original zurückführt.

02:15:48: Ja, aber eine spannende Frage.

02:15:50: Blaufränkisch mit seinem Profil, der mit Trockenheit eigentlich und Wärme ganz gut

02:15:56: klar kommt, der spätreifend ist.

02:15:58: Das ist schon eine Rebsorte, die, glaube ich, in vielen Gebieten echt Potenzial hätte.

02:16:05: Also sie kann nachgewiesener Wahrweise auf Kalk und auf Schiefer sehr spannend werden.

02:16:11: Also auch da fallen einem ja wahnsinnig viele Terroirs ein, die in Frage kommen würden.

02:16:17: Man hatte das Beispiel gesehen, Felix Peters im Rhein Hessen, was er versucht hat, aus

02:16:23: der Rebsorte zu machen und hatte da auch schon beachtliche Rotweine erzeugt seiner Zeit.

02:16:29: Also das ist sicher ein Riesenpotenzial.

02:16:32: Und ja, das ist jetzt so etwas, was, glaube ich, da habe ich in den nächsten zehn Jahren

02:16:37: noch einiges schonallistig zu begleiten und ein paar Inspirationen zu geben.

02:16:42: Dann die letzte Frage, dann wirklich letzte Frage, das perfekte Glas für Blaufränkisch

02:16:46: ist es Burgunder oder Bordeaux-Glas generell betrachtet?

02:16:49: Es ist eher so ein Glas, in dem auch Syrah und solche Rebsorten gut funktionieren.

02:16:54: Also kein richtiges Burgunder-Glas in meinen Augen, Tic-Kleiner ist ein Burgunder-Glas.

02:17:01: Eher so die Richtung Bordeaux-Glas.

02:17:03: Ich wusste irgendwie, dass es toll wird.

02:17:10: Als ich die Anfrage an Sascha gestellt habe, wusste ich, es wird eine besondere Folge,

02:17:14: es wird eine sehr komplexe, eine sehr tiefsinnige, eine wortgewandte Folge klar, Journalist.

02:17:19: Was soll ich erwarten?

02:17:20: Aber dass es so tiefsinnig wird, dass man in der Folge spüren kann, wie sehr Sascha

02:17:26: den Wein liebt, sich mit den Zommys verbunden fühlt, die Gastronomie fühlt.

02:17:31: Das hat mich richtig beeindruckt, während des Gesprächs und jetzt im Nachhinein beim

02:17:34: mehrmaligen Hören natürlich.

02:17:36: Vielen lieben Dank, lieber Sascha, nicht nur für deinen Schaffen, für deinen Tun,

02:17:39: für die Unterstützung der gesamten Branche, sondern auch für diese tolle Episode, für

02:17:43: diese tolle Folge.

02:17:44: Toll und danke, dass du unser Gast warst.

02:17:46: Und noch ein großes Dankeschön unserem Begleiter, unserem Unterstützer, der Schlumberger Gruppe,

02:17:52: mit den Hannitzhäusern Segnetz, Schlumberger, Konseo Winnie und dem Privatkundenportal Bremer

02:17:58: Weinkolleg.

02:17:59: Dank Ihnen und Ihrer sowohl händischen als auch wirtschaftlichen Unterstützung ist

02:18:04: es möglich, dieses Projekt zu realisieren.

02:18:06: Und, dass ich mich auf die nächste Woche freue und damit auf den großartigen Daniel Kioski.

02:18:11: Ja hallo, mein Name ist Richard Krosche.

02:18:27: Ich war zehn Jahre lang Saschas Kollege oder einer von Saschas Kollegen im Meininger Verlag

02:18:32: und habe Sascha in der Zeit beruflich und aber auch ganz wichtig privat sehr schätzen

02:18:37: gelernt.

02:18:38: Heute leite ich die Weingüter Wegeler im Rheingauen an der Mosel und es war ein guter Corona erst

02:18:42: mal ins Haus.

02:18:43: Und sehe leider den Sascha viel zu selten, aber wir nähern uns ja mit riesigen Schritten

02:18:48: der Rente und haben hoffentlich auch mal wieder mehr Zeit, um vielleicht gemeinsam zu kochen.

02:18:53: Gleich mal zu Beginn, weil das Sascha sonst oder sich das nicht über sich selber sagen

02:18:59: würde.

02:19:00: Sascha ist super.

02:19:01: Sascha ist super professionell, der ist geradezu erschreckend diszipliniert.

02:19:06: Das macht sich ja auch an seiner für Genus-Experten eher ungewöhnlichen Figur bemerkbar.

02:19:13: Schapur auch dafür Sascha.

02:19:15: Sascha ist die erfahrenste Champagnase, die ich kenne.

02:19:19: Er ist immer neugierig.

02:19:20: Je besser man ihn kennt, desto schonungslos ehrlicher wird er und das ist wirklich unbezahlbar.

02:19:27: Wir verkosten bis heute wirklich immer noch gerne und sind uns auch fast immer einig.

02:19:33: Außer bei der Reduktion von Riesling, da hat Sascha dann doch die vielleicht größere

02:19:38: Toleranz, aber er verkostet halt auch auf die Zukunft.

02:19:41: Viel Spaß mit Sascha.

02:19:43: Cheers.

02:19:44: [Musik]