Die interessantesten Weinkellner unserer Zeit
00:00:00: Herzlich willkommen zu Sommi, die interessantesten Weinkelle unserer Zeit.
00:00:05: Wir saßen auf der Terrasse, die Sonne schien.
00:00:07: Es war wunderschön.
00:00:09: Es war im Januar, muss es irgendwann gewesen sein, aber es war trotzdem wunderbares Wetter.
00:00:13: Es war lau, man konnte im T-Shirt sitzen, man schaute rüber nach Porto.
00:00:18: Und es war einfach so diese komplette Gesamtsituation.
00:00:22: Und dann dieses Glas Vintage-Porten.
00:00:24: Auf einmal fühlt man die Geschichte.
00:00:26: dieses Thema eigentlich, dieser Region.
00:00:29: Und das war für mich so, das war einfach ein richtig, richtig krasses Erlebnis.
00:00:33: Und das war also dieses Gefühl, was ich so hatte, auf einmal Teil der Geschichte zu sein.
00:00:45: Und damit bist du, ich schwöre dir, der absolute Oberhit auf jeder Party.
00:00:50: Jetzt heute dieses Jahr mache ich ein Vintage-Port und dann sagt erst mal das Institut, äh, äh, müssen wir erst mal gucken, ob du überhaupt einen machen darfst dieses Jahr.
00:00:58: Ist ja schon krass eigentlich, ne?
00:01:00: Und wenn man davon was möchte, wird das so totoxidiert sein.
00:01:04: Und nach Liebstöckel und Maggi ist ja bei meinen Anhaltspunkt, ne?
00:01:08: Wenn Rotwein oder auch roter Portwein nach Liebstöckel oder Maggi riecht, vergiss es, das Ding ist Mausetod, das kannst du direkt grob dekantieren.
00:01:17: Ja.
00:01:17: Weißt du, was auch richtig gut ist mit so einem einfachen Rubyport?
00:01:20: Du nimmst den... Blauschimmelkäse und mischt einfach den Rubyport damit rein.
00:01:24: Also einmal so durchmatschen und das Ganze packst du dir dann auf ein Früchtebrot.
00:01:28: Das Früchtebrot tränkst du vorher noch mit ein bisschen Schwarztee.
00:01:32: Dann machst du deine Käse, creme da drauf und dann hobelst du einfach so ein bisschen rohen, grün Stangen-Sellerie drauf.
00:01:39: Das ist der absolute Oberknaller und völlig unkompliziert zu machen.
00:01:43: Und auf jeden Fall im Kühlschrank lagern, weil das behält die Noten, die erroben auch noch mal besser bei sich, als wenn er draußen stehen würde.
00:01:49: Deswegen muss ich heute wenn ich das rieche, dieses Aroma an die Situation denken.
00:01:54: Für uns Deutsch ist es manchmal schwierig, weil für uns ist ja immer das, was nur aus diesem einen Weingarten ist und nur aus dieser kleinen Stelle, das ist das Beste.
00:02:03: Und da ist es genau umgedreht.
00:02:04: Da ist das der große Brand, also das, was aus allen zusammengefügt wird, ist da das Beste.
00:02:11: Es ist eigentlich relativ simpel.
00:02:13: Es gibt zwei Kategorien dabei.
00:02:15: Es gibt einmal die ... Roten Portweine, die reduktiv ausgebauten Portweine, die heißen Ruby Port als Oberkategorie.
00:02:22: Ruby von Rubinfarben.
00:02:23: Und es gibt die braunen Portweine, die Tawny Ports.
00:02:27: Tawny ist einfach der Begriff einer leicht bräunlichen Farbe in englischer Begriff.
00:02:31: Und das sind einfach oxidativ ausgebaute Portweine.
00:02:34: Und innerhalb dieser Variante gibt es einfach verschiedene Qualitätsstufen.
00:02:38: Und ich finde, wenn man sich das einmal grundsätzlich gemerkt hat, ist es eigentlich relativ einfach.
00:02:43: Man kann das machen, aber im Restaurant brauchst du so einen Riesenaufwand, dieses Ding dazu machen.
00:02:49: Ich finde, auch wenn man im Durotal ist, wenn man da so an den Kinders ist und mit dem Zug da durchfährt und man sieht diese wunderschönen Herrenhäuser, das ist krass, oder?
00:03:00: Wenn man das so sieht, das ist so majestätisch.
00:03:02: Das ist der einzige Begriff, der mir dafür einfällt.
00:03:06: anderes Wort finde ich einfach nicht dafür.
00:03:08: Und dann möchte keiner in seinem Glas irgendwelche Rückstände vom Depot haben.
00:03:12: Natürlich nicht, wenn du dafür, weiß ich nicht, sechzig Euro fürs Glas ausgibst oder sowas.
00:03:17: Ich hab ja auch immer nur mit dem Endprodukt zu tun.
00:03:19: Deswegen zum Beispiel Fassproben find ich super schwierig, weil ich einfach nichts damit zu tun hab im normalen Leben.
00:03:25: Ich bin ein bisschen ambivalent.
00:03:27: Also auf der einen Seite finde ich, es ist super wichtig, dass Menschen ja auch erst mal rangeführt werden an so ein Produkt.
00:03:34: Weil wenn die meisten, die ja Portweintrinken, entscheiden sich ja, wissen ja zum Beispiel gar nicht, was es denn überhaupt ist, sondern die wissen nicht, dass es gespritet ist.
00:03:45: Die wissen nicht, dass es so um die neunzehn bis zwanzig Volumenprozent hat.
00:03:48: Die denken ja, es ist rotwein, süßer Rotwein vielleicht.
00:03:51: Und ich finde ... Ich finde, das ist schon wie so ein eigentlich wieder Einsteigerdroge.
00:03:57: Ja, LBW, wir sagen ja immer, LBW, das ist für die, die nicht warten können.
00:04:03: Ich hab das ganz, ganz häufig, ganz häufig, dass ich an so Paradiesäpfel denken muss.
00:04:08: Ein Jahr vorher war dieser große Tsunami in Lissabon in der Hauptstadt und alles ist zerstört worden dort.
00:04:16: Um das hinterher wieder aufbauen zu können, hat man den Zoll von diesem klassifizierten Anbaugebiet, von dem Portwein, genommen, um Lissabon wieder aufzubauen.
00:04:28: Man muss es safe dekantieren.
00:04:32: was man machen kann.
00:04:33: Also theoretisch, wenn man da ist, die edle Variante ist, man nimmt einen Decanter, man nimmt einen Portweintrichter, da ist meistens so ein kleines, dünnes, also sehr feines Sieb mit drin, da schüttet man eben halt den Portwein durch.
00:04:46: Das wäre die ganz edle Variante.
00:04:48: Ich bin da völlig pragmatisch.
00:04:51: Wenn man sich dann doch viel mehr damit auseinandersetzt, denkt man so, also so was brauchst du wirklich nicht bei dir im Kühlschrank haben?
00:04:58: oder das möchte ich auch einfach nicht verkaufen, weil das ist einfach nicht... die Qualität, die ich mir einfach vorstelle.
00:05:05: Aber das ist dann auch eine persönliche Meinung.
00:05:07: Ich sag mal, das ist so, das Schöne ist ja bei dieser ganzen Portweingeschichte, das ist ja ein Generationsvertrag, der schon seit vielen Jahrhunderten läuft.
00:05:15: Wenn ich mir vorstelle, okay, ein Rubyport mache ich jetzt, in einfachen Ruby mache ich jetzt natürlich für mich Brut und Butterwein, aber so ein Vintageport, das mache ich ja nicht für mich.
00:05:24: Das produziere ich am Ende des Tages für meine Kinder, für meine Enkelkinder und so weiter.
00:05:30: Und das ist ein Generationsvertrag, der schon viele Jahrhunderte leuchtet, find's völlig abgefahren.
00:05:34: Und die große Frage, die sich immer stellt, ist dieser Port, ist der gefiltert oder ist er nicht gefiltert?
00:05:41: Entweder kann man ihn direkt verkosten.
00:05:44: Ansonsten sollte man ihn zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig Jahre liegen lassen, wenn man so viel Zeit hat, um ihn dann einfach zu verkosten.
00:05:54: Das Schlimmste, ich find das ja eine Katastrophe, wenn man irgendwo ist und das in irgendeinem Restaurant, Und dann steht da ein Portwein auf der Kaffeemaschine.
00:06:05: Ich hör das bei meinen Gästen manchmal.
00:06:07: Die kaufen sich dann Portwein und fragen dann immer, kann ich den liegen lassen oder nicht.
00:06:11: Und wenn man sich vorstellt, man hat hier dieses Pippi-Pilz-Korken da, da kann man sich natürlich vorstellen, dass der keine zehn Jahre hält, wenn man den hinlegt.
00:06:19: Der ist schon lange aufgefressen.
00:06:21: Ich nenne ihn immer den König, der roten Portweine.
00:06:24: Es sind ja auch diese terrassierten Anlagen, die man da hat.
00:06:29: Das
00:06:29: ist ja auch noch mal was anderes, als wenn wir die haben ja nicht dieses Vertikale, wie wir das haben, hauptsächlich in Deutschland, sondern es ist ja wirklich alles terrassiert.
00:06:36: Und es ist ja auch nicht mit Mörteln zusammengehalten, sondern da mussten die ja damals, mussten die sich die Steine angucken und dementsprechend diese Terrassen zusammenbasteln, sag ich mal.
00:06:47: Und es ist jetzt ja auch nicht gerade, es ist jetzt ja auch nicht gerade flach die Region.
00:06:52: Also das ist schon super anstrengend, bis du das dann auch gemanagt hast.
00:06:56: Johannes drüben in Keitum, der mischt das Portweindepot mit seinem Salz und macht ein Portweinsalz daraus zum Beispiel.
00:07:03: Ich finde, Portwein kann man auch in fünf Minuten erzählen.
00:07:05: Und dann hat man immer so ein ganz schönes Basic-Wissen, womit man, wenn man in einem Restaurant sitzt, als Nichtsum, als Nichtkenner, aber man hat trotzdem so ein bisschen was an der Hand, womit man sich entscheiden kann.
00:07:19: Ja, und ich finde so ein schöner Elby, wie ich finde, das ist einfach ein Superpreisleistungsverhältnis, finde ich.
00:07:24: Das ist eben halt, ist etwas komplexer als ein Rubyport.
00:07:28: Es ist etwas, ja, hat ein bisschen mehr Charakter auch mit dabei, finde ich einfach durch den Jahrgang, den man dann hat.
00:07:34: Und vom Preis her ist es aber nicht so unglaublich teuer wie ein Vintageport, sondern es ist eben halt absolut etwas, was man auch für den täglichen Gebrauch benutzen kann.
00:07:48: Es sind ja auch ... diese terrassierten Anlagen, die man da hat.
00:07:53: Das
00:07:53: ist ja auch noch mal was anderes, als wenn wir die haben ja nicht dieses Vertikale, wie wir das haben hauptsächlich in Deutschland, sondern es ist ja wirklich alles terrassiert.
00:08:00: Und es ist ja auch nicht mit Mörtel zusammengehalten, sondern da mussten die ja damals, mussten sie sich die Steine angucken und dementsprechend diese Terrassen zusammen basteln, sag ich mal.
00:08:11: Und es ist jetzt ja auch nicht gerade Es ist jetzt ja auch nicht gerade flach die Region.
00:08:16: Also das ist schon super anstrengend, bis du das dann auch gemanagt hast.
00:08:19: Immer wenn man rote Portweine hat, die nicht filtriert sind, also Vintageport oder manchmal LBW oder Crusted, und die sind ein bisschen älter.
00:08:27: muss man sie unbedingt dekantieren, weil da ist so viel Depot drin, das glaubt man nicht, weil die ganze Farbe fällt im Laufe der Jahre aus und der Wein wird immer heller und das sammelt sich dann einfach an dem Flaschen, am Flaschen-Dingsbums-Glas von innen.
00:08:42: Und das ist auch ein nicht, also es ist eigentlich ein nicht filtrierter Ruby, könnte man ja eigentlich sagen.
00:08:48: Und da hab ich zum ersten Mal, ich hab vorher wahrscheinlich auch schon Port getrunken mit Sicherheit, sonst wär ich ja nicht in die Region gefahren, aber da hab ich so bewusst das erste Mal, ein Vintage-Port getrunken.
00:08:59: Und da sind alle Portweinhäuser eigentlich versammelt, eigentlich fast alle, die britischen oder schottischen Ursprungs sind.
00:09:07: Und die haben ja.
00:09:08: in Portugal, sagt man, oder im Duruteil, sagt man ja, ein Portwein muss so süß sein wie Brasilien.
00:09:15: Das kommt daher, weil man der Zucker gehört ja damals auch zu Portugal.
00:09:19: Und weil man da Zuckerrohr angebaut hat.
00:09:21: Deswegen sagt man, ein Portwein muss so süß sein wie Brasilien.
00:09:24: Das finde ich auch ganz lustig.
00:09:26: Und das komplette Gespräch findet ihr ab morgen bei Sommi, die interessantesten Weinkeller unserer Zeit, auf dieser Plattform oder überall, wo es Podcast gibt.
00:09:34: Das Institut tut ja auch das, was ein Institut tut.
00:09:37: Diese Ausgabe Sommi, die interessantesten Weinkeller unserer Zeit und hier mit der Kategorie Deep Dive, wird präsentiert und begleitet vom Port Weinhaus Ramon Spinto, deren Wein wir verkosten und einen kleinen Auswahl präsentieren dürfen und von unserem Partner, der Schlumbergergruppe.
00:09:55: Vielen lieben Dank.
00:09:57: Ich weiß nicht, meine Mutter hat mir das als Kind manchmal eingeflöst.