Die interessantesten Weinkellner unserer Zeit
00:00:00: Herzlich willkommen zu Sommie, die interessantesten Weinkenne unserer Zeit.
00:00:04: Wir haben die Hypes initiiert. Wir haben mit Jura angefangen, mit Südwest Frankreich, mit der Loire.
00:00:12: Ich habe auf der Karte gehabt. Sabine, Jeanne, Cahor, Madiron, Minnetou Salon.
00:00:19: Das habe ich in den 90er Jahren auf der Karte gehabt.
00:00:23: Mein heutiger Gast ist einer der Altmeister der Sommie Szene.
00:00:27: Jemand, der es geschafft hat, fast 30 Jahre in einem Restaurant zu sein.
00:00:32: Herzlich willkommen, lieber Alfred Vogt.
00:00:35: Es wurden natürlich noch Bier getrunken. Das war noch so eine Übergangszeit.
00:00:40: Die waren aber schon sehr offen für Wein, allerdings dann in der Regel französischen Wein.
00:00:45: Da gab es eine kurze Phase, wo alle Australischen haben wollten.
00:00:50: Deutsche Wein war schwierig. Wir sind zwar keine richtigen Patrioten, aber schon Weinpatrioten haben wir versucht,
00:01:00: Deutsche Wein zu verkaufen. Das war am Anfang sehr mühsam.
00:01:05: Der Einstieg war eigentlich nach dem Abitur.
00:01:08: Da sind wir mit dem VW Käfer durch Europa getoured.
00:01:13: Durch Jugoslawien, Griechenland, Italien, Frankreich zurück, haben überall Weine probiert.
00:01:19: Es war für uns ein Neuland. Wir essen und trinken das, was das Land zu bieten hat.
00:01:25: Jugoslawien ging so. Griechenland war ganz grauslich, war alles mit verharzt.
00:01:33: Italien hat auch nicht so recht gefunkt.
00:01:37: Dann hat man mir zu vielgegerweise in den Weinwerken von Chattounoufti Papp übernachtet.
00:01:42: Wir haben einfach den Schlafsack raus und in die Weinwerke gelegt.
00:01:47: In Frankreich hat sich kein Problem. Wir haben unseren Dreck wieder mitgenommen.
00:01:53: Wir haben in den Ort gegangen und wollten noch was zum Frühstück holen.
00:01:57: Wir haben überall offene Weinkeller gesehen.
00:02:00: Wir haben dann gefrühstückt und gesagt, wir gehen mal irgendwo was probieren.
00:02:04: Wir vier sind da rein und die wussten genau, die kaufen nichts.
00:02:11: Aber die haben uns alles zu probieren gegeben. Ich habe damals bis 1959 zurück Chattounoufti Papp probieren dürfen.
00:02:19: Da habe ich gedacht, das Wein ist doch noch was anderes.
00:02:24: Das ist so eine Liebe geworden. Wir sind wirklich ab diesem Zeitpunkt jedes Jahr mindestens einmal noch Chattounoufti Papp gefahren.
00:02:33: Wir haben da reingekauft und getrunken und gegessen.
00:02:36: Das ist bestimmt über 10, 15 Jahre lang.
00:02:41: Das ist fürchterlich dazu zu arbeiten.
00:02:44: Wir haben auch ein paar Erlebt, die aufgehört haben, die das nicht mehr weiter gemacht haben.
00:02:50: Wenn du fünf Euro für eine Flasche kriegst, dann hast du ein Frost- oder Hagelschaden.
00:02:58: Dann bist du ganz schnell platt.
00:03:00: Wenn wir noch mal bei den Loa-Winsern bleiben, die haben immer noch Obstbäume gehabt.
00:03:05: Die haben zum Teil noch Viehzucht gehabt, die haben noch Getreide angehabt, damit sie überhaupt überleben können.
00:03:11: Das heißt, dass sie sich dem Wein wesentlich weniger intensiv widmen können.
00:03:15: Heute machen die alle nur Wein, haben eine gute Ausbildung und gehen da ganz anders mit um.
00:03:23: Das war, glaube ich, der feuchtfuldigste Weinabend, den wir je in der Resinance gehabt haben.
00:03:29: 98% aller Gäste waren total betrunken, stolz betrunken hinterher.
00:03:35: Die hatten so viel Spaß und ich habe gedacht, irgendwas muss an dem Wein sein, wenn die Leute mit dem so viel Spaß haben.
00:03:41: Natürlich, wenn ich gesehen habe, da stehen drei Teller und die wollen jemand aussehen, habe ich das mitgemacht.
00:03:47: Das ist ja ganz logisch, das machst du nicht.
00:03:49: Das machst du auf jeden Fall.
00:03:51: Du ziehst dich ja nicht raus, wie eine Diwa, die sich nur um das kümmern.
00:03:55: Aber wenn wirklich der Laden voll ist und alle Leute reintrinken hoffentlich, dann bist du voll beschäftigt.
00:04:03: Dann hast du keine Chance, auch noch das Essen zu erklären und Essen anzunehmen.
00:04:09: Ich habe zum Beispiel keinen Sausserre gemacht und ich habe keinen Bourjoulet gemacht.
00:04:13: Was mache ich dann?
00:04:15: Ich sage dann, kann ja mit mir irgendwas nicht stimmen.
00:04:17: Also ich muss dahin.
00:04:19: Das machst du jetzt, auch wenn dir der Wein nicht gefällt.
00:04:21: Du probierst das aus und spannend war, wir haben reife Beine getrunken aus den 70er Jahren.
00:04:31: Reife Sachen bekommen aus den 60er, 70er Jahren, die waren großartig.
00:04:37: Was dann aktuell uns zu probieren gegeben worden ist, das war ziemlich belanglos bei den meisten Winzern.
00:04:45: Und da habe ich gedacht, da stimmt doch irgendwas nicht.
00:04:47: Und dann gehst du in jeden Keller und die Keller waren leer.
00:04:51: Da waren keine Holzfelser, nichts mehr dran.
00:04:53: Die haben also alles, die diese Mazzuration, Carbonik und abgefüllt und verkauft.
00:05:00: soweit sie es noch verkaufen konnten.
00:05:03: Klar, meine Frau denkt dann immer an das Forster-Ungreuer von Moosbacher, Jahrgang 1990.
00:05:09: Das war einer ihrer besten riesigen E-Series getrunken hat.
00:05:12: Aber wenn man das heute trinken würde, das war kark und zahrebetont.
00:05:18: Und das könnte, glaube ich, auf dem Markt mit den aktuellen Russengewächsen nicht mehr mithalten.
00:05:26: Ich habe immer meine Probleme gehabt mit Weinbeschreibungen, die mir oft sehr aufgesetzt,
00:05:34: sehr fantasiereich vorkamen.
00:05:37: Wenn jemand aus einem Wein 50 ausgelesen, ausgeschmeckt hat, habe ich nie nachgerichtet.
00:05:45: Ich habe immer probiert, einen eigenen Weg zu finden, Wein einzuschätzen und zu beschreiben.
00:05:51: Ich denke mal, dass ein dritter Faktor hinfragt und zugekommen ist, der Klimamandel.
00:05:56: Dass die Weine inzwischen mehr Schmelz haben, mehr Rundheit, natürlich auch mehr Alkohol,
00:06:01: also mehr Fett, mehr Körper, was für viele Konsumenten sehr wichtig ist.
00:06:06: Man sagt ja, dass man in der Jugend, wo man dringend und im Alter übergrund,
00:06:10: man muss nie gewisse Reife haben, um wo gut man dazu versteht.
00:06:14: Ich habe es eigentlich immer gehabt.
00:06:16: Ich habe per Zufall in einem Weinladen für 20 Mark einen Format von 1959 gekauft, kaufen können.
00:06:27: Ich weiß nicht, warum.
00:06:29: Ich kann sie sagen, mich hat das gereizt.
00:06:32: Das war dann auch so, ja, das ist es irgendwie.
00:06:35: Und dann, ja, das war auch so die zweite Initialzündung in die Richtung.
00:06:43: Dann habe ich erst Anfang der 80er weiße Übergrundert zum ersten Mal getrunken.
00:06:48: Und das habe ich auch von Anfang an fasziniert.
00:06:51: Also das sind so Weine, da macht es Klick.
00:06:55: Da musst du dich nicht eintrinken, obwohl die komplex und kompliziert sind möglicherweise.
00:07:00: Aber das macht so, ihr oben macht das so, ja, das ist es.
00:07:03: Die Welt trinkt großen Riesling aus Deutschland, auch trockenen Riesling.
00:07:09: Wenn man in schwankischen drei Sterne Restaurants essen geht,
00:07:12: was haben die auf der Karte, deutsche Rieslinge?
00:07:15: In Italien gibt es das auch sehr viel inzwischen.
00:07:18: Frankreich hat noch ein bisschen Nachholbedarf, aber wenn wir in Frankreich sind,
00:07:24: wir nehmen immer ein paar Flaschen Riesling mit und hier probiert mal,
00:07:28: wir können auch guten Riesling machen.
00:07:32: Kefa okay, vier Leute okay, aber es müsste eine anständige Gläser sein.
00:07:37: Dann kam hin zu dieser Hickhack in den 90er Jahren mit der Bezeichnung.
00:07:42: Dann gab es Spätlisetrocken, Spätliserestüße, Spätlisetrocken,
00:07:46: Auslese, Restlüs, Auslesetrocken, das haben die Gäste nie verstanden.
00:07:51: Und ich kann mich noch gut erinnern, heute ist Jura ja in aller Munde,
00:07:56: aber wir waren damals, wir haben im Jura Urlaub gemacht,
00:07:59: haben ein paar Flaschen mitgebracht für die Weinkarte.
00:08:02: Und dann war ich natürlich voller Enthusiasmus, so jetzt müsst ihr alle Jura-Weine trinken.
00:08:06: Und habe ich dann den guten Stammgästen angeboten und die haben dann getrunken.
00:08:12: Dann haben gesagt, ja, das ist ja alles sehr gut erfolgt,
00:08:15: aber nächstes Mal empfehlen, sonst bitte wieder was anderes.
00:08:18: Meine Idee ist, ich weiß nicht, ob ich es nochmal schaffe,
00:08:23: nochmal Geologie zu studieren, weil ich endlich ein bisschen mehr Ahnung haben möchte
00:08:28: von dem Boden auf dem der Wein wächst.
00:08:32: Also man kann es eigentlich nur, wenn die Gäste einen Sommelier vertrauen
00:08:36: und er ihnen das Empfehl zu probieren gibt
00:08:40: und der Geschmack dann noch getroffen wird vom Gast.
00:08:45: Also, Sommelier ist da sicherlich eine sehr wichtige Funktion.
00:08:50: Die haben ja auch manchmal das erzählt, was wir hören wollten.
00:08:53: Und das hat mich dann manchmal schon geagert,
00:08:56: dass man dann, die sollten verdammt nochmal ehrlich sein, warum das so ist.
00:09:01: Und da kann ich mich erinnern, habe ich ein Werner Knipser gefragt,
00:09:04: warum habt ihr das jetzt so gemacht?
00:09:06: Und da hat er keine Antwort mehr gewusst, wir haben keine Zeit gehabt.
00:09:09: Und da habe ich gesagt, genau das will ich hören.
00:09:12: Ehrlichkeit.
00:09:14: Und das komplette Gespräch findet ihr ab morgen bei Sommelier,
00:09:17: die interessantesten Weinkenner unserer Zeit,
00:09:20: auf dieser Plattform oder überall, wo es Podcast gibt.
00:09:23: Ich habe meine ersten Winzertermine in Frankreich gemacht,
00:09:27: ich habe ein Brief hingeschickt.
00:09:29: Ich habe ein Brief an Chateauraias geschickt.
00:09:33: Wir sind dann und dann da, dürfen wir vorbeikommen, eine Weine probieren.
00:09:36: Diese Folge von Sommelier, die interessantesten Weinkenner unserer Zeit,
00:09:40: wird unterstützt von der Schlummbäckergruppe.
00:09:42: Der Kellerei Kalt dann aus Südhirol, der Akashi-Brauerei aus Japan
00:09:47: und dem Röderer Estate aus Kalifornien.
00:09:49: Vielen lieben Dank dafür.
00:09:51: Ein Wort für Wein, ist das?
00:09:53: "Weinenschaft, Gefühl, Gefühl, Wein ist, also Wein trinken ist für mich ein Gefühl."