SOMMELIER

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Die interessantesten Weinkellner unserer Zeit

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00:00:00: Guten Tag, mein Name ist Karsten Knauer und ich bin Gründer und CEO des Corvus Family

00:00:18: Offices.

00:00:19: Ich habe das Privileg, Markus Delmonego, nun schon seit über 15 Jahren zu kennen und

00:00:24: darf mit Stolz sagen, dass er zu meinen sehr engen Freunden gehört.

00:00:28: Jeden Tag, den ich mit ihm verbringen darf, erfüllt mich erneut mit Bewunderung.

00:00:33: Denn es gibt wohl niemanden, der so tiefgehendes Wissen über Wein besitzt wie Markus.

00:00:39: Seine Fähigkeiten bis hin zu Blindverkostungen sind außergewöhnlich und er schafft es immer

00:00:45: wieder, mit neuen Perspektiven und Erkenntnisse zu vermitteln.

00:00:48: In puncto Wein ist er mein kontinuierlicher Lehrmeister und Wegweiser.

00:00:53: Doch seine Leidenschaft endet nicht bei der Weinverkostung.

00:00:56: Auch die Geschichte ist ein Themenbereich, in dem er ebenso fundiert wie leidenschaftlich

00:01:03: zu Hause ist.

00:01:04: Markus Delmonego ist in der Welt des Weins.

00:01:08: Das kann ich als Gesellschafter eines feinen Weinhändlers und eines Weinguts aus eigener

00:01:13: Erfahrung sagen, eine wahre Corrifere.

00:01:16: Fast jedes Weingut ist stolz darauf, die Bewertungen von Markus zu präsentieren.

00:01:21: Und viele suchen den Dialog mit ihm, öffnen ihm die Türen und schätzen sein Rat.

00:01:28: Und das auf der gesamten Welt.

00:01:30: Doch Markus Delmonego ist nicht nur in seinem Fachgebiet außergewöhnlich.

00:01:35: Er ist auch ein Mensch, der durch Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft und eine bemerkenswerte

00:01:41: Offenheit besticht.

00:01:42: Er nimmt sich Zeit für die Menschen und ist stets bereit sein Wissen zu teilen.

00:01:47: Solche Eigenschaften sind selten und umso mehr schätze ich unsere Freundschaft und die gemeinsame Zeit.

00:02:16: Ein herzliches Willkommen zu einer neuen Ausgabe von Somelie, die interessantesten Weinkellner

00:02:22: unserer Zeit.

00:02:23: Mein heutiger Gast ist wirklich einer der einzigartigsten Kollegen, die man sich vorstellen kann.

00:02:29: Und jeder, der ihn einmal bei einer Moderation erlebt hat, den einmal bei einem Weinabend

00:02:34: erlebt hat, der mit ihm eine Verkostung durchführen durfte, wird das bestätigen.

00:02:39: Da geht es gar nicht darum, dass er schon in frühen Zeiten 1992 Somers Jahres wurde,

00:02:44: dass er verschiedene Wettbewerbe gewonnen hat, dass er 1998 Somelie Weltmeister wurde,

00:02:50: dass er 2003 als einziger weltweit zugleich den Titel Master of Wine führen darf.

00:02:56: Es ist die Persönlichkeit, das sind die Gedanken des Tiefes und ich freue mich deswegen unglaublich

00:03:01: auf Markus Delmonego und seine Gedanken.

00:03:03: Bevor wir ins Gespräch einsteigen, möchte ich mich ganz besonders herzlich bei der Schlumbergergruppe

00:03:08: mit den Handelshäusern Segnetz, Schlumberger Conziovini und dem Privatkundenportal Bremer

00:03:13: Wine Collector, die Hände schon wirtschaftliche Unterstützung benannt wurden.

00:03:16: Und dank Ihnen ist er heute hier.

00:03:19: Herzlich willkommen lieber Markus Delmonego.

00:03:21: War das für dich, Segen oder Fluch Somelie zu werden?

00:03:28: Es war was ein Zufall.

00:03:34: Es war ein Zufall, bist du morgens aufgestanden und ganz rein zufällig zum Wettbewerb gestolpert?

00:03:40: So war das nicht.

00:03:42: Ich habe einen Ferienjob gemacht, als ich in der 11. Klasse war, weil ich wollte mit

00:03:46: Schulfreunden eine Reise machen.

00:03:49: Wir wollten nach Paris und da mussten wir Geld dafür organisieren.

00:03:52: Also habe ich einen Ferienjob gemacht und war bei Möwenpick in der Schweiz an der Grenze

00:03:56: damals, Baselweil.

00:03:57: Ich habe relativ früh eine eigene Station bekommen.

00:04:02: Es ist ein Kellen ausgefahren.

00:04:04: Ich musste einspringen.

00:04:05: Die Restaurantleiterin hat mich unterstützt und es kam ein Gast, der wollte den besten

00:04:10: Rotwein, den wir im Haus haben trinken.

00:04:12: Dann habe ich sie gefragt, was ist der beste Rotwein, den wir haben.

00:04:16: Sie hat dann die, weil ich so 70er total boh serviere.

00:04:19: Dann habe ich 70er total boh serviert, so wie es es mir erklärt hat.

00:04:22: Und der Gast probiert den Wein, verzieht das Gesicht und sagt, das ist ja schrecklich.

00:04:28: Ich nehme den Zuckerstreuer, der bei Möwenpick ja immer auf den Tisch nicht stand.

00:04:31: Kippzucker rein rührt um und sagt, jetzt könnte ich auch eine Frau bedienen und es

00:04:36: schmeckt besser.

00:04:37: Ich war total von ins Och.

00:04:38: Ich war total entsetzt.

00:04:39: Er sagt, das gibt es doch nicht, dass jemand Zucker in den Wein rein gibt.

00:04:44: So viel Weinkultur habe ich von zu Hause vom Hit bekommen, dass das eben etwas ist,

00:04:49: was sich nicht gehört.

00:04:52: Ich habe mich dann bei der Restaurantleiterin beschwert und die hat noch gemeint, ja, sie

00:04:58: haben den Fehler gemacht.

00:04:59: Sie haben mir mal den Fehler gemacht.

00:05:01: Ich habe sie doch gefragt und gesagt, ja, aber ich habe halt einen anderen Geschmack

00:05:05: als der Gast am Tisch und gesagt, dann haben sie mir das nicht gleich gesagt.

00:05:10: Ja, so lernen sie es besser, das vergessen sie nicht mehr.

00:05:13: Und genau so war es.

00:05:15: Und sie hat mir dann die Tipp gegeben, ich soll jetzt brav an den Tisch zurückgehen,

00:05:19: soll den Tisch weiterbedienen, wenn die Gäste zufrieden sind, dann würde ich am nächsten

00:05:21: Tag Nachmittags, wenn ich Freizeit habe, von hier ein Wein Seminar bekommen.

00:05:26: Und dann hat es am nächsten Tag ein Wein Seminar gegeben und abends habe ich das, was ich nach

00:05:33: Mittags gelernt habe, bei den Gästen ausprobiert.

00:05:35: Und die haben sich gefreut, Wein Empfehlungen zu bekommen.

00:05:39: Die hatten wahrscheinlich noch weniger Einung als ich, aber auch unsicher.

00:05:42: Und es hat Spaß gemacht.

00:05:44: Und nach einigen Tagen beim Möwenpick mit Service am Tisch, mit Wein Empfehlungen,

00:05:51: allem tun wir dran, habe ich dann gedacht, das wäre eigentlich etwas, was auch eine

00:05:57: tolle Berufsfall wäre, weil bis dahin hatte ich immer gedacht, zum Ingenieursrichtung

00:06:00: zu gehen technisch.

00:06:01: Und dann kam nach einem Monat Fanshop der Enscheide, also ich werde nach dem Abitur

00:06:10: schauen, dass ich Hotelfachschule besuche, eine Lehremache, Hotelfachschule besuche,

00:06:15: einen klassischen Weg hinter Hotelerie mache.

00:06:17: Und dann ging das Ganze los in dem Moment.

00:06:24: Was aber schon erstaunlich ist, also was mich da ganz als Stützen lässt in der 11.

00:06:29: Klasse, dieses Bewusstsein zu haben, man gießt keinen Zucker in Rotwein.

00:06:33: Das ist ungefähr die Altersstufe zwischen meinem Sohn und meiner Tochter.

00:06:38: Ich könnte mir in den gesamten 1000 Schülern, die ich dort am Gymnasium sehe, wahrscheinlich

00:06:44: kaum einen vorstellen, der davon schockiert wäre, sondern man würde es ja wieder hinnehmen

00:06:48: oder war er so hochkultiviert bei euch zu Hause, dass ihr höchste ...

00:06:53: Erstens mal Südwestdeutschland, der südliche Teil von Baden, ist ja eine sehr genussreiche

00:07:02: Region.

00:07:03: Ich meine, ob es da einfache Landgasthof ist oder das Sternerestaurant ist, die kulinarische

00:07:08: Vielfalt ist riesig.

00:07:09: Man bekommt auch als Kind oder Jugendlicher mit, wie mit Wein umgegangen wird.

00:07:15: Als das Thema Wein für mich, wenn Gäste zu Hause bei meinen Eltern waren, dann habe

00:07:27: ich Wein mit ausgeschickt.

00:07:28: Ja, ich habe keinen Wein getrunken.

00:07:29: Die ersten Schritte in der Weinwelt habe ich den allerersten Schritt mit 14 Jahren bei

00:07:35: meinem Austauschpartner gemacht.

00:07:36: Also nachbar vorbeikam und anlässig meines Geburtstag, der zufälligerweise da war, eine

00:07:42: Flasche 45er Quarton mitgebracht hat.

00:07:44: Oh wow.

00:07:45: Und ich soll die den probieren.

00:07:46: Meine Eltern haben gesagt, in Frankreich trinkst du aber keinen Wein.

00:07:49: Also, pass da auf.

00:07:52: Und habe ich auch nicht gemacht.

00:07:54: Und dann wollte ich nicht.

00:07:56: Sie hat doch einen Schluck.

00:07:57: Das hat mir gar nicht geschmeckt.

00:07:58: Das war so ein ganz komisches Getränk.

00:08:00: Mit 14, klar.

00:08:01: Ich wollte es gar nicht einordnen.

00:08:02: Und mit 26 bin ich dann wieder in Lyon gewesen mit einem Sommeltag, Kollegen.

00:08:13: Und da kam der Nachbar wieder mit einer Flasche, wieder mit einer 45er Quarton.

00:08:17: Und da guck ich den Adeln und sag, wow, an die Flasche habe ich häufig gedacht.

00:08:21: Dann sagte er, ja, das wusste ich.

00:08:23: Wenn ich gestorben wäre, bevor du gekommen wärst, hättest du die Flasche vererbt bekommen.

00:08:29: Da war ein Zettel auf der Kiste drauf, dass dieser Wein zu dir muss.

00:08:33: Ist ja herrlich.

00:08:34: Weil ich habe dir viel zu früh Wein zugemudet.

00:08:36: Und du hast damals schon ein Gespür vor Geschmack gehabt.

00:08:39: Aber natürlich war Wein für dich die komplette Überforderung.

00:08:42: Und dann habe ich gedacht, der wird es unheimlich bereuen, dass er den Wein damals nicht richtig

00:08:46: schätzen konnte.

00:08:47: Und dann soll mir die Kollege über Happy Tag sagen, wenn du noch mehr so Adressen hast,

00:08:50: dann können wir weiter.

00:08:51: Das hat echt Spaß gemacht.

00:08:53: Aber das war das Thema Kulinarik, das Thema gutes Essen, gutes Trinken.

00:08:57: Das war zu Hause eigentlich immer gelebt.

00:09:05: Also meine Mutter ist eine hervorragende Köchin, gut zu essen und guten Wein zu trinken

00:09:12: und das Ganze irgendwo in Maßen.

00:09:14: Das war als Vorbild von meinen Eltern gelebt.

00:09:17: Und dann bekommt man sowas mit.

00:09:19: Und ich mal den Reiz Wein zu probieren.

00:09:25: Das kam dann eben durch den Job bei Möwenpik.

00:09:27: Das kam auf den verschiedenen Reisen mal Dinge auszuprobieren.

00:09:32: Und da fängst du natürlich ganz klein an.

00:09:34: Also beim Möwenpik waren das damals bei der Weinprobe waren, dass halt die normalen Weine

00:09:39: die offen ausgeschenkt wurden.

00:09:40: Aber selbst das gibt dir einen Eindruck.

00:09:43: Und wenn ich mir überlege, in einem der ersten Mitbewerbe, die ich mitgemacht habe, gab

00:09:48: es einen Wein blind.

00:09:50: Da musste man noch während des Abendessens die Weine kommentieren in der Finalrunde.

00:09:54: Und da wurde ja ein Wein ausgeschenkt.

00:09:56: Und dann musste man vorher aufschreiben, was es war.

00:09:59: Und ich habe dann meinen Zettel abgegeben und der Moderator, der da kam, da kam zu mir

00:10:04: an den Tisch und meinte dann, ja, was haben wir denn hier im Glas?

00:10:08: Und dann habe ich den Wein beschrieben.

00:10:10: Was könnte es denn sein?

00:10:11: Und ich habe dann nur gesagt, ja, also, die könnte mir vorstellen, wir sind ja ein Wettbewerb

00:10:17: mit nur französischen Weinen und spirituosen.

00:10:20: Das war von der Sopexer der Wettbewerb damals.

00:10:23: Das war, ich hatte überlegen, das war 1986 in Köln.

00:10:30: Und da hatte ich als erstes die Wettbewerber mitgemacht.

00:10:35: Und ich hatte eigentlich keine Ahnung, was das genau sein könnte im Glas, so wie die

00:10:44: anderen Sommergekollegen habe.

00:10:45: Er erinnerte mich an Salvagnia aus der Schweiz.

00:10:50: Und Salvagnia in der Schweiz ist im Prinzip eine gamä-basierte Variante.

00:10:56: Und ich hatte dieses gamä im Hinterkopf und was gibt es in Frankreich in der Liebe?

00:11:03: Frankreich, Beaujolais.

00:11:04: Ich habe gesagt, das ist ein Beaujolais.

00:11:06: Und er sagte dann, ja, und weiter.

00:11:08: Und er sagte, nicht weiter, kann ich nicht sagen.

00:11:12: Er sagte, das ist doch alles richtig bei der Antwort.

00:11:14: Ich habe dann halt einfach noch gesagt, wenn es schon Beaujolais ist, kann ich ja noch

00:11:17: eine Karte ziehen und habe dann Ula-Arvon hingeschrieben.

00:11:20: Das war ein Zufall.

00:11:22: Aber gut, so habe ich mich an diese Sachen vielleicht geschmacklich rangehtaset.

00:11:28: Für mich war Sensorik immer unheimlich wichtig.

00:11:30: Ich habe mir über die Sensorik im Prinzip alles beibringen können.

00:11:33: Und deswegen war auch immer mein Tipp, wenn jemand Wein ein bisschen aufbauen will, immer

00:11:38: das Glas dabei haben, wenn man ein Buch liest, immer mit dem Wein zu dem Kapitel, wo man

00:11:43: gerade drin ist.

00:11:44: Das vertieft.

00:11:45: Das macht Spaß und gibt ein bisschen Inspiration.

00:11:48: Aber das waren so diese allerersten Schritte in der Weinwelt, eben dieser Zufall im Restaurant

00:11:53: über den Ferienjob.

00:11:54: Dann später meine Ausbildung in Bad Brückenao, wo ich beim Möwenpick meinen späteren Hoteldirektor

00:12:02: Ketten gelernt habe, weil das mich ins Kreuz verhört genommen, woher ich das alles weiß,

00:12:09: was ich da erzählt habe am Tisch.

00:12:10: Da war ich dann schon im zweiten Jahr beim Möwenpick wieder im Ferienjob.

00:12:14: Da hatte ich gemeint, ja, Möwenpick Seminare, da ist das nie, Möwenpick Seminare, gar nicht.

00:12:22: Ich habe doch gar keins mitgemacht.

00:12:23: Ja, wie war, wissen Sie das alles?

00:12:25: Ich interessiere mich halt für das Thema und ich lerne da.

00:12:30: Ja, wo haben Sie denn die Lehre gemacht?

00:12:32: Dann sage ich, ich parke hier, ich suche noch eine Lehrstelle.

00:12:34: Ich habe keine Lehrstelle bekommen.

00:12:36: Da hatte ich ein bisschen Kerlchen gegeben, das hat hier Dorimko Hotel Bad Brückenao.

00:12:40: Sie können anfangen, das war im November oder 15. Dezember, ich war einmal den ersten Tag.

00:12:45: Toll.

00:12:46: Und er hat mich dann auch auf diesen ersten Wettbewerb geschickt damals, weil da weiß ich

00:12:51: noch, dass er sagte, ja, Sie haben ja großes Wein, weil ich natürlich alle meine Monatsberichte,

00:12:57: die wir abgeben, wusste.

00:12:58: Die ersten habe ich alle zum Thema Wein gemacht.

00:13:00: Und da ist die Welt der Hotelerie besteht nicht nur aus Wein.

00:13:03: Also, da gibt es auch andere Sachen.

00:13:06: Und da hat nämlich das Thema nicht so locker gelassen hat, nicht ausgelassen hat, hat

00:13:11: er mich dann eben für den Wettbewerb angemeldet von der Sopexa für den besten Sommer, die

00:13:16: Deutschlands.

00:13:17: Und da war die Vorrunde, das ging theoretischer Fragebogen, um es die Weinkarte entwerfen,

00:13:24: paar Sachen beantworten, das habe ich eingeschickt und wurde eingeladen ins Filan nach Köln.

00:13:28: Das war dann 1986 in Köln, in der Konti war das damals, dieses große Hochhaus in Köln,

00:13:35: beindruckendes Hotel.

00:13:36: Und das waren drei wunderbare Tage, das war ein fantastisches Essen, das war ein toller

00:13:42: Wettbewerb, das waren gute Weine.

00:13:44: Das hat Spaß gemacht, unheimlich nette Kollegen.

00:13:46: Ich war ja Azubi, das andere waren alles ausgewachsene Sommergesen, Sommerjähren.

00:13:51: Aber trotzdem in dem Kreis aufgenommen, was sehr schön war und was Spaß gemacht hat.

00:13:58: Und dann habe ich mir überlegt, du musst ja nur ein bisschen was lernen und schon kannst

00:14:03: du das alles genießen.

00:14:04: Und so kam das Ganze.

00:14:06: Und wenn man den Bad Brück genau, dem Staatsbad am Ende der Welt 15 Kilometer entfernt, war

00:14:12: die Zollengrenze, also da war die Mauer sozusagen, da ist Stacheldraht und da ging es nicht weiter.

00:14:20: Und das war schon die ruhige Landschaft.

00:14:22: Also da war wenig los, da hatte man viel Zeit zum Lernen.

00:14:25: Die Zeit habe ich dann einfach damals genug, zwei Wochen habe ich viel Spaß gemacht und

00:14:29: mir dann ganz neue Möglichkeiten eröffnet hatten.

00:14:31: So habe ich mir dann mein Weinwesen aufgebaut.

00:14:33: Ich habe viel mit Bücher lesen, Wein probieren, was geklappt hat und dann auch angefangen

00:14:39: in die Weinbockgebiete zu reisen.

00:14:41: Ich finde den Punkt sehr wichtig.

00:14:44: Man probiert und liest ganz selten zusammen, entweder ist ein oder das andere.

00:14:48: Und den Hinweis, wenn man ein Buch hat, einfach den Wein dazu zu probieren, das verhält

00:14:52: der Licht auf eine ganz eigene Weise und das sollte man viel, viel öfters machen.

00:14:55: Weiß noch, welcher Bücher du damals hattest, weil Wikipedia gab es ja noch nicht, Google

00:14:59: gab es noch nicht.

00:15:00: Es gab gar nichts.

00:15:01: Das Ding ist, dass es so überrascht wäre.

00:15:03: Konnte die Bücher ja noch nicht mal bestellen, also dass du irgendwie einen Amazon hattest

00:15:06: und schauen könntest, was gibt es zum Wein, sondern wie kam es so an das Wissen?

00:15:11: Das war gar nicht schwierig.

00:15:12: In den 80er Jahren.

00:15:13: Man hatte sechs Wochen Zeit, glaube ich, diesen Bogen abzugeben.

00:15:16: Ja.

00:15:17: Und Berufsschule war jede Woche einmal in Bad Kissingen, also mit dem Bus nach Bad Kissingen.

00:15:21: Und nach der Berufsschule bin ich dann zu den Weinhändlern gegangen.

00:15:25: Diesen Bad Kissingen gab es.

00:15:26: Ah.

00:15:27: Ich weiß nicht.

00:15:28: Und die habe ich dann mit Fragen gelöchert.

00:15:30: Wow.

00:15:31: Ich glaube, die haben heute noch einen Traum.

00:15:33: Die fanden das toll, dass ein junger Mensch sich dafür interessiert.

00:15:37: Und ich habe gesagt, ich mache ein Wettbewerb mit und ich würde sie mit dir helfen könnten.

00:15:41: Da gab es auch gute Tipps.

00:15:43: Dann habe ich natürlich versucht, mich schlau zu machen, wo gibt es ein deutsches

00:15:48: Wein-Institut.

00:15:50: Wer macht die Werbung in Frankreich für Wein?

00:15:54: Das war der Sopexer-Wettbewerb.

00:15:56: Da war also Sopexer schon mal eine Handlaufstelle.

00:15:59: Und bestimmte Fragen dann halt über Briefe.

00:16:03: Ich habe unheimlich viel Briefe geschrieben.

00:16:06: Ich hatte immer viel Korrespondenz und habe dann überall hin an Weingüter, an Institutionen,

00:16:12: wo ich halt Adressen rausbekommen habe, einfach dann Briefe geschrieben, gefragt, ob die

00:16:15: helfen können, ob sie Informationen haben.

00:16:17: Das habe ich mal in Wissen aufgebaut.

00:16:19: Dann habe ich mir damals gekauft.

00:16:20: Ich weiß noch, der kleine Johnson.

00:16:26: Von Duiker, die war in Frankreich.

00:16:28: Das waren so die ersten Bücher, die ich gekauft habe.

00:16:33: Die waren teuer damals.

00:16:34: Ich war Azubi.

00:16:35: Ich habe fast nichts verdient.

00:16:37: Und so brach 50 Mark gekostet?

00:16:39: Es war irre.

00:16:40: Es war irre, was die Bücher gekostet haben.

00:16:42: Den Wein-Adlers gab es damals noch gar nicht.

00:16:45: Ich gab nur den großen Johnson, den Kleideng Johnson.

00:16:48: Dann von Michael Broadband gab es ein Buch, "Wine kennen Prüfung und genießen".

00:16:54: Das hatte ich aber nicht auf dem Schirm.

00:16:56: Das habe ich dann über eine Kollegin empfohlen bekommen in Köln.

00:17:00: Ich sagte mir, mit dem habe ich mich vorbereitet.

00:17:02: Dann habe ich mir das Buch besorgt.

00:17:04: Das war alles richtig.

00:17:05: Das ganze Trinkgeld ging im Prinzip in den Weihküchern rein.

00:17:08: Dann, wenn es ganz knapp wurde, habe ich ihm zu Hause angerufen.

00:17:11: Er könnte ein bisschen Geld schicken.

00:17:13: Ich muss lernen.

00:17:14: Ich muss da weiterkommen.

00:17:16: Ich habe dann ab und zu auch ein bisschen Geld bekommen, um wieder Bücher zu kaufen.

00:17:20: Ich habe mir auf einem Wunschzettel zu Weihnachten standen.

00:17:23: Nur noch Weinbücher drauf.

00:17:24: Herrlich.

00:17:25: Das war einfach dieses sich selber, das Wissen zur Arbeit.

00:17:30: Es gab keine Sommelgeschule in Deutschland.

00:17:32: Sommelges waren eine ganz rare Spezies.

00:17:36: Es gab einige berühmte Häuser.

00:17:38: Der Jean-Jacques Marcel aus dem Königshof war zum Beispiel in dem Füllewerb dabei.

00:17:42: Dann der Schweizer Stuben.

00:17:44: Petrus Sanfos war nicht in dem Wettbewerb.

00:17:47: Ach so, ein Wettbewerb.

00:17:48: Ich dachte allgemein, warum in Deutschland das Kaffee selbst ist.

00:17:51: In Deutschland Petrus Sanfos gab es natürlich Schweizer Stuben.

00:17:53: Klar, aber da war nicht diesem Wettbewerb.

00:17:54: Auch die Paula Bosch, die war vorher in Wettbewerben dabei aber nicht mehr als ich angefangen.

00:17:59: Aber das war damals der Jean-Jacques Marcel.

00:18:01: Dann war dabei der Joel Payne, der im Gala in Aachen gearbeitet hat damals.

00:18:06: Der war in dem Bewerb mit drin.

00:18:08: Der Philipp Schneider.

00:18:10: Ach, ist ja verrückt.

00:18:12: Im Weinhandel gelandet ist.

00:18:14: Das waren die ganzen großen Lordi, die ich noch nicht mal als große Vorbilder kannte.

00:18:20: Weil ich zu wenig in der Branche drin war.

00:18:23: Ich habe keine Fachzeitschriften gelesen davor.

00:18:25: Ich war ja ganz junger Azubi.

00:18:27: Ich bin da erst langsam reingewachsen in diese Welt und habe dann diese Menschen gleich kennengelernt

00:18:32: dürfen und da Kontakte aufbauen können, die einfach Spaß gemacht haben.

00:18:37: Diese Menschen bin ich heute noch dankbar, dass die mich damals so ein bisschen unter die Fittiche genommen haben

00:18:43: und dann unterstützt haben und gemerkt haben, das ist nicht der kleine Azubi, wo der Restaurant leidet,

00:18:51: den Bogen ausgefühlt hat.

00:18:53: Und jetzt rasselte durch.

00:18:54: In Köln habe ich dann den achten Platz gemacht.

00:18:56: Ach, in den achten Platz in Köln gab es den Sonderpreis der Jury, weil noch nie ein Azubi den Wettbewerb mitgemacht hat.

00:19:02: Und noch dazu im Finale gelandet ist.

00:19:04: Sonderpreis der Jury war eine Ubrierenprobe im Park Hotel Bremen von der Bremer Probenrunde.

00:19:09: Ist das verrückt.

00:19:10: Und damit kam ich nach Bremen.

00:19:13: Wow.

00:19:14: Wurde dann später nochmal eingeladen zu einer weiteren Verkostung mit Chateau de Cam und großen Sortern.

00:19:20: Und ich weiß noch, nach dieser zweiten Probe, da bad mich Wilhelm Wehrmann nach dem Abendessen,

00:19:26: ob ich mit ihm noch ein Kaffee und ein Dishistief trinken würde im Büro.

00:19:30: Das habe ich ja gerne.

00:19:32: Und dann haben wir uns da ins Büro gesetzt bei ihm und haben uns unterhalten.

00:19:36: Und fragte irgendwann, sprechen Sie den Fremdsprachen?

00:19:38: Ich habe so eine Standardantwort, der immer ja Französisch, Englisch, ein bisschen Italienisch und Latein.

00:19:44: Das habe ich verlernt, weil der Papst nie in Bad Brück in unser Restaurant gekommen ist.

00:19:48: Das war ihm so weggekackt.

00:19:50: Und dann verspricht er auch Französisch weiter.

00:19:53: Und dann haben wir uns da sicher ein oder zwei Stunden unterhalten.

00:19:56: Alles in französischer Sprache.

00:19:58: Und dann, am Ende, sagte er, und wenn Sie mit der Lehre fertig sind, können Sie hier anfangen, was Chef Sommel je.

00:20:03: Und er sagte, das geht mir aber alles zu schnell.

00:20:06: Sie wissen doch gar nicht, ob ich die Lehre überhaupt bestehe, ob ich die Abflussprüfen bestehe.

00:20:10: Ach, wenn ich nicht, meinte er, dann haben wir noch ein halbes Jahr auf Sie.

00:20:14: Er sagte, okay, scheinbar sehr richtig ernst zu meinen.

00:20:18: Und hat dann später noch mein Besuch in Bremen, wo ich mir noch mal alles angeschaut habe.

00:20:22: Und dann auch gesagt habe, ich würde gerne ein Praktikum machen, vorher, dass ich überhaupt das Handwerkszeug mitbekomme.

00:20:29: Er hat dann zwei Monate in vier Jahren sein in Hamburg beim Weinkellen auf dem Grill, den er lieben kann.

00:20:35: Und habe dann dort zwei Monate lang eben im Grill den Weinservice gemacht.

00:20:41: Und bin dann ins Park Hotel Bremen zurück und habe als Chef Sommel den Park Hotel Bremen angefangen.

00:20:46: Wow. Und war es zu früh, also direkt nach der Ausbildung eine Chef-Sommel je Position zu?

00:20:53: Oder du weißt es natürlich nicht, aber war es überfordert in der ersten Zeit?

00:20:57: Es überfordert mich, weil es hat unheimlich viel Spaß gemacht.

00:21:02: Wilhelm Wehrmann, der Direktor vom Park Hotel, der stand auch wirklich hinter der ganzen Sache.

00:21:08: Das war richtig gut.

00:21:11: Henry Precht, der Restaurantdirektor, der Metro Hotel, das war jemand, der mir auch sehr viel beigebracht hat.

00:21:22: Auch gerade im Umgang mit dem Gas, der 5 Sternehaus, der Antromo, der auch immer vorher die Weihempfehlung gemacht hat.

00:21:30: Das war eben die große Institution in Bremen.

00:21:34: Und jetzt kam ich als Sommel je.

00:21:36: Ich weiß noch, ich bin einmal zu ihm hingegangen, dass ich sage, Herr Precht,

00:21:40: könnt ihr mich auch mal die Weihempfehlung machen lassen bei den Gästen, die sonst immer von ihnen beraten werden?

00:21:48: Ja klar, kein Problem.

00:21:51: Weil ich habe da immer bei allen Gästen natürlich gearbeitet, klar, aber die traditionellen Prima, die haben bei Sir Henry,

00:21:58: die Spitznamen, die es nach dem Weintipp gefragt haben.

00:22:01: Und das fand ich blöd, weil ich kam ja nicht an die Gäste ran.

00:22:04: Und als die mich dann fragten, weil Not gedrohen, weil Sir Henry kam mich an den Tisch,

00:22:09: weil ich ihn gebeten hatte, dass ich die Gäste mal bedienen darf.

00:22:13: Und ich habe ihn in die Karte gebracht, als er irgendwann nicht auftaucht, der haben sie dann bei mir bestellt.

00:22:17: Was würden sie denn empfehlen?

00:22:18: Natürlich habe ich genau dasselbe Empfohlen, was auch Henry Precht empfohlen hätte.

00:22:22: Und danach hieß es in Bremen, der junge Mann kennt sich ja ganz gut aus.

00:22:27: Weil da war man dann sicher, der zieht uns nicht über den Tisch, der macht das vernünftig

00:22:33: und so bin ich dann in Bremen in den Weinservice reingewachst.

00:22:37: Aber da hat es eigentlich wieder eine kindliche Phase, also wo man sagt, man lernt wirklich von anderen,

00:22:42: man ist mehr oder weniger Kommie irgendwo von der bisherigen, gleich in der Abteilerleitungsposition gerutscht.

00:22:48: Ich bin in Bremen, habe ich angefangen, in 1988.

00:22:57: Ich hatte überlegen, passt das ja, in Sommer 1988 war das genau.

00:23:03: Sommer 1988 habe ich in Bremen angefangen.

00:23:05: Und das war natürlich eine ganz neue Welt.

00:23:07: Die Sommeldeposition dort war auch dem Metro-Dotel untergeordnet.

00:23:11: Ich war im Prinzip Oberkellener Niveau, so wie das eingehörte.

00:23:15: Und wo du auch heiß gepasst hast.

00:23:16: Aber damit konnte ich meine Schritte gehen und habe dann in ein paar Hotel Bremen auch weitergemacht,

00:23:21: weil ich wollte ja nach Lausanne auf die Hotelfachschule, er hatte mich dort auch angemeldet.

00:23:25: Und irgendwann nach so zweieinhalb Jahren, zwei Jahren als Sommer gehe, drei Jahre wollte ich eigentlich bleiben,

00:23:34: um dann nach Lausanne zu gehen.

00:23:36: Da kam dann der Herr, wir haben nur halt gemeint, Herr Termonego.

00:23:39: Wollen Sie das wirklich machen mit Lausanne, Sie könnten doch nach Heidelberg gehen, das wäre doch viel besser.

00:23:44: Dann haben mir dann die Vorzüge von Heidelberg geschildert und das fand ich durchaus logisch, was er mir erklärt hat.

00:23:49: Und dann habe ich gesagt, okay, ja, warum nicht Heidelberg?

00:23:53: Dann habe ich erst mal noch eine Position angenommen.

00:23:57: Ich war dann der Assistent des F&B Direktors und habe den neuen F&B Direktor sozusagen begleitet in seiner Einarbeitungsphase.

00:24:06: Er sei in den ersten halben, dreiviertel Jahren, wo er da war.

00:24:09: Und immer noch den Weinkeller mit betreut.

00:24:12: Und dann kam der Punkt, woher er dann sagte, wollen Sie überhaupt nach Heidelberg,

00:24:17: Sie wollen, könnten Sie Betriebslater der Meiererei in Bürgerpark werden.

00:24:21: Da lernen Sie alles praktisch, was Sie auf der Schule lernen.

00:24:24: So ein Jungjahr.

00:24:25: Und er hat gesagt, okay, das wird mich reizen.

00:24:29: Das war auch attraktiv.

00:24:31: Es gab dann auch eine Prämie, wenn ich in bestimmten Gewinnerreichen würde,

00:24:37: wo man mir später sagte, die Meiererei und Gewinn, das gab es ja noch gar nicht,

00:24:42: aber der Gewinn würde überdruckend ausgeschrieben werden.

00:24:45: Das hat geklappt.

00:24:46: Es gab total Bodus.

00:24:47: Es hat richtig Spaß gemacht, weil ich übers Praktische einfach lernen konnte.

00:24:53: Und das ist eine Sache, das ist in der heutigen Welt natürlich ganz anders,

00:24:57: weil heute Ausbildung in der Schule, dann die Fachschule, die Fachseminare, da ist deutlich theoretischer.

00:25:05: Ich habe es halt wirklich in der Praxis gelernt.

00:25:07: Und dann der Vorteil, Gibon Foir war Berater von Parkotellen Bremen.

00:25:11: Und Gibon Foir hat mich dann, war ihn technisch auch unter seine Füttliche genommen.

00:25:15: Ist auch jemand, dem ich sehr, sehr dankbar bin.

00:25:18: Da durfte ich auch unheimlich viel lernen.

00:25:20: Und der hat auch immer wieder, wenn er reisen hatte, die interessant waren,

00:25:25: hat er immer, William Wermont vorgeschlagen, der Markus Dillmonego könnte doch damit,

00:25:29: wir haben dieses jedes Thema, wir fahren doch da und dahin.

00:25:32: Und das war echt, das war richtig gut.

00:25:35: Also es war eine Zeit, die mich sehr gefordert, aber auch sehr, sehr gefördert hat.

00:25:39: War er dein Vorbild oder hattest du ein Vorbild, hattest du ein Mentor seit deiner Ausbildung,

00:25:45: seitdem das Weintema für dich ging?

00:25:47: Ich sage mal, dass das Weintema kam, war Gibon Foir sicherlich ein richtiger Mentor.

00:25:51: Weil er hatte ein enormes, immer noch ein enormes Wissen,

00:25:55: war einfach das, was er mit Wein geschafft hat, die Analysien dabei, die Aromenanalysien,

00:26:00: alles drum und dran, das habe ich alles von ihm mitgenommen.

00:26:03: Das habe ich von ihm gelernt.

00:26:05: Und das war schon eine wichtige Person im Leben.

00:26:09: Zurückgedreht, ist es mehr Fluch oder ist es mehr Segen,

00:26:15: dann diesen großen Erfolg zu haben, zum Eweltmeister zu sein,

00:26:19: weil du warst ja dann mehr oder weniger eigentlich richtig frei tätig, nur 10 Jahre,

00:26:24: wenn man so grob runterrechnet, also von 88 bis 98.

00:26:29: Ja, aber es war ja so, dass ich den Wein nie verlassen habe,

00:26:34: egal was ich in der Hotellerie gemacht habe, ich hatte immer den Wein bezug.

00:26:38: Das war mir immer unheimlich wichtig.

00:26:40: Und die Sommelgeweltmesserschaft war natürlich dann schon ein richtiger Einschnitt,

00:26:46: aber auch da, ich habe mich damit gerechnet, dass ich den ersten Platz mache.

00:26:52: Gab es ja vorher auch noch nicht, du bist der erste Deutsche, der es jemals geschafft hat?

00:26:57: Drei Jahre vorher war ich in Japan auf dem vierten Platz gelandet

00:27:00: und dann die Chance zu haben, nochmal anzutreten, das fand ich toll,

00:27:06: aber ich wusste ja, was mich erwartet.

00:27:08: Und ich hatte damals ein Projekt mit einem Hotel an der Mosel,

00:27:13: das war eine ganz andere Zeit und natürlich hat es mich trotzdem gepackt.

00:27:18: Ich bin dann schon so aufgestellt, dass ich auch erfolgreich sein möchte,

00:27:25: aber ich habe auch noch eine Zeit für mich selber.

00:27:28: In einem Wettbewerb kann man den letzten Platz machen.

00:27:32: Wenn man weiß, man hat alles gegeben, was man kann,

00:27:35: dann ist auch der letzte Platz absolut okay, weil die anderen einfach besser waren.

00:27:39: Aber nachher, da drin zu stehen im Wettbewerb, sich zu sagen, hätte ich da noch einen Tag mehr gelernt,

00:27:44: hätte ich es schaffen können, das ist ärgerlich, das mache ich nicht.

00:27:48: Das war dann die Motivation, mich da richtig in dieses Thema einzurbeiten

00:27:54: und danach war die Welt eigentlich immer noch dieselbe.

00:28:01: Und ich hoffe auch, dass ich mich nicht verändert habe,

00:28:07: sondern dass ich immer noch der geblieben bin, der ich war.

00:28:10: Das war mir immer wichtig.

00:28:11: Ich hätte nur gedacht, dass man sein Leben nicht so frei geistig gestalten kann,

00:28:15: wenn man es sonst vielleicht hätte, wenn man den Titel nicht hätte.

00:28:18: Also jeder hatte dann eine Erwartung, du bist geblendet, du hast ja...

00:28:21: Ja, gut, aber erstens mal, als ich damals Sommerlie-Weltmeister wurde,

00:28:27: da gab es Leute, die in Deutschland nicht wussten, was ist ein Sommerlie.

00:28:33: Es gab Menschen, die mich auf Veranstaltung gefragt haben,

00:28:36: wie viel muss man denn da trinken, dass man das wird?

00:28:39: Also 98, selbst die Spitzenpolitiker wussten nicht, was das ist.

00:28:45: Irgendwann hat mich ein Sommerlie-Kollegier gefragt,

00:28:47: ob ich schon beim Bundespräsidenten oder beim Kanzler gewesen wäre

00:28:50: und ich sage, warum denn?

00:28:52: In Frankreich gibt es einen Empfang in Paris für den Kandidaten,

00:28:56: der die Weltmeisterschaft gewinnt.

00:28:58: Der ist ja ein Vorbild für das ganze Land.

00:29:00: Ich sage, ich muss den Politikern erst mal erklären, was ein Sommerlie ist.

00:29:03: Und da werden Glauben, der hat damals schon zu mir gesagt,

00:29:06: er hat gesagt, hör zu, du hast jetzt eine Riesenchance,

00:29:09: eine Lanze für diesen Beruf zu brechen.

00:29:12: Weil damit ist jetzt Aufmerksamkeit auf diesen Beruf gelenkt

00:29:17: und das kann der Branche wirklich nützen.

00:29:20: Also der hat das sehr frühzeitig erkannt,

00:29:22: dass dadurch neue Dinge in Bewegung kommen.

00:29:24: Dann wurde ja danach die Hotelfachschule in Heidelberg eingebunden,

00:29:29: um einen Sommerlie-Kurs anzubieten.

00:29:31: Dann kam die IHK mit den Sommerlie-Programmen.

00:29:34: Das hat ja damals alles erst so langsam begonnen.

00:29:38: Und diese Vorreiterrolle hast du auch zumindest meines MSS

00:29:43: wahnsinnig gut angenommen und weitergeführt.

00:29:46: Du hast so viele Sachen neu definiert.

00:29:48: Du warst vor allen Dingen, das finde ich ganz großartig, immer nah war.

00:29:51: Du hattest niemals irgendwie auch nur anhernend

00:29:54: auf eine distanzierte Ausstrahlung

00:29:57: und man hat sich getraut, dich auch was zu fragen.

00:30:00: Kann man wieder weit? Ja, klar.

00:30:02: Das ist so einzigartig, großartig

00:30:05: und macht dich so sympathisch und so persönlich.

00:30:08: Und ich glaube, das ist auch eine Größe,

00:30:10: die man dann herausarbeiten oder die man irgendwie innehaben muss.

00:30:13: Ich wollte einfach nicht, dass mich ein Titel komplett verändert.

00:30:19: Natürlich gibt es Veränderungen.

00:30:21: Natürlich habe ich mich weiterentwickelt.

00:30:23: Natürlich habe ich viel gelernt und auch Lehrgeld bezahlt.

00:30:26: All das kommt im Leben zusammen, das ist ganz klar.

00:30:28: Aber für mich war immer wichtig,

00:30:30: dass größte Wissen der Welt nützt, nicht wenn es nicht geteilt wird.

00:30:34: Nur wenn ich wisse Teile, habe ich die Möglichkeit,

00:30:37: dieses Wissen lebendig zu halten, weiterzugeben.

00:30:42: Und dann hat dieses Wissen einen Zweck.

00:30:44: In dem Moment, wo ich irgendwo auf einer hohen Säule

00:30:49: oder in einem Protest stehe und keiner sich ran traut

00:30:52: und keine Kommunikation stattfindet, dann passiert ja nichts.

00:30:55: Und dann ist das ganze Wissen tot.

00:30:58: Dann ist das alles, was ich erarbeitet habe, eigentlich nützlos.

00:31:02: Und es muss ja einen Zweck haben.

00:31:04: Und deswegen war für mich immer wichtig,

00:31:07: zu unterstützen, Wissen weiterzugeben, eben nahbar zu sein.

00:31:11: Das ist genauso wie, wenn es mir gut geht,

00:31:14: es auch anderen gut geht.

00:31:16: Das heißt, immer wieder charity-Projekte zu machen,

00:31:19: um mit dem, was ich jetzt mitbekommen habe,

00:31:22: auf meinem Lebensweg auch anderen irgendwo helfen zu können.

00:31:25: Aber auch auf der anderen Seite finde ich zu differenzieren

00:31:29: und differenzieren zu können, wann man gut mütig ist

00:31:33: oder wann es mehr oder weniger ausgekostet wird.

00:31:36: Denn ich glaube, es gibt nicht wenige, die zu dir gesagt haben,

00:31:38: du kommst mal zu uns, guck mal über einem Weinkeller,

00:31:40: schau mal, was die einzelnen Sachen kosten,

00:31:42: kannst du nicht umsonst beraten, was ich noch kaufen soll

00:31:44: und so weiter und da nicht in diese Spirale reinzukommen,

00:31:48: dass man irgendwo als Schausstück einer Tafel hergenommen wird

00:31:52: oder eben grates Beratungsleistungs,

00:31:55: was du dir selber auch erarbeitet hast,

00:31:57: hart und teuer erarbeitet hast mit deinem Lehrgeld,

00:32:00: dass das auch umgesetzt wird.

00:32:03: Auch da gab es Erfahrungen, das ist ganz klar,

00:32:05: weil in der Zeit, wo ich am Tieren das Hummelgeweltmeister war,

00:32:09: in den zwei Jahren, habe ich extrem viele Anfragen

00:32:12: für charity-Weinproben und so weiter bekommen.

00:32:15: Ich habe das auch gemacht, bis ich irgendwann auch mal gemerkt habe.

00:32:18: Ich mache jetzt eine Weinprobe

00:32:20: und dann wird ein Check überreicht für 500 Mark.

00:32:23: Mein Aufwand dahin zu kommen, das zu machen, das zu organisieren,

00:32:29: ist eigentlich mehr wert als die 500 Mark

00:32:32: und da ist meine Zeit noch gar nicht eingerechnet.

00:32:36: Und dann habe ich gesagt,

00:32:39: okay, wenn dann diese aktive Phase vorbei ist,

00:32:43: dann werden Projekte sehr viel selektiver angegangen,

00:32:48: weil das ist genau dieses Thema des Ausgenutztwertens,

00:32:51: das eben sehr schnell passieren kann.

00:32:54: Ich bin auch jemand, der sehr begeisterungsfähig ist

00:32:57: für Ideen, die mir gefallen.

00:32:59: Und da habe ich dann auch ganz klar gesagt,

00:33:02: jetzt gibt es ein Limit,

00:33:04: ein Anzahl an Tagen, die ich dafür zur Verfügung stelle.

00:33:07: Und wenn ein bestimmter Mindestwert nicht erarbeitet wird,

00:33:12: sodass eine entsprechende Mindestspende zusammenkommt,

00:33:15: von der ich auch nichts habe, das ist ja egal.

00:33:17: Aber wenn das nicht passiert, dann mache ich es nicht.

00:33:20: Weil da haben manche Leute gesagt,

00:33:23: über eine Spende kriegen wir den günstiger,

00:33:26: als wir an dem Tag so noch bezahlen.

00:33:28: Und das ist nach wie vor die Maxime,

00:33:31: wenn irgendwo etwas angefragt wird im Bereich für Negrity,

00:33:37: dann muss am Schluss ein definierter Wert rauskommen.

00:33:42: Ansonsten spendes Geld lieber selber.

00:33:46: Wenn man davon nicht leben kann,

00:33:48: man hat keine Chance und keine Zeit,

00:33:50: sich weiter zu bieten, weiter zu entwickeln.

00:33:52: Es ist ja mehr oder weniger nicht nur ein Selbstschutz,

00:33:54: sondern auch ein Brunschenschutz, den man dort hat.

00:33:57: Und das fand ich in den Zeiten,

00:33:59: als du mit Christina,

00:34:01: als ihr eure erste Firma zusammen gegründet habt,

00:34:04: sehr, sehr gut, weil ihr damit...

00:34:06: Das war eine ganz, ganz frühen Zeit, genau.

00:34:08: Weil ihr auch ganz klar Werte gesetzt habt und gesagt habt,

00:34:11: es gibt so viele, die es billiger machen, jemand macht es immer billiger.

00:34:14: Und diese Qualität...

00:34:15: Genau, diese Sache kam auch aus der Überlegung heraus,

00:34:17: weil man einfach gemerkt hat,

00:34:19: man muss irgendwas tun,

00:34:21: um eine Sache auf den richtigen Weg zu bringen,

00:34:25: um sich selber auch schützen zu können

00:34:27: und um Synergien zu nutzen unter Kollegen.

00:34:30: Und das war damals die erste Geschichte.

00:34:32: Großartig.

00:34:33: Wenn du sagst, wissen sollt man teilen,

00:34:35: findest du ein Zommel, der erfolgreich in seinem Berufsleben steht,

00:34:39: sollte publizieren, ähnlich wie es zum Beispiel Ärzte tun,

00:34:42: um hier in verschiedenen Fachmagazinen

00:34:44: um eine gewisse Anerkennung zu haben,

00:34:46: automatisch publizieren, damit auch Punkte sammeln

00:34:48: oder eine Anerkennung sammeln.

00:34:50: Oder ist das nicht unbedingt von nötig?

00:34:52: Du hast auch viele, du schreibst viel,

00:34:54: du hast Bücher veröffentlicht,

00:34:56: ein Zommel je weiße so viel,

00:34:58: kriegst so viele Informationen von allen Seiten,

00:35:00: interessiert sich in einer ganz anderen Intensität,

00:35:02: Tiefsehnigkeit für das Thema,

00:35:04: das nur für sich zu behalten

00:35:06: oder nur an einem Abend an einem Tisch zu publizieren.

00:35:09: Das ist eigentlich schade, oder?

00:35:11: Das ist ja auch nicht so schade,

00:35:13: dass man auf den Charakter jeweiligen Personen drauf hat,

00:35:15: auf das Naturell.

00:35:17: Es gibt Menschen, die wunderbar erzählen können

00:35:19: und die kriegen keinen Satz richtig formuliert.

00:35:21: Es gibt Menschen, die können ganz toll schreiben,

00:35:24: aber wenn die öffentlich reden müssen, haben sie ein Problem.

00:35:27: Also ich glaube, jeder muss das für sich selber entscheiden,

00:35:30: wie er sein Wissen weitergeben will.

00:35:33: Und wenn das Wissen weitergegeben wird,

00:35:36: selbst im kleinen Kreis, auch das ist eine Weitergabe.

00:35:39: Wenn man das jeden Tag macht,

00:35:41: wird dann multipliziert sich das.

00:35:43: Auch damit kommt Wissen in die Welt.

00:35:45: Deswegen, für mich war die Kommunikation immer wichtig,

00:35:48: egal auf welchem Weg, ob das jetzt angastbar

00:35:51: bei Abendveranstaltungen mit den Kunden

00:35:54: oder auf Vorträgen oder letztendlich dann auch

00:35:57: in Artikeln oder in Büchern.

00:36:00: Und heute, wenn ich weine Verkoste,

00:36:03: dann publier ich auf tastingbook.com,

00:36:06: wo ich eben Inhalt kostenfrei zur Verfügung stellen kann.

00:36:12: Wo ich die Notizen von den Wahlen, die mir auffallen,

00:36:16: die ich positiv finde, da wunderbar veröffentlichen kann,

00:36:20: ohne da einen riesen Aufbau dahinter haben zu müssen.

00:36:24: Und ich kann diese Dinge kommunizieren.

00:36:27: Irgendwann kam auch das Thema,

00:36:29: du musst unbedingt was in den sozialen Medien machen.

00:36:32: Dann habe ich angefangen mit Instagram,

00:36:35: das macht auch sehr viel Spaß.

00:36:37: Ich bin jetzt nicht der Blogger-Typ,

00:36:40: der den ganzen Tag mit dem Handy Beiträge in die Welt sendet.

00:36:44: Aber auch das ist eine Möglichkeit,

00:36:46: Menschen zu erreichen und zu kommunizieren.

00:36:49: Genauso wie gedruckte Medien.

00:36:51: Und es gibt ja immer noch ein paar Projekte,

00:36:54: wo ich dann drin bin für Zeitungen oder für Zeitschriften,

00:36:59: wo ich temporär Berichte mache

00:37:02: oder regelmäßige Kolumnen habe,

00:37:05: die dann in regelmäßigen Abständen scheinen.

00:37:08: Ich finde, das macht Spaß.

00:37:10: Und das ist eine Möglichkeit,

00:37:12: auch Wissen zu vermitteln und Informationen weiterzugeben.

00:37:16: Ich finde gerade in deinem Insta-Format bist du dir selber unfassbar treu.

00:37:19: Es ist so ganz viel Markus, also man erkennt es so.

00:37:22: Es hat so eine Seriosität, so eine Ernsthaftigkeit,

00:37:25: so wahnsinnig viel Informationsgehalt

00:37:27: und so eine wunderbare Ruhe, die du eben auch hast.

00:37:30: * Schnauben *

00:37:32: Also jeder von uns sucht ja eigentlich immer nach den ganz, ganz besonderen Wein.

00:37:51: Und ich finde zum Beispiel der Breite Alte aus dem Hause Livon.

00:37:55: Aus Friuli Viennitzia Giulia ist genau so ein Wein.

00:37:58: Zuallererst reden wir beim Wein herüber die Herkunft.

00:38:01: Und hier Friau Julius Viennitzien und um explizit zu werden, das Kolio.

00:38:06: Hat sicher, der ein oder andere von euch schon mal gehört,

00:38:08: denn hier tummeln sich einen geserb berühmten Produzenten

00:38:10: und einer derer ist Livon.

00:38:12: Doch was ist das eigentlich, dies Kolio?

00:38:15: Für viele ist das wilde Herz des Friau

00:38:17: oder besser gesagt ist Kolio das Rauliovel

00:38:20: an der Grenze zwischen Italien und Slowenien

00:38:22: und definitiv kein Ort für weichgespürte Träume.

00:38:25: Denn hier wo sanfte Hüge genauso ihre Spuren tragen wie die Hände der Winzer

00:38:29: erzielt jeder einzelne Weinstock eine Geschichte von Ursprünglichkeit und Widerstand.

00:38:35: Kolio ist wild. Richtig wild.

00:38:37: Rohkompromisslos eine Region, die sich irgendwie nicht verbiet,

00:38:41: sondern ihre Natur mit unbändiger Kraft auslebt.

00:38:44: Zwischen der Adria und den Alpen ist das Kolio Terror.

00:38:48: Und wie schon gesagt, Kolios definitiv keine Dille.

00:38:50: Es ist eine Landschaft voller Kontraste.

00:38:53: Denn hier trifft die Kühle der jüdischen Alpen auf die warmgegebenheiten der Adria.

00:38:58: Und genau dieser ewige Schlagabtausch

00:39:01: zwischen kalten Nächten und sonnigen Tagen vorm Trauben.

00:39:04: Und die sind anders, die sind intensiv, die sind charakterstark, die sind voller Leben.

00:39:07: Dieses Klima macht keine halben Sachen.

00:39:09: Denn zwingt die Reben dazu sich zu behaupten.

00:39:12: Und das bei diesen Böden.

00:39:13: Die Einheimischen nennen sie Punker.

00:39:15: Uns eine Mischung aus Märgel und Sandstein,

00:39:18: die bei Regen richtig schlammig werden.

00:39:20: Und wenn die Sonne drauf ballert, richtig wie Stein zerpröseln.

00:39:23: Diese alten fossilen Böden sind das Rückgrat, letztlich der Kolio Weine.

00:39:27: Sie geben den Trauben diese fast morbide Salzigkeit, diese Mineralität,

00:39:32: diese Struktur und diese Charakterfestigkeit.

00:39:34: Wie eben der Braille der Alte von Livon.

00:39:37: Davon ein Glas ist ein Gespräch wie mit einem alten Freund, der nichts beschönigt.

00:39:41: Ein Wein, der kraftvoll der Mineralestelle bändig ist,

00:39:43: der nicht gefallen will, sondern einfach faszinieren.

00:39:46: Es ist ein Wein, der Ecken und Kanten hat, der eine Geschichte erzählt.

00:39:49: Nicht nur von den steinigen Böden, von den harten Winden,

00:39:52: von der Zehenarbeit der Winzer, einfach von sich selbst.

00:39:55: Und so wie dieses Land geprägt von seiner Wildheit und Schönheit,

00:39:59: voller stolzen Hingabe ist, präsentiert sich dieser Wein.

00:40:02: Roh, ungezähmt und definitiv echt.

00:40:06: Doch wer ist eigentlich der Macher dieses Charakterweins?

00:40:09: Die Geschichte von Livon beginnt, wie sie oft mit einer Vision.

00:40:14: Eine Vision von Dorino Livon.

00:40:16: Ein Mann, der das Potenzial der Region Friau Julesch Vinesien bereits

00:40:20: in den 1960er Jahren erkannte.

00:40:23: Mit nichts als unerschütterlichen Glauben und harte Arbeit legte Dorino

00:40:27: den Grundstein für ein Familienunternehmen,

00:40:30: das heute eines der redumiertesten Weingüter Italiens darstellt.

00:40:34: Werden viele Weingüter der Region auf altbewertete Methoden setzten,

00:40:38: wagte es die Familie Livon, Gerenzen zu überschreiten.

00:40:42: Eine besonders bewegende Anekdote erzielt von Dorinos Entscheidung,

00:40:46: den Fokus auf außergewöhnliche Küwes zu legen.

00:40:49: In einer Zeit, in der Sortenreine Weine, das Maß aller Dinge waren,

00:40:53: erkannte Dorino das Potenzial einer Assemblage,

00:40:56: die die Stärken mehrere Rebsorten vereint und gleichzeitig den Charakter

00:41:00: des einzigartigen Terroirs bewahrt.

00:41:03: Diese Entscheidung legte den Grundstein für den Breidealter,

00:41:06: der heute durchaus als eine Hormage an Friau Julesch Vinesien gilt.

00:41:10: Und die Genialität beginnt bei der Auswahl der Rebsorten.

00:41:13: Wir haben Charonnet, wir haben Zoubonne Blanc,

00:41:16: wir haben Picolite und wir haben Moscato Gialo.

00:41:19: Jeder einzelne dieser Sorten bringt eine ganz eigene Persönlichkeit in die Küwe ein

00:41:23: und doch verschmelzen sie zu einer harmonischen Einheit,

00:41:26: die den Charakter der Region auf unvergleichliche Weise widerspiegelt.

00:41:30: Die Trauben stammen, wie bereits erwähnt, von mineralischen Schwemmelandböden,

00:41:33: die dem Wein nicht nur tiefe, nicht nur Geschmack,

00:41:36: nicht nur Festigkeit, sondern auch eine unverwechselbare Mineralität

00:41:39: und eine sehr leichte Lein.

00:41:41: Temperaturkontrollierte Gärung und der Ausbau in französischen Berichts

00:41:45: verleihen dem Wein seine krimgige Textur

00:41:48: und diese subtile Note, die so ein wenig an Vanille, an Kräuter,

00:41:51: an Gewürze, an Röster rum erinnert und das ganze so wunderbar auskleideten,

00:41:54: vor allen Dingen über die Reife, ganz wunderbar fundamentiert.

00:41:57: In der Nase.

00:41:59: Ich finde das herrlich, wenn man an diesem Breidealter riecht.

00:42:02: Es wirkt irgendwie nicht plakativ, es wirkt nicht einseitig.

00:42:05: Man riecht den Fürsig, man riecht die Birnen, man riecht die Zitrusfrüchte.

00:42:08: Man hat Floreale Noten, es wirkt unglaublich facettenreich

00:42:11: und macht richtig neugierig am Gaumen.

00:42:14: Eigentlich das, was man erwartet, Vollmundigkeit.

00:42:16: Also gerade wenn man diese gelfruchtige Aromate hat,

00:42:19: dann möchte man was Geschmackvolles und genau das bekommt man gespiegelt.

00:42:23: Und man spürt die Struktur.

00:42:25: Ja, ich weiß, jeder redet von Struktur, aber hier spürt man es.

00:42:28: Man spürt die Textur am Gaumen, die Festigkeit und die Präzision.

00:42:33: Nicht nur im Arombild, sondern der Gesamtausstrahlung des Weins, großartig.

00:42:37: Man hat bei diesem Wein, finde ich, zumindest richtig das Gefühl,

00:42:40: als würde eine Geschichte erzählen.

00:42:42: Ein spätsürmaliger Abend im Freyau.

00:42:44: Das Bild hat man, wenn man den Wein probiert.

00:42:46: Und für die Familie Livon ist das keine Zähne, es ist pure Philosophie.

00:42:50: Ihr Ziel ist es, Weine zu schaffen, die Momente wie diesen unvergesslich machen.

00:42:55: Und dieser breite Alte ist nicht nur ein Wein, sondern ein Erlebnis,

00:42:59: ein Dialog zwischen Mensch und Natur, ein Ausdruck von Leidenschaft und Hingabe.

00:43:05: Ein moderner Klassiker, ich glaube, besser kann man den Wein nicht beschreiben.

00:43:08: Es ist ein Wein für die besondere Momente für Menschen, die die Kunst des Weines zu schätzen wissen.

00:43:13: Danke für dieses Kunstwerk.

00:43:14: Und noch ein großes Dankeschön dem deutschen Importeur, dem Handelshaus Konzil Jovini.

00:43:30: Was ich toll finde, was kaum, glaube ich, Präsenz in Deutschland hat, ist Tastingbook.com.

00:43:36: Ja, Tastingbook.com, das ist eine Idee.

00:43:39: Da war ich relativ früh am Bord.

00:43:41: Ich war, glaube ich, das 15. Mitglied.

00:43:43: Meine ich auch, als publiziert wurde, dass du relativ ernst her...

00:43:45: Ganz früh, aber habe dann wenig dort veröffentlicht,

00:43:49: weil ich kurz nach dem Tastingbook an den Start gegangen ist,

00:43:53: ich dann als Mitglied eingestiegen bin, dann Tasted kam dieses Projekt

00:43:58: und damit musste ich meine Verkostungssortizen über Tasted publizieren.

00:44:02: Das habe ich ja vier Jahre lang gemacht und habe mich dann aber entschieden,

00:44:06: das nicht mehr weiter zu tun, sondern eben jetzt wirklich auf Tastingbook zu gehen.

00:44:12: Und Pekanouiki, der Tastingbook erfunden hat, mit dem habe ich dann gesprochen, dann sagte ich dazu,

00:44:16: ich würde das gerne machen, ich habe in der Vergangenheit wenig getan,

00:44:19: das hat sich auch alles gut entwickelt bei dir, aber was hältst du davon?

00:44:22: Ich würde gerne da dann entsprechend auch publizieren.

00:44:26: Es ist nach wie vor so, dass man sich da kostenlos Content runterholen kann und so.

00:44:31: Und das hat bis zur Corona-Zeit, bis zur Pandemie,

00:44:38: hat das alles kostenlos angeboten, was für mich ein unheimlich schlagkräftiges Argument war,

00:44:43: weil ich gesagt habe, die Leute bekommen Informationen geliefert

00:44:46: und müssen da nicht irgendwelche monatliche Gebühren bezahlen und so weiter und so fort.

00:44:51: Und dann hat er aber angefangen, während Covid, weil da einfach das Thema Kosten dann natürlich mit reinspielte,

00:44:59: andere Dinge nicht mehr so gingen, wie sie hätten gehen sollen,

00:45:02: dann wurde so ein Beitrag eingeführt, der ist nicht sehr hoch,

00:45:05: dafür bin ich dann so eine Art VIP-Zugang, ich kann Follower werden von Leuten und so weiter,

00:45:11: bekommen alle Notizen und wenn ich eben keinen Beitrag bezahle,

00:45:15: dann kriege ich nur einen Ausschnitt der Notizen, die zur Verfügung stehen,

00:45:18: was auch fair ist, also auch das ist schon mal eine Möglichkeit zu erst informieren.

00:45:22: Und wenn man dann sieht, Mensch, das nützt mir was, dann kann man immer noch überlegen,

00:45:25: ob man keinen Beitrag bezahlt. Aber das war für mich eine Sache, wo ich gesagt habe,

00:45:28: dass ich schön, ich kann veröffentlichen und ich kann jetzt in einem Rhythmus tun,

00:45:32: der mir passt, ich kann mal drei, vier Wochen nichts tun,

00:45:35: dann kann ich drei Tage nacheinander was veröffentlichen.

00:45:38: Das kommt auch immer dann, wenn ich die Zeit habe, das entsprechend umzusetzen.

00:45:43: Und es ist ein globales Netzwerk?

00:45:45: Es ist ein globales Netzwerk, das ist ein globales Netzwerk.

00:45:47: Man kriegt Eindrücke aus Shanghai, aus Amerika, aus Italien, das finde ich so großartig.

00:45:52: Findest du, dass man international unterschiedlich verkostet,

00:45:56: also dass Menschen aus Asien anderen geschmackten,

00:45:59: andere Wahrnehmungen haben als welche aus Amerika und welche aus Süd aus?

00:46:02: Das ist ganz klar.

00:46:04: Wir werden alle geschmacklich, geruchlich anders erzogen.

00:46:10: Jemand, der in Indien aufwächst, ist schärfe ganz anders gewohnt als jemand aus Kandinabien.

00:46:17: Und in Mitteleuropa reagieren wir auch süß, ja anders als jemand in Süditalien.

00:46:22: Also wir haben unser Umfeld, was uns prägt, die kondinarischen Traditionen, die Natur,

00:46:29: die sozusagen die Lebensmittel liefert, wenn man in diesem wirklichen regionalen Kontext bleibt,

00:46:35: das, was einen am Anfang prägt.

00:46:37: Und zum Beispiel in Japan, am Anfang, als ich in Japan unterwegs war,

00:46:42: habe ich gemerkt, dass nicht immer alles leicht verständlich war für die Japaner, wenn ich in Wein geschrieben habe.

00:46:48: Also nicht, war es an meinem japanischen Lack.

00:46:53: Sprichst du japanisch? Nein.

00:46:55: Nein, okay.

00:46:56: Ich habe es mal angefangen und dann kam der 11. September, dann war ich vier Jahre nicht mehr in Japan,

00:47:01: und dann habe ich es aber auch nicht wieder angefangen.

00:47:03: Am Anfang ging es erst, da konnte man so ein bisschen touristen Japanisch durch Japan,

00:47:07: also in Tokio konnte man sich zurechtfinden,

00:47:09: aber mittlerweile, das ist alles verschwitzt, fange ich auch nicht mehr wieder an.

00:47:12: Aber die Dolmetscher am Anfang, da habe ich den irgendwann mal gesagt,

00:47:16: sag mal, wenn du das übersetzt, und dann kam ich auf den Gedanken,

00:47:20: eine Birne schmeckt in Japan anders als in Deutschland.

00:47:23: Nashi hat eben einen ganz anderen Geschmack als Nihwiljams Birne, wie wir sie hier kennen.

00:47:29: Und damit fängt es schon an.

00:47:30: Wir sprechen also über Birne, und wir haben ein komplett unterschiedliches Bild.

00:47:34: Also werden wir immer Dinge anders erklären,

00:47:37: weil wir ja Verkostung beschreiben können über den Vergleich,

00:47:43: und nur über den Vergleich können wir das beschreiben.

00:47:45: Wir sagen, das erinnert mich an dies, dies und jenes.

00:47:49: Und wenn das nicht für identisch definiert ist,

00:47:53: gewinnieren wir einen unterschiedlichen Eindruck.

00:47:55: Auch über Strukturen, über Dichte, über Mundgefühl und solche Sachen,

00:48:00: gibt es ganz unterschiedliche Traditionen in unterschiedlichen Kulturkreisen.

00:48:04: Und deswegen ist die Weinsprache zwar international,

00:48:10: wir können die Verkostungsnotizen von allen anderen lesen,

00:48:13: aber wir werden sie wahrscheinlich immer ein bisschen unterschiedlich interpretieren.

00:48:17: Und je mehr man sich dann mit den Verkostungen beschäftigt,

00:48:20: desto mehr hat man die Möglichkeit, den Verkoster zu verstehen.

00:48:25: Und je besser man den Verkoster versteht, desto besser kann man die Urteile nachvollziehen.

00:48:30: Das beste Beispiel in meiner Anfangsphase war Rudi Knoll.

00:48:39: Rudi Knoll war jemand, der Weinen hohe Bewertung gab, die knackig frisch waren.

00:48:46: Also Säure war für ihn ein echtes Thema.

00:48:48: Damit starke in seiner Zeit so ein bisschen heraus.

00:48:52: Aber das war klar, wenn Rudi Knoll eine hohe Bewertung gibt,

00:48:55: dann ist es ein eher säurebetonender Wein.

00:48:58: Robert Parker, der ging in eine ganz andere Richtung,

00:49:01: da muss es opulent und kraftvoll sein.

00:49:04: Da war die Säure eher hinderlich.

00:49:06: Also das sind dann die Antipoten, kann man sagen, wo unterschiedlich interpretiert wurde.

00:49:12: Aber wenn ich weiß, wie die arbeiten, wie sie beschreiben, wie sie an die Themen dran gehen,

00:49:17: dann kann ich auch die Verkostungsergebnisse entsprechend interpretieren

00:49:20: und kann man die Nutzen daraus ziehen.

00:49:23: Würden trotzdem beide einen guten Wein als Grundgut empfinden?

00:49:29: Oder gäbe es da auch Unterschiede?

00:49:32: Also dass man sauber einen gut gemachten Wein, ein gut produzierten Wein,

00:49:36: einen, der eine gewisse Authentizität, der eine gewisse Tiefsinnigkeit dabei hat,

00:49:40: also kann man da die Ebene finden und der Rest ist dann mehr oder weniger Spielerei

00:49:45: oder persönlicher Geschmack.

00:49:47: Also diese Ebene ist sicherlich vorhanden,

00:49:49: weil Qualität, wenn man beispielsweise die Länge eines Weines anschaut,

00:49:55: die Länge eines Weines können wir alle sehr parallel empfinden.

00:50:00: Wie lange bleibt so was am Gaumen?

00:50:02: Jetzt haben wir alle unterschiedliche Empfindungsschwellen,

00:50:04: aber immer noch mit diesen Empfindungsschwellen haben wir die Möglichkeit,

00:50:08: einen Wein von der Länge her zu beschreiben, das ist kein Problem.

00:50:11: Und dann hat man die Möglichkeit, einen Konsens zu finden.

00:50:15: Das ist ein Wein, der hat Länge, der hat eine gewisse Dichte, dann eine gewisse Struktur.

00:50:19: Wie ich nachher die Säure, die Tannine und die Aromastoffe interpretiere,

00:50:23: das fließt dann am Schluss in die Beschreibung und die Note rein.

00:50:27: Aber ein Wein, der von einem Robert Parker auf 100 Punkte gesetzt werden würde,

00:50:32: würde von einem Verkostenvirutiknull und bei dem Beispiel zu bleiben,

00:50:37: wahrscheinlich nicht auf 12 Punkte gesetzt werden,

00:50:41: 20 Punkte Systeme, weil das waren ja auch unterschiedliche Punkte Systeme damals.

00:50:45: Weil das insgesamt ein sehr guter Wein ist,

00:50:51: dann würde er auch einen sehr guten Eindruck vermitteln.

00:50:54: Und dann in den Details, da kommen wahrscheinlich die Unterschiedlichkeiten zum Tragen.

00:50:58: Ist aber in vielen anderen Branchen ja nicht anders bei Theaterkritikern,

00:51:02: bei Literaturkritikern etc.

00:51:04: Da ist es ja ähnlich, dass man sagt, es gibt natürlich gewisse Kurefelen,

00:51:08: die immer zur Rate gezogen werden, wenn es eine Rezition für ein Buch geben sollte.

00:51:12: Aber man sollte sich halt in denen auch beschäftigen, warum die das so letztlich beurteilen oder eben ihre Mange darüber geben.

00:51:19: Dann kommen wir eben nur noch das Persönliche dazu, weil ich sage immer, Objektivität ist wichtig.

00:51:24: Und wenn wir professionell arbeiten, schaffen wir vielleicht 85% Objektivität.

00:51:31: 15% sind immer noch Subjektivität.

00:51:35: Das heißt, das wird aus einem großen Wein beim anderen Verkoster keinen kleinen Wein machen.

00:51:40: Aber ob er dann in der Absicht eine Spitze landet oder nur im Oberfeld,

00:51:44: das hängt dann vielleicht mit subjektiven Eindrücken zusammen, subjektiver Interpretation.

00:51:51: Macht eine Beschreibung über die Arom ohnehinsinn, keinen Sinn, will Arom sicher auch verändern,

00:51:58: sollte man nicht nur über die Gestatur, über die Struktur des Weines,

00:52:02: gehen, wenn man ihn grundlegend beschreibt.

00:52:05: Also ganz offen gesagt, alle Paramete, die einen Wein ausmachen, geben wertvolle Informationen.

00:52:11: Fangen wir mit der Farbe an.

00:52:13: Ich habe zum Beispiel bei allen meinen Verkostungsnotizen immer das Farbspekt.

00:52:17: Was kaum jemand macht.

00:52:19: Was kaum jemand schreibt.

00:52:21: Über Farbe schreibt kaum jemand.

00:52:23: Wenn ich einen Wein habe, der violette Reflexe zeigt, dann heißt das, dass er einen Rotwein der Jugendlichkeit hat,

00:52:28: genauso wie die grünen Reflexe bei einem Weißwein.

00:52:31: Wenn ein Wein schon in ganz jungen Jahren Goldfarben ist, dann gibt mir das die Information,

00:52:37: dieser Weißwein hat eventuell einen oxidativen Ausbau erfahren, war vielleicht im Parik eingelagert,

00:52:43: also ich habe einen anderen Weinstil.

00:52:46: Das heißt schon, die Farbe kann mich in eine gewisse Richtung lenken, was ich von dem Wein erwarten kann.

00:52:52: Und wenn die Farbe nicht konkurrent ist mit dem, was hinten dran steht, im duften Geschmack, dann habe ich schon ein Problem.

00:52:58: Und deswegen ist die Farbe extrem wichtig.

00:53:01: Und die Farbe kann mir Informationen geben, wenn da wässrige Randaußen noch wirklich ganz klar wässrig ist,

00:53:06: dann ist es sehr jung, wenn er durchgefärbt ist, dann kommen wir in die Reifephase rein.

00:53:10: Diese Informationen sind extrem wichtig und deswegen werden die bei mir immer angesprochen.

00:53:15: Das zweite ist der Duft.

00:53:17: Natürlich ist der Duft eine Momentaufnahme.

00:53:20: Natürlich können sich Aromen verändern, aber habe ich einen Wein in jungen Jahren probiert und er hat nach frischen, was nehmen wir,

00:53:31: frische Pflaumen geruhen als Beispiel.

00:53:34: Und ich probiere ihn zehn Jahre später und erinnert jetzt an Dörpflaume,

00:53:38: dann würde ich sagen, das ist eine Entwicklung, die durchaus Sinn machen kann, je nach Weinstil,

00:53:43: weil ich komme von der frischen, saftigen Aromatik mit einer gewissen suggerierten Süße, mit einem gewissen Duft,

00:53:51: komme ich in einen Bereich, wo das Ganze dann getrockneter, konzentrierter, dichter ist,

00:53:57: entwickelter ist, balsamischer ist, das macht Sinn.

00:54:00: Da habe ich aber bei dem Wein mit zwei Jahren die Dörpstaromen und probiert den fünf Jahre später und dann hat er plötzlich nur noch frische Pflaumenaromen,

00:54:14: dann muss irgendwo im System was falsch gewesen sein, weil das ist eigentlich nicht die logische Entwicklung.

00:54:19: Oder ich habe Aromen, die Reife suggerieren, schon viel zu jung, da muss ich sagen, Vorsicht hat der Wein noch Potenzial.

00:54:26: Das Gleiche mit dem Geschmack, auch hier, die Inhaltsstoffe werden sich entwickeln, Süße wird weniger schmeckbar, je reifer der Wein wird.

00:54:34: Säure wird eingebunden, Tannine werden sich weiterentwickeln, Wein, der bitter ist, wird nach 100 Jahren noch bitter sein,

00:54:42: aber ein Wein, der arzt regierend ist, weil er sehr tanninreich ist, der hat die Chance über den Reifeprozess,

00:54:48: eine vielleicht sogar samtigen Charakter zu entwickeln.

00:54:51: All dies sind Möglichkeiten, die in Verbindung mit der Erfahrung, die ich beim Weinverkosten gemacht habe, mir helfen einen Wein einzuschätzen.

00:54:59: Und dann kommt die Struktur, dann kommt die Dichte, dann kommt die Länge.

00:55:04: Und dann kann ich einen Urteil abgeben, wann könnte dieser Wein ein optimales Trinkzeitfenster erreichen,

00:55:10: wann sollte der Wein vielleicht getrunken sein, wo sollte man aufpassen.

00:55:14: Und da lassen wir mal ganz außen vor, wie viel Beeinflussung die Lagerung noch bringt,

00:55:19: weil manche Weinigschlecht gelagert sind, hat nach fünf Jahren durch, während sie eigentlich 30 Jahre hätten halten können,

00:55:24: aber das ist ein ganz anderes Thema.

00:55:26: Genau die Frage hatte ich auf der Zunge, ob man auch immer eine gute und schlechte Flasche mit berücksichtigen sollte oder auch nicht,

00:55:32: weil es daher komplett unterschiedliche Entwicklungen geben kann.

00:55:35: Und wenn man die Weinigschlecht vorher schon kennt, ist manchmal gar nicht beurteilen kann, so vielleicht auch ein falsches Urteil darüber abgibt.

00:55:40: Also wenn ein Wein deutlich negativer ist, als ich ihn erwarten würde?

00:55:48: Dann würde ich ihn nicht kommunizieren, weil dann ist eventuell etwas nicht in Ordnung oder ich verstehe den Wein nicht.

00:55:55: Und dann habe ich vielleicht die Chance, diese unbekannte Herkunft nochmal zu probieren und nochmal zu probieren und dann ergibt sich ein Bild.

00:56:03: Und dann kann ich sagen, ah ja, okay, nee, das ist eigentlich schon ein ganz typischer Stil,

00:56:07: weil das ist eben Quevriweine aus Georgien zum Beispiel, wenn ich die als normaler Konsument probiere, der gerne reduktiv ausgebaute Rieslinge trinkt oder klassische Bordeaux, dann bin ich da verloren.

00:56:26: Dann muss ich mich ran tasten, da muss ich mich rein probieren.

00:56:30: Und da kommt das Thema, Quevri steht jetzt in einem Buch drin, dann wäre es auch nicht schlecht, sich mal ein, zwei Weine zu besorgen, um das dann zu probieren, ob das, was in dem Buch drin steht, so nachvollziehbar ist.

00:56:41: Da kommt wieder das Probieren und das Lesen zusammen, wo man dann wieder Informationen einsammeln und vertiefen kann und dann ein Verständnis für Weine bekommt, die etwas außerhalb der Norm sind, dessen was jede Person für sich selber definiert, kennt.

00:56:55: Wie empfiehlst du es mit den Bewertungssystemen oder Ratingsystemen?

00:57:01: Also bewertest du parallel, dass du es 120er, 3 Zipfel mitstelle oder was auch immer nebeneinander bewertest, oder hast du das Marcos de Monego Bewertungssystem für dich selber?

00:57:12: Also ich habe mittlerweile, probiere ich fast ausschließlich in 100 Punkten.

00:57:18: Es gibt noch ein Projekt, wo wir vor langer, langer Zeit mit dem 20-Punkten-System angefangen haben, wo wir weitermachen, dass wir aber nicht publiziert das intern, aber ich kann mich in unterschiedlichen Systemen zu Hause fühlen, das ist kein Problem.

00:57:34: Aber für die Publikation, die 100 Punkte und die Beschreibung.

00:57:38: Für mich ist nicht die Punktzahl alleine wichtig.

00:57:40: Die Beschreibung ist auch nicht wichtig.

00:57:42: Weil da steht nur, der hat 100 Punkte, 98 Punkte oder 75 Punkte, wo ist da der Unterschied?

00:57:48: Die Beschreibung hilft mir dann auch, die Punkte mit Leben zu füllen.

00:57:52: Empfindest dem Wein anders, wenn du ihn trinkst, als wenn du ihn verkostest, bewertest?

00:57:58: Oder hast du, ist dein Geschmack dir selber und du würdest dem Wein dann intuitiv genauso bewerten beschreiben?

00:58:06: Das ist eine Frage, die mir unheimlich viele Konsumenten stellen.

00:58:10: Kann man den Wein überhaupt beurteilen, wenn man spuckt?

00:58:14: Und wenn man schluckt, muss das doch ganz anders sein?

00:58:18: Und unser Körper ist ja so aufgebaut, dass er unterschiedliche Sinne in Bruchteilen von Sekunden als Gehirnleistung,

00:58:27: dass ihn wir alle super schnell zusammenführt.

00:58:30: Also beispielsweise habe ich etwas auf der Zunge und der haptische Eindruck sagt mir, da ist was auf der Zunge drauf.

00:58:39: Dann verbindet das Gehirn in Bruchteilen von Sekunden diesen Eindruck mit dem, was retronasal in den hinteren Bereich des Nasenraumes aufsteigt

00:58:52: und aromatisch analysiert wird.

00:58:54: Ich habe den Eindruck, dass was jetzt gerade auf meiner Zunge ist, ist tatsächlich eine Erdbeere.

00:59:00: Wenn ich die Nase zuhalte und das Gleiche mache, habe ich nur süß, sauer, salzig, bitte und vielleicht ein bisschen umarmie.

00:59:08: Das heißt, ich brauche eigentlich die Information der Nase, um sie mit der Information von der Zunge oder auch vom Mundraum,

00:59:17: von der haptik verbinden zu können, um einen Urteil zu einem Glas Wein beispielsweise zu fällen.

00:59:22: Und wenn man das den Menschen bewusst macht, indem man sie einfach mal ein Glas Wein trinken lässt mit zugehaltener Nase und sagt hier,

00:59:30: schluckt oder spuckt oder wie auch immer, aber Nase zuhalten, schluckt Wein, probieren, das schmeckt nur sauer oder bitter,

00:59:36: oder herrp oder wie auch immer.

00:59:38: Und wenn man dann die Hand wegmacht von der Nase, dann kompliziert sich das ganze Aroma zum Tragen.

00:59:43: Und dann macht es bei ganz vielen Menschen Klick.

00:59:45: Und wenn wir den Test machen, ob spucken besser als schlucken ist, dann kann man genau dieses Spiel weiterführen.

00:59:51: Man nimmt ein Glas, hält sich mit der freien Hand die Nase zu, probiert mit zugehaltener Nase vorher dreimal trocken schlucken.

00:59:59: Das gibt so ein bisschen Druck auf die Ohren.

01:00:01: Es entsteht ein ganz ungefährliches Vakuum im Kopf, aber so können die Aromen nicht mehr aufsteigen.

01:00:07: Und wenn ich jetzt schlucke auf drei Zähle und dann die Nase freimache, habe ich einen sensorischen Eindruck.

01:00:16: Und wenn ich das gleiche mache, dann Nase zuhalten mit zugehaltener Nase in Schluck, den Mund nehmen, ausspucken auf drei Zählen

01:00:27: und dann die Nase freimachen, habe ich genau den identischen Eindruck.

01:00:31: Ich habe damit diesen haptischen Moment ausgeblendet, wo er etwas die Kehle runterrennt.

01:00:37: Wo die Leute sagen, da passiert was.

01:00:39: Das gibt mir einen ganz anderen Eindruck.

01:00:41: Das heißt, ob ich spucke oder schlucke, ist unterm Strich kein Unterschied.

01:00:47: Der Eindruck ist immer dasselbe.

01:00:49: Nur, dass ich eben beim spucken auf einen Teil der Habdick verzichte, weil eben im Rachenraum nichts passiert.

01:00:56: Was ich aber mit der Frage, also extrem interessant, aber mit der Frage eigentlich mehr meinte, kannst du noch einfach Wein trinken?

01:01:04: Also kannst du dich im Wein fallen lassen, kannst du einen Freizeitmoment mit Wein empfinden und das genießen?

01:01:10: Oder ist das für dich dann trotzdem immer analytik und du kategorisiert, kathologisiert den Wein automatisch mit und sagst, okay, das ist ein supergut edel?

01:01:19: Natürlich kann ich einfach nur mich fallen lassen und genießen.

01:01:22: Das Leben wäre schrecklich, wenn das nicht ging.

01:01:25: Also ganz offen gesagt, weine analytisch anzugehen, das ist der berufliche Aspekt.

01:01:33: Der ist wichtig, um fair einen Wein beschreiben zu können, um Eindrücke zu einem Wein zu sammeln.

01:01:39: Aber wenn wir essen und ein Wein dazu trinken oder einfach auch ein Glas Wein gemeinsam genießen, weil Wein alleine trinke ich so gut wie nicht, das macht mir keinen Spaß.

01:01:50: Ich brauche mindestens eine weitere Person im Raum, um Wein trinken zu können.

01:01:54: Es ist einfach schön, wenn man dann gemeinsam genießen kann, ob man darüber sprechen kann.

01:01:59: Also alleine Wein trinken passiert ganz, ganz selten.

01:02:02: Deswegen einfach genießen, ja, das schmeckt gut, das macht Spaß.

01:02:08: Es kann mal sein, dass irgendwas im Wein durchblitzt, wo man sagt, was ist das jetzt, wo dann plötzlich das berufliche Interesse geweckt ist,

01:02:14: weil da irgendetwas vielleicht anders ist, als ich es erwartet hätte.

01:02:18: Und dann kommt so ein kleiner Moment des Nachdenkens und dann geht es aber wieder mit dem Genießen weiter.

01:02:23: Und Wein ist dazu da, Genossen zu werden, Wein ist nicht dazu da, Verkoste zu werden.

01:02:30: Verkosten ist ein Aspekt des Weines, aber ein Glas Wein zu trinken, damit Freude zu haben, das ist etwas vom Schönsten, was es gibt in der Welt.

01:02:41: Ist Wein und Speisen die Hochschule dabei oder ist das was ganz anderes oder kann man Wein singulär besser beurteilen?

01:02:49: Der Englender würde sagen, it depends.

01:02:53: Es kommt sehr stark darauf an, in was für einem Kontext ich genieße.

01:02:59: Ich kann mit einer perfekten Bindung von Speise und Wein, ein Wein in den Vortokonthäben gleitet die Speise in den Vortokonthäben

01:03:08: und kann Genüßigkeiten, die Menschen einen bleibenden sensorischen Eindruck hinterlassen.

01:03:14: Auf der anderen Seite gibt es auch die Situation, in der ein richtig guter Wein auf etwas zu essen trifft, was eigentlich gar nicht dazu passt.

01:03:23: Und trotzdem ist es ein schöner Moment gewesen, dann esse ich vielleicht zuerst und trinkt weniger und trinkt danach oder wie auch immer.

01:03:31: Wenn es natürlich das unangenehme Kombination gibt, dann macht es keinen Spaß, das ist klar.

01:03:36: Aber es ist schön, nach der Perfektion zu streben, aber diese Perfektion herrnigt auch vor der Tagesform ab.

01:03:45: Es gibt Dinge, es gibt Geschmackskomponenten, die an bestimmten Tagen für mich viel komplizierter sind als an anderen.

01:03:53: Beispielsweise, wenn ich gestresst bin, wenn ich gestresst bin, nehme ich Säure und Gerbstoff, viel intensiver war.

01:04:00: Also wenn ich gestresst bin, einen Wein auszuwählen, knackigen Riesling mit richtiger Powersäure und dazu ein Chewitsche zu servieren,

01:04:09: das auch nochmal Säure bringen, dann hebt sich zwar die beiden Säuren, die gleich stark sind, balancieren sich,

01:04:15: aber auf einem Niveau, dass mir der Wein wahrscheinlich im Hals stecken bleibt, weil es einfach keinen Spaß macht, so viel Säure zu genießen.

01:04:21: Da sagt mein Körper, nein, danke.

01:04:23: Und genau dasselbe Weinpark kann an einem entspannten Sommertag im Urlaub,

01:04:28: wo es draußen schön warm ist.

01:04:30: Und ich habe gern dieses Gericht und diesen Wein einfach zum Genießen bin total tiefenentspannter, regt mich das an und das ist wunderbar.

01:04:37: Also es ist eben nicht nur immer der Wein, die speisen, es ist immer auch mein persönliches Befinden, meine Situation, in der ich mich befinde.

01:04:46: Das ist natürlich auch eine riesen Aufgabe für den Zommi im Restaurant ist, den Gast zu analysieren.

01:04:50: Ist der jetzt gerade gestresst, kann der mit einem stressigen Wein umgehen oder braucht er einfach so ein bisschen Cosy und Streicheln und Liebsein

01:04:57: und?

01:04:59: Gut, aber ich meine, das ist etwas, was ein guter Sommelier oder eine gute Sommeliere relativ schnell mitbekommt.

01:05:06: Wir lernen, das habe ich damals gelernt, als ich als Azubi als Sommelier angefangen habe zu arbeiten,

01:05:13: direkt danach sozusagen in den Sommelier Himmel katapultiert, das war schon eine Herausforderung, Gäste zu lesen und dann jemanden zu haben,

01:05:23: ein erfahrener Mensch, der die Gäste lesen kann.

01:05:26: Da lernt man Gäste zu lesen und was ich, der Restaurantleiterin von meinem Ferienjob damals bis heute hoch anrechnet ist,

01:05:36: dieses "Sie lernen es besser, ich sag es Ihnen nicht", weil ich habe es gelernt, für mich stand immer und steht heute nach der ersten Stelle,

01:05:43: es muss den Menschen, die mit meiner Beratung leben, muss es Spaß machen.

01:05:53: Also, wer meine Beratung haben will, muss am Ende ein Mensch sein, der Freude empfindet, bei dem, was er gerade genießt.

01:06:01: Dafür brauche ich Informationen, bei stammen Gästen hat man diese Informationen.

01:06:05: Jeder Sommer hier hat seine Gäste, wo er genau weiß, also wenn er reinkommt und schon diese Sauermine aufhat, dann sicherlich kann er den großen Barodo servieren,

01:06:14: das wirft er nur Lichtjahre zurück oder wenn die Dame kommt, die total aufgekratzt ist, bitte nicht noch ein Glas Champagner oben drauf,

01:06:22: das könnte dann genau die falsche Reaktion sein.

01:06:25: Wir haben alle Gäste-Typen, die wir kennen, wo wir wissen, wie sie reagieren und was sie in dem jeweiligen Moment brauchen.

01:06:34: Wir haben aber auch ganz viele Gäste, die wir zum ersten Mal kennenlernen, die wir nicht jeden Tag haben, die neu angeschaut werden müssen

01:06:42: und da kann man auch ganz freundlich die Frage stellen, worauf haben sie heute Lust, wonach steht ihnen das Sinn?

01:06:48: Das ist eine Sache, Optionen anzubieten.

01:06:52: Das habe ich auch in früheren Jahren gelernt, nicht zu sagen, wollen Sie heute ein Riesling?

01:06:58: Da ist die Antwort Riesling, ja oder nein.

01:07:04: Aber zu sagen, hätten Sie heute lieber gerne knackig frischen Riesling oder hätten Sie gerne einen etwas geschmeitigeren Grauburgunder?

01:07:12: Da gebe ich Optionen und ich gebe Geschmacksoptionen an, dann heißt der Gast kann sich leichter entscheiden,

01:07:19: wenn Entscheidungshilfe hat und wenn ich dann sehe, wie der Gast reagiert beim Probeschlug, auch da hat die Möglichkeit zu geben,

01:07:26: Sie können auch gerne probieren, weil ganz offen gesagt, wenn Sie keine superteurigen Flaschen sind,

01:07:30: kriege ich als Sommer je jede Flasche Glasweise im Menü eingebaut.

01:07:34: Das heißt, ich kann durchaus an dem Gast sagen, probieren Sie erst, wenn Sie nicht ganz sicher sind, ob es Ihnen gefällt.

01:07:39: Wenn es Ihnen gefällt, ist gut und wenn es Ihnen nicht gefällt, dann sagen Sie mir, was Sie lieber hätten.

01:07:44: Und wenn jemand etwas probiert hat und dann sagt, oh nicht, der ist mir jetzt zu sauer, dann weiß ich doch schon, okay, ich muss in eine andere Richtung gehen.

01:07:50: Oder nein, also der ist ein bisschen last und baue ich ein bisschen Säure oder ich brauche ein bisschen Gerbstoff.

01:07:55: Das heißt, wir können mit zwei, drei geschickten Fragen und vielleicht noch einen Probeschlug beim Gast das rauskitzeln, was nach optimal passt.

01:08:06: Was er selber wahrscheinlich auch noch gar nicht weiß.

01:08:08: Das kann sein. Aber wenn man die Gäste mitnimmt und ihnen dann erklärt, was passiert, dann ist das eine super Geschichte.

01:08:16: Wir hatten das bei Franzedin Stockholm, die Sonneliere dort. Es gibt eine feste Weinbegleitung fürs Menü.

01:08:26: Und wir haben die genommen und das Tolle war, die hat uns wunderbar abgeholt mit jedem Wein.

01:08:35: Immer den Wein präsentiert, vorgestellt, was es ist, hat gesagt, was passieren wird, warum und zu dem Essen eingesetzt wird.

01:08:45: Man ist immer abgeholt worden. Es war nicht nur bei uns so, es war überall so.

01:08:51: Das heißt, dadurch, dass sie eine feste Weinbegleitung hat, die sie nach bestem Wissen und Gewissen ausgesucht hat, zu einem festen Menü, holt sie die Leute ab, in denen sie ihnen sagt, was ihre Überlegung ist.

01:09:05: Und wenn da etwas nicht schmeckt, da gibt es das Angebot, dann kann man auch eine alternative wählen.

01:09:11: Wenn man merkt, das hat mir dazu nicht gepasst, dann kommt sie mit etwas anderem. Das ist eine super Geschichte.

01:09:18: Das heißt, man wird in eine Welt mitgenommen, ihre Überlegungen mitgenommen, eine ganz andere Welt, als für den normalen Gastalltag ist, kann eine Überlegung in Teil haben.

01:09:28: Und hat trotzdem die Möglichkeit, wenn einem das nicht gefällt, vielleicht sogar vorher schon zu sagen, in den Kombinationen, das mag ich nicht so, oder der Weinstuhl gefällt mir nicht.

01:09:37: Oder aber zu sagen, hier gibt es noch eine andere Möglichkeit, da gibt es die Alternative.

01:09:41: Das ist für mich hohe Schule, das ist den Gast wirklich abzuholen, in den Mittelpunkt zu stellen, obwohl man vom Prozess her ganz fest definiert ist, was man anbietet.

01:09:52: Und da hat nicht alle Gäste vorher fragen können, wie es passt.

01:09:55: Aber zum Beispiel, wenn meine Frau und ich essen gehen, in den meisten Fällen suchen wir den Wein nicht selber aus.

01:10:03: Sobald eine Sommelier da ist, eine Sommelier da ist, ein Restaurantleiter, der sich gut mit Wein auskennt, sobald wir das Gefühl haben, hier sind wir Weinmäßig gut aufgekommen.

01:10:12: Du lässt dich drauf ein, auch schön.

01:10:14: Dann möchte ich beraten, weil ich suche doch das aus, was ich kenne, wo ich weiß, dass es klappt.

01:10:21: Wenn ich meinen Horizont erweitern will, dann muss ich mich beraten lassen.

01:10:25: Also lasse ich mich von der Sommelier oder vom Sommelier abholen.

01:10:30: Das finde ich toll, wenn mich dann jemand mitnimmt und sagt, hier, das ist der Grund, deswegen würde ich das einsetzen, das sieht dann dieses Aroma beim Essen vor,

01:10:39: das ist ganz geschmeidig im Zusammenspiel mit diesem Gericht, da wird die Säure nicht so dominant.

01:10:45: Diese Infos habe ich, ich kann mir das vorstellen, ich freue mich schon, was kommt und habe es nachher bestätigt.

01:10:50: Das ist eine Supergeschichte vor allen Dingen.

01:10:53: Ich lerne damit auch Produzenten, Herkünfte, Rebsorten kennen, die ich sonst vielleicht gar nicht gekennt gelernt hätte.

01:10:59: Und da bin ich nach wie vor neu gering.

01:11:01: Dann gibt es auch die Tage, muss man auch sagen, wo ich vielleicht nicht so die Lust drauf habe, neue Dinge zu entdecken und zu probieren,

01:11:09: sondern wo ich vielleicht dem Kollegen oder der Kollegin einfach sage, also, ich hätte gerne die gute Flasche Weißwein,

01:11:17: ich hätte gerne die gute Flasche Rotwein und die beiden Flaschen sollten eigentlich unser Menü abdecken.

01:11:22: Vielleicht noch definiert, aus welcher Region oder wenn wir in Weinregionen sind, dann prinzipiell aus den Weinregionen,

01:11:32: einfach um Dinge präsentiert zu bekommen, auch wenn es nur zwei Weine sind, die vielleicht was anderes darstellen,

01:11:39: das wir selber ausgesucht hätten.

01:11:41: Ich ob das dich manchmal noch, wenn du im Restaurant bist, du bist ja wahrscheinlich relativ häufig,

01:11:45: entweder eingeladen oder im Restaurant, würdest du gerne noch mal on the floor

01:11:50: und das findet eine gewisse Zeit für einen Tag, einen Monat, also nicht das ganze Leben,

01:11:55: ausspielen, ausprobieren, mit den Gästen kommunizieren auf dieser Ebene.

01:12:00: Ich könnte mir das wirklich noch vorstellen, dieses aktive Amtisch des Gastes.

01:12:06: Die einzige Frage, die ich hätte, ob ich heute, sagen wir mal, so ein zwölf Stunden Standartag auf den Füßen noch durchstehen würde,

01:12:17: das ist die andere Frage, weil da bin ich glaube ich wirklich ein bisschen aus dem Training draußen,

01:12:22: aber diese Situation am Tisch des Gastes noch aktiv zu werden, das macht sogar manchmal Spaß.

01:12:32: Wir hatten jetzt im Urlaub in Hollander an der Nordseeküste,

01:12:36: waren im Restaurant, hatten eine Flasche Wein bestellt, da kam ein junger Mitarbeiter und kam mit einer Flasche,

01:12:44: das war ein Chassagne Morasche, das war ein Chassagne Morasche, mit einer richtigen Wachskapsel.

01:12:53: Das war ein sehr gutes Fischrestaurant, qualitärt hervorragend, aber kein Gourmetrestaurant

01:13:00: und das war eine Flasche, ich sagte mich, das ist ja toll, ich sagte, hier haben das machen wir jetzt.

01:13:05: Da kam dieser junge Kellner an den Tisch und meinte, ja, also er müsse sagen,

01:13:11: so eine teure Flasche hätte er noch nie aufgemacht, das war jetzt nichts schön, abgedreht.

01:13:17: Es war nicht die Standardflasche für 25 Euro, war ein bisschen mehr und dann hat er noch nicht aufgemacht

01:13:23: und er kennt sich auch, er ist ja ganz unsicher, wie das jetzt aufmachen soll,

01:13:27: mit Wachskapsel, also ob wir ein bisschen Geduld mit ihnen haben,

01:13:30: dann hat er gesagt, wissen Sie was, wenn Sie Lust haben, dann zeige ich Ihnen einfach, wie es geht.

01:13:34: Und dann habe ich ihm zwar so eine Weichwachskapsel, die kommt von gut aufschneiden,

01:13:38: habe ihm das gezeigt, die Flasche aufgemacht, hat sich richtig gefreut, das war super.

01:13:43: Aber was war eine Ehrlichkeit von dem Kellner?

01:13:46: Das war nicht toll.

01:13:48: Also da in die Kommunikation mit dem Gast gehen, einfach zu sagen und dann befreit er irgendwie rum, Metzger,

01:13:53: oder sonst irgendwas, das sieht ja aus wie ein halbes Schlachtfeld, einfach zu sagen.

01:13:56: Wenn ich ihm helfen darf, gerne, das hat er super angenehm.

01:13:59: Der weiß jetzt, wie er demnächst die Flasche aufmacht, ich kann mir vorstellen,

01:14:02: dass das Restaurant in Zukunft mehr Wachskapsel verkaufen wird, weil damit kann er puken.

01:14:06: Das ist ja etwas, wenn wir etwas am Tisch tun können, was der normale Mensch nicht so kann,

01:14:12: haben wir doch schon einen Pluspunkt im Service.

01:14:15: Das Service in der Gastronomie bietet unheimlich viele Möglichkeiten,

01:14:19: dem Gast Überraschungen zu bieten, weil wir Fähigkeiten haben, die die meisten normalen Menschen nicht haben.

01:14:27: Das sind keine verrückten Sachen, das sind häufig alltägliche kleine Dinge,

01:14:31: aber wie viele Menschen verzweifeln an einem klassischen Kellnermesser.

01:14:35: Da gibt es eher Handverletzung als eine offene Flasche.

01:14:38: Wenn wir das Ding in die Hand nehmen, wenn ich operieren müsste,

01:14:45: wäre das wahrscheinlich auch nicht so präzise wie bei dem Schiur.

01:14:47: Das heißt, man hat das so häufig gemacht, dass man es außen ff kann.

01:14:51: Und das wirkt natürlich beim Gast viel beeindruckender,

01:14:56: als wenn der Gast das selber machen musste, weil diese Fähigkeit so nicht hat,

01:15:02: oder es nicht so gelernt hat.

01:15:04: Und dann gibt es Gäste, die dadurch auch wirklich so ein bisschen gechallengt werden

01:15:08: und das dann selber machen wollen.

01:15:11: Was vermisst du an Servicequalität im Allgemeinen, in der Breite im Restaurant?

01:15:17: Was könnte man leisten, was gar nicht mehr gemacht wird?

01:15:22: Also, karafiert wird er überall, degartiert das durchaus, aber eben noch so im klassischen Ablauf.

01:15:27: Und damit mache ich noch nicht mal diese Turniersituation,

01:15:29: dass man sagt, man ist bei der Weltmeisterschaft,

01:15:31: aber man könnte kaum jemanden arbeiten,

01:15:33: trichter z.B. im Portwein.

01:15:35: Könnte man wunderbar zelebrieren, könnte es ausgiebig das kommunizieren, darüber reden,

01:15:39: nicht unbedingt die Portweinzange, das ist manchmal auch ein bisschen tomatschfindig,

01:15:42: aber auch das.

01:15:44: Aber es gibt doch bestimmt so viele Sachen, wo du sagst, so was könnte man mal wieder.

01:15:48: Also, wir haben natürlich durch die modernen Weine,

01:15:54: die mit Schraubvorschlüssen verschlossen sind,

01:15:59: eine ganz andere Servicesituation.

01:16:02: Du merkst, dass in vielen Restaurants, gerade in den normaleren Häusern,

01:16:09: also jetzt so in der normalen Servicesituation,

01:16:14: eine Weinflasche korrekt zu öffnen, schon an die Grenzen stößt, wenn ein Korken drauf ist,

01:16:20: weil man es einfach gewohnt ist, die Flasche aufzuschrauben.

01:16:24: Das heißt, es fehlt Routine.

01:16:27: Und diese Routine, die würde ich mir manchmal ein bisschen mehr wünschen,

01:16:33: dass eben auch bei einer Weinflasche, die ein Korken hat,

01:16:36: plötzlich nicht eine problematische Situation auftritt.

01:16:39: Ich kann das voll auf verstehen, das wird ein Zerschraubvorschluss nutzen.

01:16:42: Mir ist es 100 Mal lieber, gestern Abend zum Beispiel waren wir eingeladen

01:16:45: von einer lieben Freundin und was hatten wir,

01:16:48: eine wunderbare Flasche eines gereiften Bordos, was hatte er Kork?

01:16:52: Portugiesisches Terroir gehört einfach nicht, den Weinflaschen.

01:16:56: Punkt. Und das ist total blöd nur.

01:16:59: Trotzdem ist Kork, es hat halt was Besonderes.

01:17:05: Es hat die Flasche öffnen, den Korken zu ziehen.

01:17:08: Das macht das ganze Thema besonders.

01:17:11: Und wenn man das häufig macht, dann hat man Routine.

01:17:14: Und wenn man es halt nur zweimal in der Woche macht,

01:17:16: weil das alles andere Schraubvorschluss ist,

01:17:18: dann ist das zwar für den Bein vielleicht viel besser,

01:17:20: weil er frischer schmeckt und das Korkproblem nicht da ist,

01:17:23: aber das Service verliert dadurch immer mehr an Routine.

01:17:27: Und so eine gewisse Routine bei den Basis-Tätigkeiten,

01:17:31: das ist schon mal wichtig, weil es soll elegant aussehen am Gast.

01:17:35: Es soll geübt aussehen, es darf nicht bemüht aussehen.

01:17:40: Das ist das erste Thema, was ich denke, was wichtig ist,

01:17:43: was ich mir wünschen würde.

01:17:45: Mit der Portweinsange am Gast zu handieren, finde ich extrem kompliziert,

01:17:50: weil es ist ein aufwendiger Prozess, der wunderbar für Wettbewerbe gealt ist,

01:17:59: Zeitroben der Prozess, aber Zeit ohne Ende kostet.

01:18:02: Und wo ich sagen muss, wir haben diese Sachen,

01:18:05: wir haben es einmal in den vergangenen Jahren in einer internationalen Wettbewerbe gemacht,

01:18:09: mit der Portweinsange zu arbeiten.

01:18:14: Es wirkt fast aus der Zeit gefallen, weil die meisten Kollegen,

01:18:19: ich stehe so einem Teilenwissen gar nicht was tun sollen,

01:18:23: weil es eben zu selben verlangt wird und vor allen Dingen auch,

01:18:27: wer bestellt denn diese uralten Portweine, die man so öffnen muss?

01:18:31: Die hat ja kaum jemand mehr auf der Restaurantkarte.

01:18:33: Auch da ist natürlich die Veränderung des Geschmacks

01:18:36: und der Weinstiele etwas, was mit rein spielt.

01:18:39: Das heißt, um die Portweinsange anzuwenden, brauche ich einen alten Port.

01:18:43: Und wenn ich ein gutes Kellnermesser habe oder den Dioron nehme,

01:18:47: dann bekomme ich einen Kurven auch sauber aus einer alten Portweinflasche aus.

01:18:52: Das geht auch.

01:18:54: Also wäre ein erster Ansatz, dass man sich einfach mal Gedanken um die Neuzeit macht

01:18:59: und einfach schaut, wie könnte ich selbst schraubverschlossene Weine elegant präsentieren,

01:19:05: das zelebrieren, die vielleicht auch mit einem Geridon servieren,

01:19:09: kurz was erklären und das nicht nur einfach schrauben und schnell und los,

01:19:13: sondern da erstmal so eine gewisse auch Service-Routine

01:19:16: und dann natürlich auch korkverschlossene Weine und da eben mehr Routine und das...

01:19:19: Da kommt es natürlich drauf an, wo bin ich und was war in dem Restaurant bin ich?

01:19:22: In der Gehobenkastronomie habe ich Geridons auch heute noch,

01:19:25: aber in vielen Restaurants, wo es lockerer ist, es gibt keine Tischdecken, es gibt Tischsets.

01:19:30: Das Ganze ist, ich sage jetzt mal, entrümpelt,

01:19:33: ohne das negativ zu meinen, einfach man konzentriert sich auf die Basis.

01:19:38: Da habe ich diese Chancen gar nicht großartig, was zu präsentieren.

01:19:43: Das ist, glaube ich, der wichtigste Punkt.

01:19:51: Wo habe ich noch die Chance, Weine wirklich zu zelebrieren?

01:19:56: Und dann kommen dazu, wie viele Menschen arbeiten heute?

01:19:59: in einem Restaurant. Wie ist da die Zeit? Ich meine, wir haben ja heute das Problem, dass

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01:22:27: mit der traditionellen Idee des Jahrgangschampagniers und schafft stattdessen etwas, das zeitlos und doch

01:22:33: so tiefst modern ist. Und die derzeitaktuelle Kollektion 245 ist das Kronjuwel dieser Serie.

01:22:39: Okay, lasst mich eins klarstellen. Die Kollektion 245 ist kein typischer Champagner, der sich auf

01:22:45: eine einzige Erdente konzentriert, sondern eine Kombination aus verschiedenen Jahrgängen,

01:22:50: die sich in diesem Champagner vereinen. Und trotzdem möchte man in der Kollektion und daher die

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01:23:04: insofern die das hergeben, einen Jahrgangsschwerpunkt. Spricht die Kollektion 245 besteht zu 55% aus

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01:23:23: Regen, was sich positiv auf die Qualität der Trauben auswirkte. Das Ergebnis waren sehr reife,

01:23:29: ausgeglichene Weine, die auch hätten singulär bestehen können. Neben einem Grundwein aus dem

01:23:35: Jahre 2020, der wie gesagt hier mit 55% vertreten ist, wurden 10% Reserveweine, die wiederum für

01:23:42: mehr Komplexität, Intensitätenstruktur im Eichenfass reifen dürfen und aus den Jahrgängen

01:23:48: 2010, 2013, 15, 17, 18 und 19 stammten hinzugegeben sowie 35% Reserve per Pettuell aus den Jahrgängen

01:23:57: 2012 bis 2019. Durch die Reserve per Pettuell, die 2012 angefangen wurde und jedes Jahr mit der

01:24:04: neuen Erde angereichert wird, wird die Konstanz der Kollektion gewährleistet. Sie lagert in

01:24:10: großen Edelstalltanks um die Früchte zu konservieren und im Laufe der Zeit wird sie 20 bis 30

01:24:16: Jahrgangsweine beinhalten. So ist sie der maximale Ausdruck der kalkreichen Böden und fügt der

01:24:23: Asamblash eine tiefe Komplexität und sehr viel Rückgrat hinzu. In der Asamblash kommt noch

01:24:29: Reserveweine hinzu, die aus jungen Parzellen für Kristallstammen in Holzfässern ausgebaut werden

01:24:35: und deshalb wesentlich die Handschrift des Hauses Röderer prägen. Die 245. Asamblash des

01:24:42: Champagnerhauses Louis Röderer besteht zu 41% aus Chardonnay, 30% aus Pinot Noir und 24%

01:24:50: Minille, wesen Anteil auch in dieser Konstellation wieder recht hoch ist. Natürlich kann man über

01:24:55: einen Champagner aus dem Hause Louis Röderer, kann man über die Kollektion 245 nicht sprechen,

01:24:59: ohne über das Théroir zu sprechen. Die Champagner ist ein geologisches Wunderland mit kalkhaltigen

01:25:05: mineralreichen Böden, die den Champagner seine charakteristische Säure und Komplexität

01:25:09: verleihen. Die Trauben für den 245 standen aus dem besten Kronkrüh und Prämierkrüh Weimberg in

01:25:15: der Region. Aber Röderer geht noch einen Schritt weiter. Durch Präzisionsweinbau haben sie jeden

01:25:21: Zentimeter ihrer Weimberge kartiert und optimiert. Sie verstehen nicht nur das Théroir, sie beherrschen es.

01:25:27: Das Ergebnis ist ein Champagner, der nicht nur das Théroir widerspiegelt, sondern verstärkt.

01:25:32: Was der legendäre Kellermeister Jean-Papier Slickallion mit dieser Kollektion erschaffen hat,

01:25:37: ist mehr als ein Schaumwein. Es ist ein Charakterwein, ein Wein, der eine ganz eigene Tiefe hat,

01:25:43: seinen idealer Speise begleitet, ein Wein, der erfrischend ist. Es ist ein Wein, der fasziniert,

01:25:48: der die Typizität einer Region perfekt widerspiegelt und der sowohl durch Attraktivität als auch

01:25:53: Authentizität mehr als zu begeistern versteht. Vielen lieben Dank dafür. Noch ein großes

01:25:58: Dankeschön dem deutschen Importeur, dem Handelshaus Schlumberger.

01:26:02: Servicelber, welche Tools braucht man? Also was ist irgendwie wichtig, elementarwichtig,

01:26:19: Théroir ist ... Die allerwichtigsten Tools sind Freundlichkeit, Herzlichkeit, ein Lächeln,

01:26:30: kommunikativ zu sein, den Gast mitzunehmen, die Kunst, die eigenen Probleme am Garderobenhagen

01:26:41: im Personalraum aufzuhängen und dem Gast das Gefühl zu geben, ich bin für den Gasternpunkt.

01:26:48: Den Gast einen schönen Augenblick zu machen. Und es kann ein Teller mal von links eingesetzt

01:26:55: werden, davon geht die Welt nicht unter. Man muss nicht wie in Wettbewerben immer in die

01:27:00: gleiche Richtung den Tisch laufen, man kann auch mal eine Abkürzung nehmen, wenn viel los ist.

01:27:04: Das ist für die meisten Gäste kein Problem. Also lange die Menschen freundlich sind und

01:27:14: ein Lächeln haben. Und ein "Ich mache mich mal schlau, das kann ich nicht beantworten" ist

01:27:21: jederzeit akzeptiert, was es bemühen zeigt, etwas in Erfahrung zu bringen.

01:27:26: Und sich um den Gast zu bemühen, dem Augenblick. Welche Möglichkeiten habe ich,

01:27:31: wenn ich dies betreffe, teilweise auch an die Grenzen stoße, wirklich klassische

01:27:39: Weinserviceregeln in Erfahrung zu bringen. Also hast du eine Quelle, wo man so was

01:27:44: Erfragen nachlesen, wo man sich informieren kann? Es gibt beispielsweise die Website der

01:27:49: Summelhe Union Deutschland. Bei Google Summels Union Deutschland eingeben,

01:27:54: kommt man automatisch hin. Es gibt die Associaçon de la Summelier International, kurz ASI.

01:28:01: Auch dieses Stichwort kann man in Google eingeben und wird direkt auf die ASI-Website

01:28:07: geführt, wo ganz viel Informationen, Videos, Anleiter und so weiter drinstehen. Und das ist

01:28:13: öffentlich zugänglich für jedermann und jeder. Zuerst gar kein Problem. Also die Informationsquellen,

01:28:20: die heute zur Verfügung stehen, die hätte ich mir gewünscht vor der Weltmaschine.

01:28:25: Ja. Weil damals war es wirklich noch zur Vorbereitung. Es gab schon E-Mails, 98, das konnte man schon verschicken.

01:28:34: Es war alles aufwendig. Es gab Fax, Gott sei Dank, da ging es schneller. Aber da Informationen

01:28:41: in Erfahrung zu bringen, es war wirklich sehr, sehr aufwendig. Heute habe ich ein Mausklick.

01:28:47: Das Einzige, was dann wichtig ist, der Faktencheck, ist, dass das auch korrekt steht.

01:28:51: Das ist wirklich auch richtig.

01:28:52: Deswegen immer zwei, drei Quellen. Ich kenne das aus leidvoller Erfahrung. Ich mache ja im

01:28:57: internationalen Summelierverband die theoretischen Prüfungen für die ganzen Wettbewerbe. Und da

01:29:06: machen wir es wirklich so, dass eine Frage nur dann gestellt und das korrekt beantwortet gilt,

01:29:12: wenn wir mindestens zwei unabhängige Quellen haben, derselbe Aussagen. Sonst werden Fragen

01:29:17: gar nicht zugelassen. Um eben zu vermeiden, dass man irgendwelche Werbe-Aussagen als Fakten

01:29:23: übernimmt oder irgendwelche falsche Informationen in Zahlen drehen hat oder sonst irgendwas,

01:29:28: deswegen werden die Sachen eben immer doppelt und dreifach geprüft und dann wirklich sicher zu sein,

01:29:32: dass es korrekt ist.

01:29:33: War die damals zu deiner Weltmeisterzeit auch schon ein Summelier-Vorbereitungsteam oder

01:29:38: ist das so eine neuzeitliche Errungenschaft, muss man ja wirklich sagen?

01:29:43: Das war damals, die Summelier-Weltmassage durch war. Da habe ich mit Bernd Glauben gesprochen,

01:29:51: er hat gesagt, wir müssen etwas tun, damit wir den anderen den Weg ein bisschen leichter machen.

01:30:00: Das war der Gedanke und Gibon Foy. Und ich war dann die Gründe des heutigen Summelier-College

01:30:07: Das war damals als Arbeitsgruppe von uns ins Leben gerufen, um junge Talente eben weiter zu fördern.

01:30:17: Und da ist ja mittlerweile ein richtiges Riesen-Konstrukt raus geworden.

01:30:23: Seitdem ich in den Elbverband die Aufgabenstelle bin ich da rausgegangen, weil sonst habe ich ein

01:30:28: Interessenskonflikt, ich kann ja nicht Dinge beibringen, wo es nachher ist, die wussten das ja,

01:30:32: weil die werden ja vom Markus trainiert, der kennt ja alle Geheimnisse, deswegen geht das nicht.

01:30:37: Aber bis dahin habe ich das sehr aktiv gemacht und das hat sehr viel Spaß gemacht und hat wirklich

01:30:43: toll gesehen, wie sich diese jungen Kolleginnen und Kollegen entwickelt haben, wie Wissen aufgebaut

01:30:52: wurde, wie die untereinander aktiv wurden, sich untereinander vernetzt haben. Da sind Generationen

01:30:58: von Summeliers entstanden. Das war richtig toll. Und heute mit den Weinkampus oder mit den Bootcamps

01:31:07: und weiß Gott, was es heute alles gibt, auch international, so gerade der Weltverband bietet

01:31:12: ja solche Sachen mittlerweile an. Das ist schon wirklich fantastisch und das bringt die Branche

01:31:17: auch ein Stück weit nach vorne. In welchem Restaurant wärst du gerne mal tätig, wenn es sich

01:31:21: nochmal zurück auf den Floor? Gibt es ein Exkluzid? Wär es im Franz-Szenen, wär es im Norma,

01:31:26: wär es bei Trocot, wär es bei Ducas, wär es im Landgashof um die Ecke, wenn du zwei Wochen

01:31:31: als Dach wahrscheinlich in einem Restaurant mit zwei oder drei Tischen, wo du Zeit hast,

01:31:37: um die Gäste zu kümmern. Komm, kommunizieren. Nein, einfach, ich mein, es gibt ja immer

01:31:44: noch Restaurants, die 15, 16 Plätze haben und da eine tolle Küche anbieten, tolle

01:31:51: Weine anbieten. Das wird mir Spaß gemacht. Großartig. Gibt es für dich eine Anforderung

01:31:58: an einen Raum, wo du dich mit Wein wohlfühlst? Also ist der Ort dabei wichtig oder was wäre

01:32:05: so ein idealer Ort, um Wein zu trinken? Die Farbe der Wände ist wichtig, die Atmosphäre

01:32:11: ist mobilar wichtig, ist der Ort also wo das ist, ob es in Norwegen oder Süditalien

01:32:17: oder... Wir hatten hier ein Essenweiler Restaurant, ein italienisches Restaurant und die hatten

01:32:24: eine Wand, die den Raum dominierte und die wurde alle 15 in ein anderes Licht getaucht.

01:32:32: Und wir haben Wein probiert, vorverkostet, der Wein war prima. Als der Wein dann zum

01:32:42: Essen ausgeschenkt wurde, hat er komplett alles geschmeckt. Was ist da in zehn Minuten

01:32:46: passiert? Das kann doch gar nichts sein. Alle gucken sich an am Tisch und ich gucke an

01:32:53: die Wand. Ich sage, jetzt wartet mal, bis es Licht rot oder gelb wird. Dann hat sich

01:32:58: sich geändert und der Wein war wieder gut. Wir werden von Farbe beeinflusst. Ganz massiv.

01:33:04: Und das ist natürlich eine Sache, wenn ich jetzt grün, rot, Farbe abwechselnd, der Raum

01:33:12: wird in solches Licht getaucht, das beeinflusst. Und für mich muss ein Raum ansprechen sein,

01:33:20: dass ich mich in dem Raum wohl fühle. Der kann pompös dekoriert sein, wie in einem

01:33:25: Chateau. Der kann ganz minimalistisch sein, wie in einem japanischen Sushi-Restaurant.

01:33:30: Der kann rustikal sein, wie in einem Landgasthof. Wenn man in Süddeutschland unterwegs ist,

01:33:37: sind die ganzen Landgasthöhe für Situ-Dempergischen Land oder so. Es muss ein Raum sein, der mir

01:33:44: das Gefühl vermittelt, willkommen zu sein und aufgehoben zu sein, dass die Kur außen

01:33:49: herum ist, bei weitem nicht so wichtig. Und wenn ich eine Farb-Ore spiele, habe ich auch

01:33:53: eine Farbe. Ich habe dieselben Bedingungen für den ganzen Abend. Dann passt das auch.

01:33:58: Und wenn ich mich wohl fühle, dann bin ich offener für Wein genuss, als wenn ich mich

01:34:01: unwohl fühle. Zum Beispiel auch Plätze, die sehr laut sind. Also Szenegastronomie, wo

01:34:09: dann laute Musik gespielt wird, wo du fast ein Problem hast, dich zu unterhalten. Das

01:34:16: finde ich anstrengend für Wein genuss. Die Versuche hatte damals Close-Copy-All. Ich

01:34:22: weiß nicht, ob du den kennst. Mit seinen Seminarräumen, da war er sehr fortschrittlich, dass man

01:34:27: Informationen ganz anders aufnehmen kann, je nachdem welches Farbumfeld du hast. Und

01:34:31: in Geisenheim liefen, ich glaube, um 2010 ganz viele Versuche, dass man Räume unterschiedlich

01:34:36: verabendlich gestaltet hat, wie man die Weilene beschrieben hat und die wurden komplett unterschiedlich

01:34:41: beschrieben, ob ich blau habe oder rot. Und Berthes Vannel da macht das mit seinen

01:34:45: Schnappseminaren, seinen Desilationskursen. Der hat auch den Raum, den unterschiedliche

01:34:50: Farben tauchen kann. Und die Leute erkennen teilweise die Desilate nicht mehr, die sie

01:34:54: vorher blind erkannt haben. Er kennen sie unter anderen Farben nicht mehr wieder. Also

01:34:58: das ist schon verursacht. Es ist toll. Man spielt diese Karte eigentlich

01:35:01: viel zu selten. Wie auch Musik finde ich zum Beispiel. Du bist ja wahnsinnig kunstige

01:35:04: Musiker-Fiend. Findest du Musik und Wein? Passt gut. Ja. Und passt der Wein zu Musiker

01:35:10: oder die Musik zum Wein? Ganz offen gesagt, beides muss zusammenharmonieren. Also wie

01:35:17: gesagt, wenn ich Hardrock höre, dann habe ich wenig Spaß an dem Wein, der im Glas

01:35:21: drin ist. Das passt irgendwie nicht so. Gibt es kein Wein zu Hardrock? Also irgendwie...

01:35:25: Ja, also ich sage es einfach mal zu in der Situation, wenn ich mich so überlege, laute

01:35:28: Musik, du wirst beschallt. Und dann sollst du Wein dazu trinken, das finde ich eher kontroffant.

01:35:36: Aber gute Musik zu hören. Es gab Mai Eliane de Lanque Saint, von Chateau Pichonne Allende.

01:35:44: Die hatte mal ein Projekt, welche ihre Weine zu welcher Musik passen, mit einem Musikprofessor.

01:35:49: Da haben die Tastingsveranstaltungen Musik und Wein. Das war unheimlich spannend. Das

01:35:53: hat sehr viel Spaß gemacht. Und es ist eben wie mit allen Dingen, wenn man Sene zusammen

01:35:58: führt. Es hat immer was Objektives, es hat immer was Objektives. Aber Champagner passt

01:36:05: halt in der Regel besser zum Mozart als zu Bach. Nachvollziehbar. Das ist einfach so

01:36:13: dieses leichte, lebendige, was man bei Mozart hat und dann das mathematisch präzise bei

01:36:23: Bach. Das sind ganz unterschiedliche Dinge, wobei ich mich jetzt hier nicht als Musikexperte

01:36:29: aufspiele. Ja, aber schon mit Musiker viel. Aber das einfach, um das in Bildern zu bringen,

01:36:33: sind unterschiedliche Städte, es gibt unterschiedliche Dinge, die da zu passen. Und dann kann man

01:36:38: das auch ganz entsprechend, kann man es entsprechend auch mit einspielen. Gibt es ein Instrument,

01:36:43: was Wein perfekt reflektiert? Also, müsste eigentlich die Glasorgel sein.

01:36:52: Oh wow. Nein, oder wenn du siehst. Ach so wie ein Glas und ein Big White.

01:36:58: Also, diese Gläser, wo man dann über die Glasrenner die Musik macht und die Glasorgeln, die eben

01:37:03: dann über Glas gespielt werden. Weil da gibt es einen ganz spezieller Ton, der irgendwie

01:37:09: ganz anders ist als die ganz normalen Musikinstrument. Deswegen sage ich, das könnte passen. Ich

01:37:13: habe es schon nicht ausprobiert, muss ich sagen. Das ist ja spannend.

01:37:15: Aber ganz offen gesagt, ich glaube auch das liegt wieder im Auge des Betrefters. Weil

01:37:23: ein Piano-Fan, der kann an Geige vielleicht verzweifeln und für einen der Streichorchester-Markt,

01:37:32: da ist das Klavier wahrscheinlich zu speziell. Also, das sind wieder Dinge, die auch die

01:37:40: persönliche Geschmack, die persönliche Präferenz mit rein spielt.

01:37:42: Könntest du einem Winzer sagen, wie er seinen Wein zu machen hat? Mit deiner Erfahrung,

01:37:47: mit deiner Geschmackserfahrung, oder kannst du ihm dienen, nicht sein, kannst du ihm helfen?

01:37:50: Du berätst wahrscheinlich auch Winzer oder hast du schon?

01:37:52: Ich arbeite in solchen Projekten immerhin in den Kulissen, ohne meinen Namen auf die

01:37:57: Kette.

01:37:58: Kannst du selber auch Wein machen? Also, hast du so viel wissen, dass du in der Lage

01:38:02: wärst, Wein zu machen? Also, ist das rein spekulativ oder rein?

01:38:05: Also, ganz offen gesagt, von der Theorie her würde es klappen. Von der Praxis her, weiß

01:38:14: ich es nicht, ich sage immer, ich bin unheimlich dankbar, dass es Winzer gibt.

01:38:19: Weil, wenn man sich überlegt, wenn ich Winzer wäre, ich würde mir ein Jahr geben, denn

01:38:27: im Frühjahr spätfröst die Hälfte der Ernte ist vernichtet. Trockenheit im Sommer, die

01:38:37: Ernteschrub zusammen. Das, was noch übrig ist, wird teilweise von einem Hadeschlag

01:38:42: angegriffen und während der Ernte regnet es auch noch. Das sind vier Herzinfarktmöglichkeiten

01:38:47: nach am Munder.

01:38:48: Ein paar Vögel noch und jetzt im Wildfragen.

01:38:50: Das soll man gar nicht sprechen. Wenn du das siehst, ich habe nicht diese Gelassenheit

01:38:57: in diesem Rhythmus mit der Natur leben zu können. Deswegen bin ich froh, dass es Menschen gibt,

01:39:02: die als Winzer arbeiten, die Wein machen, die diese Gelassenheit haben, diese Erfahrung

01:39:08: haben, die sich engagieren, im Weinberg, um nachher Dinge zu schaffen, die mir meine

01:39:15: Arbeit ermöglichen. Ob das ist, wenn ich eine QW mache, weil ich dann verschiedene Grundkomponenten

01:39:21: bekomme oder ob das ist, indem ich einen Wein, einem Gast empfehle oder irgendwo präsentiere

01:39:28: in einem Gästekreis, die Winzer geben mir die Möglichkeit, meinen Beruf auszuübeln.

01:39:34: Und das macht sehr viel Spaß. Den Wein selber zu machen, theoretisch ja, das Wissen ist

01:39:45: vorhanden, praktisch aus den genannten Gründen. Ich werde nur einen Zeichen dahinter setzen.

01:39:51: Die Geduld zu haben, die Erfahrung zu haben, das ist schon richtig, richtig viel Lebensweisheit

01:40:01: und Erfahrung, die man sammeln muss, um das wirklich gut machen zu können.

01:40:05: Würdest du einen Weingut platziert bekommen, wo wäre das? Also wo wäre dein Traumweingut,

01:40:12: wenn du denn eines aussuchen könntest? Also ich sehe da gar nichts, die Frage soll nicht

01:40:19: in diese Richtung gehen, was ist dein Lieblingswein oder was ist dein Lieblingswein-Region, sondern

01:40:22: wo könntest du dir vorstellen, selber Weine zu erzeugen, zu interpretieren, zu gestalten,

01:40:28: die Umgebung zu bereichern, mit der Umgebung zu leben.

01:40:31: Also das Schöne ist, dass ich in meiner jetzigen Position in ganz viel unterschiedlichen Weinregionen

01:40:37: der Welt unterwegs bin. Und in diesen Weinregionen meinen Aufgaben nachgehen, diese Weinregionen

01:40:46: kennenlernen und auch lieben lernen. Ein persönliches Gefühl führt jeweilige Regionen

01:40:57: entwickeln, aber das ist etwas, was in dieser Varianz unheimlich viel Spaß macht. Weil

01:41:06: einfach dadurch ein Riesenspektrum an Eindrücken entsteht. Deswegen wäre es für mich schwierig

01:41:12: zu sagen, wo wäre jetzt mein Weingut, wenn ich eins hätte. Ganz offen gesagt, ich habe

01:41:18: immer gesagt, auch wenn große Weindpräsentationen oder große Veranstaltungen waren, habe ich

01:41:22: immer gesagt, die Winzer brauchen keine Angst zu haben, dass ich morgen Winzer werde. Weil

01:41:29: da braucht man ein Talent dafür, da braucht man Erfahrung dafür, da braucht man Wissen

01:41:36: dafür. Wissen habe ich mir in dem Bereich Self-Lying angeeignet. Ich kann meine Beurteilen,

01:41:43: ich kann meine Überprüfe, ob sie fehlenhaft sind oder nicht. Ich kann auch den Tipp geben,

01:41:48: was man machen kann, wenn irgendwas im Keller schiefgelaufen ist, wenn man sagt, Mensch,

01:41:52: der Kühe, bevor die abgefüllt wird, müsste man vielleicht diese oder jenes noch tun,

01:41:55: damit sie dann entsprechend passt. Das sind alles Möglichkeiten, wo ich mein Wissen mit

01:41:59: einbringen kann. Aber im Weinberg zu stehen, die Weine, die Reben zu schneiden, die Reben

01:42:07: zu pflegen, die richtigen Maßnahmen festlegen zu können, für das, was notwendig ist, um

01:42:12: im Einklang mit der Natur das ganze Produkt nach vorne zu bringen, da habe ich ein riesen

01:42:18: Respekt vor der Aufgabe.

01:42:19: Brauchen zum ihr eine Kernkompetenz? Also ich hatte immer das Gefühl, dass du halt wahnsinnig

01:42:24: tief in diese Thematik Bordeaux bist und das für dich schon so eine gewisse Kernausstrahlung,

01:42:29: Kernekompetenz ist. Vielleicht liege ich da falsch, aber so im Allgemeinen sollte man sich

01:42:34: im Laufe seiner Laufbahn auf irgendwas konzentrieren, spezialisieren, um da ein Ansprechpartner

01:42:39: für zu sein oder verkopft man da oder fährt eine Einbahnstraße.

01:42:43: Mir hat so ganz offen gesagt, Bordeaux ist sicherlich ein Thema, was mich sehr stark geprägt hat,

01:42:49: weil das war eine Weinregion, die mich im wahrsten Sinne des Wortes mit offenen Armen empfangen

01:42:57: hat zu einem Zeitpunkt, als ich Azubi war.

01:43:01: Das prägt immer, ne? Die ersten sind die ersten Schritte.

01:43:05: Das prägt total. Und wenn ich irgendein Weingut beraten muss oder mit einem Weingut sprechen

01:43:11: muss, wie die an junge Leute rankommen oder was man da machen kann, habe ich immer gesagt,

01:43:15: lebt den jungen Leuten, gerade den jungen Sommernis, die Chance, euch kennenzulernen, euch erleben

01:43:22: zu können, das vergessen die ihr Leben lang nicht.

01:43:25: Und die ersten Weingüter, die ich angeschrieben habe, weil ich habe ja in Franken gelernt,

01:43:29: und dann hatten wir in Bad Kisehne, der Touratellfachschule, hatten wir so einen kleinen Kreis, der sich für

01:43:34: Wein interessiert hat, und dann haben wir damals gesagt, wir schreiben jetzt mal die berühmten

01:43:40: Weingüter in Würzburg an. Hofkeller, Julio Spital und Bürgerspital.

01:43:51: 1986. Geantwortet hat uns der Dr. Fries von Bürgerspital, der bei unserer Anfrage nach

01:44:02: einem Wein, Konterkarier, der gesagt, mit einem Wein geht das nicht, das müssen schon

01:44:07: zwei, drei sein, ich schieke euch was zu probieren. Super. Als unsere Hoteldirektor

01:44:14: dann erfahren haben, dass nur der Dr. Fries geantwortet hat, haben die mit den anderen

01:44:22: Weingütern gesprochen, haben gesagt, Leute, es hat alle bei uns auf der Weingade drauf

01:44:25: waren, können die nicht, eine Flasche Weiner interessiert den Nachwuchsleute schicken.

01:44:29: Das war damals, Mitte der 80er Jahre, eine ganz andere Zeit. Das kannte man so nicht.

01:44:36: Dann habe ich für deutschen Riesling meine, unser Hoteldirektor, ja da gibt es auch noch

01:44:44: Schloss Vollratzen, haben auch da gerade, schreibt doch mal Schloss Vollratzen, Kraftmatuschka

01:44:47: greifen, Klau, antwortet ihr auch, mit einem Wein kann ich nicht mein Wein gut erklären.

01:44:53: Ich schicke ihnen eine Kiste mit zwölf Flaschen, sechs verschiedene Weine, zwei Flaschen.

01:44:58: Wow, für uns Azubis, das sind Dinge, die prägen, die bleiben. Dann habe ich auch in 86 ganz

01:45:08: mutig an die Spitzenweingüter in Bordeaux geschrieben und habe gefragt, ob sie uns

01:45:15: eine Musterflasche schicken können. Dann vorgestellt, der Azubi Kreis, was wir machen, was wir tun

01:45:20: usw. und das Tolle war, wir haben ein Wort bekommen, Chateau Latour, damals noch der alte

01:45:29: berühmte Regisseur, schon Holgaarder, der hat damals seinem Importeur gesagt, er ist

01:45:38: auch Latour und Leforte Latour und noch ein bisschen was anderes schicken, dass die was

01:45:42: zu probieren haben, das war nicht toll. Dann hatten wir Chateau Margot, Corrimonso Loupolos,

01:45:49: die uns die Anworte anbieten, es ging alles per Brief, das war das Brief wegschicken,

01:45:53: dann warten bis die Briefe zurückkommen, das waren immer Zeitfenster, zwei, drei Wochen

01:45:57: mindestens. Dann kam die Antwort von Corrimonso Loupolos, sie wird uns einladen auf Chateau

01:46:03: Margot, mit einer Flasche Chateau Margot, kann man das nicht darstellen. Also haben wir

01:46:07: gesagt, im Herbst fahren wir, die kleine Kreisamtschüsse, die wir nur noch drei Übrigis

01:46:11: gemacht haben, wir fuhren dann nach Chateau Margot, das war der erste Besuch in Bordeaux.

01:46:16: Dann hatten wir bei den anderen Weigüden, die haben dann Material geschickt, Informationen

01:46:20: geschickt, Bücher geschickt, Broschüren geschickt, haben eigentlich gesagt, wir verschicken keine

01:46:23: Weine, wenn wir nicht selber dabei sind, aber es gab Kontakte überall drin. Wir sind dann

01:46:28: damals nach Chateau Margot gefahren und als Abgunvor Bizar, die uns geführt hat, dann

01:46:35: fragte, um wo geht es jetzt hin, dann sag ich, jetzt fahren wir zurück nach Bad Brückenaum

01:46:39: und sie ja, wie lang seid ihr denn schon dagegen? Ja, wir sind um drei angekommen, wir hatten

01:46:43: um drei. Ihr habt nur Chateau Margot, wir hatten keine anderen Einladung. Dann hat sie noch

01:46:51: auf Palmeer angerufen und hat gesagt, hier lass sie noch ein bisschen was probieren, macht

01:46:55: eine schnelle Führung, das haben die auch gemacht. Das ist ja Wahnsinn. Und dann sind

01:46:58: wir zurückgefahren und hatten in 72 Stunden, da war der Reisealbert, werde ich Frankreich

01:47:04: gemacht und hatten dann diesen Besuch auf Chateau Margot und als ich 88 das zweite Mal

01:47:10: in Bordeaux war, da hatte Segmitz damals einen Wettbewerb ausgeschrieben und aus den drei

01:47:17: Jahrgängen wurden die drei erst platziert und dann eingeladen, sondern Reise nach Bordeaux.

01:47:20: Und als wir auf Chateau Margot ankamen, hat Unvo Bizar das erste Mal nach Palmeer gefragt,

01:47:27: das war total bezig, weil sie hat einen Namen auf der Liste gesehen und hat sich gesagt,

01:47:31: wo ist Markus? Ich war ein bisschen hinten und hier ist er. Hallo, das war toll. Ich habe

01:47:37: nach diesem Besuch, nach diesem beiden Reisen nach Bordeaux, hatte ich plötzlich überall

01:47:41: offene Türen. Die Leute haben Tipps gegeben, wo kannst du noch heimgehen haben? Weil ich

01:47:46: habe in einem Alter, das total untypisch war, sich für dieses Thema zu interessieren, mich

01:47:51: für dieses Thema interessiert. Das ist vielleicht so ein bisschen dieser Mozart-Effekt. Wenn du

01:47:55: etwas sehr jung tust, was andere erst deutlich älter anfangen würden, dann bringt das Worteile,

01:48:01: weil die Leute dann auch unterstützen und ansprechen wollen. Und deswegen dieser Zugang nach Bordeaux,

01:48:06: deswegen sagen alle immer, du bist ja der Bordeaux-Spezialist. Ich bin in ganz vielen

01:48:11: Welten unterwegs, aber Bordeaux ist sozusagen der älteste Bereich, immer außerhalb von

01:48:16: Deutschland, der älteste Bereich, wo ich mich weinttechnisch wirklich aufgehalten habe und

01:48:21: wo alle Türen aufgegangen sind. Es gab Dinge, die ich mir gewünscht habe, dass, also '88,

01:48:28: da mit dem Bus an dem Messergelände vorbeigefahren sind, da meinte der Herr Puchert damals und

01:48:35: hier in dieser Messe, das Gebäude ist fast 1000 Meter lang, ist eine riesige Anlage in Bordeaux,

01:48:43: da findet jährlich, ne, da findet alle zwei Jahre die weltgrößte Weinmesse statt, die Vinaxpo.

01:48:51: Und ich saß da im Bus und habe gedacht, wenn ich das einmal erleben könnte, hierherzukommen.

01:48:59: Und als ich '88 im Paracotel angefangen habe, hatten wir im Winter eine Präsentation der

01:49:09: Winzer von Pomeroll, da haben wir die große Probe veranstaltet. Und da war auch die Familie

01:49:16: Januex dabei, Chateau Lacroix in Pomeroll, die auch Chateau Uzzab in Centimillon hatten und

01:49:22: ich habe damals die Weine von denen kommentiert für die Gäste. Also man hatte gebeten, die Winzer

01:49:30: sprechen, dass sie den Wein haben, aber es soll jemand, was zu den Weilen sagen. Man hatte

01:49:33: Gibumfarkus gesagt, das kann der Markus Delmonegus sehr gut machen. Er war natürlich hypernervös,

01:49:39: da nach ein paar Monaten im Paracotel jetzt plötzlich vor den ganzen Gästen Weine zu

01:49:47: kommentieren, die Karmonie von Wein und Speise darzustellen und alles. Und dann kam Jean-François

01:49:51: Januex, der Vater, kam dann und meinte dann, ob ich zur Winix bekommen will. Und sag ich ja,

01:50:02: ich komme doch da gar nicht hin. Doch, doch, das ist kein Problem. Du kommst zu uns, du wohnst

01:50:09: bei uns, wir haben genug Platz. Du fährst jeden Morgen mit uns auf die Messe und jeden Abend haben

01:50:15: wir einen Abendessen mit Vindioblés Signature. Das ist so eine Vereinigung von verschiedenen

01:50:21: Winzern aus verschiedenen Regionen in Frankreich. Und damit war ich im Juni 1989 eine Woche in Bordeaux

01:50:28: auf der Vinexpo. Erwahnsinn. Ein Jahr, nicht mal ein Jahr nachdem ich gedacht habe, da kommst du

01:50:34: wahrscheinlich nie hin im Leben und war plötzlich da. Und diese Möglichkeit, dann diese Winzer

01:50:39: kennenzulernen, tagsüber auf den Veranstaltungen auf der Messe zu sein. Ich konnte mich ja frei

01:50:44: bewegen. Ich war jeden Tag auf der Messe, konnte probieren. Damals war das auch ... Chateau

01:50:50: Gilette, das hatte ich aus der Probe damals im Parkhotel noch in Erinnerung. Die hatten damals

01:50:56: in der Soutern Proben 37er, weil die Probe ich im Parkhotel hatte. Da hatten die in Stand und

01:51:01: dann bin ich da hingegangen. Ich habe ihm das erzählt, das von der Probe damals und sagt, ja,

01:51:05: das ist kein Problem, dann probieren wir jetzt. Dann haben wir bis in die 30er Jahre rundherum

01:51:09: einfach auf der Messe. Das waren Erlebnisse. Das ist unvergesslich. Und das war dann die

01:51:19: Möglichkeit in die internationale Weinwelt einzusteigen. Da waren ja nicht nur Franzosen,

01:51:23: da waren Italiener, da waren Spanier, da waren die unterschiedlichsten Länder der Welt. Alles

01:51:28: waren vertreten. Vinexpo war dieser internationale Hotspot. Da waren die Probeien noch nicht an

01:51:35: dem Punkt, wo sie heute ist. Da war sie noch in den Anfängen. Und das war echt spannend. Und von

01:51:40: daran bin ich alle zwei Jahre nach Bordhozowinexpo. Das war dann immer die eine Woche im Juni, die

01:51:47: eben festblockiert war für diese Messe. Und darüber habe ich die Weinwelt kennengelernt.

01:51:54: Und dann eben Ziele aussuchen können, wo ich in meiner Freizeitengemäch Urlaub hatte. Urlaub war

01:51:59: für mich meistens Urlaub in Weinregion. Ich glaube aber, es war nicht nur der Umstand, dass du

01:52:06: jung warst, dich dafür interessiert hast, sondern dass du eine gewisse Höflichkeit entgegen gebracht

01:52:12: hast. Also dass du Hand wahrscheinlich geschrieben hast in der Zeit. Ja, ein Brief geschickt hast.

01:52:18: Das aus ausgewisch formuliert hast. Das ist eine Sache, die dich oft auch vermisse in der heutigen

01:52:23: Kommunikation. Damals konnte ich meine Schriften überlesen. Das war der Vorteil. Heute würde ich mir

01:52:29: keine Hand geschriebenen Brief mehr zu. Also ich schreibe ab und zu. Ganz wichtige Sachen schreibe

01:52:35: ich noch mit der Hand. Aber sehr kurz, weil meine Schrift ist einfach ganz, ganz schriftig.

01:52:40: Ich meine, die Gegensatz, die Aufmerksamkeit oder eben auch die Wertschätzung, die man dabei

01:52:43: haben sollte. Aber das ist wichtig, wenn du irgendwo empfangen wirst, dass du anschließend auch

01:52:47: Dankeschreibst. Und das war für mich ein Standart. Was kaum noch jemand, also bei Proben auch. Nach

01:52:51: Proben schreibt kaum jemand, danke, wenn man eine Probeflasche gesendet bekommt, die man angefordert

01:52:56: hat. Also nicht irgendwie einfach, dann einfach sich zu bedanken. Das ist kaum noch üblich. Aber

01:53:01: das gehört für mich zum normalen Weg. Probeflaschen bekommen. Dann bin ich ja sowieso meistens in

01:53:08: die E-Mail-Kommunikation. Bedanke mich dann, dass sie das machen und alles. Und dann komme ich

01:53:12: anschließend was auf Tastingbook oder auf Instagram zu. Wenn es auf Tastingbook kommt, schicke ich

01:53:16: dem Winzer auch immer das Ergebnis zu. Dann muss er nicht bei Tastingbook rum suchen. Und dann hat

01:53:19: das. Das ist Standard. Genauso, wenn du irgendwo eingeladen bist, so eine Verkostung, dass du

01:53:25: rechtzeitig zu guter absagst. Und was ganz wichtig ist, kein Veranstaltungshopping. Weil es gibt

01:53:33: mittlerweile in der Welt die Tendenz. Man sagt ganz viele Sachen zu und geht nachher dahin, wo die

01:53:38: beste Einladung war und sagt den anderen kurzfristig ab. Das kommt aber irgendwann immer raus. Weil

01:53:45: irgendwann kommt irgendwann jemanden, der damals der verantwortliche dafür war und dann weiß,

01:53:52: dass du abgesagt hast, obwohl du jetzt bei seinem neuen Boss an der Probe dabei warst. Das merken

01:53:56: sich die Leute. Also ich denke, ein konsequentes höfliches Handeln ist extrem wichtig. Und wenn

01:54:02: man irgendwo eingeladen hat, wenn man was mitgemacht hat, heute ist das wunderbar per E-Mail ein

01:54:06: Dank zu schreiben. Wenn ich auf einer Weinreise bin, auf dem Rückflug, schreibe ich meistens meine

01:54:12: Dankes-E-Mails. Das sind die Eindrücke frisch. Das ist das wunderbar. Und das ist wichtig, dass man den

01:54:19: Menschen diese Wertschätzung im Gegenbring zeigt. Danke für die Zeit und etwas anderes, was ich

01:54:24: immer bei Weingutzbesuchen umgesetzt habe. Wenn ich im Ausland unterwegs bin, ich habe immer

01:54:29: Riesling aus Deutschland dabei. Die Bouteille-Lamitié, die Flasche der Freundschaft, so eine Tradition,

01:54:34: wenn sich Winzer in Burg und untereinander besuchen, was aber auch einige Sommerles machen. Das ist

01:54:39: bei mir Prinzip. Es gibt keine Weinreise, wo der Winzer oder der, der uns führt oder und empfängt

01:54:44: die Person nicht am Schluss eine Flasche Wein bekommt, gerne für das Team oder wie auch immer,

01:54:49: aber einfach als kleines Zeichen der Wertschätzung, das muss keine millionenteure Flasche sein,

01:54:55: sondern einfach ein Zeichen. Hier ist was Interessantes aus Deutschland. Riesling mögen

01:55:00: sie sowieso alle gerne. Und als wir mit den Jungsommerles damals, als wir mit dem Sommerley

01:55:05: College die Reise gehabt hatten nach Bordeaux, oder die, das war sogar mit dem Sommerley-Verband,

01:55:10: wo für die Jungsommerles die Reise nach Bordeaux gemacht haben, haben wir auch allen gesagt,

01:55:13: bitte, jeder bringt eine Flasche mit und jeder musste dann bei einem Wein gut seine Flasche als

01:55:19: Dankeschön im Namen der Gruppe übergeben, ein Super-Training in der Öffentlichkeit zu sprechen,

01:55:24: an anderen Sprachen zu sprechen, einen Wein zu beschreiben und den Wein auch persönlich zu

01:55:28: überreichen. Das kam super an, bei Türen. Es ist auch so ein wenig Vergessung geraten, das find ich

01:55:35: so schade, wenn man Wein gut zu Besucher hat, einfach was mitbringt. Auch als kleines Dankeschön

01:55:39: für die Zeit, die der Winzer in dem Augenblick zur Verfügung stellt und eben auch nicht zu

01:55:45: vergessen, letztlich hinterlässt man überall, wo man als Sommerley ist, ein Fußabdruck. Ganz klar.

01:55:49: Der immer tiefer wird mit den Jahren, der meistens auch nie wegfischt wird, auch wenn man

01:55:54: innerhalb der Branche wechselt in den Handel oder sonst irgendjemand geht. Also du hast vorhin einen

01:55:58: Namen von deinem ersten Wettbewerb benannt, die heute immer noch nach 30, 40 Jahren eigentlich

01:56:05: gegenwärtig sind und irgendwo läuft man sich immer mal wieder über die... Ja, das ist einfach, ich glaube,

01:56:10: das Gute ist heute, man kann erstens Adressen leicht herausbekommen. Das ist ein Vorteil. Man kann

01:56:18: mit E-Mails Menschen sehr schnell erreichen und wenn man vorstellt, was man vorhat, was man

01:56:24: machen will und fragt, ob es die Möglichkeit eines Besuches gibt, wenn das zeitlich passt,

01:56:30: glaube ich, ist jeder Winzer bereit, das zu tun, ob das in Deutschland ist, ob das in Europa ist

01:56:38: und ob das in der ganzen Welt ist. Weil Winzer leben davon, dass man ihre Produkte erlebt und

01:56:44: weiterträgt und wenn man die vor Ort erlebt ist. Das sind ganz anderes Erleben, als wenn man sie nicht

01:56:50: verurteilt. Wie sollte man dem Winzer gegenüber treten? Also egal ob als junger oder als Erfahrendes-Sommi,

01:56:56: sollte man die Weine in dem Augenblick kritisch beurteilen, um dem Winzer vielleicht mit seiner

01:57:02: Erfahrung zu bereichern. Soll man wohlwollend sein und einfach nur die Informationen aufnehmen. Es gibt

01:57:07: Winzer, die die beklagen, wenn Sommi ist, eben hinkommen und sagen nach dem Motto, sie können es besser

01:57:12: und sie hätten den Wein erfunden. Auf der anderen Seite sind manche Winzer dankbar, wenn man aufgrund

01:57:19: seiner Erfahrung vielleicht die eine oder andere andere Anregung mit auf dem Weg gibt. Was wäre

01:57:24: dein Ermessen dabei? Die Höflichkeit vorausgesetzt, natürlich auch Respekt vorausgesetzt. Also

01:57:30: Weine zu kritisieren ist eine ganz schwierige Kiste. Weil du kritisierst das Baby von jemand

01:57:37: anderen und die eigenen Kinder sind immer die besten, die hübschesten, die intelligentesten und so weiter.

01:57:42: Das heißt, wenn ich ein Weingut bin und zum Beispiel für Tastingbook dann Weinotizen mache und

01:57:55: Notiere, dann mache ich das so ehrlich und offen und realistisch wie möglich. Das ist für mich

01:58:02: der Anspruch. Das weiß auch jeder Winzer. Und die Winzer wissen auch, dass sie nicht immer 100

01:58:07: Punkte bekommen können, alle. Das ist auch normal. Wenn ich im Gespräch mit dem Winzer bin, dann ist

01:58:12: für mich wichtig zu erfahren, was macht er mit seinen Weinen? Was war das Besondere am Jager?

01:58:17: Was ist das Wichtige? Und dann die Weine zu verkosten. Man kann Weine in den Himmel luden,

01:58:26: wenn sie kannte, oh, es sind, das ist wunderbar. Man sollte Weine prinzipiell nicht verdammen,

01:58:33: wenn ich wirklich ein Problem mit einem Wein hatte, weil da irgendwas drin war,

01:58:38: ich sage, das passt gar nicht. Und ich sage, ist das Satz, kannst du mir weiterhelfen? Ich verstehe

01:58:46: hier was nicht. Das ist ein toller Ansatz. Und diesem Satz spielst du den Ball rüber zum Winzer,

01:58:52: ja, die Möglichkeit hat, was zu erklären. Und dann kommt plötzlich das Satz, ja, das kann sein,

01:58:58: dass das durch den Mehltau ein bisschen in die falsche Richtung gemünscht ist. Oder ja,

01:59:04: dieses eine Fass, das hat mir immer Schwierigkeiten gemacht, komisch, dass diese Ton, diese Ton,

01:59:08: jetzt wieder durchkommt. Die Winzer sind ja alle Realisten genug, die wissen, wo ihre Stärken

01:59:12: und Schwächen liegen. Aber mehr anzumassen in den Spiegel vorzuhalten, es kann ja wirklich sein,

01:59:20: dass ich an diesem Tag einfach nur schlecht drauf bin und schlecht probiere. Und deswegen die Frage,

01:59:25: kannst du mir helfen? Ich komme damit etwas nicht klar. Das ist ein Ansatz für ein Gespräch. Aber

01:59:33: ich muss sagen, also hier wäre etwas weniger Holz deutlich besser gewesen, weil das Holz überdeckt

01:59:39: ja die ganze Frucht. Und das kommt ja gar nicht durch und so weiter. Da weiß ich ja noch gar nicht,

01:59:43: was hat der Winzer mit seinem Wein vor? Das kann ja sein, dass dieser Wein noch ein Jahr im Holzfass

01:59:49: liegt, was dann eben gebrauchtes Holz ist, wo es sich dann ganz anders entwickelt. Was ist in

01:59:53: seine Idee dahinter gewesen? In der Etappe, wo ich den Wein probiere? Wir probieren an den Weingüdern

01:59:58: jetzt sehr häufig. Die Wein ist sehr, sehr jung. Das heißt, mir dann anzumassen, mein Urteil über

02:00:04: alles zu legen, da bin ich extrem vorsichtig. Weil das muss nicht immer passen. Es gibt Ideen dahinter,

02:00:14: die schwierig sind. Es ist wie beispielsweise, wenn wir die Orange Weinbewegung ansehen,

02:00:19: wo ich zugegebenermaßen extrem gefremdelt habe am Anfang. Und da immer noch eine sehr,

02:00:30: sehr dezidierte Meinung dazu habe, weil ich denke, es gibt einige Winzer, die das wirklich

02:00:34: grandios leben, perfekt verstehen. Es gibt ja auch viele andere, die das mitmachen, aber das

02:00:40: nicht gut mitmachen, wie früher bei den Barikweinen, wo einige das wirklich perfekt umgesetzt haben in

02:00:47: Deutschland. Und dann Barikweine auf hohem Niveau in Deutschland gemacht haben und andere sind auf

02:00:52: den Zug aufgesprungen und haben Holz und Wein verbunden. Das war es. Das ist immer so in

02:00:57: solchen Bewegungen, die entstehen. Aber selbst da bin ich sehr, sehr vorsichtig mit meiner Kritik im

02:01:05: Gespräch mit dem Winzer, weil der hat sich ja Gedanken gemacht. Der hat ja eine Idee dahinter.

02:01:08: Die Winzer, die Winzer, sollen wir erstmal erklären, was ist der Gedanke, was ist die Idee dahinter?

02:01:14: Wo es für mich kritisch wird, ist, wenn ein Wein wirklich einen Fehler zeigt. Wenn ein

02:01:19: Wein fehlerhaft ist, dann frage ich Naren sagt, kann es sein, dass ich hier so ein bisschen vielfüchtige

02:01:25: Säure habe oder dass hier Brett ganz deutlich durchkommt? Das kann ja Stilmittel sein, das kann

02:01:30: ja ganz viel sein, aber man kann auch danach fragen, ob man auf dem richtigen Weg ist,

02:01:35: dass ein Dorf ein vielleicht nicht ganz so gefällt, wie er gefallen sollte.

02:01:37: Extrem spannende Ansatz, also finde ich sehr, sehr gut.

02:01:44: Die Trennspiriteose, zumindest im qualitativen Bereich, ist in allen Farbenfassettenformen rum.

02:02:03: Und die dramatische Geburt des Rums war ein Zufall, der die Welt veränderte. Die Geschichte

02:02:09: des Rums beginnt nicht mit einem Plan, sondern mit einem Zufall. Im 17. Jahrhundert war die

02:02:14: Karibik der Schauplatz eines florierenden Zuckerhandels. Zucker war damals das weiße Gold

02:02:21: jener Zeit, doch die Produktion hinterließ riesige Mengen an Abfallstoffen, vor allem Melasse.

02:02:27: Eine zee dunkelbraune Masse, die bei der Zuckerherstellung in der Regel übrig blieb, total nutzlos.

02:02:33: Man konnte sie entweder entsorgen oder als Tierfutter verwenden.

02:02:35: Doch auf den karibischen Inseln, da wo das Klima und die Kreativität grenzenlos war,

02:02:41: entdeckte jemand, dass die Melasse zu gern begann, wenn sie mit Wasser in Verbindung

02:02:45: kommt. Juhu, Alkohol!

02:02:47: Und dieses zufällige Gerprodukt war der Vorläufer des heutigen Rums.

02:02:51: Die Sklave auf dem Plantagen, die eigentlichen Erfinder, nutzten die Gerungen, um ein rudimentäres

02:02:57: Getränk herzustellen, das sie Kill Devil nannten. Es war roh, stark und definitiv alles andere

02:03:03: als raffiniert. Aber es bot in einer weltvoller Entbehrung,

02:03:07: ein Moment des Trostes in der Euphorie. Und es dauerte nicht lange, bis die Findigen

02:03:11: Plantagenbesitzer und Händler das Potential dieser Entdeckung erkannten. Mit der Einführung

02:03:17: von Distellationsgeräten aus Europa wurde der Gerprozess verfeinert und das, was eins

02:03:22: ein Abfallprodukt war, verwandelt sich in einen wertvollen Exportartikel. Rum wurde zu einer

02:03:28: globalen Währung. Er finanzierte die Sklaverei, wurde vom Piraten verschlungen und spielte

02:03:33: eine Schlüsselrolle im Dreieckshamnild zwischen Europa, Afrika und der neuen Welt.

02:03:38: Doch es gibt auch eine menschliche Seite dieser Geschichte.

02:03:41: Auf dem Plantagen Martinix soll eine Sklave namens Anna Corona im Jahre 1694 die erste

02:03:49: Mischung aus Melassa und des Silierten rum verfeinert haben.

02:03:52: Ihre Methode macht den rum trinkbar und legt den Grundstein für den hochwertigen Rum,

02:03:57: wie wir ihn heute kennen. So wurde Rum aus Abfall geboren und entwickelt sich zu einer

02:04:02: der faszinierendsten und symbolträchtigsten Spireliteosen dieser Welt, geformt von Zufall,

02:04:08: Leid und menschlicher Kreativität. Um konkret habe ich einen Rum im Sinn, den ich sehr faszinierend

02:04:14: finde und zwar den Rum Blanc aus dem Hause Nézon. Nézon verwendet nur natürliche

02:04:19: Gehefen um eine kontrollierte langsame Gehrung zu ermöglichen. Dieser Schritt bewahrt die

02:04:24: Aromkomplexitäten, verleiht dem Rum seine charakteristische Tiefe. Der anschließende

02:04:29: Dyslationsprozess erfolgt in einer Callum-Stil, einer klassischen Methode, die Präzision

02:04:34: und Reinheit garantiert. Das Ergebnis ist ein Rum, der sowohl durch Klarheit als auch

02:04:40: durch Intensität überzeugt. Am Gaumen entfaltet der Nézon le Rum Blanc ein reichhaltiges

02:04:46: Aromenspektrum. Frisches Zuckerrohr. Subtilienoten von Limettenschalen. Ein Hauch von weißen

02:04:53: Pfeffer. Grad dieses Pfeffere gibt eine so wunderbare Würze und unterstützt diese mineralische

02:04:58: Salzigkeit im Abgang. Die Textur? Seidig. Richtig samtig weich, dennoch kraftvoll.

02:05:05: Ein Balanceack zwischen Arvinnes und Authentizität. Jeder. Wirklich jeder schluck ist eine Umarsch

02:05:11: an den Agrik Calles Stil, der für seine Ruhe unverfälschten Natur bekannt ist. Doch

02:05:15: was unterscheidet Nézon le Rum Blanc? Von anderen Agrikolle Rums. Es ist die unerschütterliche

02:05:23: Hingabe zur Handwerksgrund. Während viele Produzenten versuchen, die Effizienz zu maximieren,

02:05:28: bleibt Nézon seiner Philosophie treu. Zeit. Geduld. Und Perfektion steht hier über Geschwindigkeit

02:05:34: und Masse. Der biologisch zertifizierte Anbau des Zuckerrohrs unterstreicht dieses Engagement

02:05:39: für Qualität und Nachhaltigkeit. Im Vergleich zu anderen Rums zeichnet sich Nézon durch seine

02:05:44: klare unverwechselbare Identität aus. Er ist nicht nur ein Produkt, er ist ein Distilat

02:05:49: der Essenz Martiniks. Der Geschmack transportiert die Sinne auf die Insel. Zu den salzigen

02:05:55: Priesen, den grünen Zuckerrohrfeldern und den Sonnenverwöhnten Hügeln. Es ist eine

02:06:00: flüssige Erinnerung an die Natur, die Geschichte und die Menschen, die diesen Ort ausmachen.

02:06:05: Martinik ist die Seele des Rum-Agricolles. Es ist eine Insel voller Kontraste und Naturschönheit.

02:06:12: Die Landschaft des Geprägts von Vulkanen hängt, tropischen Wäldern und endlosen Zuckerrohrfeldern,

02:06:17: die seit Jahrhunderten das Fundament der lokalen Wirtschaft bilden. Die mineralischen Vulkanenböden

02:06:22: sind reich an Nährstoff und geben dem Zuckerrohr eine unverwechselbare Identität. Das Klima

02:06:28: Martiniks heißt und feucht, aber durch Zogen von kühlenden Passatwindenschaft optimale

02:06:33: Bedingungen für den Anbau. Die Balance zwischen Sonne und Regen führt zu einer langsam gleichmäßigen

02:06:38: Reifung des Zuckerrohrs, wodurch die natürliche Süße und Aromenkomplexität bewahrt werden.

02:06:43: Die Appellation "Angine-Cortrulle AOC" für Rum-Agricolles ist ein weiterer Gerand für Qualität. Als eine

02:06:51: der ersten Distillerien, die diese Zertifizierung erhielten, setzten Nissan-Machstäbe für Excellenz.

02:06:56: Die AOC-Richtlinien stellen sicher, dass jeder Schritt vom Anbau bis zur Abfüllung dem höchsten

02:07:02: Standard entspricht. Für Nissan bedeutet das nicht nur eine Verpflichtung zur Qualität,

02:07:06: sondern auch ein Stolz, der sich in jedem Tropfen widerspiegelt. Vielen lieben Dank für diese

02:07:12: besondere Spirituose, für diese Inspiration für dieses Getränk. An das Haus Nissan und an den

02:07:18: deutschen Importeur das Handelshaus Schlumberger. Auch die die verschiedenen Bewegungen,

02:07:34: Barik hat ich witzigerweise auch im Sinn, 90er Jahre war es ja im Augenblick ist es Reduktion,

02:07:41: wo man nicht weiß, wer damit spielt, wo es aus Versehen, wo es gewollt war, zwischendurch

02:07:45: eben verschiedene Gerverfahren etc. Schwefelungen und drauf und runter und dann einfach die Kommunikation

02:07:51: suchen, wenn man damit nicht nur sendet, sondern wieder in die Kommunikation geht und das ist

02:07:56: dann oftmals viel zu selten und den Winzer auch einlädt zu erzählen. Und wenn die Winzer eine

02:08:02: nach der Meinung fragen, ist das ja okay, aber das ist für mich immer noch keine Einladung,

02:08:08: um dem Winzer zu sagen, was er zu tun hat. Sondern ich gebe meinen Eindruck wieder und schaue,

02:08:14: dass ich mit ihm über meinen Eindruck kommunizieren kann, aber so, dass keine Tür zugeschlagen wird.

02:08:19: Das finde ich extrem wichtig. Interessieren dich noch neue Regionen oder hast du mit den Alten

02:08:24: so viel zu tun, dass du da ohnehin ausgelasselt bist? Also findest du Thailand spannend, findest du

02:08:30: Indien interessant? Ist Afrika außer Südafrika irgendwie noch ein Thema oder Südamerika,

02:08:36: also sprich bei Mexiko etc.? Also ich sag mal so, neue Regionen sind per se immer spannend.

02:08:44: Die Frage ist immer, wie kommt man an die Weine ran? Also Indien zum Beispiel ist extrem schwierig.

02:08:54: Ich habe zwei, drei Mal Weinprobe mit indischen Weinen organisiert, wo es extrem schwierig war,

02:08:59: die Weine überhaupt zu bekommen. Dann hat man Weinstiede, die manchmal sehr fremd sind. Es gibt

02:09:06: aber nicht die Chance da einzusteigen, in Tiefe, warum sind die Weine so, wie sie sind. Thailand

02:09:13: ganz ähnlich, auch das ist eine Weltregion, da sind mittlerweile viele französische Winzer

02:09:18: und einige französische Winzer unterwegs, einige haben es auch wieder aufgegeben. China

02:09:23: sowieso kommt immer stärker. Das ist spannend, das macht Spaß. Es ist aber nicht mein Fokus.

02:09:33: Das heißt, ich nehme das gerne auf, ich nehme das gerne mittig, er waltere gerne in meinen

02:09:39: Horizont, aber ich würde jetzt nicht einen wichtigen Termin absagen, also einen wichtigen,

02:09:47: verschiebtbaren Termin absagen, um auf einer Probe zu sein mit den thailändischen Weinen. Das wäre

02:09:55: vielleicht für eine Probe von großen Klassikern eher der Fall, dass man sagt, Mensch, das ist

02:10:00: eine Chance in der Lifetime. Da kommt jetzt ein Wein, gut präsentiert sich auf ganz hohem Niveau,

02:10:05: gibt es eine Chance, der Termin ist ja nicht steigengemeistig, dass wir um einen halben Tag oder

02:10:10: um einen Tag verschieben oder gibt es Möglichkeiten, das kann man Menschen erklären und dann kann man

02:10:15: sowas schon mal machen, dass wäre, das ist dann vielleicht die unterschiedliche Prioritätensetzung.

02:10:18: Aber die Weinwelt ist nichts Statisches. Die Weinwelt ist etwas, was immer im Fluss ist,

02:10:25: sich immer weiterentwickelt und da ist es spannend, diese Entwicklungen zu beobachten,

02:10:30: aber auch ganz klar, man kann nicht alle Entwicklungen auf der ganzen Welt permanent nachhalten. Das

02:10:36: geht nicht, das ist ganz einfach zu viel, was da eine Information kommt und die Arbeit im

02:10:47: sommerlichen Weltverband für die Wettbewerbe, die bringt mich immer wieder in Kontakt mit all

02:10:52: diesen unterschiedlichen neuen Welten und das ist das Tolle dabei, also ich bin der Gezwungen,

02:10:57: mich damit zu beschäftigen und dann macht es auch Spaß, weil ich habe ein Ziel, ich habe ein Zweck,

02:11:02: warum ich mich da jetzt rein knie und mich damit beschäftige und dann ist das gut und

02:11:06: das bringt mir wieder ein Wissensvorsprung. Ich habe von Weinin gelesen, die ich noch nie

02:11:10: probiert habe, vielleicht werde ich die mal probieren, bei anderen sage ich, Mensch,

02:11:14: da würde ich schon mal in London schauen, gibt es die da irgendwo oder das hört sich ganz

02:11:18: spannend an, das mache ich mit, aber wie gesagt, das Interesse ist da, wenn der Tag 48 Stunden

02:11:27: hätte, wäre es manchmal praktisch. Wie ist die deutsche Szene, die deutsche Sonnenszene

02:11:31: im globalen Vergleich aufgestellt, wenn ich jetzt Leute aus Asien sehe, die ein ganz anderes

02:11:38: Lernpensum haben zum Beispiel oder Leute aus anderen Regionen, die ein ganz anderes, ein ganz

02:11:44: anderen Fokus, ein ganz anderes Verkostungsegment bespielen und ich glaube, wir haben in Deutschland

02:11:52: schon eine gute Sommelgeszene, gerade auch der Nachwuchsthen wir haben, das sind Leute, die

02:11:57: international fokussiert sind, die die Weinwelt kennen, die großes Interesse haben und Passion

02:12:08: haben, ich sage mal ohne Interesse, nur die Passion für den Wein kommt man auch als Sommelge

02:12:12: nicht weit. Es kommen irgendwann plötzlich Grenzen, also man muss schon bereit sein,

02:12:16: über das normale Pensum hinaus Dinge erfahren zu wollen, lernen zu wollen,

02:12:22: probieren zu wollen, das ist schon sehr, sehr wichtig und da sehe ich Deutschland vom Prinzip

02:12:30: ja gut aufgestellt. Da ist ein gutes Potenzial, was mir ein bisschen fehlt, das ist aber nicht

02:12:38: der Fehler der Sommellerie, sondern das ist eher Fehler der Weinproduktion, das sind, dass das

02:12:46: Wissen um die großen Klassiker immer mehr verschwindet, weil viele der großen Klassiker

02:12:52: kaum mehr mit einem Sommelgehalt erwerbbar sind. Ich mir überlege, als ich im Park Hotel Bremen

02:12:59: angefangen habe, 88 da gab es in dem Winter, man war das 88, können auch 89 gewesen sein,

02:13:09: es war bei 89, gab es die Arrivage von Mutton Rothschild bei K-Stadt, da konnte man damals

02:13:17: für um die 100 Mark eine Flasche Mutton kaufen, 86er. Auch wenn das damals viel Geld war,

02:13:24: was nicht das Geld, was es heute kostet. Das war verdammt viel Geld, aber da habe ich

02:13:29: immer das ganze Trinkgeld gesparten, wenn ich Geld irgendwie übrig hatte, das ging immer

02:13:33: ins Weinkäschen rein, um dann Weine kaufen zu können, ich konnte mir damals vier Flaschen

02:13:37: kaufen. Das war ein richtiges Investment, das war schon heftig. Aber das war gemessen,

02:13:45: ich soll ich das sagen, das war gemessen an dem, was ich verdient habe, deutlich weniger,

02:13:59: als wenn ich heute die gleiche Flasche, also nicht den 86er, sondern jetzt auch einen Weiten

02:14:03: in den Weichen, den wir auch in den Weichen kaufen würden, eben wenn ich jetzt einen 2022er

02:14:07: auf den Markt kaufe und mich den heute kaufen würde, wäre das im Verhältnis zu dem, was

02:14:12: der Sommer die Heute verdient, ein Vielfaches. Sag mal, was verdient ein Sommer die Heute?

02:14:18: Er fängt wahrscheinlich auch mit etwas über Medislohn an und...

02:14:22: Als du was Sommer den Restaurant 2.500, 3.000 Euro vielleicht?

02:14:24: Wahrscheinlich ja.

02:14:25: Oder? Da habe ich gar keine aktuellen Zahlen, aber da ist das im Prinzip in fünftel des

02:14:32: Jahres und die 100 Mark damals waren vom Protokollhalt her gesehen, ich weiß nicht,

02:14:41: ein 20er oder so.

02:14:43: Ein Zehntel, 20er, ja. Von Protokollhalt ja.

02:14:46: Von Protokollhalt gesehen. Als junger Sommer die 2.500, vielleicht 3.000 Euro verdient,

02:14:52: dann ist das eben wirklich ein Fünftel oder vielleicht ein Sechsel davon. Und damals

02:14:59: war es ein 20er, also das ist nur mal am Gehalt festgemacht. Das machst du sowieso nur mit Geld,

02:15:04: was du übrig hast, was du ausgibst.

02:15:05: Wenn man es dann die Breite noch spielt, das ist ja nicht nur das, wenn man Mutton nimmt,

02:15:09: sondern diese Weine dieser Klasse in der Breite, diese alle zu probieren, das sind ja...

02:15:14: Das ist das nächste Thema. Das geht ja nur um das reingesige, einzelne Beispiel.

02:15:17: Genau.

02:15:18: Wie viel muss ich heute aufwenden, um an solche Weine ran zu kommen? Was heute vielleicht offener

02:15:22: ist als früher, das muss man auch sagen, die Möglichkeit von hochklassigen Weinverkostungen,

02:15:28: auch der klassischen Weingüter. Da wird in Somegis heute viel mehr geboten.

02:15:32: Aber auch schwierig wirklich an die großen Namen ran zu kommen, sei es an der Rone,

02:15:37: Burgund, Bordeaux.

02:15:38: Als normaler junger Sommer, wann kann man da Krüb probieren, die man kennen sollte, oder

02:15:47: keine Ahnung, Kristall oder Domperin, oder sonst, die ist mit 4 Jahrgängen, um da eine

02:15:51: gewisse Kompetenz aufzupfern, sehr nahezu unmöglich.

02:15:54: Das ist schwierig und das sich zu leisten.

02:15:56: Das stimmt, das ist ein Riesenproblem.

02:15:57: Sicherlich haben wir anspruchsvoller geworden.

02:15:59: Auf der anderen Seite davon.

02:16:00: Wer hat die Basisweine, um sich die gute Basis zu kosten, sozusagen, das ist heute

02:16:08: viel einfacher machbar.

02:16:09: Die vielen Verkostungen, die es gibt, die es gibt, aber auch die Preise der normalen

02:16:16: Weine sind im Verhältnis zum Gehalt ganz anders.

02:16:19: Ja.

02:16:20: Die haben sich ganz anders entwickelt.

02:16:21: Da kriege ich heute mehr Value vor Money, als vor, das ist über 30 Jahre her.

02:16:28: Das macht schon Angst.

02:16:31: Das ist aber eben auch eine Wissens- oder Informationsmöglichkeit, die es heutzutage

02:16:38: gibt, dass man sich informieren kann, dass man lesen kann, gut man hat nicht selber getrunken,

02:16:42: aber allein die Informationen über die Produktionsmöglichkeiten und so weiter.

02:16:46: Die Verkostungssortizen sind sehr viel fähiger.

02:16:49: Ich habe eben heute über Internet auch die Möglichkeit, an Verkostungsdaten ranzukommen

02:16:54: und auch an Termine ranzukommen, die gar nicht großartig ausgeschrieben werden.

02:16:58: Ich habe aber mit dem richtigen Suchbegriff plötzlich auf die Website von einer Vereinigung

02:17:02: kommt, in Hamburg, was macht nicht Leben in München.

02:17:05: Wenn ich jetzt das rechtzeitig weiß und ich bin ein junger Sommerly und habe die zwei

02:17:10: Tage frei und kann da hinfahren, dann kann ich auch mit einem Zug, mit einem Supersparpreis

02:17:15: für 29 Euro, das geht immer noch von München nach Hamburg fahren für 29 Euro zurück.

02:17:20: Das ist kein großes Investment und ich kann Kundenerfahrung sammeln.

02:17:24: Ich muss halt Zeit investieren, das muss ich aber früher auch.

02:17:28: Ich habe früher um Weide zu probieren, alles gemacht, bin rund um die Welt gefahren,

02:17:34: sage ich mal.

02:17:35: 22 Stunden nach Porto.

02:17:36: Manchmal auch geflogen, aber es war einfach die Möglichkeit, Auto von meiner Schwester

02:17:40: ausgeliehen und nach Frankreich gefahren und dort probiert, nach Italien gefahren,

02:17:44: dann habe ich das mal probiert.

02:17:45: Das war alles, ja, eine andere Zeit.

02:17:49: Hat sich auch viel Spaß gemacht.

02:17:50: Und war sehr prägend.

02:17:52: Es sollten die großen Klassiker das Fundament sein.

02:17:56: Also sollte man sich zu Beginn seiner Karriere hinsetzen und einfach schauen, was ist das

02:18:01: renommierteste, beste, anerkannteste.

02:18:03: Weil das vermisse ich zum Beispiel teilweise bei jungen Sommerlys gelegentlich, aufgrund

02:18:09: dessen, wenn man sich schnell in verschiedenen Trends verzetteln kann, darin verlieren kann,

02:18:14: wenn man mit dem, was man hat, manchmal auch zu schnell zufrieden ist oder was gerade

02:18:20: irgendwie auf Insta rauf und runter geschossen wird.

02:18:23: Aber so die Weingüter, die die Weinwelt in den letzten 50 Jahren geprägt haben, die

02:18:28: kennt die wenigsten.

02:18:29: Also wenn man da ...

02:18:30: Um ein Verständnis für Wein zu entwickeln, brauche ich eine gesunde Basis.

02:18:34: Und das fängt an mit dem normalen klassischen Handwerkstück.

02:18:39: Im Prinzip wird weiß Wein, rot Wein, Roseel und so weiter gemacht, wie wird Champagne

02:18:44: gemacht, wie wird Zäckchen gemacht, diese Themen das von der Pieke auf mitzubekommen.

02:18:49: Und da breit aufgestellt in den Regionen unterwegs zu sein.

02:18:53: Das ist wichtig.

02:18:54: Weil diese Basis erlaubt mir nachher in der Prätation, was ist denn so besonders an Spontanverkehrung?

02:19:02: Was ist denn so besonders an Orange Wein?

02:19:07: Warum sind die Weine anders?

02:19:08: Was passiert da?

02:19:09: Um Verständnis für diese Weine zu entwickeln.

02:19:12: Aber bei Orange geht es ja darum, einen Wein erst mal rotweintechnisch zu verarbeiten.

02:19:20: Das heißt, die schalen Kontakte mit der Maische zu haben, damit die Meinstruktur zu verleihen.

02:19:25: Und einer in der Ausbaurichtung zu wählen, die nicht reduktiv ist.

02:19:29: Weil ich brauche ja, genau weil ich jetzt die ganzen ...

02:19:31: Ich sag es mal einfach, Gerbstoffe aus der Schale drin hab, brauche ich ja eine Möglichkeit,

02:19:37: das zu integrieren.

02:19:38: Ich brauche Sauerstoffzufuhr, ob über Ton, ob über Holz, egal wie, im Staltank wird es

02:19:45: schwieriger.

02:19:46: Dieses Verständnis zu entwickeln, warum brauche ich die Dinge, dass ein Ergebnis rauskommt,

02:19:51: um dann interpretieren zu können am Ende, warum ist das jetzt ein guter Wein?

02:19:55: Oder warum ist dieser Wein schwach?

02:19:58: Oder ist untypisch für die Kategorie?

02:20:00: Oder vielleicht sogar fehlerhaft?

02:20:02: Das muss ich verstehen lernen.

02:20:05: Und dafür brauche ich die normale Basis.

02:20:08: Wenn ich nur in die ...

02:20:11: Wie kennt man das Erklären als Bild?

02:20:14: Wenn ich ein Haus baue, fahre ich nicht damit an den Stuck an zu fertigen.

02:20:20: Ich baue erst mal ein Fundament, dann die Mauer, am Schluss kommt der Stuck als Verzierung.

02:20:27: Und mal im Bild das Architektur zu nehmen.

02:20:31: Wenn ich nur Stuck habe, dann habe ich nachher Berge von Stuck, aber wo soll ich ihn anbringen?

02:20:36: Aber wenn ich anfange, Architekt zu werden, muss ich die großen Architekten kennen?

02:20:41: Natürlich.

02:20:42: Also das fände ich auch, wenn eine Grundaussetzung einfach die ganz großen Heilgüter zu kennen

02:20:47: und zu wissen ...

02:20:48: Architekturstudium heißt ... also ich habe nie ein Architekturstudium gemacht, aber ich

02:20:52: stelle mir vor, dass ein Architekt die Baustile und die Bautechniken, die es gibt, historisch,

02:20:58: genauso kennt wie die moderne Möglichkeit.

02:21:01: Kein Architekt wird nur stahlbetonbauweise oder moderne Wolkenkratzer mit stahlsgelittenen Glasfasagen lernen.

02:21:10: Sondern der muss erst mal lernen, wie berechne ich einen Bau, wie stabil muss ein Gebäude sein, damit es trägt.

02:21:16: Wie kann ich Kräfteabfliege fließen lassen, um ein Gebäude stabil zu machen?

02:21:21: Ich meine, wenn man sich überlegt, als die romanischen Kirchen gebaut wurden, hat man das Erbe der Röhrung,

02:21:27: übernommen, interpretiert.

02:21:30: Da hat sich die Gotik draus entwickelt, die man nur deswegen bauen konnte, weil man verstanden hat, wie kann man die Kräfte,

02:21:35: die das Gebäude eigentlich zum Einstürzen bringen, in der Seite ableiten durch die ganzen Seitenpfeiler,

02:21:42: die überall dann Kräfte aufgenommen haben, damit es zum Gebäude überhaupt steht, bis heute ist je Notre-Dame.

02:21:48: Und dann kam irgendwann die Renaissance, die auf klare Linien wertgelegt hat.

02:21:56: Dann kam das Baroque, wo es um Dekoration ging, da war es nicht mehr das Gebäude selber, sondern da war es eher die

02:22:02: Inarchitektur, die eine Rolle spielt. Dann kam das Rockoku, was dann wieder und so weiter und so fort.

02:22:09: Das heißt, jede Epoche hat Stil-Elemente gebracht, aber alles basiert auf einem ordentlichen Fundament.

02:22:16: Und da dann auf die einzelnen Epochen auch immer exemplarische Beispiele haben, wie du gerade sagtest, Notre-Dame.

02:22:23: Woran man es verort anschaulichen kann und eben darstellen kann. Das, finde ich, wird heutzutage oft vermisst.

02:22:30: Und es gibt eben diese Weinklassiker und das muss jetzt nicht Laromanic Conti, oder Dormit

02:22:35: der Laromanic Conti sein. Das kann einfach ein sehr guter klassischer, klassisch vinifizierter Bogunder sein.

02:22:41: Das muss nicht der superteure Luxuswein sein, sondern es muss einfach ein Wein sein, der in einem klassischen Stil gemacht wurde,

02:22:50: der immer auch ein bisschen die Interpretation des dann herrschenden Zeitgeist, des dann herrschenden Wissens und der dann herrschenden Erfahrung mit einbinden wird.

02:23:02: Wir machen die Weinehode nicht mehr wie vor 200 Jahren. Da hat sich viel entwickelt, Gott sei Dank.

02:23:08: Meines glaube ich, holt deutlich besser als vor 200 Jahren. Mal abgesehen von den wenigen Beispielen, die bis heute überdauert haben.

02:23:14: In der Breite gesehen ist es, der Grunddurchschnitt an einen sehr, sehr hochklassigen Wein war, glaube ich, noch nie so gut wie heute.

02:23:24: Ein Wein war noch nie so sauber wie heute. Das kommt dazu. Obwohl noch so spannend ist, das ist ein anderes Thema, das jeder für sich selber entscheidet.

02:23:33: Aber diese Basis fußt aber auf Entwicklungen und wenn wir in die Weinwelt reingehen, bis ins 17. Jahrhundert hinein hatte Liebe Gott den Wein gemacht.

02:23:46: Stimmt. Und erst dann fing es an zur Wissenschaft zu werden bzw. zu experimentieren.

02:23:51: Dann wurden Rotweine gemacht, die Stabil waren usw. Erst Louis Pasteur im 19. Jahrhundert hat den Lieben Gott außen vorgelassen und hat alkoholische Gärung erklärt.

02:24:00: Damit war plötzlich das Verständnis da, was passiert denn da? Was die Grundlagen legt, um später dann Weine zu schaptalisieren.

02:24:07: Also sie anzureichen, als wir später auch während der Reblauskatastrophe einfach nicht genug Guter und Reifer Wein, respektive Reife Trauben da waren, um Wein zu machen.

02:24:18: Und dann hat sich diese Zeitsprünge haben sich immer mehr verkürzt.

02:24:22: Mittlerweile leben wir in einer revolutionären Weinwelt, was in den letzten 20 Jahren passiert ist, das ist wahrscheinlich mehr als in den 2000 Jahren davor.

02:24:31: Und, was man vor 20 Jahren erst unterschieden hat zwischen der alkoholischen Vergärung und einer BSA, früher war das alles eins.

02:24:40: Und man hat also das Zeitfenster dessen, dass man...

02:24:43: Ja, das hat man schon angefangen mit den 60ern. Also schon Emil Peno und so weiter, das Thema manulaktische Gärung.

02:24:49: Aber 60ern fing das schon alles, das ist ein Wachentag.

02:24:54: Also in der Relation zu dem, dass wir seit 8000 Jahren Wein produzieren, ist das schon spannend.

02:25:00: Also wie viele Erkenntnisse in kürzester Zeit letztlich dann dazukommen oder wahrgenommen wurden.

02:25:05: Aber ist das schön, wenn man lebt in einer Welt, ist natürlich ein Informationsaustausch extrem zugenommen.

02:25:11: Diese Informationsaustausch setzt wieder neue Gedanken in Bewegung, neue Ideenbewegung.

02:25:16: Und die Wien zu überlegen, was kann ich für mich machen?

02:25:18: Wenn man sich überlegt, was Rudolf Steiner formuliert hat, als Prinzip vor um die 100 Jahre ist das ja her,

02:25:27: was in den vergangenen 20 Jahren plötzlich zu einem einem Standard im Weinbau wurde.

02:25:33: Hätte man vor 50 Jahren Sackbiodynamie, wird mal in manchen Weinregionen dieser Welt, bei einigen Weingüter dieser Welt, der Standard werden,

02:25:43: man wäre ausgelacht worden.

02:25:45: Total, ja.

02:25:46: Heute ist es einer der Standards. Es gibt ja verschiedene Standards.

02:25:52: Kann sein, dass die Individualität aber komplett verloren geht im Augenblick aufgrund des globalen Austauschs,

02:26:01: aufgrund dessen, dass Winter aus Deutschland ein Praktikum in Australien machen oder ihr Handwerk in Buchgrund lernen.

02:26:09: Und man mittlerweile gar nicht mehr einem buchundischen Wein wirklich herausschmecken kann?

02:26:14: Also ich glaube nicht, dass Individualität verloren geht aufgrund der Erfahrung, die die Winzer in der ganzen Welt machen.

02:26:21: Wenn die junge Winzer heute in die Welt gehen, dann lernen die neue Regionen kennen, neue Terrorbedingungen kennen.

02:26:28: Da spielt Terror wirklich eine Rolle.

02:26:30: Was ist Terror?

02:26:31: Das sind die äußeren Einflüsse auf die Rebe. Und das ist eben nicht nur der viel gerühmte Wasserhaushalt, die Hangneigung, die Exposition,

02:26:41: die natürlichen Bedingungen auf die Rebe, sondern es ist eben auch die Kultur einer Region, die Geschichte einer Region und der Mensch selber,

02:26:49: der dann das Terror wieder interpretiert.

02:26:51: Und wenn Winzer heute andere Eindrücke bekommen, dann lernen sie Dinge, die vielleicht bei ihnen zu Hause ein Problem,

02:26:59: was über Generationen immer wieder weitergetragen wurde, weil es nicht anders zu machen war, plötzlich lösbar wird.

02:27:06: Das heißt nicht, dass deswegen Individualität verloren geht.

02:27:11: Ich glaube, dass wir heute im Standardbasisbereich der Weine haben, die sehr rebsortenorientiert sind, die einen bestimmten Weinstil darstellen.

02:27:24: Das kann ich mit bestimmten Reinsuchthäfen, Kaltgärung, so weiter, kann ich ganz viel machen, was dann für das breite Publikum sehr leicht erkennbar ist.

02:27:33: Hat aber auch ein Vorteil, die Menschen haben ein Bild von Wein im Kopf und schauen sich nicht mehr Wein auszuprobieren.

02:27:39: Das heißt, Menschen steigen heute wahrscheinlich viel früher bei Wein, als sie es vor 50 oder 100 Jahren getan haben.

02:27:48: Das heißt, die Technik erlaubt uns, eine gute saubere Qualität zu machen, die die Menschen nicht abschreiten.

02:27:54: Ich kann aber das Ganze auch intelligent spielen und dann für mich Individualitäten herausarbeiten.

02:28:00: Und da gibt es eben Weine, die heute international berühmt sind, weil sie einen ganz eigenständigen Stil und Charakter haben.

02:28:08: Und da glaube ich nicht, dass das negativ beeinflusst wird von Menschen, die in anderen Ländern gearbeitet haben.

02:28:15: Weil dadurch kommen Erfahrungen rein, die Experimente vielleicht auch erst mal veranlassen, um in einer Region etwas auszuprobieren,

02:28:25: was vielleicht sogar die Wietentdeckung von etwas ist, was vor 200 Jahren schon gemacht wurde, aber dann in der Zeit verloren gegessen aufgegeben wurde.

02:28:33: Wenn man sich überlegt, wir haben mittlerweile eine Bewegung in Europa von Winzern, die historische Rebsorten anpflanzen.

02:28:41: Rebsorten, die Gänzfüße zum Beispiel, wo kein Mensch mehr weiß, was es ist, das wird wieder angebaut.

02:28:51: Da machen die Leute Wein draus, machen gute Weine draus.

02:28:55: Und da sind Rebsorten, die früher aufgegeben wurden, weil sie nicht mehr ausgereift sind, weil sie mit den modernen Anbaumethoden und den klimatischen Bedingungen vielleicht nicht mehr klar kamen.

02:29:07: Und jetzt, wo wir ein Klimawandel haben, wo wir andere Bedingungen haben, plötzlich eine Chance haben, wiederzukommen.

02:29:13: Vielleicht sogar eine Chance sind, sehr gut eingeführte zu werden, um einen ganz neuen Weinstil zu bringen.

02:29:22: Und wenn man die Projekte sieht, Torres zum Beispiel in Penedès, die historische Rebsorten ganz konsequent selektionieren, um eine Antwort zu finden auf den Klimawandel.

02:29:34: Oder die Griechen, die autoktonische Rebsorten haben, die unberücksichtigt waren in der Vergangenheit und jetzt plötzlich Interesse hervorrufen, weil sie eben extrem Trockenresistenz sind und extrem Hitzeresistenz sind.

02:29:46: Da sind Chancen und da ist eben auch der internationale Austausch wichtig, damit die Menschen auf solche Sachen aufmerksam gemacht werden.

02:29:55: Könntest du dir noch ein Leben ohne Wein vorstellen?

02:29:58: Nein, ich weiß nicht. Wein ist jetzt nicht alles im Leben, aber der Wein erfreut das Menschenherz, dieser Satz, der hat schon seine Berechtigung.

02:30:10: Und Wein ist etwas, was im richtigen Moment einfach diesen Moment auch noch schöner werden lassen kann.

02:30:17: Das ist ein festlicher Anlass, ein privater Anlass ist, ob das einfach nur der Augenblick ist, in dem man den Wein genießt.

02:30:24: Das bereichert das Leben, das lebt schon. Also deswegen leben ohne Wein, es wäre sicherlich machbar.

02:30:31: Und vielleicht sind es andere Sachen, die den Vordergrund rücken, aber so vorstellbar momentan eher nicht.

02:30:37: Kann man Wein in ein Wort pressen und ein Wort beschreiben?

02:30:51: Wein in einem Wort. Das hätte ich vor einem Monat wissen müssen, hätte ich mir mal Gedanken dazu machen können.

02:30:59: Dann wäre es von Tag geworden.

02:31:01: Das ist echt schwierig, weil es fallen mir ganz viele Worte ein, die zu Wein passen.

02:31:06: Aber in einem Wort, Glück wäre für mich ein Wort, was ich mit Wein verbinden würde.

02:31:13: Herrlicher.

02:31:14: Aber auch Freude gehört mir dazu.

02:31:18: Ja, aber Glück bedingt ja, also wenn man Glück hat und lebt, dann bringt das ja auch freudige Momente.

02:31:31: Also Glück wäre vielleicht so ein Begriff, den man für Wein nutzen könnte.

02:31:37: Also Glück nicht im Sinne von einfach per Zufall Glück zu haben, sondern wirklich einen glücklichen Moment in Erfüllung zu erleben.

02:31:45: Das sind tolle Wortspiegel.

02:31:47: Könnte schon rein gehen. Das könnte vieles mit einbinden, was so mit Wein zusammenhängt.

02:31:54: Welcher Wein wärst du?

02:31:56: Das müssen andere entscheiden, das kann ich nicht.

02:31:59: Das ist auch schwer.

02:32:01: Nein, weil genauso individuell wie jeder den Wein betrachtet, wäre letztendlich auch wenn andere mich als Wein beschreiben müssten,

02:32:11: der Wein, den die Leute wählen würden, der mein Pondant wäre.

02:32:17: Das wäre spannend zu wissen.

02:32:20: Aber selber ...

02:32:23: Gab es für dich jeweils die Überlegung, einen anderen Beruf auszuüben als Weinexpertessommelier, Weinfachmann?

02:32:35: Am Anfang war ja Wein nicht meine Destination.

02:32:39: Aber darüber hinaus, also jetzt in den letzten 20 Jahren ...

02:32:41: Aber nach dem, dass dieser Weg eingeschlagen war, war es für mich keine Option mehr.

02:32:48: Also, da war klar ein Leben in der Welt von Wein, Genuss, Gastronomie.

02:32:54: Das ist das, was mein Weg ist und hat sich dann halt immer mehr in die Richtung Wein noch entwickelt.

02:33:00: Was ist dein Lieblingsblume?

02:33:03: Meine Lieblingsblume.

02:33:07: Ich finde Blumen, also du sagst oftmals was über jemanden aus.

02:33:13: Man beschäftigt sich ganz selten damit, aber ...

02:33:16: Das ist die Frage, die Lieblingsblume von der Optik her oder vom Aroma her.

02:33:24: Was ist meine Lieblingsblume?

02:33:29: Ich finde Blumen per se faszinierend.

02:33:33: Was mich immer unheimlich fasziniert hat, waren diese riesigen Blumenbukäes in den großen internationalen Hotels.

02:33:42: In allen Restaurants, die in der Mitte noch standen oder in der Mitte ins Restaurant.

02:33:46: Genau, oder so.

02:33:48: Was ich als Blume, ja ...

02:33:53: Was wäre meine Lieblingsblume?

02:34:01: Vom Duft her wahrscheinlich das Falchen.

02:34:06: Ich finde Falchen unheimlich fasziniert als Aroma.

02:34:14: Von der Optik her vielleicht so üppige Orchideen, so weiße Orchideen, könnte ich mir vorstellen.

02:34:21: Aber ganz offen gesagt, ich habe mir dazu noch nie richtig Gedanken gemacht.

02:34:26: Ich finde Blumen, wenn ich zu Hause zum Beispiel Gäste habe, bekommen Blumen mitgebracht.

02:34:34: Das ist immer schön, egal welche Farben, welche Formen, das ist einfach so ...

02:34:41: Blumen sind eigentlich wie Wein.

02:34:44: Weil Wein bringt mir ...

02:34:49: Ist zwar ein blöder Werbespruch von früher, "Sonnenschein im Glas",

02:34:52: aber Wein fängt mir im Prinzip das Licht ein und wenn die dunklen Tage kommen,

02:34:57: ist ein Glas Wein das, was einen dunklen Tag aufhören kann.

02:35:01: Stimmt.

02:35:02: Und bei Blumen ist es genau dasselbe.

02:35:05: Es bringt mir ein Stück dieser überborgenden Natur, sozusagen nach Hause,

02:35:11: auch wenn es nur für einen Moment ist, ist eben dann dieser flüchtige Moment.

02:35:16: Deswegen noch immer so faszinierend die großen Stilleben der alten holländischen Schule,

02:35:22: wo mit einem Blumenbukkeh und ein bisschen Obst zu ziemlich alles rausgesagt werden,

02:35:29: was das Leben ausmacht.

02:35:32: Großartig.

02:35:35: Vielleicht eine abschließende Frage noch.

02:35:37: Hast du Wünsche, Ziele vorhaben?

02:35:43: In jeder Lebenslage das richtige Glas Wein hinterhand zu halten.

02:35:47: Das wäre das, was schön ist.

02:35:49: Weil jeder schöne Moment kann dadurch noch ein bisschen vertieft werden.

02:35:54: Jede glückliche Stunde kann dadurch noch ein bisschen schöner werden.

02:35:59: Ja.

02:36:01: Ich schnell gehe in 2,5 Stunden vorüber.

02:36:10: Es hätte nur ewig dauern können.

02:36:12: Ich hätte gerne noch so viele Fragen gestellt.

02:36:14: Ich hätte gerne noch so viel erfahren.

02:36:16: Ich hätte noch so gerne von seinem Erfahrung statt profitiert.

02:36:20: Ich mag diese Gedanken tief.

02:36:22: Ich mag diese Lebendigkeit.

02:36:23: Ich mag die Einzigartigkeit, die Markus auch strahlt.

02:36:27: Großartig.

02:36:28: Vielen lieben Dank, lieber Markus, dass du unser Gast warst.

02:36:30: Vielen lieben Dank, dass du uns hast an deiner Erfahrung,

02:36:33: an deinem Wissen, an deinem Tiefsten, einfach teilhaben lassen.

02:36:37: Es war ein großes Vergnügen und zwar eine große Ehre.

02:36:39: Vielen lieben Dank dafür.

02:36:41: Und noch ein ganz großes Dankeschön der Schlumberger Gruppe.

02:36:44: Mit den Handelshäusern Schlumberger, Segnetz, Konzio Vini

02:36:47: und dem Privatkundenportal Rehma Weinkollek.

02:36:50: Dank der händischen und wirtschaftlichen Unterstützung ist es möglich,

02:36:53: dieses Projekt durchzuführen.

02:36:55: Und natürlich auch ein großes Dankeschön an euch.

02:36:57: Dass ihr zuhört, dass ihr bei uns seid, dass ihr uns begleitet,

02:37:00: dass ihr einfach der Grund seid, warum wir das ganz gerne machen.

02:37:04: Es macht uns Spaß und ihr zeigt uns das.

02:37:06: Vielen lieben Dank dafür.

02:37:08: Und wie es so schön heißt, nach dem Podcast ist vor dem Podcast.

02:37:12: Und ich freue mich auf die kommende Woche und freue mich auf unseren nächsten Gast.

02:37:15: Ich freue mich auf eins der, kann man das so sagen, das Urgestein der Sommewelt.

02:37:19: Ich freue mich auf den großartigen Alfred Vogt.

02:37:36: Lieber Janic, meine Damen und Herren, mein Name ist Georg Scheidt.

02:37:41: Und ich bin von Hause aus Jurist in Essen in einer größeren Anwahrtssoziätät.

02:37:48: Zusätzlich bin ich CEO eines Family Offices zu dem,

02:37:54: unter anderem die Funke Mediengruppe, so wie Hotels und Restaurants.

02:37:59: In diesem Zusammenhang durfte ich vor vielen, vielen Jahren

02:38:03: bei einem gemeinsamen Freund Markus del Monego kennenlernen.

02:38:09: Seit dieser Zeit unternehmen wir jedes Jahr mindestens eine Weinreise

02:38:18: und haben gemeinsam viele, viele Veranstaltungen von Abendessen

02:38:23: bis zu Galas, die von Markus entweder moderiert oder organisiert wurden.

02:38:31: Und ich habe gemeinsam wahrgenommen, dass Besondere an Markus

02:38:38: nicht nur sein unglaubliches Weinbissen ist,

02:38:43: sondern sich einfach Freude mit Markus unterhalten

02:38:50: und an deinem Bissenteil haben zu dürfen.

02:38:54: Vielen Dank.

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